Tagebuch April 2017

Frau Brüllen fragt mal wieder: Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Wie hunderte andere antworte ich gerne.

Heute ist ein sehr voller Tag mit allem, was gerade anliegt außer Erwerbsarbeit, denn Mittwochs habe ich frei. Die Kurzankündigung: Haushalt, Aktien, Sport, Kind, Vater, Besuchskind, Parteiarbeit. Nun denn, lasset die Spiele beginnen.

07:00 Ich werde von den Kindern geweckt, die im Kinderzimmer über uns spielen. Der einzige kleine Nachteil, seit wir unser Schlafzimmer verlegt haben: es liegt nun unter dem Kinderzimmer der Nachbarn, und deren Kinder sind Lerchen. Aber gut, so behalte ich auch an meinen kind- und arbeitsfreien Tagen den Kindrhythmus bei, das hat bestimmt enorm viele Vorteile, die mir nur gerade nicht einfallen. Ich mache Kaffee, D. steht auch auf.

08:20 D. verlässt das Haus. Ich beginne damit, die neu erworbenen und gestern angekommenen Plastikdosen – zur Bevorratung der Essensreste gedacht – in die Spülmaschine zu räumen, Zutaten für einen Eintopf zu schnippeln und whatsapp-Gespräche zu führen. Themen der Konversationen:

  • Termin des Chefs heute morgen, von dem ich nicht sicher bin, ob alle Beteiligten alle Informationen haben. Haben sie.
  • Parteiarbeit heute Abend: ich muss meinen Antrag im nächsthöheren Gremium vorstellen, komme aber erst später zur Versammlung. Das muss geregelt werden.
  • Besuchskind: wann hole ich es wie aus der Kita ab?

Läuft alles.

09:00 Frühstück: Haferflocken, Apfel, Milch, Zimt, Zucker, alles auf dem Herd eingeköchelt. Für das Joggen, das ich erst seit sehr kurzem wieder angefangen habe, brauche ich seeeehr viel Energie. Ich mag ja joggen nicht, eep from the bottom of my heart, aber für so volle Tage ist es einfach sehr praktisch.

Kurz Aktien checken: ich habe mir den Spaß erlaubt und von meinem restlichen Weihnachtsgeld Aktien gekauft, von zwei Firmen jeweils zwei und drei Exemplare. Ich bin also stolze Besitzerin von 5 Aktien. Nun beobachte ich die Aktienkurse, was ein gemischtes Vergnügen ist: Eine der Firmen geht rasant durch die Decke, die andere dümpelt so vor sich hin. Seit dem Kauf vor zwei Wochen habe ich aber insgesamt 14% Rendite erzielt, was natürlich Spaß macht.

09:30  Langsame seelische Vorbereitung auf das Joggen. Ich wechsele vom Schlafanzug in die Joggingklamotten und starte in den grauen Hamburger Morgen, nicht ohne innerlich ein wenig zu jammern. Zum Glück haben wir hier wenigstens einen Deich, das ist gut für Sport, und auch die vorab zu durchquerende Grünanlage schadet der Jogging-Motivation nicht. Insgesamt klappt das alles überraschend gut heute, ich trabe 30 Minuten sehr gemächlich, aber das erste Mal ohne Gehpause, durch die Landschaft. Zwischendurch kommt sogar die Sonne raus, die letzten 50 Meter sprinte ich, mehr will ich gar nicht vom Joggen. Ich bin ja eher so eine unehrgeizige Sportlerin.

Wieder zu Hause nutze ich die Nachschwitzzeit zum Befüllen einer weiteren Spülmaschine, weiteres Whatsapp-Geschreibsel und gehe dann duschen.

11:00 Ich verlasse wieder die Wohnung, im Gepäck Leergut, Altpapier und Bücherei-Rückgebsel. Einen kleinen Fußmarsch entlang werde ich alles an den dafür vorgesehenen Orten los – allerdings auch ein kleines Vermögen im Gebührenautomat der Bücherei. Da geht sie hin, die Aktienrendite! Aber nun ja, selbstverschuldetes Leid, ich hatte allen Erinnerungen der Bücherei zum Trotz die Abgabe der Bücher versemmelt. Kurzer Abstecher in die Drogerie, wo ich mir Blumenerde, Samen, Kaffee und einen Honig-Mandel-Riegel in den Rucksack werfe. Dann geht es wieder nach Hause, um das Mittagessen vorzubereiten: Steak mit Salat.

