Bücher: Die Feiertage können kommen!

20170518_154845Ich habe den Geburtstagsgeschenk-Buchhandlungsgutschein eingelöst!

Robert Harris: Konklave. Ich mag Robert Harris, gerade seine historischen Romane. Ich finde, dass er Politik und Machtverhältnisse sehr spannend erzählen kann, mit interessanten Protagonisten und gut zu lesender Sprache. In „Konklave“ geht es um die Wahl eines Papstes, ein Thema, das ich generell sehr faszinierend finde. Der Vatikan ist für mich immer eine abgeschottete Welt aus Männerbünden und -feindschaften, quasi ein Idealtypus der Politik. Ich habe lange überlegt, es auf Englisch zu kaufen, habe aber mit den deutschen Übersetzungen von Harris immer gute Erfahrung gemacht und brauchte etwas zum Schnell-Herunterlesen.

Margaret Atwood: The Handmais´s Tale. Quasi das Gegenteil von „Konklave“. Englisch, schwere Kost. Aber ich kenne und mag Margaret Atwood, ich kenne auch das Buch von einer etwa 10 Jahre zurück liegenden Lektüre, und mir ist, als würde es in Bälde eine Serie dazu geben. Sehr viele gute Argumente, auch wenn das schnelle Herunterlesen hier nicht stattfinden wird.

Lily King: Euphoria. Ein bisschen historisch, ein bisschen exotisch, ein bisschen Liebe und eine mich sehr ansprechende Beschreibung auf meinem Lieblings-Buch-Blog schiefgelesen. Ist gekauft! Auch hier nicht auf englisch, weil ich mein Hirn etwas entspannen will. Das Angelsächsische ist für etwa zehn Jahre sowieso gesichert,  denn ich muss noch „Wheel of Time“ durchackern.

Torben Kuhlmann: Lindbergh. Ja nun, manchmal will man ja auch was Nettes zum Vorlesen haben. Dieses Buch wurde überall in meinem Internet dermaßen bejubelt, dass ich es für die Krabbe haben wollte. Ich selber finde nach dem ersten Hineinschauen die Bilder toll (wenn auch etwas sehr in Brauntönen gehalten, ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das mag) und das Bild/Textverhältnis extrem gut. Es ist wirklich nicht einfach, für eine Vierjährige Bücher zu finden, die genug Bilder für sie und genug und guten Text für mich bieten. Vielleicht klappt es ja hier, und mit etwas Glück mag sie es. (Und wenn jemand Tipps hat für Bücher mit einem ähnlichen /Text/Bildverhältnis, gerne hier kommentieren, ich freue mich immer über eure guten Tipps. schiefgelesen hat leider keine Kinderbuch-Rezensionen :-))

nicht im Bild: Astrid Lindgren: Ronja Räubertochter. Noch etwas zu viel Text für die Krabbe, aber was man hat, hat man. Ich dachte, dass vielleicht der Text sie fesseln könnte, und sie hat sich das auch einige Abende angehört, aber dann siegte doch „Lea im Zoo“. Bah. Alles nur, weil ich dich liebe, Kind.

Und falls das alles zum Kopf abschalten nicht genug ist, habe ich mir die DVD zur sechsten Staffel Game of Thrones in der Bücherhalle vorgemerkt. Pfingsten ist kindfrei und zum Konsum derselben qua Beamer vorgemerkt. Ich freu mich!

 

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Ein Stadtausflug mit Krabbe – Die Eroberung von Bremen

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Die Bremer Stadtmusikanten. Von Wuzur – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3571364

Jüngst besuchte ich mit der Krabbe Bremen. Es war ein wirklich gelungener Ausflug, ich war danach ganz angetan und musste daran denken, dass Frau Novemberregen mir auf kommentatorische Nachfrage mal verriet, dass Städtereisen mit Kindern durchaus auch schon mit 8jährigen toll sind. Nun, die Krabbe ist vier Jahre alt, aber das war auch schon toll. Da ich Vorbereitungs-Fan bin, erzählte ich ihr vorab von den Bremer Stadtmusikanten und dass ich in Bremen studiert und daher dort lange gewohnt hatte, auch ihren Vater habe ich in der Zeit kennen gelernt. Das fand sie ganz interessant.

