Artikel zum Wechselmodell

Auf welt.de erschien just ein Artikel zum Wechselmodell, den ich recht gut finde.

Der Passus mit der Trennungskritik enthält für meinen Geschmack etwas viel erhobenen Zeigefinger und impliziert, man oder frau solle sich mal nicht so anstellen, wenn die Liebe nachlässt. Dazu noch immer diese viel beschworene wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frauen als Grund allen Übels… aber nun ja. Es ist eben ein konservatives Blatt.

Das Wechselmodell wird immerhin so beschrieben, dass ich mich da wiederfinden kann, was bei vielen Beiträgen zum Thema eher schwer fällt. Ich denke nämlich zum Beispiel nicht, wie es oft suggeriert wird, dass die Eltern für ein gelingendes Wechselmodell komplett konfliktfrei miteinander sein müssen – wie im Artikel beschrieben kann man viel mit Mail-Kommunikation schaffen.

Also: Lese-Empfehlung, vor allem, wenn man mit dem Begriff noch nicht so viel anfangen kann.

 

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Bücher: Die Feiertage können kommen!

20170518_154845Ich habe den Geburtstagsgeschenk-Buchhandlungsgutschein eingelöst!

Robert Harris: Konklave. Ich mag Robert Harris, gerade seine historischen Romane. Ich finde, dass er Politik und Machtverhältnisse sehr spannend erzählen kann, mit interessanten Protagonisten und gut zu lesender Sprache. In „Konklave“ geht es um die Wahl eines Papstes, ein Thema, das ich generell sehr faszinierend finde. Der Vatikan ist für mich immer eine abgeschottete Welt aus Männerbünden und -feindschaften, quasi ein Idealtypus der Politik. Ich habe lange überlegt, es auf Englisch zu kaufen, habe aber mit den deutschen Übersetzungen von Harris immer gute Erfahrung gemacht und brauchte etwas zum Schnell-Herunterlesen.

Margaret Atwood: The Handmais´s Tale. Quasi das Gegenteil von „Konklave“. Englisch, schwere Kost. Aber ich kenne und mag Margaret Atwood, ich kenne auch das Buch von einer etwa 10 Jahre zurück liegenden Lektüre, und mir ist, als würde es in Bälde eine Serie dazu geben. Sehr viele gute Argumente, auch wenn das schnelle Herunterlesen hier nicht stattfinden wird.

Lily King: Euphoria. Ein bisschen historisch, ein bisschen exotisch, ein bisschen Liebe und eine mich sehr ansprechende Beschreibung auf meinem Lieblings-Buch-Blog schiefgelesen. Ist gekauft! Auch hier nicht auf englisch, weil ich mein Hirn etwas entspannen will. Das Angelsächsische ist für etwa zehn Jahre sowieso gesichert,  denn ich muss noch „Wheel of Time“ durchackern.

Torben Kuhlmann: Lindbergh. Ja nun, manchmal will man ja auch was Nettes zum Vorlesen haben. Dieses Buch wurde überall in meinem Internet dermaßen bejubelt, dass ich es für die Krabbe haben wollte. Ich selber finde nach dem ersten Hineinschauen die Bilder toll (wenn auch etwas sehr in Brauntönen gehalten, ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das mag) und das Bild/Textverhältnis extrem gut. Es ist wirklich nicht einfach, für eine Vierjährige Bücher zu finden, die genug Bilder für sie und genug und guten Text für mich bieten. Vielleicht klappt es ja hier, und mit etwas Glück mag sie es. (Und wenn jemand Tipps hat für Bücher mit einem ähnlichen /Text/Bildverhältnis, gerne hier kommentieren, ich freue mich immer über eure guten Tipps. schiefgelesen hat leider keine Kinderbuch-Rezensionen :-))

nicht im Bild: Astrid Lindgren: Ronja Räubertochter. Noch etwas zu viel Text für die Krabbe, aber was man hat, hat man. Ich dachte, dass vielleicht der Text sie fesseln könnte, und sie hat sich das auch einige Abende angehört, aber dann siegte doch „Lea im Zoo“. Bah. Alles nur, weil ich dich liebe, Kind.

