Tagebuch April 2017

Frau Brüllen fragt mal wieder: Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Wie hunderte andere antworte ich gerne.

Heute ist ein sehr voller Tag mit allem, was gerade anliegt außer Erwerbsarbeit, denn Mittwochs habe ich frei. Die Kurzankündigung: Haushalt, Aktien, Sport, Kind, Vater, Besuchskind, Parteiarbeit. Nun denn, lasset die Spiele beginnen.

07:00 Ich werde von den Kindern geweckt, die im Kinderzimmer über uns spielen. Der einzige kleine Nachteil, seit wir unser Schlafzimmer verlegt haben: es liegt nun unter dem Kinderzimmer der Nachbarn, und deren Kinder sind Lerchen. Aber gut, so behalte ich auch an meinen kind- und arbeitsfreien Tagen den Kindrhythmus bei, das hat bestimmt enorm viele Vorteile, die mir nur gerade nicht einfallen. Ich mache Kaffee, D. steht auch auf.

08:20 D. verlässt das Haus. Ich beginne damit, die neu erworbenen und gestern angekommenen Plastikdosen – zur Bevorratung der Essensreste gedacht – in die Spülmaschine zu räumen, Zutaten für einen Eintopf zu schnippeln und whatsapp-Gespräche zu führen. Themen der Konversationen:

  • Termin des Chefs heute morgen, von dem ich nicht sicher bin, ob alle Beteiligten alle Informationen haben. Haben sie.
  • Parteiarbeit heute Abend: ich muss meinen Antrag im nächsthöheren Gremium vorstellen, komme aber erst später zur Versammlung. Das muss geregelt werden.
  • Besuchskind: wann hole ich es wie aus der Kita ab?

Läuft alles.

09:00 Frühstück: Haferflocken, Apfel, Milch, Zimt, Zucker, alles auf dem Herd eingeköchelt. Für das Joggen, das ich erst seit sehr kurzem wieder angefangen habe, brauche ich seeeehr viel Energie. Ich mag ja joggen nicht, eep from the bottom of my heart, aber für so volle Tage ist es einfach sehr praktisch.

Kurz Aktien checken: ich habe mir den Spaß erlaubt und von meinem restlichen Weihnachtsgeld Aktien gekauft, von zwei Firmen jeweils zwei und drei Exemplare. Ich bin also stolze Besitzerin von 5 Aktien. Nun beobachte ich die Aktienkurse, was ein gemischtes Vergnügen ist: Eine der Firmen geht rasant durch die Decke, die andere dümpelt so vor sich hin. Seit dem Kauf vor zwei Wochen habe ich aber insgesamt 14% Rendite erzielt, was natürlich Spaß macht.

09:30  Langsame seelische Vorbereitung auf das Joggen. Ich wechsele vom Schlafanzug in die Joggingklamotten und starte in den grauen Hamburger Morgen, nicht ohne innerlich ein wenig zu jammern. Zum Glück haben wir hier wenigstens einen Deich, das ist gut für Sport, und auch die vorab zu durchquerende Grünanlage schadet der Jogging-Motivation nicht. Insgesamt klappt das alles überraschend gut heute, ich trabe 30 Minuten sehr gemächlich, aber das erste Mal ohne Gehpause, durch die Landschaft. Zwischendurch kommt sogar die Sonne raus, die letzten 50 Meter sprinte ich, mehr will ich gar nicht vom Joggen. Ich bin ja eher so eine unehrgeizige Sportlerin.

Wieder zu Hause nutze ich die Nachschwitzzeit zum Befüllen einer weiteren Spülmaschine, weiteres Whatsapp-Geschreibsel und gehe dann duschen.

11:00 Ich verlasse wieder die Wohnung, im Gepäck Leergut, Altpapier und Bücherei-Rückgebsel. Einen kleinen Fußmarsch entlang werde ich alles an den dafür vorgesehenen Orten los – allerdings auch ein kleines Vermögen im Gebührenautomat der Bücherei. Da geht sie hin, die Aktienrendite! Aber nun ja, selbstverschuldetes Leid, ich hatte allen Erinnerungen der Bücherei zum Trotz die Abgabe der Bücher versemmelt. Kurzer Abstecher in die Drogerie, wo ich mir Blumenerde, Samen, Kaffee und einen Honig-Mandel-Riegel in den Rucksack werfe. Dann geht es wieder nach Hause, um das Mittagessen vorzubereiten: Steak mit Salat.