Wir bestiegen also top vorbereitet morgens den Regionalexpress, in dem die Krabbe dann etwa eine Stunde lang und damit den Großteil der Fahrt lang versunken Hörspiele hörte. Manchmal erschreckt es mich ja ein wenig, wie sehr weggetreten das Kind beim Medienkonsum ist, aber ich schätze, das ist eigentlich nicht ganz schlecht, diese Fähigkeit zur Hingabe. In diesem Falle nutzte ich die mentale Abwesenheit meiner Tochter, um etwas zu lesen und aus dem Fenster zu schauen, also eine ganz normale Zugfahrt, fast wie mit ohne Kind. Das war interessant, daran muss ich mich erst noch gewöhnen, mir war fast etwas langweilig.

In Bremen angekommen fuhren wir zunächst Straßenbahn, was die Krabbe immer toll findet. Schienen auf der Straße! Das ist schon ein Ding. Ich zeigte ihr auf der Fahrt die Orte, an denen ich in Bremen gewohnt hatte – und das sind viele, ich habe ungefähr in sechs verschiedenen WGs gelebt -, was sie zu sehr vielen Nachfragen und Überlegungen animierte. Fragen und überlegen sind aktuell sehr große Hobbys von ihr, das könnte sie in einen Lebenslauf schreiben. Das ist schön, aber manchmal etwas anstrengend, da ich prinzipiell keine Frage unbeantwortet lassen möchte.

Am Leibnitzplatz trafen wir uns mit meiner alten Freundin V. in einem schönen, mir bis dato unbekannten Cafe, das ich wegen seiner Spielecke ausgesucht hatte. Ach ja, der Fokus hat sich verändert, seit ich als Studentin in der Stadt rumgelungert habe! Die Krabbe hörte noch eine halbe Stunde Hörspiel und enterte dann die Spielecke, wollte allerdings keinesfalls alleine spielen. Da das Gespräch so nicht weiter geführt werden konnte, brachen wir bald auf, um uns die Bremer Stadtmusikanten-Statue anzuschauen. Diese steht auf dem überaus prachtvollen mittelalterlichen Rathausplatz, auf dem außerdem der riesige Dom steht und auf dem sich enorm viele Statuen tummeln. Die Krabbe fand das richtig gut. Sie wollte gerne in den Dom und so folgten wir Erwachsenen brav.

Im Dom selber hatte sie viele Fragen zu den Ritualen, den Fenstern, den Leuten, der Einrichtung, den Statuen, den Bischofsgräbern, den Beichtstühlen etc pp. Ich bin Atheistin und versuchte etwas verzweifelt, alles neutral zu erklären, ohne dass es unkritisch zu verstehen ist. Väterlichseits ist da mehr Glaube im Spiel, sie bekommt also die andere Seite auch gut mit. Ich orgelte tüchtig herum, war aber generell ganz zufrieden mit mir. Irgendwann kamen wir an der obligatorischen Jesus-Staue an. „Mami, warum ist immer Jesus in der Kirche?“ – „Viele Leute glauben, dass Jesus der Sohn von Gott ist. Und weil die Kirche für Gott gebaut ist, ist da auch immer Jesus drin.“ Das kleine Gesicht verzog sich, aufs Höchste empört, und die Krabbe rief SEHR laut, dass es von den Kirchenwänden widerhallte: „Das stimmt nicht! Gott ist im Himmel und Jesus auf der Erde! Jesus ist nicht der Sohn von Gott! Der hat andere Eltern, Maria und den Mann da, dieser eine!“ Ich nickte bedächtig, sagte: „Du hast das Kernproblem gut erfasst, mein Kind, ich bin stolz auf dich“ und zerrte alle schnell und unauffällig wieder auf den Marktplatz hinaus.

