Anscheinend Stress

Ich fühle mich eigentlich nicht so, aber einige Indikatoren weisen darauf hin, dass ich viel zu tun und wenig Muße habe.

  • Ich verpasse wmdegt, das Tagebuchbloggen von Frau Brüllen.
  • Wenn ich morgens das Bett mache, freue ich mich unbändig darauf, mich abends wieder hinein zu legen.
  • Mein Blog-Reader weist von mir ungelesene Artikel auf.
  • Ich finde einfach kein Zeitfenster, um zum Friseur zu gehen.

Es scheint bisher positiver Stress zu sein, da ich mich (noch) nicht erschöpft fühle und gute Laune habe. Der hauptsächliche Grund für die stärkere Auslastung ist eine erhöhte Taktzahl bei der Arbeit und mehr Aktivität in den Ehrenämtern (gnah, wieso habe ich eigentlich zwei Ehrenämter? Wie ist das passiert? Ich erinnere mich nicht mehr), was bisher alles Spaß macht. Ich weiß allerdings auch, dass das bis zum 24. September definitiv noch mehr werden wird, und danach werde ich zumindest bei Arbeit eventuell in ein tiefes Langeweile-Loch fallen. Es gilt also, vorausschauend zu agieren und mit Kräften zu haushalten.

Vorsichtshalber werde ich jetzt schon erhöhte Terminhygiene betreiben. Zwei Abende pro Woche zu Hause sind Pflicht, viel Zeit mit D. und der Krabbe ist einzuplanen, nicht mehr als vier Abendtermine pro Monat bei der Arbeit und die Ehrenamttermine und -arbeiten muss ich eher flach halten. Auf letzteres kann ich mich intensiv nach der Bundestagswahl stürzen, wenn mein Chef sein Mandat verteidigt hat. 

Wachsam sein, ganz langsam rennen, heißt die Devise. Ich muss das Tempo vier Monate halten können.

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Filterblase deluxe

(Hier: der Ohrwurm der letzten 5 Tage, ich bin schwer verliebt. Wunderbarerweise gibt es unter dem Titel „to the dancers in the ice“ noch eine Instrumentalversion, da kann ich immer beide hintereinander hören.)

Es ist interessant – oder langweilig, je nachdem: In unserem Büro begannen bis zum 01.04. die Vornamen aller 10 Angestellten mit den Buchstaben S und M. Eine Ausnahme gab es. Aber bitte: 90 Prozent! Wir sind außerdem – diesmal ausnahmslos – alle innerhalb von zehn Jahren geboren, in derselben Partei, alle natürlich höchst attraktiv und intelligent, und wir alle arbeiten mehr oder weniger auf derselben hierarchischen Ebene. Keine ChefInnen, keine SekretärInnen. Ich sach mal: Diversität sieht anders aus!

Nun gab es einen Personalwechsel zum 01.04. Eine S. geht, eine B. kommt. Und der Kollege D. kommt bald aus der Elternzeit wieder. Ich schätze aber mal, dass der Rest der Ähnlichkeiten erhalten bleiben, vom Alter weiß ich es schon einmal ganz sicher.

So ist es wahrscheinlich kein Wunder, dass ich diese mir so ähnlichen Menschen als besten KollegInnen-Haufen empfinde, den ich je hatte und jemals wieder haben werde. Was das über mich aussagt, die Gesellschaft, die Dynamik innerhalb von Gemeinschaften, Elitenbildung und die Nachteile für Menschen, die einem gewissen Muster nicht entsprechen, über Filterblasen und Tellerränder – ich hätte einige Ideen dazu. Aber nicht jetzt. Denn es ist einfach so: diese Homogenität ist auf ihre Weise sehr schön.

 

Tagebuch April 2017

Frau Brüllen fragt mal wieder: Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Wie hunderte andere antworte ich gerne.

Heute ist ein sehr voller Tag mit allem, was gerade anliegt außer Erwerbsarbeit, denn Mittwochs habe ich frei. Die Kurzankündigung: Haushalt, Aktien, Sport, Kind, Vater, Besuchskind, Parteiarbeit. Nun denn, lasset die Spiele beginnen.