Und falls das alles zum Kopf abschalten nicht genug ist, habe ich mir die DVD zur sechsten Staffel Game of Thrones in der Bücherhalle vorgemerkt. Pfingsten ist kindfrei und zum Konsum derselben qua Beamer vorgemerkt. Ich freu mich!

 

Ein Stadtausflug mit Krabbe – Die Eroberung von Bremen

Stadtmusikanten_Bremen

Die Bremer Stadtmusikanten. Von Wuzur – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3571364

Jüngst besuchte ich mit der Krabbe Bremen. Es war ein wirklich gelungener Ausflug, ich war danach ganz angetan und musste daran denken, dass Frau Novemberregen mir auf kommentatorische Nachfrage mal verriet, dass Städtereisen mit Kindern durchaus auch schon mit 8jährigen toll sind. Nun, die Krabbe ist vier Jahre alt, aber das war auch schon toll. Da ich Vorbereitungs-Fan bin, erzählte ich ihr vorab von den Bremer Stadtmusikanten und dass ich in Bremen studiert und daher dort lange gewohnt hatte, auch ihren Vater habe ich in der Zeit kennen gelernt. Das fand sie ganz interessant.

Wir bestiegen also top vorbereitet morgens den Regionalexpress, in dem die Krabbe dann etwa eine Stunde lang und damit den Großteil der Fahrt lang versunken Hörspiele hörte. Manchmal erschreckt es mich ja ein wenig, wie sehr weggetreten das Kind beim Medienkonsum ist, aber ich schätze, das ist eigentlich nicht ganz schlecht, diese Fähigkeit zur Hingabe. In diesem Falle nutzte ich die mentale Abwesenheit meiner Tochter, um etwas zu lesen und aus dem Fenster zu schauen, also eine ganz normale Zugfahrt, fast wie mit ohne Kind. Das war interessant, daran muss ich mich erst noch gewöhnen, mir war fast etwas langweilig.

In Bremen angekommen fuhren wir zunächst Straßenbahn, was die Krabbe immer toll findet. Schienen auf der Straße! Das ist schon ein Ding. Ich zeigte ihr auf der Fahrt die Orte, an denen ich in Bremen gewohnt hatte – und das sind viele, ich habe ungefähr in sechs verschiedenen WGs gelebt -, was sie zu sehr vielen Nachfragen und Überlegungen animierte. Fragen und überlegen sind aktuell sehr große Hobbys von ihr, das könnte sie in einen Lebenslauf schreiben. Das ist schön, aber manchmal etwas anstrengend, da ich prinzipiell keine Frage unbeantwortet lassen möchte.

Am Leibnitzplatz trafen wir uns mit meiner alten Freundin V. in einem schönen, mir bis dato unbekannten Cafe, das ich wegen seiner Spielecke ausgesucht hatte. Ach ja, der Fokus hat sich verändert, seit ich als Studentin in der Stadt rumgelungert habe! Die Krabbe hörte noch eine halbe Stunde Hörspiel und enterte dann die Spielecke, wollte allerdings keinesfalls alleine spielen. Da das Gespräch so nicht weiter geführt werden konnte, brachen wir bald auf, um uns die Bremer Stadtmusikanten-Statue anzuschauen. Diese steht auf dem überaus prachtvollen mittelalterlichen Rathausplatz, auf dem außerdem der riesige Dom steht und auf dem sich enorm viele Statuen tummeln. Die Krabbe fand das richtig gut. Sie wollte gerne in den Dom und so folgten wir Erwachsenen brav.

Im Dom selber hatte sie viele Fragen zu den Ritualen, den Fenstern, den Leuten, der Einrichtung, den Statuen, den Bischofsgräbern, den Beichtstühlen etc pp. Ich bin Atheistin und versuchte etwas verzweifelt, alles neutral zu erklären, ohne dass es unkritisch zu verstehen ist. Väterlichseits ist da mehr Glaube im Spiel, sie bekommt also die andere Seite auch gut mit. Ich orgelte tüchtig herum, war aber generell ganz zufrieden mit mir. Irgendwann kamen wir an der obligatorischen Jesus-Staue an. „Mami, warum ist immer Jesus in der Kirche?“ – „Viele Leute glauben, dass Jesus der Sohn von Gott ist. Und weil die Kirche für Gott gebaut ist, ist da auch immer Jesus drin.“ Das kleine Gesicht verzog sich, aufs Höchste empört, und die Krabbe rief SEHR laut, dass es von den Kirchenwänden widerhallte: „Das stimmt nicht! Gott ist im Himmel und Jesus auf der Erde! Jesus ist nicht der Sohn von Gott! Der hat andere Eltern, Maria und den Mann da, dieser eine!“ Ich nickte bedächtig, sagte: „Du hast das Kernproblem gut erfasst, mein Kind, ich bin stolz auf dich“ und zerrte alle schnell und unauffällig wieder auf den Marktplatz hinaus.