14.00 Ich breche auf zur Kita der Krabbe, wo ich mich mit meinem Vater treffe. Wir holen die Kleene ab und fahren zur nächsten Kita, um ein Besuchskind abzuholen und Eis zu essen. Das ist zuviel für die Krabbe, sie beginnt zu schreien und hört etwa eine Stunde nicht auf. Ich breche irgendwann zusammen, das Besuchskind fängt an zu weinen, mein Vater rollt die Augen, die Eisdiele leert sich. Wir verlassen den Raum, an der frischen Luft wird es etwas besser, aber dennoch beschließen wir, dass der Papa des Besuchskindes sie abholt. Aller Nerven liegen zu blank, als dass ich da noch Chance auf eine Rettung des Nachmittags sähe.

16:00 Wir kommen zu Hause an. Der Krabbes Stimmung tendiert zu besser, sie bekommt Milchschaum, mein Vater und ich trinken noch einen Kaffee. Dann bricht er auf zu Schwester 1, die Krabbe und ich lesen und basteln noch etwas.

18.00 D. kommt nach Hause und bringt Fladenbrot mit. Der Eintopf kommt zum Zuge, und nach einem entspannten Essen breche ich auf zur Gremiensitzung.

Dort gibt es eine kleine Überraschung. Was ich nicht wusste und was im vorherigen Gremium komplett anders war: ich stelle meinen Antrag vor 90 Leuten vor. Mit Mikrofon und Rednerinnenpult. Mein Puls geht auf 180, da meine Vorbereitung eher -äh – rudimentär ist. Eventuell hätte ich mich außerdem schminken können, und was Nettes anziehen… Meine Rede immerhin funktioniert, ich nutze wenig Füllwörter, stottere nicht und gucke seriös. Aber als das Adrenalin zurückgeht, werde ich fast ohnmächtig. Ich bin völlig erledigt von dem Nachmittagsintermezzo und der abendlichen Spannung und verabschiede mich hiermit vom Tagebuch.

Einen schönen Abend allerseits!

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Basisarbeit, dreckige Partei-Basisarbeit

Na ja, so mitteldreckig. Aber mit all den Problemen und Ärgernissen, die die Arbeit in demokratischen Organisationen eben so mit sich bringt. Ich versteh schon, warum die meisten Menschen darauf keine Lust haben. Aber immerhin: gestern war ich mal wieder auf einer Mitgliederversammlung, und was soll ich sagen, es war rappelvoll. Die viel, so langsam etwas zu viel, beschworenen Neumitglieder kamen in Massen. Zumindest für Gliederungsverhältnisse waren es Massen: knapp 40 Menschen saßen ab 20 Uhr im sehr nüchternen Kreishaus herum und wollten ihren Bundestagsabgeordneten zum Wahlkampf erzählen hören sowie Anträge zur Weiterleitung an den nächsten Bundesparteitag beschließen.

Ich habe auch einen Antrag geschrieben, meinen ersten, für die Frauenorganisation der Partei auf Kreisebene, und als einziger Antrag wurde er mit 100 Prozent Zustimmung verabschiedet. Da war ich schon etwas stolz. Allerdings war mir klar, dass der ein Selbstläufer werden würde, denn ich forderte die Ausweitung der festen Frauenquote in Vorständen und Aufsichtsräten auf die Unternehmen, die sich bisher nur Flexiquoten auferlegen mussten. Dort wirkt die Quote nicht: manche Unternehmen legen sich dann eine Frauenquote von 0% fest und – surprise! – erfüllen diese problemlos. Unsere Frauenministerin Manuela Schwesig hatte schon zum Frauentag resümiert, man müsse die Quote dann eben ausweiten. Ich unterstütze ihre Forderung also mit dem Antrag, und der Kreis nun ebenso. In der Partei sind sich von oben bis unten alle einig.