07:00 Ich werde von den Kindern geweckt, die im Kinderzimmer über uns spielen. Der einzige kleine Nachteil, seit wir unser Schlafzimmer verlegt haben: es liegt nun unter dem Kinderzimmer der Nachbarn, und deren Kinder sind Lerchen. Aber gut, so behalte ich auch an meinen kind- und arbeitsfreien Tagen den Kindrhythmus bei, das hat bestimmt enorm viele Vorteile, die mir nur gerade nicht einfallen. Ich mache Kaffee, D. steht auch auf.

08:20 D. verlässt das Haus. Ich beginne damit, die neu erworbenen und gestern angekommenen Plastikdosen – zur Bevorratung der Essensreste gedacht – in die Spülmaschine zu räumen, Zutaten für einen Eintopf zu schnippeln und whatsapp-Gespräche zu führen. Themen der Konversationen:

  • Termin des Chefs heute morgen, von dem ich nicht sicher bin, ob alle Beteiligten alle Informationen haben. Haben sie.
  • Parteiarbeit heute Abend: ich muss meinen Antrag im nächsthöheren Gremium vorstellen, komme aber erst später zur Versammlung. Das muss geregelt werden.
  • Besuchskind: wann hole ich es wie aus der Kita ab?

Läuft alles.

09:00 Frühstück: Haferflocken, Apfel, Milch, Zimt, Zucker, alles auf dem Herd eingeköchelt. Für das Joggen, das ich erst seit sehr kurzem wieder angefangen habe, brauche ich seeeehr viel Energie. Ich mag ja joggen nicht, eep from the bottom of my heart, aber für so volle Tage ist es einfach sehr praktisch.

Kurz Aktien checken: ich habe mir den Spaß erlaubt und von meinem restlichen Weihnachtsgeld Aktien gekauft, von zwei Firmen jeweils zwei und drei Exemplare. Ich bin also stolze Besitzerin von 5 Aktien. Nun beobachte ich die Aktienkurse, was ein gemischtes Vergnügen ist: Eine der Firmen geht rasant durch die Decke, die andere dümpelt so vor sich hin. Seit dem Kauf vor zwei Wochen habe ich aber insgesamt 14% Rendite erzielt, was natürlich Spaß macht.

09:30  Langsame seelische Vorbereitung auf das Joggen. Ich wechsele vom Schlafanzug in die Joggingklamotten und starte in den grauen Hamburger Morgen, nicht ohne innerlich ein wenig zu jammern. Zum Glück haben wir hier wenigstens einen Deich, das ist gut für Sport, und auch die vorab zu durchquerende Grünanlage schadet der Jogging-Motivation nicht. Insgesamt klappt das alles überraschend gut heute, ich trabe 30 Minuten sehr gemächlich, aber das erste Mal ohne Gehpause, durch die Landschaft. Zwischendurch kommt sogar die Sonne raus, die letzten 50 Meter sprinte ich, mehr will ich gar nicht vom Joggen. Ich bin ja eher so eine unehrgeizige Sportlerin.

Wieder zu Hause nutze ich die Nachschwitzzeit zum Befüllen einer weiteren Spülmaschine, weiteres Whatsapp-Geschreibsel und gehe dann duschen.

11:00 Ich verlasse wieder die Wohnung, im Gepäck Leergut, Altpapier und Bücherei-Rückgebsel. Einen kleinen Fußmarsch entlang werde ich alles an den dafür vorgesehenen Orten los – allerdings auch ein kleines Vermögen im Gebührenautomat der Bücherei. Da geht sie hin, die Aktienrendite! Aber nun ja, selbstverschuldetes Leid, ich hatte allen Erinnerungen der Bücherei zum Trotz die Abgabe der Bücher versemmelt. Kurzer Abstecher in die Drogerie, wo ich mir Blumenerde, Samen, Kaffee und einen Honig-Mandel-Riegel in den Rucksack werfe. Dann geht es wieder nach Hause, um das Mittagessen vorzubereiten: Steak mit Salat.

14.00 Ich breche auf zur Kita der Krabbe, wo ich mich mit meinem Vater treffe. Wir holen die Kleene ab und fahren zur nächsten Kita, um ein Besuchskind abzuholen und Eis zu essen. Das ist zuviel für die Krabbe, sie beginnt zu schreien und hört etwa eine Stunde nicht auf. Ich breche irgendwann zusammen, das Besuchskind fängt an zu weinen, mein Vater rollt die Augen, die Eisdiele leert sich. Wir verlassen den Raum, an der frischen Luft wird es etwas besser, aber dennoch beschließen wir, dass der Papa des Besuchskindes sie abholt. Aller Nerven liegen zu blank, als dass ich da noch Chance auf eine Rettung des Nachmittags sähe.

