Artikel zum Wechselmodell

Auf welt.de erschien just ein Artikel zum Wechselmodell, den ich recht gut finde.

Der Passus mit der Trennungskritik enthält für meinen Geschmack etwas viel erhobenen Zeigefinger und impliziert, man oder frau solle sich mal nicht so anstellen, wenn die Liebe nachlässt. Dazu noch immer diese viel beschworene wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frauen als Grund allen Übels… aber nun ja. Es ist eben ein konservatives Blatt.

Das Wechselmodell wird immerhin so beschrieben, dass ich mich da wiederfinden kann, was bei vielen Beiträgen zum Thema eher schwer fällt. Ich denke nämlich zum Beispiel nicht, wie es oft suggeriert wird, dass die Eltern für ein gelingendes Wechselmodell komplett konfliktfrei miteinander sein müssen – wie im Artikel beschrieben kann man viel mit Mail-Kommunikation schaffen.

Also: Lese-Empfehlung, vor allem, wenn man mit dem Begriff noch nicht so viel anfangen kann.

 

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Ostern

Die kindfreien Zeiten nehmen deutlich überhand; die Reiserei des Papas (12 Wochen alleine in den letzten sechs Monaten, die nächsten wochenlangen Trips sind bereits angekündigt) stellt mich zunehmend vor Probleme. Entweder er nimmt sie mit, dann vermisse ich sie schrecklich; oder er nimmt sie nicht mit, was mich vor große Organisationsprobleme stellt. Mein Erwerbsleben ist darauf ausgerichtet, dass ich die Kleine an zwei Tagen nicht von der Kita abholen muss. Muss ich das dennoch tun, muss ich Minusstunden machen und mittelfristig den Zorn der Kollegen auf mich ziehen. Das ist, gelinde gesagt, ärgerlich, da der einzige Grund dafür Surfreisen meines Exfreundes sind und er mir bisher keine Lösungen anbietet. Ich bin mir noch nicht sicher, was ich da machen kann oder soll. Faktisch ist das kein Wechselmodell mehr… Vielleicht mache ich doch mal einen Termin bei der Erziehungsberatung.

Aber nun ja, zunächst kindfreies Ostern. D. ließ sich von der Wettervorsage nicht schrecken und fuhr zum Wandern in die sächsische Schweiz, ich blieb auf dem Hamburger Sofa und fühlte abwechselnd tiefes Mitleid, Staunen und blanke Freude über die Tatsache, dass ich nicht dabei war. Ab uns an wuchtete ich mich hoch und kochte tolle Sachen (Rinderkraftbühe, Cole Slaw etc.)

Samstag fuhr ich für eine Nacht nach Berlin, um dort sozial (Freunde und Familie!), aber nicht zu sozial (Hotelübernachtung) doch ein wenig Feiertagsstimmung zu genießen. Meine Samstag-Nachmittag-Verabredung klappt nicht, und statt nach Ersatz zu suchen, vergnügte ich mich im Deutschen Historischen Museum, das ich noch nicht kannte. Was für ein Gebäude! Traumhaft. Die Ausstellung war übrigens auch gut, aber alleine für das Gebäude lohnte sich der Besuch.

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Flyer zur Ausstellung „Deutscher Kolonialismus“

Abends traf ich mich mit der Ex-Büromitbewohnerin. Schön wars!

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Schöneberger Kneipe. Die Ex-Kollegin musste kurz weg.

Die Nacht im Hotel war sehr erholsam. Ich lümmelte lange im Bett herum und sah zwei Folgen „Tote Mädchen lügen nicht“, bevor es zur Morgentoilette ging.

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Ausblick Hotelzimmer

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Selbstpoträt mit Zahnbürste, so Gerhard-Richter-mäßig angeschnitten (finde ich)

Das Hotel – Motel on* am Hauptbahnhof – war völlig in Ordnung, super gut angebunden für meine Pläne und hatte ein nettes Preisleistungsverhältnis. Am tollsten war die Dusche, die ich mehrere Male nutzte. Ich mag vollgedampfte winzige Badezimmer sehr!