14.00 Ich breche auf zur Kita der Krabbe, wo ich mich mit meinem Vater treffe. Wir holen die Kleene ab und fahren zur nächsten Kita, um ein Besuchskind abzuholen und Eis zu essen. Das ist zuviel für die Krabbe, sie beginnt zu schreien und hört etwa eine Stunde nicht auf. Ich breche irgendwann zusammen, das Besuchskind fängt an zu weinen, mein Vater rollt die Augen, die Eisdiele leert sich. Wir verlassen den Raum, an der frischen Luft wird es etwas besser, aber dennoch beschließen wir, dass der Papa des Besuchskindes sie abholt. Aller Nerven liegen zu blank, als dass ich da noch Chance auf eine Rettung des Nachmittags sähe.

16:00 Wir kommen zu Hause an. Der Krabbes Stimmung tendiert zu besser, sie bekommt Milchschaum, mein Vater und ich trinken noch einen Kaffee. Dann bricht er auf zu Schwester 1, die Krabbe und ich lesen und basteln noch etwas.

18.00 D. kommt nach Hause und bringt Fladenbrot mit. Der Eintopf kommt zum Zuge, und nach einem entspannten Essen breche ich auf zur Gremiensitzung.

Dort gibt es eine kleine Überraschung. Was ich nicht wusste und was im vorherigen Gremium komplett anders war: ich stelle meinen Antrag vor 90 Leuten vor. Mit Mikrofon und Rednerinnenpult. Mein Puls geht auf 180, da meine Vorbereitung eher -äh – rudimentär ist. Eventuell hätte ich mich außerdem schminken können, und was Nettes anziehen… Meine Rede immerhin funktioniert, ich nutze wenig Füllwörter, stottere nicht und gucke seriös. Aber als das Adrenalin zurückgeht, werde ich fast ohnmächtig. Ich bin völlig erledigt von dem Nachmittagsintermezzo und der abendlichen Spannung und verabschiede mich hiermit vom Tagebuch.

Einen schönen Abend allerseits!

Sport – immer wieder schön

Dieses Video ging schon einmal im Netz herum, nun tauchte es wieder in meinem Dunstkreis auf. Aus Gründen möchte ich es niemanden vorenthalten – also, bitte schön!

 

 

Nach dem Ansehen bin ich immer komplett hin und weg und emotional. Ich verstehe nicht ganz, warum – aber es trifft wohl einen Nerv.

Und außerdem habe ich nach diesem Video Lust auf Sport.

Da haben die Videomacherinnen offensichtlich alles richtig gemacht.

Feierabend

Heute war Büroklausur gemeinsam mit dem Berliner Büro – aus irgendeinem Grund hatten alle Hamburger Schluffis sich mal so richtig in Schale geworfen, während die Berliner SakkoträgerInnen in Wanderschuhe und roten Pullis auf der Matte standen. Sah insgesamt nett aus. Es gab viel zu besprechen, danach erledigte ich noch die reguläre Arbeit, machte späten Feierabend mit Kratzen im Hals und leichtem Hungergefühl und großer Müdigkeit. Aber das Schwimmzeug in meiner Tasche mahnte mich erfolgreich.

Im Schwimmbad fielen mir beim Reinkommen die vielen langmähnigen Geschöpfe an den Fönen auf, und ich erinnerste mich innerlich stöhnend: Montags ist ja immer Frauen-Badetag. Huargh. Das hatte ich bisher zu vermeiden gewusst.

Mein Körper jedoch dankte mir die Entscheidung pro Schwimmen. Das anfängliche Duschen konnte ich überraschend heftig genießen, das erste Eintauchen ins erträglich volle Becken war die reine Freude, und die geschwommenen Bahnen reihten sich leicht aneinander. Überall Frauen in allen Formen, um die es sich friedlich herum schwimmen ließ, Burkinis oder Bikinis, lange dunkle Haare, Fröhlichkeit.