Ich bin jetzt übrigens offziell zum Vorstand der Gedöns-Abteilung auf Kreisebene kooptiert wurden, bedeutet: der Vorstand hat mich als Beisitzerin zubenannt. Ich bin nicht stimmberechtigt, aber ich bin nun Funktionärin. Allerdings ist es ein mühsames Geschäft. Die Vorsitzende hat ein wenig das Problem der Planungs-Sprunghaftigkeit, so dass einfach gar nichts zustande kommt. Und die Terminfindung wird in letzter Zeit so organisiert: in der whatsapp-Gruppe wird gefragt, wer wann kann, dann wird ein Termin gefunden, dann sagen alle nacheinander wieder ab außer zwei Leuten, dann wird der ganze Termin abgesagt, und alles wieder von vorne. Macht mich wahnsinnig. Zu Beginn hieß es: jeder dritte Mittwoch im Monat, 19 Uhr. Hatte ich mir brav im Kalender eingetragen und war bereit, dann kam die Ferienzeit, die Vorsitzende erweiterte ihre Planungs-Sprunghaftigkeit auf die Sitzungstermine und alles ging den Bach runter.

Aber gut. Gremienarbeit eben.

Tagebuch Juni 2016

Es ist wieder der 05. eines Monats, der Tag, an dem Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen ruft. Alle anderen Tagebuchblogeinträge finden sich auf ihrer Seite, nämlich hier.

07.50 Ich wache auf von der Sonne, die trotz dunkler Vorhänge in mein Gesicht scheint. Ist Sommer hier! Seit gestern gibt es auch keine täglichen Gewitterer mehr. Ich fand das tropische ja gar nicht schlecht, aber ohne Gewitter ist es auch okay.

08:00 Küche. Kaffee. Die Wohnung ist sehr, sehr still seit drei Tagen. D. ist in Mexico, die Krabbe in Frankreich. Das ist mal ganz schön, und ich genieße es, einfach nur tun zu können, was ich will. Das ist nicht viel: gestern habe ich mich mit Monsieur K. zum Grillen getroffen – er hat die hammerbesten marinierten Spieße gemacht -und das wars. Heute ist Feld angesagt. Für abends habe ich eine Packung Backofenpommes im Tiefkühler, denn es wird feierlich: ich beginne die sechste Staffel Game of Thrones. Ansonsten hänge ich den ganzen Tag auf einem unserer Balkone herum. So auch jetzt.

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09:30 Ich frühstücke. Was wirklich schockierend ist, wenn man länger als ein oder zwei Tage komplette Strohwitwe ist: wie wenig Essen man verbraucht! Wie wenig man wäscht! Wie selten die Spülmaschine läuft! Wie ordentlich die Wohnung einfach bleibt, wenn man aufräumt!

Außerdem habe ich gerade viele Sorgen, z.B.: Können Füße absterben, wenn sie zu lange auf dem Balkongitter abgelegt werden? Warum ist JETZT das letzte Buch ausgelesen, und wo bekomme ich ein neues her? Wann melden sich die besten Nachbarn, ob und wann sie aufs Feld fahren?

10:30 Ich nähe neue Knöpfe an mein neues Kleid. Die ursprünglichen Knöpfe sind abgefallen.

11:30 Ich tüdele so herum. Schon mal Kleidung für Lissabon heraussuchen und ggf. waschen, Mittagessen mit Lachs und Gemüse vorbereiten, Internet surfen, mit den Nachbarn über den Feldfahrzeitpunkt sprechen. Um 14 Uhr würde ich gerne los, und selbst wenn das mit dem gemeinsamen Losfahren nicht klappen sollte, trifft man sich auf dem Feld. Jäten und schauen, was aus den Kürbissamen geworden ist, das ist das Wichtigste dort. Außerdem kämpfe ich mit den Ohrwürmern, die von exzessiven „Nashville“-gucken in den letzten Tagen rühren. Ich mag die Serie, die mir von Schwester 1 empfohlen wurde, sehr: viele komplexe Frauenfiguren, einige dramaturgisch gut gemachte Geschichten, einer der Darsteller hat Ähnlichkeiten mit Michael Fassbender und ich weiß jetzt genau, wie die Country-Industrie in den USA funktioniert und wie die da so sind.

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13:30 Ich breche radelnd zum Feld auf. Die Nachbarn nehmen das Auto.

14:45 Keuchend und schwitzend erreiche ich die Grünfläche. Mei o mei, ist das immer weit! Ich wanke auf unseren Streifen und entdecke drei Kürbispflänzchen, und die zuletzt eingepflanzte Zucchini gedeiht. Immerhin eine Zucchini mehr als letztes Jahr! Aber die Kürbisse, na ja… ich hätte gerne noch ein paar. Pro Pflanze gibt es ca. 2 Früchte, das ist mit zwei Haushalten gar nicht so arg viel. Hoffnungsvoll stecke ich meinen letzten Samen in die Erde.