Aber ich mag auch Osterfrühstücke und neue Wohnungen ansehen, daher kombinierte ich beides, indem ich die Cousine und ihren Freund besuchte. Bei ihr lungerten auch meine Tante und mein Cousin herum, was natürlich herrlich war. Auch die Wohnung war so herrlich, dass ich mir ein bisschen wie die verarmte Cousine vorkam, die aus ihrem Cottage in der Provinz, wo sie stets um Redlichkeit und bescheidenen Wohlstand bemüht knapp an der Armutsgrenze lebt und ihr uneheliches Kind gerade so durchbringt, zu Besuch ist. Definitiv zu viel Jane Austen gelesen, aber jetzt weiß ich, was die gute Jane meinte!

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Auf dem Weg zum Osterfrühstück

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Nach-Gang Osterfrühstück

Das war schön gewesen. Ich setzte mich in die Bahn nach Hause und schluffele so durch Rest-Ostern… heute geht es noch in die Boulderhalle, ich koche noch ordentlich mit Roten Beten, Weißkohl und Spinat und dann kommt der durchgefrorene D. wieder. Und dann ist Ostern schon wieder vorbei.

 

Bittersüß

Nachdem ich von meinem dreiwöchigen Thailand-Urlaub wieder zurück war, wohnte die Krabbe eine Woche bei uns, dann ging es für sie mit dem Papa und seiner Familie nach Portugal. Dort wird sie 2,5 Wochen weilen, bis sie wieder zurückkehrt. Sie findet das alles offensichtlich ganz prima, aber für mich ist es gerade zu wenig Krabbe in meinem Leben. Das Kind geht immerhin souverän mit meiner Sehnsucht um, die ich natürlich nur dezent zeige (es ist aber tatsächlich nicht einfach, den Grad zu finden zwischen authentisch Gefühle zeigen und das Kind nicht unter Druck setzen, aber das nur am Rande). Sie hat wundervolle Laune und fühlt sich offensichtlich pudelwohl mit dem ganzen Hin und Her. Ich manchmal weniger, aber das ist nun mal der Preis des Wechselmodells mit ebendiesem Papa. Die Krabbe selber wird immer rührender mit ihren inzwischen 4 Jahren, was es für mich noch herzzereißender macht. Zwei sehr bezeichnende Beispiele :

Am letzen Abend vor der Abreise holte ich sie gemeinsam mit dem Papa von einer Freundin ab, die in der Nähe des Papas wohnt. Wir kamen ungünstig, just als dampfende Pfannkuchen auf den Tellern der Kinder landeten, die Freundin schrie: „Neeeeiiiin, noch nicht!“ Die Krabbe fragte mich: „Mama, noch drei Minuten?“ Ich, etwas überfordert auf Grund der unerwarteten Situation: „Ja, sicher.“ Ich wollte nach Hause,  der Weg ist recht umständlich, eigentlich mit der Krabbe noch Döner essen und keinesfalls noch bei anderen in der Küche herumsitzen. Aber die Krabbe wollte ich da jetzt auch nicht herausreißen. Die erklärte gerade ihrer Freundin tröstend: „Siehst du, ich darf noch drei Minuten bleiben. Dann sehen wir uns ja noch beim Essen!“ Ich klärte kurz mit dem Papa, ob sie bei ihm schlafen könne, das erschien mir die einzig sinnvolle Lösung, und fragte dann die Krabbe, ob sie das wolle, weil sie dann noch länger bei ihrer Freundin bleiben könne. Große Begeisterung. Ich: „Dann sehen wir uns aber nicht mehr, du fliegst ja morgen nach Portugal. Dann müssen wir jetzt schon Tschüß sagen.“ Krabbe: „Das macht nichts. Dann denke ich ganz viel an dich.“ Awwwww! Nur ganz leise schluchzend verließ ich die Wohnung und dackelte kindlos nach Hause.

Wir telefonieren viel mit Video, das klappt ausgezeichnet. Sie erklärt mir jedesmal, wie toll es im Urlaub ist, was mich schon für sie freut, aber manchmal bin ich dafür nicht stark genug, und dann geht es mir hinterher schlecht deswegen. Ist halt so. Aber gestern, da fragte ich: „Zu Hause ist ja auch ein bisschen schön, oder?“ – „Ja“, resümierte die Krabbe, „und bei dir ist es am Schönsten. Weil du so schön bist wie eine Prinzessin!“ ❤

Ich bekomme zurück, kein Zweifel.

