Plakatieren. Wahlkampf an der Basis.

Ja, zu diesem Parteiengagement gehören ja nicht nur schicke Funktionen, fancy Anträge und aufregende Gremiensitzungen, oh nein! Gerade im Wahlkampf wird man gerne mal von seinem Ortsverein-Vorstand angefragt, ob man nicht auch gerne mal plakatieren oder am Infostand Flyer verteilen will, um den eigenen Chef wieder in den Bundestag zu bringen. Man wird durchaus lieb angefragt, aber wenn der Vorstand im eigenen und im Nachbarbüro sitzt, weist er eine gewisse zermürbende Penetranz auf, kombiniert mit düsteren Zukunftsprognosen für die eigene Büro-Beliebtheit, wenn man zu oft nein sagt. Abgesehen davon sehe ich es ja ein: wenn nicht mal die Hauptamtlichen ihren Körper hinhalten, warum sollten es dann die anderen tun? Und es ist ja nur gut für mich, wenn mein Job länger als bis zum 24. September existiert.

Ich war also ein paar Mal am Infostand, das ist ganz okay, denn ich wohne nicht dort, wo ich organisiert bin. In dem Falle finde ich das super. Und seit heute darf ich mich als erfahrene Plakatiererin bezeichnen, das war sogar noch besser. Man ist halt hinterher voller Kleister. Und man fühlt sich durchaus merkwürdig, wenn man den Vormittag damit verbringt, seinem Chef mit einer kuschelig-weichen Bürste voller schmierigen Zeug übers Gesicht zu puscheln. Aber ich kann das.

Demokratisches Engagement. So was sagt einem vorher auch keiner.

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Artikel zum Wechselmodell

Auf welt.de erschien just ein Artikel zum Wechselmodell, den ich recht gut finde.

Der Passus mit der Trennungskritik enthält für meinen Geschmack etwas viel erhobenen Zeigefinger und impliziert, man oder frau solle sich mal nicht so anstellen, wenn die Liebe nachlässt. Dazu noch immer diese viel beschworene wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frauen als Grund allen Übels… aber nun ja. Es ist eben ein konservatives Blatt.

Das Wechselmodell wird immerhin so beschrieben, dass ich mich da wiederfinden kann, was bei vielen Beiträgen zum Thema eher schwer fällt. Ich denke nämlich zum Beispiel nicht, wie es oft suggeriert wird, dass die Eltern für ein gelingendes Wechselmodell komplett konfliktfrei miteinander sein müssen – wie im Artikel beschrieben kann man viel mit Mail-Kommunikation schaffen.

Also: Lese-Empfehlung, vor allem, wenn man mit dem Begriff noch nicht so viel anfangen kann.

 

Anscheinend Stress

Ich fühle mich eigentlich nicht so, aber einige Indikatoren weisen darauf hin, dass ich viel zu tun und wenig Muße habe.

  • Ich verpasse wmdegt, das Tagebuchbloggen von Frau Brüllen.
  • Wenn ich morgens das Bett mache, freue ich mich unbändig darauf, mich abends wieder hinein zu legen.
  • Mein Blog-Reader weist von mir ungelesene Artikel auf.
  • Ich finde einfach kein Zeitfenster, um zum Friseur zu gehen.

Es scheint bisher positiver Stress zu sein, da ich mich (noch) nicht erschöpft fühle und gute Laune habe. Der hauptsächliche Grund für die stärkere Auslastung ist eine erhöhte Taktzahl bei der Arbeit und mehr Aktivität in den Ehrenämtern (gnah, wieso habe ich eigentlich zwei Ehrenämter? Wie ist das passiert? Ich erinnere mich nicht mehr), was bisher alles Spaß macht. Ich weiß allerdings auch, dass das bis zum 24. September definitiv noch mehr werden wird, und danach werde ich zumindest bei Arbeit eventuell in ein tiefes Langeweile-Loch fallen. Es gilt also, vorausschauend zu agieren und mit Kräften zu haushalten.