Ein kurzer Überblick zeigt, dass alles wächst und gedeiht. Die Kartoffeln keimen fröhlich, und vor allem die Reihen mit den exotischen Knollen meines Vaters sehen interessant aus. Alle Kohl-Jungpflanzen wirken sehr angeknabbert, aber lebendig. Die Möhren, die Petersilie, der Dill, die Zwiebeln, der Porree, die Salate, Erbsen und Bohnen, Mais und Fenchel: da gibts nix zu meckern. Der Mangold freut mich besonders, denn mindestens sieben Pflanzen haben unser Jäten überlebt. Letztes Jahr hatten wir ca, 2,5 Pflanzen und hatten zwar immer nett Mangold, aber nie so viel, wir wir gerne gehabt hätte. Das werden Mangold-Feste!  Da man aber nie alles haben kann, folgt gleich ein kleiner Downer in der nächsten Reihe: Schockierenderweise blüht der Spinat bereits und ist damit für diese Saison gelaufen… Pastinaken und Rote Bete kommen langsam, aber im Gegensatz zum letzten Jahr kommen sie. Das ist schön.

Die Nachbarn kommen auch bald und bringen noch einige Jungpflanzen mit. Eine Zucchini, Kohlrabis und Erbsen, mit denen wir ein paar Lücken auffüllen. Wir pflanzen und jäten, dass es eine Freude ist.

17:30 Bedrohliches Donnern kündigt ein Gewitter an, und wir brechen flugs auf. Ich lasse mein Fahrrad stehen, was etwas ärgerlich ist: jetzt muss ich extra nochmal so weit raus, um es zu holen, aber es hilft nix. Es gibt keine Alternative, und ich will wirklich nicht 1,25 Stunden pitschenass durch die Gegend fahren. Also ab auf den Rücksitz zwischen Kleinkind und Baby und einfach mal entspannen. Und mit den Kleinen rumpusseln. Ach, wäre jetzt die Krabbe da…!

An der Kattwykbrücke müssen wir halten, denn die Brücke ist hochgezogen. Ein Schiff schifft vorbei.

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18:30 Zu Hause. Ich räume etwas auf, dusche die schwarze Fischbeker Erde von mir (bzw schrubbe: meine Füße sind schwarz wie die Nacht) und freue mich auf Pommes und Games of Thrones.

Schönen Abend allerseits!

Gemüseanbau auf dem Feld: die Taktik für 2016

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Das Feld in der Übersicht

Wie schon letztes Jahr versuchen wir uns mit den besten Nachbarn gemeinsam auf einem gepachteten Feldstreifen am Gemüseanbau. Das ist ein sehr cooles Prinzip: auf einem Feld im Hamburger Süden haben die Eigentümer ein Feld mit etwa 40 Gemüsesorten längs besät und bepflanzt, das ganze in etwa 40 jeweils 2 Meter breite Querstreifen geteilt und diese für eine Saison angeboten. Wir müssen „nur“ noch jäten, ernten und Wunsch-Gemüse auf den wenigen noch leeren Ackerstreifen ausbringen. Alles ist nach Demeter-Regeln konzipiert, so sollen wir z.B. nicht wässern, weil die Pflanzen so längere Wurzeln entwickeln und sich aus dem Grundwasser versorgen können.

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Gemüsereihen

Taktisch werden wir in diesem Jahr ein paar Veränderungen einführen. Letztes Jahr haben wir in schierem Jät-Wahn sehr vielen Keimlingen den Garaus gemacht, einfach, weil wir sie nicht vom Unkraut unterscheiden konnten. Besonders viel Schwund war bei Rote Bete, Pastinaken und ähnlichen Spätkeimern vorgekommen. Dennoch war die Ernte reich – Kartoffeln und Möhren bleiben mir besonders in Erinnerung, Bohnen und Erbsen sowie Petersilie und Dill, Mangold und Salat, Radieschen und Kohlrabi erfreuten uns den ganzen Sommer hindurch, und mit den Kürbissen hatten wir am Ende der Saison enorm viel Spaß. Auch der Rotkohl und der Wirsing waren großartig. Was nicht sehr erfolgreich gewesen war: eben die oben genannten Spätkeimer, die Zwiebeln und die Zucchini kamen nicht und der Porree war etwas traurig ausgefallen. Unser Grünkohl hatte Mehltau-Befall, und der Rosenkohl war irgendwie unbefriedigend gewesen. Sehr viel Busch, fummelige Ernte und eher wenig Ertrag.