16:00 Wir kommen zu Hause an. Der Krabbes Stimmung tendiert zu besser, sie bekommt Milchschaum, mein Vater und ich trinken noch einen Kaffee. Dann bricht er auf zu Schwester 1, die Krabbe und ich lesen und basteln noch etwas.

18.00 D. kommt nach Hause und bringt Fladenbrot mit. Der Eintopf kommt zum Zuge, und nach einem entspannten Essen breche ich auf zur Gremiensitzung.

Dort gibt es eine kleine Überraschung. Was ich nicht wusste und was im vorherigen Gremium komplett anders war: ich stelle meinen Antrag vor 90 Leuten vor. Mit Mikrofon und Rednerinnenpult. Mein Puls geht auf 180, da meine Vorbereitung eher -äh – rudimentär ist. Eventuell hätte ich mich außerdem schminken können, und was Nettes anziehen… Meine Rede immerhin funktioniert, ich nutze wenig Füllwörter, stottere nicht und gucke seriös. Aber als das Adrenalin zurückgeht, werde ich fast ohnmächtig. Ich bin völlig erledigt von dem Nachmittagsintermezzo und der abendlichen Spannung und verabschiede mich hiermit vom Tagebuch.

Einen schönen Abend allerseits!

Vereinbarkeit bei uns

Das Thema „Vereinbarkeit“ ist bei mir immer ein ganz Großes – lange aus beruflichen Gründen, aber auch persönlich. Inspiriert von der Juristin will ich an dieser Stelle einmal beschreiben, wie es bei mir zu Hause aussieht.

Beruflich habe ich eine 30-Stunden-Stelle, Mittwochs dabei immer frei, mit sehr moderater Überstunden-Anfälligkeit. Büro-Besetzungszeit ist von 9-17 Uhr, es ist aber kein Thema, wenn ich mal früher gehe oder später komme, das ist sehr entspannt und auch spontan mal möglich. Meine beiden männlichen Kollegen haben zwar keine Kinder, sind aber im Ehrenamt sehr engagiert und handhaben es genauso, wenn sie Termine für ihr Engagement haben. (Für mich mal wieder ein Hinweis, dass Vereinbarkeit für Männer oft nicht bei Kindern anfängt, sondern bei zeitintensiven Hobbys. Das wäre auch mal einen Beitrag wert.) Mein Chef und das ganze Büro ist für eine Partei tätig, die Vereinbarkeit explizit unterstützt, und das wird hier tatsächlich ganz gut umgesetzt. Und ich schaffe es gut, Mehrarbeit meistens an die kindfreien Tage zu legen.

Ich bin nämlich in sofern ein Sonderfall, als dass ich die Krabbe nur teilweise bei mir habe. Von ihrem Vater bin ich getrennt, wir teilen uns die Betreuung ziemlich genau 50/50. Montag bis Mittwoch ist sie beim Papa, Mittwoch bis Freitag bei mir und an den Wochenenden wechseln wir uns ab. Termine für das Kind, Kita-Schließtage, Krankheit wird dann jeweils von dem Elternteil übernommen, das eben gerade dran ist. Das funktioniert ganz gut. Ich lebe außerdem mit meinem Freund zusammen, der sehr viel Verantwortung übernimmt, auch in Form von festen Kita-Bring-und-Hol-Diensten oder Aktivitäten mit dem Kind, auch ohne mich, und er macht die Wäsche und die Hälfte vom Haushalt.

Stressig wird es an den Tagen, an denen ich gleichzeitig in die Kita bringen, arbeiten und abholen muss. Das ist tatsächlich kaum zu schaffen, und ich mache eine große Verbeugung vor Eltern, die das alleine wuppen müssen. Bei mir kommt es allerdings kaum vor dank der beiden Männer im Leben meiner Tochter. Ein Kita-Logistik-Dienst am Tag ist meistens das Höchstmaß der Gefühle.