Vorsichtshalber werde ich jetzt schon erhöhte Terminhygiene betreiben. Zwei Abende pro Woche zu Hause sind Pflicht, viel Zeit mit D. und der Krabbe ist einzuplanen, nicht mehr als vier Abendtermine pro Monat bei der Arbeit und die Ehrenamttermine und -arbeiten muss ich eher flach halten. Auf letzteres kann ich mich intensiv nach der Bundestagswahl stürzen, wenn mein Chef sein Mandat verteidigt hat. 

Wachsam sein, ganz langsam rennen, heißt die Devise. Ich muss das Tempo vier Monate halten können.

#ichbinhier: Engagement, ganz klein

Ich bin ja inzwischen so eine Partei-Tante und finde generell, jedwedes gesellschaftliches Engagement muss in verzwickten Strukturen mit ewigen Diskussionen in trockenen Gremiensitzungen erkauft werden. Demokratie, finde ich, hat einen Preis. Das ist er: Herumschlagen mit anderen Menschen, die andere Sachen denken als ich selber, und sich mit denen irgendwie einigen. Ja, ist mühsam, aber Demokratie ist eine Staatsform, die auf Kompromissen basiert, die ständig neu verhandelt werden müssen. Bei diesen Verhandlungen möchte ich dabei sein.

Mit manchen Menschen aber möchte man sich ja gar nicht einigen oder auch nur in Verhandlung treten. Bei mir beispielsweise sind das Rassistinnen, Sexistinnen, Polemiker und Patriotinnen, also grob gesagt: rechtspopulistische Revisionisten. Ich kenne solche Leute sowieso nicht persönlich, ich kann das also gut ausblenden, solange ich mich aus Kommentarspalten fernhalte. Wenn ich dann aber die Kommentarspalten doch mal lese, wird mir immer etwas schwindelig. Hier wird von den oben genannten viel getan, um die Deutungshoheit zu erlangen, sie sind rege und laut und kommentieren fleißig und meist als Erste. Damit senken sie die Hemmschwelle, und ihre Genossen im Geiste kommentieren begeistert Zustimmung. Irgendwann konnte ich da nicht mehr ganz tatenlos zusehen.

Tatsächlich gibt es eine gute Lösung für Fälle wie mich, die sich so ein bisschen in die Diskussionen einmischen wollen, ohne so richtig doll einsteigen zu müssen. Ich bin seit einigen Wochen in der f*acebook-Gruppe #ichbinhier angemeldet. Denn hier sind sie alle. Nicht in meiner Timeline, aber durch die Gruppe finde ich die hetzerischen Kommentare und die Menschen, die gegenhalten, auch wenn sie einem von den eigenen Algorithmen nicht vorgeschlagen werden. Und, das ist auch nett: man muss noch nicht mal selber in die Tasten hauen, wenn man nicht möchte, um Flagge zu zeigen.

Wie das funktioniert? In dieser Gruppe wird auf Diskussionen verwiesen, in denen rassistische und andere -istische Meinungen vertreten werden, meist auf Nachrichtenportal-f*cebook-Auftritten. Man kann nun mit dem Hashtag #ichbinhier selbst in die Diskussion einsteigen, gegenhalten und kommentieren. Oder, das mache ich: man liked die Beiträge mit ebendiesem Hashtag und zeigt damit, dass man anderer Meinung ist als die Fremdenhasserinnen. Die meistgeliketen Kommentare werden darüber hinaus weiter oben in der Kommentarspalte angezeigt, so dass die Stimmung einer Diskussion im besten Falle verändert wird. Also gucke ich etwa einmal pro Tag in die Gruppe, gehe auf ein paar Links und like.

Das war es also schon. Ob es effektiv ist? Ich weiß es nicht. Tief in meinem Herzen zweifele ich den Sinn von Engagement an, das ich zwischendurch innerhalb von 3 Sekunden erledigen kann und bei dem es keine Tagesordnung gibt. Aber zumindest habe ich das Gefühl, etwas außerhalb meiner Filterblase getan zu haben.