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Kohlrabi und Kopfsalat

Dieses Jahr konzentrieren wir uns etwas mehr auf die Erfolge des letzten Jahres und auf  Jungpflanzen – einige konnten wir bei den Besitzern des Feldes bestellen -, die Zucchini haben wir vorgezogen (ich hoffe, sie überstehen Trockenperiode), und nun harren wir der Dinge, denn spannend ist es definitiv. Mein Vater hat mir etwa zum Geburtstag 14 exotische Kartoffeln zur Aussaat geschenkt, da bin ich natürlich besonders jieperig auf das Ergebnis.

Doch so weit ist es noch lange nicht, denn vor der Ernte kommt die Mühe. So war ich also heute zum Jäten auf dem Feld, fand aber erstaunlich wenig Wildkraut, sicherlich wegen der Trockenperiode. Nicht, dass ich mich beschweren würde! Die Jungpflanzen sahen ganz tapfer und wenig vertrocknet aus, ich habe sie noch ein wenig mit bariellem Schneckenschutz versehen und alle Feldreihen, in denen ich Pflänzchen identifizieren konnte, mittelordentlich gehackt. Also um die Pflänzchen herum beziehungsweise neben den Aussaatreihen. Das ist gut für die Wasserversorgung, lernten wir letztes Jahr, weil die Oberfläche der Erde vergrößert und das Erdreich durchlässiger wird. So kann auch in trockenen Zeiten der Morgentau seinen wässerigen Beitrag leisten. Und, auch sehr nützlich: aus der gehackten Erde kann man sehr viel besser das Unkraut entfernen.

Schritt für Schritt. Mal sehen, wie das so weitergeht.

Serien

Es folgt: eine kleine Zusammenfassung der letztgesehenen Serien. Ich verfüge zu Hause über einen Netflix-, SkyGo- und Amazon Prime-Zugang, man möge sich also nicht wundern! (Ich werde von keiner dieser Firmen bezahlt oder sonstwie gepampert, würde das aber sehr wohlwollend in Erwägung ziehen, auch wenn ich Werbung in Blogs eigentlich nicht mag und so etwas NIE tun würde. Echt nicht. Dafür aber mache ich eine Ausnahme. Huhu, Streaming-Firmen!) Ich liebe Serien schauen. Ich mag auch dicke Bücher lieber als dünne, und Serien sind im Vergleich eher wie dicke Bücher: eine Geschichte, die sich entwickelt, Charaktere, die man kennenlernen kann, und viele Stunden Freude.

The Man in the High Castle

Ach, wat war das schön! Eine dystopische Serie über ein Amerika in den 60er-Jahren, dessen Osten von den Nazis nach deren Sieg im 2. Weltkrieg besetzt wurde. Die Japaner herrschen im westlichen Teil. Die Story wird irgendwann etwas esoterisch, ich hoffe, das wird nicht so enorm dominant in der zweiten Staffel, aber bis dahin: schöne Menschen in schönen Kleidern, eine politische Story mit mehreren spannenden Handlungssträngen, hervorragende Schauspieler und eine nicht allzu platte, nicht allzu dominierende Liebesgeschichte – was will man mehr! Alleine mein Wunsch nach mehreren starken Frauenfiguren wird nicht erfüllt. Der Bechdel-Test wird wirklich selten bestanden.

Miss Fisher´s Murder Mysteries

Ja, die Miss Fisher. Da sieht das ganz anders aus mit den Frauenfiguren. Ich habe auf brennende Empfehlung geschaut, erwartete eine Art promiskuitive Miss Marple in jung und war erstmal irritiert, weil das Ganze sehr locker-fröhlich-frei daher kam. Also eben nicht in den 20ern geschrieben, es findet dort nur statt. Als ich mich daran gewöhnt hatte, wurde es sehr super. Miss Fisher ist im mittleren Alter, schert sich nicht drum und sieht toll aus, wechselt ihre Männer wie die Hemden (was eine erkleckliche Anzahl attraktiver Männer in der Serie zur Folge hat), nervt den ebenfalls attraktiven Kommissar, ist super kompetent und sehr charmant. Der Soundtrack ist toll, die Ausstattung der Serie ebenfalls und die Kriminalfälle sind meist nicht zu gruselig. Frauen dürfen reden, morden, schüchtern und gemein sein… ich lechze nach den nächsten Staffeln! Leichte Kost für Abende nach schweren Tagen.