Hier entdeckte die Krabbe, dass die Leute Fotos von den grausligen Domstatuen machten, und beschloss, auf jede der ungefähr einhundert Statuen zu klettern und ihre unschuldige Mutter zu zwingen, das ausführlich zu fotografieren. Sie poste wie eine Weltmeisterin, ich war schwer beeindruckt. Wir schauten uns außerdem die Stadtmusikanten an, mit denen ebenso verfahren wurde, und sie rieb alle möglichen Stellen auf der Statue für das größtmöglich Glück, das dadurch zu einem kommt, ordentlich ab. „Was heißt das, das bringt Glück?“ – „Das heißt, dass du dann heute viel Glück hast. Vielleicht so viel Glück, dass es heute Abend Nudeln gibt.“ Das leuchtete ihr ein – Nudeln sind schon wirklich viel Glück! Sie wollte dann gerne noch in das mittelalterliche Rathaus, was allerdings weder zeitlich noch organisatorisch zu bewältigen war, was ich mir aber merkte. Hamburg hat ja auch ein Rathaus, nech!

Um die These mit dem Glück zu überprüfen, verabschiedeten wir V., stiegen wir in eine weitere Straßenbahn und machten uns auf zu Schwester 2 und ihrem Freund und Sohn. Dort stieß bald D. zu uns, die Krabbe spielte mit ihrem Cousin (zumindest im selben Zimmer mit ihm, aber das klappte alles sehr gut), die Kinder aßen Nudeln und gingen irgendwann gesammelt ins Bett. Gegen 21 Uhr kam das vorab bestellte Sushi, der Sekt wurde geöffnet und floß in Strömen. Viel zu spät gingen auch die Erwachsenen ins Bett.

In der Nacht setzte meine Periode ein, und die puckernde Gebärmutter kombiniert mit einem veritablen Schädel führte zu meinem Entschluss, dass alle anderen ruhig wie geplant bouldern gehen konnten, während ich Kaffee trinken in der Boulderhallen-Sofaecke bevorzugte und Anlaufpunkt für die Kinder sein würde. Gesagt, getan – wir fuhren in die Boulderhalle nach Walle, und es geschah alles genau so. Die Krabbe ist eine große und furchtlose Klettererin, so dass sie auf ihre Kosten kam, ebenso ihr Cousin. Nach einem spaßigen Vormittag setzte uns Schwester 2s Mann am Bahnhof ab, wir besorgten uns schnell ein Mittagessen und stiegen in den IC zurück nach Hamburg.

Das war alles sehr großartig und harmonisch gewesen. Reisen mit der Krabbe ist aber auch wirklich immer toll, sie ist ein unterwegs-Kind. Wirklich schade, dass ich selber eher eine zu-Hause-Mutti bin.

Drei gute Dinge auf dem Teller: Hugh Fearnley-Whittingstall

Drei gute Dinge: Kartoffel, Steckrübe und Ei.

Ich bin ja bekennende Nicht-Kochbuch-Nutzerin, aber dieses Buch hat es mir angetan. Und das kam so: Ich stand jüngst im Winter in der Bücherei vor den Kochbüchern. Einfach so, eigentlich nur, um etwas blicklos vor mich hinzustieren, ich habe es nicht so mit Kochbüchern, aber das Regal ist schön bunt. Doch dann! dieses Buch sprang mir ins Auge, da auf dem Cover vier Dinge waren, die fast alle zu Hause haben, also zumindest ich: Brot, Porree und Käse. Und ein lustig schauender Mann. Damit konnte ich etwas anfangen. Ich schlug das Buch auf und fand als erstes das oben stehende Foto, was unfassbar gut für mich aussieht, mein Blick schweifte zu der Zutatenliste und fand erfreulich wenig Chichi. Und: STECKRÜBE! Ich war etwas fasziniert. Mit Steckrüben konnte ich mich zu dieser Zeit totwerfen, im Hofladen war das Steckrübenangebot im Winter konsistent und üppig. Und da war einfach etwas in einem Kochbuch, was ich geilo finde, und es enthält einfach so Steckrübe!

Das Buch besticht außerdem durch sein Grundkonzept: jedes Rezept besteht aus drei Hauptzutaten und sonst nicht allzu vielem. Das reizte mich.

Ich nahm das Buch also mit und kam zu Hause aus dem Rezepte-Markieren gar nicht mehr heraus. Das Buch hat sehr viele tolle Seiten (hehe!), die ich niemanden vorenthalten möchte und es für mich zu einem extrem guten Kochbuch machen.