Tiefenentspannt verließ ich nach meiner obligatorischen halben Stunde den Beckenbereich. Und wurde Zeugin von wirklich erstaunlichen Szenen in der Dusche, die mich die Entspannung sofort komplett wieder vergessen ließen. Hornhautentfernung ist EIN Stichwort zu den Dingen, die sich dort abspielten, bei allem anderen habe ich schnell die Augen zusammengekniffen und bin rasch in die Umkleide geflüchtet.

Frauen. Das sind schon verblüffende Wesen, diese Frauen.

Auge um Auge

Wenn der übliche Mitboulderer auf die übliche WhatsApp-Fragerunde, wer wann beim bouldern dabei ist, auf seine kürzlich erfolgte Augen-OP verweist und dazu detaillierte Fotos schickt, dann wird es neckisch. Denn dann merkt man (und vor allem der Rekonvaleszent) erst einmal, wie ungeheuer viele Wortspiele zum Thema „Auge“ es gibt. Und wir sind eben unheimlich witzige Leute, diese Gelegenheit lassen wir uns nicht entgehen.

„Dann sollten wir einen anderen Termin ins Auge fassen.“

„Eine Woche, hat die Ärztin gesagt? Die soll mal ein Auge zudrücken!“

„Hast du ein Auge auf die Ärztin geworfen?“

„Augen zu und durch!“

„Ist dir das ein Dorn im Auge?“

Und so weiter und so fort. Ja, Flachwitze! Aber: hihihi!!!

Bouldern und Ernährung

Memo an mich: vor dem Bouldern keinesfalls ein kaltes Wiener Würstchen essen.

Davon hatte ich den gesamten Kletter-Aufenthalt noch enorm oft eine sensorische Erfahrung: Irgendwie bahnte sich der Würstchen-Geschmack immer wieder den Weg auf meine Zunge. Selbst wenn man krasser Würstchen-Fan wäre, nach 1,5 Stunden hört der Spaß dann doch auf. Ganz zu schweigen von der Angst, wenn ich in die Richtung von anderen Menschen geatmet hatte, dass diese einen Schwall Würstchen-Duft abbekommen…

Zum Glück war ich alleine bouldern. Wenigstens das.

Nachtrag: Salami vor dem Schwimmen hat einen ähnlichen, wenn auch etwas dezenteren Effekt. Das Fazit ist hier wohl, dass vegetarische Ernährung vor dem Sport deutlich der fleischhaltigen überlegen ist.

Die Krabbe spottet

Nein, nicht was ihr jetzt denkt. Für Spott, so als verbale Ausdrucksmöglichkeit, ist sie dann doch noch etwas zu klein. Das war so:

Unlängst waren wir bouldern, die Krabbe kam mit. Ich weiß, dass sie mit ihrem Papa öfter in der Kletterhalle ist, und so kommentierte sie zunächst fachkundig das Anziehen der Kletterschuhe und hopste dann sofort wie eine Bekloppte auf den Bouldermatten rum. Die sind offenbar zum Hüpfen und Springen wie gemacht, das war ganz klar schon mehrfach von ihr erprobt worden, da war sie Expertin und ganz in ihrem Element. Es war nicht viel los, also beschloss ich, mich etwas warmzuklettern, so lange die Krabbe zufrieden war und hopste. Ich ging an die Wand, schaute mich um, ob alles klar beim Kind sei – und sah hinter mir die Krabbe, die sich strahlend unter mir aufbaute, die Ärmchen ausgestreckt, und aufmerksam spottete. Für den Fall, ich würde fallen.

Etwas angespannt beeendete ich das Warmmachen. Alleine die Vorstellung, meine 65 Kilo plumpsen auf die zarten 93 Zentimeter… Ach nein. Nicht nur für Spott, auch für das spotten ist sie noch etwas zu klein. Aber immerhin ist sie eine gewissenhafte Boulder-Aspirantin. Das ist doch gut zu wissen. Und niedlich war es auch.

Sport am Abend

Das ist auch beim 20. Mal wieder eine Überraschung: nach einem Tag mit Kind und unruhigen, weil Kind-hustigen Nächten, in dieser völlig schweren Kind-Müdigkeit gefangen, und dann nach dem Abendessen so gelähmt, dass man nur noch auf die Couch will, oder besser gleich ins Bett – und sich dann aufraffen, zum bouldern gehen und sich danach so fit, wach und ausgeglichen wie seit Tagen nicht fühlen.

Lohnt sich doch, das mit dem Sport.