Männer, Teilzeit und Vereinbarkeit – ein Umfeld-Erfahrungsbericht

Ich lebe in einem Umfeld, in dem relativ viele Männer Teilzeit arbeiten. Große Teilzeit, na klar, niemals unter 20 Stunden, aber: anteilig viel mehr als die statistisch erfassten neun Prozent, die das Statistische Bundesamt für 2015 verkündet hat. Beispiele:

  • der Doktorant. 20 Stunden pro Woche an der Universität.
  • der IT-Supportler. 32 Stunden.
  • der Selbstständige. Niemals mehr als 30 Stunden pro Woche Erwerbsarbeit.
  • die wissenschaftlichen Mitarbeiter in der Politik. Zwischen 30 und 35 Stunden ist alles möglich.
  • der Online-Redakteur. 32 Stunden.

Einige dieser Männer haben Kinder oder leben mit welchen zusammen, andere nicht. Sie haben eine große Gemeinsamkeit: sie arbeiten existenzsichernd, sie erhalten einen ordentlichen Lohn und können sich Mieten in Hamburg leisten. Ja, in Teilzeit!

Das wirkt auf einige Frauen, die sich einen modernen Mann wünschen, der sich aktiv an der Familienarbeit beteiligt, recht attraktiv. Offensichtlich handelt es sich um Männer, denen Erwerbsarbeit nicht übermäßig wichtig ist, die recht selten in Abendsitzungen und auf Dienstreisen verschwinden und die sich trotzdem selbst versorgen können. Wahrscheinlich sind sie nicht übermäßig ehrgeizig und können es verknusen, dass die Frau mehr verdient – sie haben sich ihr Teilzeit-Schicksal schließlich selbst gewählt. Interessant! frohlockt also die moderne Frau, und matcht fleißig. Aber, nun wird es tricky: Die Männer dieser Gruppe lassen sich wiederum grob in zwei verschiedene Gruppen aufteilen, und es ist sehr, sehr wichtig als Frau mit Kinderwunsch oder mit Kind auf Partnersuche, diese Unterscheidung zu erkennen.

Gruppe 1: Diese Männer sind arbeitstechnisch etwas bocklos. Sie haben so rumgekrebst, eventuell ihre Ausbildung nicht abgeschlossen, sind irgendwo quer eingestiegen und haben mit einer so genannten Karriere offensichtlich nicht viel am Hut. Sie arbeiten, um zu leben. Auf mittlerem Niveau, höchstens, das muss reichen, sonst wird das mit der Arbeit zu anstrengend. Wenn es gar nicht anders geht, arbeiten sie auch Vollzeit, aber sobald möglich, reduzieren sie, ganz unspektakulär, machen sie einfach. Ehrgeiz ist nicht ihr Ding.

Die andere Gruppe, hier: Gruppe 2, hat ein enorm aufwendiges Hobby in der Hinterhand, mit dem sie das gesellschaftlich erwünschte männlich konnotierte Leistungsstreben erfüllen können, obwohl sie nur Teilzeit arbeiten. Das Hobby hilft entweder beim beruflichen oder sonstigem Selbstbild (z.B. politisches Engagement) oder ist irre sexy (Sport auf Leistungsniveau). Sie reduzieren selbstbewusst, denn sie reduzieren aus einem wichtigen Grund: ihrem Hobby, das der Gesellschaft dient oder ihrem schnittigen, leistungsstarken Körper. Das versteht jeder Chef, denn jeder Chef ist im Grunde seines Herzens genauso. Er hat nur keine Zeit dafür, denn er ist ja Chef.