Fargo 1 und 2

Darüber wurde wohl schon alles gesagt, aber ich empfehle das hier auch noch mal. Im Gegensatz zu Miss Fisher geht es hier allerdings derbe blutig und böse zu, das musste ich nach meiner Detektivin erstmal verkraften. Aber höchst witzig und unterhaltsam und qualitativ hervorragend (Billy Bob Thornton mit der bescheuertsten Frisur der jüngsten Serien-Landschaft), und hier wurde auch D. angefixt, der sonst kein Seriengucker ist. Staffel 2 gefällt mir sogar noch etwas besser, wenn auch hier die Frauenfiguren gefühlt weniger vorhanden sind. Faktisch ist dem vielleicht gar nicht so, es fehlt halt die zentrale weibliche Hauptfigur der ersten Staffel.

How to get away with Murder

Auch nett. Star-Anwältin und Uni-Dozentin in einer Person verteidigt Menschen vor Gericht – ob nun un- oder schuldig, ist dabei der Anwältin egal. Vier StudentInnen unterstützen sie als Praktikantinnen und begehen dabei anscheinend auch ein Verbrechen. Das ist mir bisher, nach den ersten fünf Folgen, nicht ganz klar, aber dieser Umstand nervt mich an der Serie: ständig wird geheimnisvoll in rasanten Fetzen diese Parallelhandlung eingeblendet, die Fetzen wiederholen sich zum Teil ständig und alle schreien herum und weinen. Oah. Ist mir doch egal. Das hätten die Serienmacherinnen weglassen können, dieser Teil interessiert mich deutlich am wenigsten. Ansonsten: hervorragende Gerichtsserie mit sehr spannenden Fällen, einem tollen Soundtrack  und einer umwerfenden Viola Davies als Hauptfigur.

Black Mirror

Joah, kann man mal machen. Aber insgesamt nicht so meins, mit diesen voneinander losgelösten Episoden.

Ascencion

Ich fand es ganz interessant und reizvoll, bis in der Mitte der sechs Folgen die doofe Wendung kam. Danach fand ich es blöd. Wenn ich eine Science-Fiction-Weltraum-Serie gucken will, will ich eine Science-Fiction-Weltraum-Serie schauen und nicht so was!

House Of Cards, Staffel 4

Dazu kann ich nicht viel sagen, ich bin unkritischer Fan. Schade, dass Sky das Ganze nicht im OmU anbietet – im Original habe ich zu viel Sorge, etwas Entscheidendes zu verpassen, und in der deutschen Synchronisation mag ich die Stimmen einiger DarstellerInnen nicht. Aber ach!

Das ist die Ausbeute der letzten Zeit. Ich freue mich sehr auf James Franco in der Stephen-King-Ver-Serie-ung von „Der Anschlag“. Und natürlich: Game of Thrones, Staffel 6.

 

 

9 Tage kindfrei

Dieser Jahresbeginn ist wechselmodelltechnisch sehr durchwachsen. Der Papa ist sehr viel verreist, meist ohne Kind, jetzt mal mit Kind. Wenn er dann da ist, möchte er sie auch außer der Reihe sehen.

Da ist für mich sehr anstrengend. Die feste Regelung, die Routine-Tage sind in unser aller Kalender, alles ist darauf ausgelegt, das engste Umfeld kennt den Rhythmus. Abweichungen muss ich mit D. besprechen, bei der Arbeit berücksichtigen, mich stetig daran erinnern. Die Krabbe scheint dann auch öfter schlechte Laune zu haben, wobei ich da vorsichtig bin – sie ist sowieso gerade gut am Trotzen, es kann auch Zufall sein. Abgesehen davon sind Wechsel außerhalb der Kita auch nur mittelschön. Beim letzten Mal hat die Krabbe einen Wein- und Schreikrampf bekommen, als der Papa weggegangen ist. Und auch wenn das nicht der Regelfall ist: Mir ist ebenfalls nach weinen und schreien, wenn der Papa mal wieder doof zu mir ist. Das möchte ich mir ungern geben. Ich will aber auch nicht unflexibel sein, weil ich möchte, dass die Krabbe ihren Papa hat und umgekehrt, und ich will keinen Streit. Das wiederum führt zu Streit mit D., weil er das nicht verstehen kann und er seinerseits unter den veränderten Wechseln auch leidet, mindestens organisatorisch.