  • Die Zutatenlisten sind wirklich kurz und ich muss keine langen Einkaufslisten schreiben, weil ich meist alles im Hause habe, was es neben den drei Grundzutaten braucht.
  • Es gibt sehr viele vegetarische Rezepte.
  • Im Glossar sind wirklich alle Zutaten zu finden, was es für Biokisten- und Hofladen-Nutzerinnen einfacher macht. Wenn ich Rote Bete habe, kann ich nach Roten Beten suchen und werde zu allen Rezepten mit dieser Zutat geführt.
  • Das Angebot an Rezepten mit Wintergemüse ist sehr groß, was ich enorm spannend finde. Interessante Dinge mit mediterranem Gemüse kochen kennt man ja inzwischen zur Genüge. Pastinaken, Möhren, Rüben: da wird es für mich experimentell. Eintöpfe und Ofengemüse kann ich, aber darüber hinaus gibt es in diesem Buch viel zu entdecken.
  • Und das Wichtigste: Die Kombinationen sind wirklich interessant. Rote Bete mit Walnußpesto und Feta? Pastinake und Blätterteig? Johannisbeeren mit Vollkornkeksen und Ziegenkäse? Ich dachte beim Kochen, ich wüsste, was dabei geschmacklich herauskommt. Aber ich wurde überrascht, und zwar mehr als positiv überrascht.

Einziger kleiner Nachteil: die Rezepte, die ich ausprobiert habe, gestalten sich trotz der kurzen Zutatenlisten relativ zeitaufwändig, weil der Autor viel mit dem Backofen und oft mit vorgaren arbeitet. Für einfach mal so abends kurz was in die Pfanne schmeißen habe ich noch nichts getestet. Das tut meiner Begeisterung allerdings wenig Abbruch.

Und was soll ich sagen: kurz bevor ich das Buch nach der dritten Verlängerung voller Trauer in die Bücherei zurück bringen musste, schenkte Schwester 2 es mir zum Geburtstag. Läuft bei mir.

Anscheinend Stress

Ich fühle mich eigentlich nicht so, aber einige Indikatoren weisen darauf hin, dass ich viel zu tun und wenig Muße habe.

  • Ich verpasse wmdegt, das Tagebuchbloggen von Frau Brüllen.
  • Wenn ich morgens das Bett mache, freue ich mich unbändig darauf, mich abends wieder hinein zu legen.
  • Mein Blog-Reader weist von mir ungelesene Artikel auf.
  • Ich finde einfach kein Zeitfenster, um zum Friseur zu gehen.

Es scheint bisher positiver Stress zu sein, da ich mich (noch) nicht erschöpft fühle und gute Laune habe. Der hauptsächliche Grund für die stärkere Auslastung ist eine erhöhte Taktzahl bei der Arbeit und mehr Aktivität in den Ehrenämtern (gnah, wieso habe ich eigentlich zwei Ehrenämter? Wie ist das passiert? Ich erinnere mich nicht mehr), was bisher alles Spaß macht. Ich weiß allerdings auch, dass das bis zum 24. September definitiv noch mehr werden wird, und danach werde ich zumindest bei Arbeit eventuell in ein tiefes Langeweile-Loch fallen. Es gilt also, vorausschauend zu agieren und mit Kräften zu haushalten.

Vorsichtshalber werde ich jetzt schon erhöhte Terminhygiene betreiben. Zwei Abende pro Woche zu Hause sind Pflicht, viel Zeit mit D. und der Krabbe ist einzuplanen, nicht mehr als vier Abendtermine pro Monat bei der Arbeit und die Ehrenamttermine und -arbeiten muss ich eher flach halten. Auf letzteres kann ich mich intensiv nach der Bundestagswahl stürzen, wenn mein Chef sein Mandat verteidigt hat. 

Wachsam sein, ganz langsam rennen, heißt die Devise. Ich muss das Tempo vier Monate halten können.