Sobald Kinder und Familienarbeit ins Spiel kommen, wird es interessant. Als Frau mit Kind(erwunsch) erscheinen einer nämlich beide Gruppen auf den ersten Blick sehr ähnlich. Teilzeit! Voll modern! Da könnte man selber ja auch schnell wieder in den Job einsteigen, mit so einem modernen Mann. Jetzt muss man sich nur noch entscheiden: den bocklosen Herumkrebser oder den sexy sportlich-engagierten? Hmmmmm…. denkt sich die moderne Frau. Och, da nehme ich den zweiten. Danke!

Doch der Schein trügt. Denn leider, leider sieht sich Gruppe 2 zwar durchaus in der Lage, ihre Erwerbsarbeit zu reduzieren, wenn es um ihr sehr ertragreiches und also wichtiges Hobby geht, aber für die Kinder… nope. Was soll der Chef denn da denken, der macht das doch auch nicht! Und das Hobby einschränken ist natürlich fast noch schwieriger, da muss man Einsatz zeigen, sonst ist ja alles umsonst gewesen, das muss die Frau verstehen, das findet sie schließlich auch attraktiv. Die moderne Frau findet sich also wieder mit einem Baby und einem Menschen, der wochenends und abends überdurchschnittlich beschäftigt ist und die Elternzeit für eine sehr intensive Phase in seinem Hobby nutzt, während die Frau ihn dabei fotografieren darf und das Baby schaukeln muss. Nach der Eingewöhnung reduziert sie zähneknirschend ihre Arbeitsstunden und wundert sich, wie es dazu kommen konnte.

Gruppe 1 dagegen erweist sich als perfekte Väter. Gruppe 1 hat keine Probleme damit, wenn die Frau mehr arbeitet als sie selbst – ja mei, wenn sie Lust dazu hat, sich den ganzen Tag mit so einem Quatsch herumzuschlagen… Diese Männer beantragen dankbar möglichst viel Elternzeit, weil sie dann weniger arbeiten müssen. Sie holen das Kind aus der Kita ab, weil ihnen das sinnstiftender oder zumindest weniger nervend erscheint als Erwerbsarbeit. (Komplett irre, diese Typen, wenn ihr mich fragt.) Sie sind oft sehr langmütig, weil extrem entspannt, also perfekte Kindererzieher. Nach einer Trennung fordern sie energisch das Wechselmodell ein.

So, und jetzt das große Kunststück, liebe moderne Frauen: bocklose, etwas phlegmatische Männer sexy finden! Es ist etwas schwieriger, das weiß ich wohl. Denn als männlich und interessant gelten nun mal ambitionierte Männer. Mit denen kann man aber nun mal keine gleichberechtigte Partnerschaft führen, sobald Kinder ins Spiel kommen: ambitionierte Männer haben keine Zeit für so etwas. Deshalb meine Vermutung: sobald bocklose und phlegmatische Männer als Sexualpartner bevorzugt werden und Nicht-Ehrgeiz als Fortpflanzungsvorteil gilt, in genau diesem Moment wird es wahr werden: die gleichberechtigte, familienzentrierte Gesellschaft. Dann braucht es nur noch ein bedingungsloses Grundeinkommen, und alles wird gut.

 

Die Altersvorsorge, die Aktien und ich

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Mit dem Thema Altersvorsorge schlage ich mich schon seit Langem herum – auch gerne mit einer generellen Vermeidungshaltung als Grundstimmung. Das ist einer der Gründe, warum ich hier gerne etwas dazu schreiben möchte, denn beim Vermeiden bin ich meines Wissens nicht die Einzige. Dabei ist das Thema wichtig, wenn es um Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit im Alter geht – gerade für Frauen und ihre oft unregelmäßigen bis rudimentären Einzahlungen in die gesetzliche Rentenkasse. Daher gehe ich hier wieder meinem Credo nach: über Geld muss man reden, damit man mal sieht, wie es bei anderen so ist! Auch über Altersvorsorge, wie unspaßig das auch generell ist. Hier also meine Geschichte.