Hier entdeckte die Krabbe, dass die Leute Fotos von den grausligen Domstatuen machten, und beschloss, auf jede der ungefähr einhundert Statuen zu klettern und ihre unschuldige Mutter zu zwingen, das ausführlich zu fotografieren. Sie poste wie eine Weltmeisterin, ich war schwer beeindruckt. Wir schauten uns außerdem die Stadtmusikanten an, mit denen ebenso verfahren wurde, und sie rieb alle möglichen Stellen auf der Statue für das größtmöglich Glück, das dadurch zu einem kommt, ordentlich ab. „Was heißt das, das bringt Glück?“ – „Das heißt, dass du dann heute viel Glück hast. Vielleicht so viel Glück, dass es heute Abend Nudeln gibt.“ Das leuchtete ihr ein – Nudeln sind schon wirklich viel Glück! Sie wollte dann gerne noch in das mittelalterliche Rathaus, was allerdings weder zeitlich noch organisatorisch zu bewältigen war, was ich mir aber merkte. Hamburg hat ja auch ein Rathaus, nech!

Um die These mit dem Glück zu überprüfen, verabschiedeten wir V., stiegen wir in eine weitere Straßenbahn und machten uns auf zu Schwester 2 und ihrem Freund und Sohn. Dort stieß bald D. zu uns, die Krabbe spielte mit ihrem Cousin (zumindest im selben Zimmer mit ihm, aber das klappte alles sehr gut), die Kinder aßen Nudeln und gingen irgendwann gesammelt ins Bett. Gegen 21 Uhr kam das vorab bestellte Sushi, der Sekt wurde geöffnet und floß in Strömen. Viel zu spät gingen auch die Erwachsenen ins Bett.

In der Nacht setzte meine Periode ein, und die puckernde Gebärmutter kombiniert mit einem veritablen Schädel führte zu meinem Entschluss, dass alle anderen ruhig wie geplant bouldern gehen konnten, während ich Kaffee trinken in der Boulderhallen-Sofaecke bevorzugte und Anlaufpunkt für die Kinder sein würde. Gesagt, getan – wir fuhren in die Boulderhalle nach Walle, und es geschah alles genau so. Die Krabbe ist eine große und furchtlose Klettererin, so dass sie auf ihre Kosten kam, ebenso ihr Cousin. Nach einem spaßigen Vormittag setzte uns Schwester 2s Mann am Bahnhof ab, wir besorgten uns schnell ein Mittagessen und stiegen in den IC zurück nach Hamburg.

Das war alles sehr großartig und harmonisch gewesen. Reisen mit der Krabbe ist aber auch wirklich immer toll, sie ist ein unterwegs-Kind. Wirklich schade, dass ich selber eher eine zu-Hause-Mutti bin.

Nachteil Brennpunktstadtteil

Ich bin ja hart im Nehmen, aber: Wenn das Kind auf dem Weg zur Kita, der eigentlich mit Roller recht schnell zurückgelegt wird, an jedem Hundehaufen stehen bleibt und den ausgiebig monologisiert: „Guck mal, Mama! Hundekacke! Öargh. Die haben die Leute nicht mitgenommen. Iiiih, so ein großer Haufen Kacke! Ganz braun. Mama, siehst du das? Guck doch mal! Mama, guhuck! Der stinkt bestimmt ganz doll. Bäh, Kacke“, und das alle 50 Meter passiert („GUCK mal, Mama, der ist NOCH größer! usw usf“ ), dann ist mir am Ende des Weges ein bisschen schlecht.