Solidarische Landwirtschaft; Anteil KW 17

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Mein dieswöchiger Anteil vom demeter-Hof der Solidarischen Landwirtschaft

Wie jede Woche zuckelte ich mit meinem Hackenporsche zum Hofladen der Solidarischen Landwirtschaft, um mir meinen wöchentlichen Anteil unter den Nagel zu reißen. Für meine 45 Euro bekam ich folgende demeter-Güter (auf dem Foto starte ich ich links oben, dann im Uhrzeigersinn Richtung Mitte): 400g Spinat, 400g Weißkohl, 200g Porree, 300g Möhren, 300g Sellerie, 3l Milch, 1 Kopfsalat, 500g Dinkelvollkornmehl, 230g Beefsteak, 100g Frischkäse, 120g Bockshornklee-Gouda, 1 Pfeffersäckchen, 120g Butter, 250ml Saure Sahne, 1kg Kartoffeln, 1 Bund Petersilie, 60g Schinken, 250g Quark, 1 Beinscheibe, 80g Ziegenfrischkäse.

Daraus werde ich zubereiten und verspeisen:

  • 1 Brot und damit und dem Aufschnitt eine Brotzeit und einige Frühstücke
  • Quiche mit Spinat
  • Weißkohlsalat mit Gado Gado-Dressing
  • Beefsteak mit Salat
  • Rindersuppe
  • Kartoffeln und Schinken (mit Spargel)

Den Quark, die Milch und der Aufschnitt werden im alltäglichen Verbrauch verputzt. Ganz alleine von diesem Anteil können wir uns nicht ernähren: Die Milch reicht nicht ganz für eine Woche, wenn die Krabbe da ist, und Obst, Nudeln, Eier etc kaufen wir zu, genauso wie andere verarbeitete Sachen, Dosenvorräte und Ähnliches. Insgesamt haben sich die Supermarkteinkäufe aber sehr reduziert, da wir vermehrt das essen, was gerade da ist und damit manchmal kaum hinterher kommen. Und wie man sieht: der Frühling gibt inzwischen schon einiges an Frischem her.

Und nun. Nun möchte ich einen größeren Kühlschrank!

Ostern

Die kindfreien Zeiten nehmen deutlich überhand; die Reiserei des Papas (12 Wochen alleine in den letzten sechs Monaten, die nächsten wochenlangen Trips sind bereits angekündigt) stellt mich zunehmend vor Probleme. Entweder er nimmt sie mit, dann vermisse ich sie schrecklich; oder er nimmt sie nicht mit, was mich vor große Organisationsprobleme stellt. Mein Erwerbsleben ist darauf ausgerichtet, dass ich die Kleine an zwei Tagen nicht von der Kita abholen muss. Muss ich das dennoch tun, muss ich Minusstunden machen und mittelfristig den Zorn der Kollegen auf mich ziehen. Das ist, gelinde gesagt, ärgerlich, da der einzige Grund dafür Surfreisen meines Exfreundes sind und er mir bisher keine Lösungen anbietet. Ich bin mir noch nicht sicher, was ich da machen kann oder soll. Faktisch ist das kein Wechselmodell mehr… Vielleicht mache ich doch mal einen Termin bei der Erziehungsberatung.

Aber nun ja, zunächst kindfreies Ostern. D. ließ sich von der Wettervorsage nicht schrecken und fuhr zum Wandern in die sächsische Schweiz, ich blieb auf dem Hamburger Sofa und fühlte abwechselnd tiefes Mitleid, Staunen und blanke Freude über die Tatsache, dass ich nicht dabei war. Ab uns an wuchtete ich mich hoch und kochte tolle Sachen (Rinderkraftbühe, Cole Slaw etc.)

Samstag fuhr ich für eine Nacht nach Berlin, um dort sozial (Freunde und Familie!), aber nicht zu sozial (Hotelübernachtung) doch ein wenig Feiertagsstimmung zu genießen. Meine Samstag-Nachmittag-Verabredung klappt nicht, und statt nach Ersatz zu suchen, vergnügte ich mich im Deutschen Historischen Museum, das ich noch nicht kannte. Was für ein Gebäude! Traumhaft. Die Ausstellung war übrigens auch gut, aber alleine für das Gebäude lohnte sich der Besuch.