Und jetzt möchte ich bitte mein Kind zurück. Ich habe Schmacht. Noch 6 Tage…

Familienplanung, anders als gedacht

Meine Tochter bekommt Mitte Dezember ein Geschwisterchen. Aber nicht von mir. Die Freundin des Papas ist schwanger. Das macht mir mehr aus, als ich gedacht hätte.

Ganz abgesehen davon, dass ich ja selber fleißig und vergeblich übe, befürchte ich eine Verschiebung des fragilen Wechselmodells zu meinen Ungunsten. Wie auch immer das aussehen könnte – ich mag halt keine Veränderungen, vor allem keine, die ich nicht initiiert habe. Mitgeteilt wurden mir die anderen Umstände übrigens von der Krabbe – mich zu informieren hielt niemand Erwachsenes für nötig.

Davon abgesehen bin ich emotional ambivalent. Einerseits denke ich: „Hoffentlich versaut er es nicht wieder so. Das wünscht man echt keiner, so einen Scheiß, wie ich ihn durchmachen musste.“ Gleichzeitig denke ich: „Er wird es eh wieder versauen. Er kann es halt nicht besser. Denn sonst hätte er es ja schon bei mir hinkriegen können.“ Bei dem Gedanken fühle ich mich wie ein schlechter Mensch und denke wieder Gedanken 1, wegen Karma und so.

Ich einige mich gerade mit mir selbst auf folgende offizielle Position: „Er hat bestimmt ein bisschen dazu gelernt. Und seine Freundin passt vielleicht besser zu ihm als ich mit meinen fortschrittlichen Ansichten. Aber ich bin wirklich gespannt, wie die das hinkriegen. Toitoitoi.“

Die Krabbe freut sich natürlich wie bekloppt. Ihr gegenüber habe ich keine Ambivalenz, zumindest versuche ich sie nicht zu zeigen.

Was für ein Fickscheiß. Man gebe mir Alkohol.

 

 

Die Übergabe meines Kindes an die Freundin meines Ex

Die Krabbe wurde übergeben, von mir an die Freundin des Papa. Denn die beiden reisen gemeinsam dem Papa hinterher, der momentan in Frankreich surft.

Wir trafen uns in einer kleinen Pizzeria. Die Krabbe war gut drauf, freute sich des Lebens und war sehr unkompliziert, die Freundin des Papas war freundlich und ich auch. Wir aßen ein Stündchen, dann brachten wir gemeinsam die Krabbe zur Wohnung des Papas, sie verabschiedete sich kurz und schmerzlos von mir und weg waren sie.

Das ist auf jeden Fall netter, als wenn ich mich mit dem Papa selber treffen würde. Ich bin wirklich ganz froh, dass es mit seiner Freundin so gut klappt, wenn es nötig ist. Auch wenn es mich sehr ärgert, dass der Papa selber anscheinend immer noch nicht über die Trennung vor fast drei Jahren hinweg ist und anscheinend auch nicht viel Lust hat, sich in dieser Hinsicht zusammenzureißen.

Ich immerhin wachse notgedrungen über mich hinaus – ich, die ich niemals auch nur mit meinen Exen rede, geschweige denn meine Nachfolgerinnen auch nur zur Kenntnis nehme.

Patchwork mit Luft nach oben.

Was für ein Leben, meine Lieben!

Ich bin aktuell sehr vorfreudig. Die Krabbe wird bis zum Wochenende 3,5 Wochen bei mir gewesen sein, dann fliegt sie mit des Papas Freundin zu ihm nach Frankreich, wo er seit geraumer Zeit Surfunterricht gibt. Zwei Wochen wird sie dort verbringen.

Ziemlich parallel fliegt D. drei Wochen lang nach Mittelamerika. Er wollte gerne eine Fernreise machen, ich nicht – also fliegt er alleine. Finde ich gut. So bekommen alle, auf was sie Lust haben.

Ich werde außerdem 10 Tage Urlaub haben, von denen ich 5 mit der Lieblingscousine in Lissabon verbringen werde.

Zusammengefasst bedeutet das: ich werde ganz alleine sein, wild und frei! Niemand wird zu Hause etwas von mir wollen, NIE-MAND!!! Das hatte ich das letzte Mal in der Schwangerschaft, als ich alleine in Berlin gelebt habe. Also vor 4 Jahren! Huch. Da wird es ja mal wieder Zeit.