Das erste Mal, dass ich das Thema bewusst wahr nahm, war in noch recht jungen Jahren, als mein Vater als Selbstständiger seine Altersvorsorge auflösen musste, was meine Sensibilität für das Thema sehr prägte. Weiter ging es im Studentinnenjob, der knapp so hoch entlohnt wurde, dass ich etwa 10 Euro monatlich in die Rentenkasse einzahlte – ich verzichtete darauf, mich davon befreien zu lassen. Dann kam lange nichts, außer, dass ich im Studium viel über die Risiken von Frauen-Erwerbsverläufen in Bezug auf Altersarmut lernte. Das löste in mir viel Unbehagen aus – wenn ich nicht ordentlich einzahlte, würde ich allerspätestens mit Renteneintritt entweder von meinen Lieben oder vom Staat abhängig sein. Denn ein Erbe habe ich nicht zu erwarte, und meine Rentenbenachrichtigungen verhießen auch nichts Gutes, zumindest nichts, was über krasses Herumkrebsen hinaus gehen würde, vor allem dann nicht, wenn ich in einer Großstadt oder Metropolregion leben wollen würde. Und das will ich im Alter definitiv.

Die ersten Schritte 

Ich fing also mit Vorsorge an. 2011 eröffnete ich einen Riestervertrag. Das Konzept war damals schon umstritten, geringe Rendite etc, aber ich dengelte so herum und murmelte: „Irgendwas muss ich ja machen fürs Alter.“ Die Hartz-IV-Sicherheit war und ist für mich immer noch ein sehr gutes Argument. Zwar fühle ich mich beruflich inzwischen recht etabliert, aber hallo! Soziologin! Wer weiß, was da noch passiert. Ich halte für mein allgemeines Sicherheitsgefühl außerdem tapfer meine einst erworbenen Genossenschaftsanteile einer Wohngenossenschaft, denn: die sind in Hamburg echt schwer zu kriegen. Sollte ich mal eine günstige Wohnung brauchen, etwa für den Alterssitz meines Vaters, die Ausbildung der Krabbe oder für meine Rente, habe ich damit schon mal etwas bessere Karten als ohne Genossenschaftsanteile.

Denn Wohneigentum kommt für mich nicht in Frage. Ich kann es mir schlicht nicht leisten, und es interessiert mich nicht stark genug, als dass ich die hohen Kosten in Kauf nehmen würde. Ein Wohnstandard, der mit meiner jetzigen Mietwohnung vergleichbar ist, kostet ca 400 Euro mehr monatlich und ist für mich nicht attraktiv. Ich hasse es, Schulden zu haben, und ich mag die Unflexibilität von Wohneigentum nicht, die enormen Verpflichtungen, die man auf sich lädt. Das bedeutet aber, dass ich für meine Rente etwas Vermögen aufbauen sollte, um die Mietkosten bezahlen zu können, denn die gesetzliche Rente wird das nicht zwingend hergeben. Ergo: andere bauen, ich muss sparen.

Meine aktuelle Lage

Das ist also der Stand der Dinge: Der Riester läuft weiter, ich habe ein Sparbuch, Genossenschaftsanteile und irgendwo noch ein paar hundert Euro vermögenswirksame Leistungen. Außerdem ein Sparfonds, der bis zum 18. Geburtstag der Krabbe läuft und für ihre Ausbildung bestimmt ist. Immerhin.