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Flyer zur Ausstellung „Deutscher Kolonialismus“

Abends traf ich mich mit der Ex-Büromitbewohnerin. Schön wars!

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Schöneberger Kneipe. Die Ex-Kollegin musste kurz weg.

Die Nacht im Hotel war sehr erholsam. Ich lümmelte lange im Bett herum und sah zwei Folgen „Tote Mädchen lügen nicht“, bevor es zur Morgentoilette ging.

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Ausblick Hotelzimmer

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Selbstpoträt mit Zahnbürste, so Gerhard-Richter-mäßig angeschnitten (finde ich)

Das Hotel – Motel on* am Hauptbahnhof – war völlig in Ordnung, super gut angebunden für meine Pläne und hatte ein nettes Preisleistungsverhältnis. Am tollsten war die Dusche, die ich mehrere Male nutzte. Ich mag vollgedampfte winzige Badezimmer sehr!

Aber ich mag auch Osterfrühstücke und neue Wohnungen ansehen, daher kombinierte ich beides, indem ich die Cousine und ihren Freund besuchte. Bei ihr lungerten auch meine Tante und mein Cousin herum, was natürlich herrlich war. Auch die Wohnung war so herrlich, dass ich mir ein bisschen wie die verarmte Cousine vorkam, die aus ihrem Cottage in der Provinz, wo sie stets um Redlichkeit und bescheidenen Wohlstand bemüht knapp an der Armutsgrenze lebt und ihr uneheliches Kind gerade so durchbringt, zu Besuch ist. Definitiv zu viel Jane Austen gelesen, aber jetzt weiß ich, was die gute Jane meinte!

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Auf dem Weg zum Osterfrühstück

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Nach-Gang Osterfrühstück

Das war schön gewesen. Ich setzte mich in die Bahn nach Hause und schluffele so durch Rest-Ostern… heute geht es noch in die Boulderhalle, ich koche noch ordentlich mit Roten Beten, Weißkohl und Spinat und dann kommt der durchgefrorene D. wieder. Und dann ist Ostern schon wieder vorbei.

 

Die Altersvorsorge, die Aktien und ich

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Mit dem Thema Altersvorsorge schlage ich mich schon seit Langem herum – auch gerne mit einer generellen Vermeidungshaltung als Grundstimmung. Das ist einer der Gründe, warum ich hier gerne etwas dazu schreiben möchte, denn beim Vermeiden bin ich meines Wissens nicht die Einzige. Dabei ist das Thema wichtig, wenn es um Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit im Alter geht – gerade für Frauen und ihre oft unregelmäßigen bis rudimentären Einzahlungen in die gesetzliche Rentenkasse. Daher gehe ich hier wieder meinem Credo nach: über Geld muss man reden, damit man mal sieht, wie es bei anderen so ist! Auch über Altersvorsorge, wie unspaßig das auch generell ist. Hier also meine Geschichte.

Das erste Mal, dass ich das Thema bewusst wahr nahm, war in noch recht jungen Jahren, als mein Vater als Selbstständiger seine Altersvorsorge auflösen musste, was meine Sensibilität für das Thema sehr prägte. Weiter ging es im Studentinnenjob, der knapp so hoch entlohnt wurde, dass ich etwa 10 Euro monatlich in die Rentenkasse einzahlte – ich verzichtete darauf, mich davon befreien zu lassen. Dann kam lange nichts, außer, dass ich im Studium viel über die Risiken von Frauen-Erwerbsverläufen in Bezug auf Altersarmut lernte. Das löste in mir viel Unbehagen aus – wenn ich nicht ordentlich einzahlte, würde ich allerspätestens mit Renteneintritt entweder von meinen Lieben oder vom Staat abhängig sein. Denn ein Erbe habe ich nicht zu erwarte, und meine Rentenbenachrichtigungen verhießen auch nichts Gutes, zumindest nichts, was über krasses Herumkrebsen hinaus gehen würde, vor allem dann nicht, wenn ich in einer Großstadt oder Metropolregion leben wollen würde. Und das will ich im Alter definitiv.