Der Organisationsgrad ist natürlich trotzdem recht hoch. Ich weiß gerade gar nicht genau, wie viele Kalender ich führe… die Kommunikation mit dem Vater liegt bei mir, und letzten Endes muss ich alle Beteiligten auf Stand bringen. Sogar die Ex-Schwiegermutter in spe gehört zu dem Netz, in dem ich gefühlt als dicke Mutter-Spinne in der Mitte sitze und nervös das nächste Beben abwarte. Diese Beben können durch viele Dinge ausgelöst werden: eine der vielen Reisen des Papas, unerwartet viele Abendtermine bei der Arbeit, Freizeitstress, diskussionsintensive Zeiten mit meinem Freund, zu viele Ausgaben, Reisen, eigentlich jede zusätzliche Belastung, auch wenn sie eigentlich schön ist. Das nervt mich. Das System ist fragil, denn durch so viele Akteure gibt es auch viele Quellen für Störungen.

Es gibt aber insgesamt wenig bei mir zu meckern. Die Kita-Schließzeiten sind gut, die Unterstützung privat und beruflich völlig ausreichend… Beruf und Kind geht unter diesen Voraussetzungen hervorragend. Ich denke, dass ich ein paar sinnvolle Entscheidungen getroffen habe, um das möglich zu machen. Ich lebe in einer Großstadt, in der die Kita-Öffnungszeiten sehr großzügig sind. Ich habe mir Männer in mein Leben geholt, die Verantwortung für das Kind übernehmen und die Erwerbsarbeit nicht so wichtig finden. Ich habe keine großen finanziellen Verpflichtungen, so dass ich mit meinem Geld gut auskomme.

Generell denke ich, dass Vereinbarkeit unter diesen Umständen gut klappen kann. Ein Netzwerk ist das Beste, was einem passieren kann bzw in das man investieren sollte – und ein arbeitsfreier Tag pro Woche. An dem man Termine erledigen kann, aber auch einfach rumbummeln, wenn es sein muss.

Meines Erachtens ist der Haupt-Schlüssel zur Vereinbarkeit die anderen. Die Männer, in erster Linie. Wenn diese ihre Hälfte übernehmen, muss frau nur noch die Hälfte vereinbart bekommen, und das ist schon mal sehr viel einfacher als das Große Ganze, unabhängig vom Volumen der eigenen Erwerbsarbeit. Deshalb wünsche ich mir politische Instrumente, die die Männer stärker einbinden und ich wünsche mir Männer, die die Eier in der Hose habe, zu ihren Entscheidungen – also Kindern – zu stehen und sich um diese zu kümmern und das auch einzufordern, sei es gegenüber ihren Arbeitgerberinnen oder ihren Partnerinnen. Verpflichtend paritätische Elternzeit, Aufgabe des Ehegattensplittings, Sensibilisierung von Vorgesetzten, Teilzeitmodelle vor allem für Männer sind nur ein paar Ideen, die ich enorm hilfreich fände. Dann klappt es wahrscheinlich öfter (sogar nach einer Trennung) mit der Vereinbarkeit.

Kolleginnen

Ich mag ja meine Bürogemeinschaft – lustige, lebendige und aufmerksame Menschen. Das hat aber natürlich auch Nachteile. Frisch vom Friseur zum Beispiel erlebt man so etwas:

Büronachbarin betritt den Raum. „Ah, du warst beim Friseur. Farbe auch, oder?“ plauschplaudertratsch. Der Büronachbar kommt dazu. „Guck, jongleurin war beim Friseur! Hab ich ihr eben schon gesagt, sieht super aus. Ein bisschen wie meine Tante Angelika.“ Ich schaue konsterniert. Diese letzte  Information hatte er beim Erstgespräch über meine Haare verschwiegen. Der junge Mann freut sich. „Doch, genau so. Aber total frisch, wirklich super!“ Kurz und ohne auf mein düsteres Schweigen einzugehen wird die Frage aufgeworfen, wie alt ich jetzt mit dem neuen Pony aussehe, und die Büronachbarin kommt näher an mich heran. „Moment, ich glaube… Ja, tatsächlich.Die Tönung ist nicht ganz grauabdeckend !“ Ich greife mir keuchend ans Herz, die beiden klatschen ab (!) und verlassen die Kulisse.
Da macht man was mit. Mein Bürokollege schweigt dafür 8 Stunden am Stück konsequent, wenn es keinen konkreten Grund für ein Gespräch gibt.
Die goldene Mitte wäre manchmal ganz schön… aber ach.