Da wünscht man sich dann doch nach Blankenese, da nehmen die Hundeausführer die Ausscheidungen der Klienten sicher gewissenhaft mit.

Per Anhalter durch die Galaxis

Douglas Adams mag ich sehr gerne, und „Per Anhalter durch die Galaxis“ ist ein bereits oft gelesenes Werk in meinem Bücherregal. Jüngst fischte die Krabbe das Buch heraus und wollte, dass ich vorlese. Ich folgte dem Wunsch, und siehe, wir haben nun schon zwei Tage am Stück gelesen, was mir viel Spaß macht. Ich muss der Vierjährigen zwar viel erklären – Anhalter, Galaxis, Bulldozer, „Keine Panik“, Umgehungsstraße, Haus abreißen, Baupläne sind bisher die wichtigsten Begriffe gewesen -, aber sie folgt interessiert. Arthur Dents etwas kindliches Gemüt scheint ihr nicht allzu fern zu sein. Dass er sich vor einen Bulldozer in den Matsch legt, fand sie zumindest nicht erklärungsbedürftig.

Auf jeden Fall macht das mehr Spaß als „Lea im Zoo“, diese sehr uninspirierte Bla-Geschichte, die gerade bei der Krabbe hoch im Kurs steht.

Ich muss das Ganze proaktiv angehen, die Bilderbücher sind zwar immer noch en vogue bei uns, aber der Geschmack verändert sich doch schon sehr gerade. Ich finde tatsächlich, dass viele Kinderbücher ungeheuer schlecht geschrieben sind, von meinen Ansprüchen an nicht-stereotype Darstellungen ganz zu schweigen, und ich mag mich nicht die ganze Zeit ärgern, während ich vorlese. Wird Zeit, dass ich auf die Suche gehe nach geeigentem Vorlesematerial, falls der Anhalter durch die Galaxis seine Faszination irgendwann verliert.

Ostern

Die kindfreien Zeiten nehmen deutlich überhand; die Reiserei des Papas (12 Wochen alleine in den letzten sechs Monaten, die nächsten wochenlangen Trips sind bereits angekündigt) stellt mich zunehmend vor Probleme. Entweder er nimmt sie mit, dann vermisse ich sie schrecklich; oder er nimmt sie nicht mit, was mich vor große Organisationsprobleme stellt. Mein Erwerbsleben ist darauf ausgerichtet, dass ich die Kleine an zwei Tagen nicht von der Kita abholen muss. Muss ich das dennoch tun, muss ich Minusstunden machen und mittelfristig den Zorn der Kollegen auf mich ziehen. Das ist, gelinde gesagt, ärgerlich, da der einzige Grund dafür Surfreisen meines Exfreundes sind und er mir bisher keine Lösungen anbietet. Ich bin mir noch nicht sicher, was ich da machen kann oder soll. Faktisch ist das kein Wechselmodell mehr… Vielleicht mache ich doch mal einen Termin bei der Erziehungsberatung.

Aber nun ja, zunächst kindfreies Ostern. D. ließ sich von der Wettervorsage nicht schrecken und fuhr zum Wandern in die sächsische Schweiz, ich blieb auf dem Hamburger Sofa und fühlte abwechselnd tiefes Mitleid, Staunen und blanke Freude über die Tatsache, dass ich nicht dabei war. Ab uns an wuchtete ich mich hoch und kochte tolle Sachen (Rinderkraftbühe, Cole Slaw etc.)

Samstag fuhr ich für eine Nacht nach Berlin, um dort sozial (Freunde und Familie!), aber nicht zu sozial (Hotelübernachtung) doch ein wenig Feiertagsstimmung zu genießen. Meine Samstag-Nachmittag-Verabredung klappt nicht, und statt nach Ersatz zu suchen, vergnügte ich mich im Deutschen Historischen Museum, das ich noch nicht kannte. Was für ein Gebäude! Traumhaft. Die Ausstellung war übrigens auch gut, aber alleine für das Gebäude lohnte sich der Besuch.

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Flyer zur Ausstellung „Deutscher Kolonialismus“

Abends traf ich mich mit der Ex-Büromitbewohnerin. Schön wars!