Der neueste heiße Scheiß in meinem Portfolio

Dann hatte ich eines Tages einige hundert Euro übrig und beschloss, diese in Aktien zu investieren, denn das wird einer ja dauernd gepredigt: Ak-ti-en! Beste Sache ever! Rendite! Aber jung damit anfangen und langfrisitg halten, damit man Krisen aussitzen kann! Joah. Ich fand den Gedanken ganz nett, mir ein paar Einzelaktien zu erwerben – damit ich nicht irgendwelche Fondsmanagerinnen subventionieren muss und genau steuern kann, welches Unternehmen mein Geld bekommt – und eröffnete ein online-Depot (was ziemlich genau so läuft wie die Eröffnung eines online-Giro-Kontos, Post-Ident und so). Dann erwarb ich insgesamt 5 Aktien von 2 Unternehmen, die ich jetzt 30 Jahre behalten will. Und was soll ich sagen, seitdem habe ich den Spaß meines Lebens, denn man kann ja tatsächlich sekündlich Aktienkurse prüfen! Das ist der Hammer, wenn man so ein bisschen kontrollig veranlagt ist. Und die Rendite ist bisher einfach bezaubernd. Oben sehen wir den Chart der schlechter laufenden Aktie, da dümpelt die Rendite so zwischen -1 und 5 Prozent. Meine andere Aktie hat eine bisherige Rendite von 28 Prozent – ich denke nicht, dass das langfristig so bleibt, aber so ein Blick auf die Zahlen ist schon recht erbaulich und füttert das Belohnungszentrum im Hirn ordentlich an. Die beste Sache, die ich jemals mit Geld gemacht habe, so anlagetechnisch.

Bei all diesem Spaß und der Rendite stelle ich mir die große Frage: soll ich meinen Riester beitragsfrei stellen und lieber öfter Aktien kaufen? Ganz werde ich mich das nicht trauen, aber vielleicht werde ich die monatliche Zahlungen halbieren und den Rest anlegen. Mal sehen, was ich mich traue. Und vielleicht lasse ich mich auch einfach mal beraten.

 

Tagebuch April 2017

Frau Brüllen fragt mal wieder: Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Wie hunderte andere antworte ich gerne.

Heute ist ein sehr voller Tag mit allem, was gerade anliegt außer Erwerbsarbeit, denn Mittwochs habe ich frei. Die Kurzankündigung: Haushalt, Aktien, Sport, Kind, Vater, Besuchskind, Parteiarbeit. Nun denn, lasset die Spiele beginnen.

07:00 Ich werde von den Kindern geweckt, die im Kinderzimmer über uns spielen. Der einzige kleine Nachteil, seit wir unser Schlafzimmer verlegt haben: es liegt nun unter dem Kinderzimmer der Nachbarn, und deren Kinder sind Lerchen. Aber gut, so behalte ich auch an meinen kind- und arbeitsfreien Tagen den Kindrhythmus bei, das hat bestimmt enorm viele Vorteile, die mir nur gerade nicht einfallen. Ich mache Kaffee, D. steht auch auf.

08:20 D. verlässt das Haus. Ich beginne damit, die neu erworbenen und gestern angekommenen Plastikdosen – zur Bevorratung der Essensreste gedacht – in die Spülmaschine zu räumen, Zutaten für einen Eintopf zu schnippeln und whatsapp-Gespräche zu führen. Themen der Konversationen:

  • Termin des Chefs heute morgen, von dem ich nicht sicher bin, ob alle Beteiligten alle Informationen haben. Haben sie.
  • Parteiarbeit heute Abend: ich muss meinen Antrag im nächsthöheren Gremium vorstellen, komme aber erst später zur Versammlung. Das muss geregelt werden.
  • Besuchskind: wann hole ich es wie aus der Kita ab?

Läuft alles.

09:00 Frühstück: Haferflocken, Apfel, Milch, Zimt, Zucker, alles auf dem Herd eingeköchelt. Für das Joggen, das ich erst seit sehr kurzem wieder angefangen habe, brauche ich seeeehr viel Energie. Ich mag ja joggen nicht, eep from the bottom of my heart, aber für so volle Tage ist es einfach sehr praktisch.

Kurz Aktien checken: ich habe mir den Spaß erlaubt und von meinem restlichen Weihnachtsgeld Aktien gekauft, von zwei Firmen jeweils zwei und drei Exemplare. Ich bin also stolze Besitzerin von 5 Aktien. Nun beobachte ich die Aktienkurse, was ein gemischtes Vergnügen ist: Eine der Firmen geht rasant durch die Decke, die andere dümpelt so vor sich hin. Seit dem Kauf vor zwei Wochen habe ich aber insgesamt 14% Rendite erzielt, was natürlich Spaß macht.