Doch zumindest dieses Abklatschen werde ich bei Gelegenheit perfide bestrafen. Fürchtiget euch!

Lasst uns über Geld sprechen

Wieviel verdient ihr eigentlich so? Die Frauen, die Männer, die Mütter, die Väter? Und wie viel braucht man, als Eltern? Wie ist das Haushaltseinkommen so aufgeteilt? Und was macht das mit einem? Solche Gespräche führt man sehr selten. Ich denke allerdings, dass es gut wäre, darüber öfter zu sprechen – daher mache ich gleich mal den Anfang.

Bei mir ist es so, dass ich in jeder meiner Beziehungen seit der Uni die Besserverdienende war. Eine Rolle, die mir gut gefällt – ich mag es zum Beispiel, wenn ich nicht darauf angewiesen bin, mir die Männer nach ihrem Einkommen aussuchen zu müssen, weil ich da etwa Ansprüche oder Bedürfnisse hätte. Außerdem ist es großartig, wenn Kinder kommen und der eigene Anteil am Einkommen nicht mal so eben wegdiskutiert werden kann, wenn es um die zukünftige Arbeitsteilung geht.

Das macht viel von Augenhöhe in Beziehungen aus, finde ich – weshalb ich unter anderem das Ehegattensplitting ziemlich fatal in seiner Wirkung finde. Es macht aus dem niedrigeren Einkommen in der Beziehung ein noch niedrigeres, das Machtgefälle also steiler. Ich weiß, dass viele Beziehungen da kein großes und/oder kein offensichtliches Machtgefälle haben. Aber meist wird über das Einkommen definiert, wessen Erwerbsarbeit wie wichtig ist, für wen Abendtermine (öfter) statt finden müssen, wer die Fortbildung am Wochenende macht, wer (länger) Elternzeit nimmt usw usf. Sprich: wer ernsthaft arbeiten kann. Von Karriere mal ganz zu schweigen, ich glaube nicht, dass sich eine ambitionierte Karriere gut mit kleinen Kindern verträgt, aber das ist ein anderes Thema.

Diejenige mit dem kleineren Einkommen hat im Zweifel dann das Nachsehen, wenn es sich nicht gerade um sehr reflektierte Partnerschaften handelt, bei denen es nicht auf jeden Cent ankommt (und auch solche gibt es, ich kenne persönlich welche!). Da mir Erwerbsarbeit wichtig ist und mir ebenso wichtig ist, ein großes Stück Kontrolle zu haben – nennt mich neurotisch! -, bin ich im Zweifel lieber die mit dem größeren Gehaltsscheck. Dann geht die Vereinbarkeit eher nicht nur auf meine Kosten, so meine Theorie.

Nicht dass es zu Missverständnissen kommt: ich arbeite quasi im Öffentlichen Dienst, bei TVöD E 13 plus kleiner Zulage, mit 30 Stunden. Ich bin nicht reich. Es reicht gut, und ich würde auch alleine mich und meine Tochter gut durchbringen. Aber ich freue mich auch über zuverdienende Männer in meinem Leben, so ist es nicht!

Klar lebe ich nicht in Saus und Braus, doch viele Dinge sind mir nicht wichtig, für die ein besser verdienender Lebenspartner und sein Gehalt nötig wäre. Auto? Nö. Geile Urlaube? Ach, schon okay. Wohnung in Hamburg Eimsbüttel? Nein, danke. Dieser ganze Wohlstands-Druck da würde mir nicht gut tun, und ich mag meinen durchmischten Stadtteil viel zu gerne. Wohneigentum? Um Gottes Willen, der finanzielle Druck, die Verantwortung! Viele, teure und fabrikneue Klamotten sind auch nicht meine Priorität.

Wichtig sind dagegen Altersvorsorge, ein Studienkonto für mein Kind, spontan Essen und ins Kino gehen zu können, nicht nur Discounter und viel Bio einkaufen, Anschaffungen und Nachzahlungen nicht aus dem Notgroschen bezahlen müssen, lange Duschen, viel Sport (schwimmen und klettern gehen ganz schön ins Geld) und eine schöne Wohnung. Außerdem, denn das schont mein Budget unglaublich: mein Netflix-Abo, die Bücherhallen (für nicht-Hamburgerinnen: Büchereien), ein starker ÖPNV und Kleidertauschpartys. Mein Lebensstandard ist definitiv okay, ich klage nicht, aber ich muss natürlich ein paar Prioritäten setzen. So viel zu mir.