Die ersten Schritte 

Ich fing also mit Vorsorge an. 2011 eröffnete ich einen Riestervertrag. Das Konzept war damals schon umstritten, geringe Rendite etc, aber ich dengelte so herum und murmelte: „Irgendwas muss ich ja machen fürs Alter.“ Die Hartz-IV-Sicherheit war und ist für mich immer noch ein sehr gutes Argument. Zwar fühle ich mich beruflich inzwischen recht etabliert, aber hallo! Soziologin! Wer weiß, was da noch passiert. Ich halte für mein allgemeines Sicherheitsgefühl außerdem tapfer meine einst erworbenen Genossenschaftsanteile einer Wohngenossenschaft, denn: die sind in Hamburg echt schwer zu kriegen. Sollte ich mal eine günstige Wohnung brauchen, etwa für den Alterssitz meines Vaters, die Ausbildung der Krabbe oder für meine Rente, habe ich damit schon mal etwas bessere Karten als ohne Genossenschaftsanteile.

Denn Wohneigentum kommt für mich nicht in Frage. Ich kann es mir schlicht nicht leisten, und es interessiert mich nicht stark genug, als dass ich die hohen Kosten in Kauf nehmen würde. Ein Wohnstandard, der mit meiner jetzigen Mietwohnung vergleichbar ist, kostet ca 400 Euro mehr monatlich und ist für mich nicht attraktiv. Ich hasse es, Schulden zu haben, und ich mag die Unflexibilität von Wohneigentum nicht, die enormen Verpflichtungen, die man auf sich lädt. Das bedeutet aber, dass ich für meine Rente etwas Vermögen aufbauen sollte, um die Mietkosten bezahlen zu können, denn die gesetzliche Rente wird das nicht zwingend hergeben. Ergo: andere bauen, ich muss sparen.

Meine aktuelle Lage

Das ist also der Stand der Dinge: Der Riester läuft weiter, ich habe ein Sparbuch, Genossenschaftsanteile und irgendwo noch ein paar hundert Euro vermögenswirksame Leistungen. Außerdem ein Sparfonds, der bis zum 18. Geburtstag der Krabbe läuft und für ihre Ausbildung bestimmt ist. Immerhin.

Der neueste heiße Scheiß in meinem Portfolio

Dann hatte ich eines Tages einige hundert Euro übrig und beschloss, diese in Aktien zu investieren, denn das wird einer ja dauernd gepredigt: Ak-ti-en! Beste Sache ever! Rendite! Aber jung damit anfangen und langfrisitg halten, damit man Krisen aussitzen kann! Joah. Ich fand den Gedanken ganz nett, mir ein paar Einzelaktien zu erwerben – damit ich nicht irgendwelche Fondsmanagerinnen subventionieren muss und genau steuern kann, welches Unternehmen mein Geld bekommt – und eröffnete ein online-Depot (was ziemlich genau so läuft wie die Eröffnung eines online-Giro-Kontos, Post-Ident und so). Dann erwarb ich insgesamt 5 Aktien von 2 Unternehmen, die ich jetzt 30 Jahre behalten will. Und was soll ich sagen, seitdem habe ich den Spaß meines Lebens, denn man kann ja tatsächlich sekündlich Aktienkurse prüfen! Das ist der Hammer, wenn man so ein bisschen kontrollig veranlagt ist. Und die Rendite ist bisher einfach bezaubernd. Oben sehen wir den Chart der schlechter laufenden Aktie, da dümpelt die Rendite so zwischen -1 und 5 Prozent. Meine andere Aktie hat eine bisherige Rendite von 28 Prozent – ich denke nicht, dass das langfristig so bleibt, aber so ein Blick auf die Zahlen ist schon recht erbaulich und füttert das Belohnungszentrum im Hirn ordentlich an. Die beste Sache, die ich jemals mit Geld gemacht habe, so anlagetechnisch.

Bei all diesem Spaß und der Rendite stelle ich mir die große Frage: soll ich meinen Riester beitragsfrei stellen und lieber öfter Aktien kaufen? Ganz werde ich mich das nicht trauen, aber vielleicht werde ich die monatliche Zahlungen halbieren und den Rest anlegen. Mal sehen, was ich mich traue. Und vielleicht lasse ich mich auch einfach mal beraten.