Nun ja. Jetzt also 9 Tage lang ohne Kind, und die gesamte Woche ist schon durchgeplant. Beim Blick auf meinen Kalender bekomme ich Schnappatmung. Wie konnte das passieren? Ich hasse so etwas.

Es sind immerhin alles wichtige und schöne Sachen. Heute Abend der Antrittsbesuch bei der in die Stadt zurückgezogene Ex-Büromitbewohnerin, morgen begleiten mich D. und mein Vater zu einer Veranstaltung meines Chefs, Mittwoch gehe ich bouldern, Donnerstag habe ich nichts vor(!!!!!!!!!!! geil!), außer lange arbeiten und Sport, Freitag gehe ich mit Impi und einer Kollegin ins Kino (die beiden finden sich attraktiv, deswegen muss ich danach ganz schnell los) und treffe mich danach mit Schwester 1, die bei mir schläft, Samstag gehe ich mit den KollegInnen zu einem Roten Salon, wo u.a. Arbeiterinnenlieder gesungen werden.

AAAAAAHHHH! Viel zu viel! Ich werde Sonntag im Bett bleiben und die neue Staffel House of Cards schauen. Bis dahin: Augen zu und durch!

Nolde in Hamburg

Letzten Samstag war ich mit Madame C. in der Hamburger Kunsthalle, wir wollten die Ausstellung „Nolde in Hamburg“ anschauen und gönnten uns eine Führung. Das lohnte sich in jeder Hinsicht: Die Führung war günstiger als ein Audio-Guide, und wenn sich unser Führer (hehe!) auch etwas mehr über den Klatsch und Tratsch um den Künstler als über die Bilder ausließ, war er doch sehr charmant dabei.

Auch die Ausstellung war sehenswert. Nolde war offensichtlich ein schneller Arbeiter, der hunderte Kohle-Zeichnungen und Tusche-Werke vor allem vom Hamburger Hafen und der Alster produzierte. Auch Holzstiche waren viel vertreten, so dass große Teile der Ausstellung fast japanisch anmuteten. Vier Räume der Ausstellung waren dieser Hamburger Phase gewidmet, die insgesamt nur drei Wochen in Noldes Leben in Anspruch nahm.

Die übrigen vier Räume – die Ausstellung war angenehm übersichtlich mit ihren acht Räumen – zeigten Noldes Werke und die Beziehung des Künstlers zum Kunstleben der Hansestadt, der Hamburger Kunsthalle und den Nationalsozialisten. Zu letzteren hatte Nolde ein sehr zwiespältiges Verhältnis: als Expressionist wurde seine Kunst als entartet eingestuft, er war aber recht überzeugter Fan von Hitler und dem Nationalsozialismus und schockiert bis entsetzt über die Einordnung seiner Bilder. Das muss traumatisch gewesen sein für den armen Mann! Beinahe mitleidig, aber immerhin klüger schauten wir uns die gesamte Ausstellung noch einmal von vorne im Schnelldurchlauf an.

Mir persönlich gefielen die Tusche- und Holzschnittarbeiten am besten. Expressionisten in Öl sind mir meist zu „streifig“, die grobe Struktur ist nicht so meins. Und Nolde hat sich da wirklich gehenlassen, er hat gestreift wie ein Wahnsinniger. Trotzdem hatte ich einige Favoriten, die nicht nur schwarz-weiß waren.

Besonders schön fand ich das obige Bild: Mühle am Wasser. Das würde ich mir sofort übers Sofa hängen. Und dieses hier: Hülltoft Hof. Wenn er auf die Streifen verzichtet, kann ich die Farbpracht dieser Bilder besser würdigen, und Nolde hatte ab und an Erbarmen, so dass ich ziemlich fasziniert die Leuchtkraft der Bilder bewundern konnte.

In der Ausstellung waren die Bilder übrigens viel schöner. Also gerne alle hin da und sich Nolde anschauen, es lohnt sich!