Ich finde es eigentlich verwerflich, dass über Geld so wenig gesprochen wird. Denn Geld macht eben viel mit den Menschen und ihrem Status in unserer Gesellschaft, und wer weniger verdient, hat geringere Optionen, sei es in der Beziehung oder in der Gesellschaft. Durch Schweigen werden die bestehenden Strukturen unterstützt. Mehr Gespräche über das Geld, und was es mit uns macht, würden vielleicht dazu führen, dass mehr Frauen vorsichtiger sind in ihren beruflichen Entscheidungen, dass sie die Hoheit über ihren Verdienst nicht leichtfertig aus der Hand geben, dass sie sich finanziell emanzipieren. Auf unsere Töchter hätten Gespräche über das Thema einen noch viel unmittelbareren Effekt; Beziehungen auf Augenhöhe, auch finanziell, wären für sie selbstverständlich. Für meine Tochter finde ich das ein wünschenswertes Ziel. Und ich muss sagen, dass ich es nicht gut finden würde, wenn sie mehrere Jahre Hausfrau wäre, weil ich die daraus resultierende Abhängigkeit ablehne. Da bin ich tatsächlich wenig tolerant.

Deshalb ist meine persönliche Emanzipation, wenn man so will, eine ökonomische und eine publizistische. Frauen und gerade Mütter müssen die Gelegenheit bekommen, wegen mir auch gerne die Pflicht haben, sich selbst versorgen zu können. Kombiniert mit einer Arbeitswoche von höchstens 30 Stunden für alle – das wäre mein persönliches Wunsch-Leitbild, das meiner Meinung nach mehr zur Gleichstellung der Geschlechter beitragen würde als jedes andere.

Also: lasst uns über Geld sprechen.

(K)Ein stilles Örtchen

Die Toilette im Büro ist wirklich nichts Besonderes. Aber immerhin nach Geschlechtern getrennt, demzufolge ist bei fünf Frauen in der Bürogemeinschaft nie viel los am stillen Örtchen, und es ist sauber und warm. Das ist vor allem Montags früh nach einem Kind-Wochenende von Vorteil – schon während der Fahrt zur Arbeit freue ich mich auf meine ersten zehn Minuten garantierte Ruhe auf der Toilette seit 65 Stunden.

Denn die Situation ist so (Achtung, das Thema sind Toilettengänge, also bitte alle zarten Gemüter hier aufhören zu lesen!!!): Die Krabbe wird nun 3 Jahre alt, was bedeutet, dass die meisten Dinge mit ihr gemeinsam problemlos möglich sind. Sie ist altersgemäß noch nicht besonders eigenständig und will da sein, wo ich bin. Meistens kein Problem, ich finde es ganz niedlich, wenn sie mir beim Duschen Gesellschaft leistet und mich vom Fussboden aus vollsabbelt und das Beine rasieren kommentiert, während sie mit meinen Tampons spielt. (Ja, so geht das zu bei uns!) Alles komplett herrlich im Vergleich zum Babyalter, in dem Duschsessions von Babygeschrei unterbrochen wurden und ich mit Rasierschaum an einem Bein klatschnass in die Küche hechtete, um ein Fläschchen zu bereiten. Aber immerhin hat sie das noch öfter am Tag geschlafen, und die Zeit ließ sich gut nutzen…

Ich genieße es demzufolge nicht unbedingt, dass die Krabbe bei ALLEM dabei ist, aber es ist völlig okay so. Doch irgendwo hat wohl jede ihre Grenze, und bei mir sind das eben Toilettensessions, die über das Pinkeln hinausgehen. Will ich nicht, kann ich auch nicht wirklich in Gesellschaft. Das führt an Kinderwochenenden durchaus mal zu kleineren Verdauungsstörungen. Und meine Verdauung ist sonst vorzüglich, ein Uhrwerk geradezu.

Jetzt mal ganz im Ernst, ihr lieben Eltern mit Kleinkindern, die ihr über Jahre hinweg ganztägig selbst betreut: wie haltet ihrs mit der Toilette? Und vor allem: wann? Ich habe keine Vorstellung, wie das funktioniert, aber ich verneige mich.

Vereinbarkeit ist eben so viel mehr als nur Beruf und Familie!