Das bedeutet außerdem: Serien schauen, in der Sonne herumliegen, schwimmen gehen, Sport treiben, lange schlafen, lesen, jeden Tag nur das Benötigte für den Tag einkaufen gehen, Verabredungen haben und – schweigen. Ganz viel schweigen. Und dann nach Lissabon. Da ungefähr dasselbe, nur ohne Serien und ohne schweigen. Dafür mit unheimlich viel schlemmen, Wein trinken, tolle Sachen angucken und die Lieblingscousine genießen.

Mal sehen, ob mir in dieser ganzen Zeit irgendwann langweilig wird. (Ich glaube nicht.)

50/50 – aber erst nach der Trennung

Es ist mein persönliches Schicksal, und ich lese es immer öfter in anderen Blogs, Artikeln und bekomme es erzählt: Paritätische Arbeit am Kind funktioniert erst nach einer Trennung, vor allem wenn der Mangel an Parität ein Trennungsgrund war. Wie kommt es dazu? Ich habe ein wenig darüber nachgedacht und ein Muster festgestellt.

Die meisten Paare besprechen vor dem ersten Kind durchaus reflektiert die zukünftige Arbeitsaufteilung und haben dann gefühlt ein gemeinsames Bild von dem, wie es laufen soll. Oft- besonders, wenn schon etwas unterwegs ist – ist bereits das ein ernüchternder Prozess, bei dem für die Frau unerwartet viele Elternzeitmonate vom Mann zugesprochen bekommt, während sein Anteil sich aus den verschiedensten Gründen, die natürlich den äußeren Umständen geschuldet sind, stark reduziert. Was ich da nicht alles schon gehört habe!

  • Er studiert, da gibts ja eh kein Elterngeld.
  • Sie studiert, da braucht es halt sein Einkommen.
  • Er hat einen befristeten Vertrag, da geht es nicht.
  • Sie hat einen befristeten Vertrag, da ist es eh egal.
  • Dann bekommt man das zweite Auto nicht mehr finanziert, und überhaupt: der Job!
  • Elternzeit ja, aber dann nur mit exzessiven Reisen. – Wie, keine Reise? Nee, dann auch nicht Elternzeit.
  • Elternzeit gerne, auch gerne drei Monate (aber nur mit Huldigung und roten Rosenblättern), aber dann auch die Eingewöhnung und parallel mit der Dame des Hauses.
  • Und so weiter und so fort.

Na gut. Man einigt sich irgendwie, aber manchmal bleibt da bereits ein schales Gefühl zurück. Das Baby kommt dann also, und interessanterweise neigen die Herren dazu, sich nicht so arg zu beteiligen, wie die Dame das nach dem Gespräch erwartet hatte. Unterschiedliche Wahrnehmung ist oft das Hauptproblem, und die mangelhaft erkannte Verhandlungsmasse. Viele Sachen würden einem ja in der Vorab-Verhandlung gar nicht einfallen, man ist ja gänzlich unbeleckt vor dem ersten Kind! (Achtung, im Folgenden bejammere und bewüte ich meine persönlichen Erlebnisse. Gewiefte Gesellschaftskritik kommt erst wieder im nächsten Absatz. Bei Bedarf gerne diesen hier überspringen!) So hatte ich persönlich die Dynamik unterschätzt, dass ich nach der Arbeit nach Hause komme, das 8 Monate alte Kind in die Hand gedrückt bekomme und der Herr zum Sport verschwindet. Oder, als ich Elternzeit hatte, er nach seiner Arbeit direkt zum Sport geht, zu Hause ward er nicht gesehen. Klettern war er, dauert drei Stunden, ungelogen drei Mal pro Woche. Von 9 bis 21 Uhr war ich alleine mit dem Kind. Wollte ich Familienzeit mit uns allen zusammen, musste ich die von meinen freien Abenden abknapsen, wenn er verpflichtend zu Hause war. ALLEINE mit dem Kind spazieren gehen, damit ich mal ausruhen könne? Das ist doch voll langweilig, das macht er nicht. Oder die Tatsache, dass er sowieso mal gar nix machte, wenn ich dabei war. Wickeln, füttern, haste nicht gesehen – und bei Hinweisen widerum darauf hinwies, dass er das schon bald machen würde, er einfach mega entspannt drauf sei und dass es quasi mein neurotischer Kontrollwahn wäre, wenn ich nach einer halben Stunde Kackegeruch selber die Windeln wechselte, statt seinen voll relaxten Rhythmus zu akzeptieren, weil er halt noch auf facebook Surf-Fotos hochladen muss. Vom letzten Surf-Wochenende bei 3 Grad Celsius in Dänemark, das er für seinen Ausgleich brauchte, und wenn ich nicht alleine mit dem Baby zu Hause sein will, soll ich doch mitkommen. Ist voll schön mit Säugling in Dänemark im Winter am Strand. Er muss dann halt viel surfen und kann keine Zeit mit Frau und Kind verbringen, aber hallo! Dänemark! Andere Frauen würden sich freuen!