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Schöneberger Kneipe. Die Ex-Kollegin musste kurz weg.

Die Nacht im Hotel war sehr erholsam. Ich lümmelte lange im Bett herum und sah zwei Folgen „Tote Mädchen lügen nicht“, bevor es zur Morgentoilette ging.

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Ausblick Hotelzimmer

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Selbstpoträt mit Zahnbürste, so Gerhard-Richter-mäßig angeschnitten (finde ich)

Das Hotel – Motel on* am Hauptbahnhof – war völlig in Ordnung, super gut angebunden für meine Pläne und hatte ein nettes Preisleistungsverhältnis. Am tollsten war die Dusche, die ich mehrere Male nutzte. Ich mag vollgedampfte winzige Badezimmer sehr!

Aber ich mag auch Osterfrühstücke und neue Wohnungen ansehen, daher kombinierte ich beides, indem ich die Cousine und ihren Freund besuchte. Bei ihr lungerten auch meine Tante und mein Cousin herum, was natürlich herrlich war. Auch die Wohnung war so herrlich, dass ich mir ein bisschen wie die verarmte Cousine vorkam, die aus ihrem Cottage in der Provinz, wo sie stets um Redlichkeit und bescheidenen Wohlstand bemüht knapp an der Armutsgrenze lebt und ihr uneheliches Kind gerade so durchbringt, zu Besuch ist. Definitiv zu viel Jane Austen gelesen, aber jetzt weiß ich, was die gute Jane meinte!

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Auf dem Weg zum Osterfrühstück

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Nach-Gang Osterfrühstück

Das war schön gewesen. Ich setzte mich in die Bahn nach Hause und schluffele so durch Rest-Ostern… heute geht es noch in die Boulderhalle, ich koche noch ordentlich mit Roten Beten, Weißkohl und Spinat und dann kommt der durchgefrorene D. wieder. Und dann ist Ostern schon wieder vorbei.

 

Tagebuch April 2017

Frau Brüllen fragt mal wieder: Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Wie hunderte andere antworte ich gerne.

Heute ist ein sehr voller Tag mit allem, was gerade anliegt außer Erwerbsarbeit, denn Mittwochs habe ich frei. Die Kurzankündigung: Haushalt, Aktien, Sport, Kind, Vater, Besuchskind, Parteiarbeit. Nun denn, lasset die Spiele beginnen.

07:00 Ich werde von den Kindern geweckt, die im Kinderzimmer über uns spielen. Der einzige kleine Nachteil, seit wir unser Schlafzimmer verlegt haben: es liegt nun unter dem Kinderzimmer der Nachbarn, und deren Kinder sind Lerchen. Aber gut, so behalte ich auch an meinen kind- und arbeitsfreien Tagen den Kindrhythmus bei, das hat bestimmt enorm viele Vorteile, die mir nur gerade nicht einfallen. Ich mache Kaffee, D. steht auch auf.

08:20 D. verlässt das Haus. Ich beginne damit, die neu erworbenen und gestern angekommenen Plastikdosen – zur Bevorratung der Essensreste gedacht – in die Spülmaschine zu räumen, Zutaten für einen Eintopf zu schnippeln und whatsapp-Gespräche zu führen. Themen der Konversationen:

  • Termin des Chefs heute morgen, von dem ich nicht sicher bin, ob alle Beteiligten alle Informationen haben. Haben sie.
  • Parteiarbeit heute Abend: ich muss meinen Antrag im nächsthöheren Gremium vorstellen, komme aber erst später zur Versammlung. Das muss geregelt werden.
  • Besuchskind: wann hole ich es wie aus der Kita ab?

Läuft alles.

09:00 Frühstück: Haferflocken, Apfel, Milch, Zimt, Zucker, alles auf dem Herd eingeköchelt. Für das Joggen, das ich erst seit sehr kurzem wieder angefangen habe, brauche ich seeeehr viel Energie. Ich mag ja joggen nicht, eep from the bottom of my heart, aber für so volle Tage ist es einfach sehr praktisch.