09:30  Langsame seelische Vorbereitung auf das Joggen. Ich wechsele vom Schlafanzug in die Joggingklamotten und starte in den grauen Hamburger Morgen, nicht ohne innerlich ein wenig zu jammern. Zum Glück haben wir hier wenigstens einen Deich, das ist gut für Sport, und auch die vorab zu durchquerende Grünanlage schadet der Jogging-Motivation nicht. Insgesamt klappt das alles überraschend gut heute, ich trabe 30 Minuten sehr gemächlich, aber das erste Mal ohne Gehpause, durch die Landschaft. Zwischendurch kommt sogar die Sonne raus, die letzten 50 Meter sprinte ich, mehr will ich gar nicht vom Joggen. Ich bin ja eher so eine unehrgeizige Sportlerin.

Wieder zu Hause nutze ich die Nachschwitzzeit zum Befüllen einer weiteren Spülmaschine, weiteres Whatsapp-Geschreibsel und gehe dann duschen.

11:00 Ich verlasse wieder die Wohnung, im Gepäck Leergut, Altpapier und Bücherei-Rückgebsel. Einen kleinen Fußmarsch entlang werde ich alles an den dafür vorgesehenen Orten los – allerdings auch ein kleines Vermögen im Gebührenautomat der Bücherei. Da geht sie hin, die Aktienrendite! Aber nun ja, selbstverschuldetes Leid, ich hatte allen Erinnerungen der Bücherei zum Trotz die Abgabe der Bücher versemmelt. Kurzer Abstecher in die Drogerie, wo ich mir Blumenerde, Samen, Kaffee und einen Honig-Mandel-Riegel in den Rucksack werfe. Dann geht es wieder nach Hause, um das Mittagessen vorzubereiten: Steak mit Salat.

14.00 Ich breche auf zur Kita der Krabbe, wo ich mich mit meinem Vater treffe. Wir holen die Kleene ab und fahren zur nächsten Kita, um ein Besuchskind abzuholen und Eis zu essen. Das ist zuviel für die Krabbe, sie beginnt zu schreien und hört etwa eine Stunde nicht auf. Ich breche irgendwann zusammen, das Besuchskind fängt an zu weinen, mein Vater rollt die Augen, die Eisdiele leert sich. Wir verlassen den Raum, an der frischen Luft wird es etwas besser, aber dennoch beschließen wir, dass der Papa des Besuchskindes sie abholt. Aller Nerven liegen zu blank, als dass ich da noch Chance auf eine Rettung des Nachmittags sähe.

16:00 Wir kommen zu Hause an. Der Krabbes Stimmung tendiert zu besser, sie bekommt Milchschaum, mein Vater und ich trinken noch einen Kaffee. Dann bricht er auf zu Schwester 1, die Krabbe und ich lesen und basteln noch etwas.

18.00 D. kommt nach Hause und bringt Fladenbrot mit. Der Eintopf kommt zum Zuge, und nach einem entspannten Essen breche ich auf zur Gremiensitzung.

Dort gibt es eine kleine Überraschung. Was ich nicht wusste und was im vorherigen Gremium komplett anders war: ich stelle meinen Antrag vor 90 Leuten vor. Mit Mikrofon und Rednerinnenpult. Mein Puls geht auf 180, da meine Vorbereitung eher -äh – rudimentär ist. Eventuell hätte ich mich außerdem schminken können, und was Nettes anziehen… Meine Rede immerhin funktioniert, ich nutze wenig Füllwörter, stottere nicht und gucke seriös. Aber als das Adrenalin zurückgeht, werde ich fast ohnmächtig. Ich bin völlig erledigt von dem Nachmittagsintermezzo und der abendlichen Spannung und verabschiede mich hiermit vom Tagebuch.

Einen schönen Abend allerseits!