Ich erspare den geneigten Lesern den Rest, es ist ja inzwischen schon fast öde, man kann es sich auch denken. Ich bin kein Einzelfall. Jedenfalls wage ich die Behauptung, dass die Männer in diesem Muster der schweren Überzeugung sind, dass sie wirklich 50% machen. Also fast. Aber jedenfalls viel mehr als alle anderen Männer.

Ich bin immer noch wütend, wie man vielleicht ganz vage merkt, und es macht mich genauso wütend, wenn ich das in meinem Umfeld mitbekomme. Am dollsten wütend werde ich, wenn dann – so auch bei mir – die Trennung folgt, die Herren wahnsinnig überrascht zusammenbrechen, unter Tränen das Blaue vom Himmel herunter versprechen und schwören, dass alles voll gut wird. Merkt ihr, ne – dieses Gespräch haben die meisten Paare schon vor der Geburt gehabt und ziemlich sicher auch vor der Trennung einige Male. Die Damen haben es mindestens einmal geglaubt und sind böse auf die Nase gefallen.

Nächster Schritt: Trennung durchgehalten, was ja auch nicht einfach ist bei einem Herrn, den man liebt(e), der auf einmal merkt, wie wundervoll die Dame ist und was er alles falsch gemacht hat. Geschenkt. Wenn sich alle etwas beruhigt haben, geht es mal wieder um Arbeitsteilung. Es wird ernst, denn die bisher eher verbalen Zugeständnisse müssen auf einmal individuell umgesetzt werden. Vielfach wird der bis dahin theoretisch schon durchgeführte Plan einfach beibehalten. Bisher haben die Herren das in ihrer eigenen Wahrnehmung ja auch super hinbekommen. Jede hat also jeweils ihre freien Abende in der eigenen Wohnung, der Herr denkt sich: Wochenende, ja, da hat man ja auch klassisch das Kind, da wechselt man sich ab, und plötzlich sitzt man als Dame recht oft alleine zu Hause und KEINER WILL WAS VON DIR. Man hat echte Auszeiten, richtig Freizeit. Der Herr hat das Kind, und er macht alles selbst, weil die Dame nicht da ist. Sogar den Haushalt und kochen. Der Herr reduziert seine Arbeitszeit, weil es tatsächlich nicht anders geht, wenn er sein Kind mal sehen möchte und er merkt, was für ein Orga-Scheiß delegieren sein kann.

Erstmal ist das in der eigenen Erfahrung bizarr und dann ganz erholsam, und dann kommt die Frage aller Fragen: Wieso nicht gleich so? Warum verhalten sich die Herren erst wie blöde Säcke, trennen sich lieber, als sich zu ändern, und ändern sich nach der Trennung genau so, wie es die Beziehung gerettet hätte? Ich meine, ich bin auch nicht komplett dämlich, ich weiß, wie der Hase läuft: kaum kommt man wieder zusammen, ist die Änderung nichtig und alles wie vorher.

Ich verstehe die Mechanismen hinter diesen Prozessen nicht. Es tröstet mich, dass ich nicht alleine bin, aber das ist eine recht neue Erkenntnis, die ich aus diesem Blog-Artikel von mutterseelsonnig und den darauf folgenden gelernt habe. Ich dachte immer, es läge an meinem Ex-Herren persönlich, der eine „interessante“ Persönlichkeitsstruktur hat. Nein, ich weiß jetzt: er ist ein ganz gewöhnlicher blöder Sack gewesen. Woran liegt das? Haben die einfach den Schuß nicht gehört, oder glauben sie, man ist so dermaßen abhängig von ihnen mit Kind, dass man sich eh nicht trennen wird?

Ich beobachte das mal weiter. Anschauungsmaterial wird es auch weiter genug geben, fürchte ich.