Kurz Aktien checken: ich habe mir den Spaß erlaubt und von meinem restlichen Weihnachtsgeld Aktien gekauft, von zwei Firmen jeweils zwei und drei Exemplare. Ich bin also stolze Besitzerin von 5 Aktien. Nun beobachte ich die Aktienkurse, was ein gemischtes Vergnügen ist: Eine der Firmen geht rasant durch die Decke, die andere dümpelt so vor sich hin. Seit dem Kauf vor zwei Wochen habe ich aber insgesamt 14% Rendite erzielt, was natürlich Spaß macht.

09:30  Langsame seelische Vorbereitung auf das Joggen. Ich wechsele vom Schlafanzug in die Joggingklamotten und starte in den grauen Hamburger Morgen, nicht ohne innerlich ein wenig zu jammern. Zum Glück haben wir hier wenigstens einen Deich, das ist gut für Sport, und auch die vorab zu durchquerende Grünanlage schadet der Jogging-Motivation nicht. Insgesamt klappt das alles überraschend gut heute, ich trabe 30 Minuten sehr gemächlich, aber das erste Mal ohne Gehpause, durch die Landschaft. Zwischendurch kommt sogar die Sonne raus, die letzten 50 Meter sprinte ich, mehr will ich gar nicht vom Joggen. Ich bin ja eher so eine unehrgeizige Sportlerin.

Wieder zu Hause nutze ich die Nachschwitzzeit zum Befüllen einer weiteren Spülmaschine, weiteres Whatsapp-Geschreibsel und gehe dann duschen.

11:00 Ich verlasse wieder die Wohnung, im Gepäck Leergut, Altpapier und Bücherei-Rückgebsel. Einen kleinen Fußmarsch entlang werde ich alles an den dafür vorgesehenen Orten los – allerdings auch ein kleines Vermögen im Gebührenautomat der Bücherei. Da geht sie hin, die Aktienrendite! Aber nun ja, selbstverschuldetes Leid, ich hatte allen Erinnerungen der Bücherei zum Trotz die Abgabe der Bücher versemmelt. Kurzer Abstecher in die Drogerie, wo ich mir Blumenerde, Samen, Kaffee und einen Honig-Mandel-Riegel in den Rucksack werfe. Dann geht es wieder nach Hause, um das Mittagessen vorzubereiten: Steak mit Salat.

14.00 Ich breche auf zur Kita der Krabbe, wo ich mich mit meinem Vater treffe. Wir holen die Kleene ab und fahren zur nächsten Kita, um ein Besuchskind abzuholen und Eis zu essen. Das ist zuviel für die Krabbe, sie beginnt zu schreien und hört etwa eine Stunde nicht auf. Ich breche irgendwann zusammen, das Besuchskind fängt an zu weinen, mein Vater rollt die Augen, die Eisdiele leert sich. Wir verlassen den Raum, an der frischen Luft wird es etwas besser, aber dennoch beschließen wir, dass der Papa des Besuchskindes sie abholt. Aller Nerven liegen zu blank, als dass ich da noch Chance auf eine Rettung des Nachmittags sähe.

16:00 Wir kommen zu Hause an. Der Krabbes Stimmung tendiert zu besser, sie bekommt Milchschaum, mein Vater und ich trinken noch einen Kaffee. Dann bricht er auf zu Schwester 1, die Krabbe und ich lesen und basteln noch etwas.

18.00 D. kommt nach Hause und bringt Fladenbrot mit. Der Eintopf kommt zum Zuge, und nach einem entspannten Essen breche ich auf zur Gremiensitzung.

Dort gibt es eine kleine Überraschung. Was ich nicht wusste und was im vorherigen Gremium komplett anders war: ich stelle meinen Antrag vor 90 Leuten vor. Mit Mikrofon und Rednerinnenpult. Mein Puls geht auf 180, da meine Vorbereitung eher -äh – rudimentär ist. Eventuell hätte ich mich außerdem schminken können, und was Nettes anziehen… Meine Rede immerhin funktioniert, ich nutze wenig Füllwörter, stottere nicht und gucke seriös. Aber als das Adrenalin zurückgeht, werde ich fast ohnmächtig. Ich bin völlig erledigt von dem Nachmittagsintermezzo und der abendlichen Spannung und verabschiede mich hiermit vom Tagebuch.

Einen schönen Abend allerseits!