Elternparty

Jüngst besuchten D. und ich – die Krabbe war beim Papa – ein befreundetes Elternpaar in der Nachbarschaft zum Beamerabend. Die beiden versuchten, letzten Endes erfolgreich und doch recht lange, den Ältesten ins Bett zu bringen, und wir starteten gegen 21:30 Uhr mit dem Film. Ich sag mal so: das ist spät für mich. Die Auswahl immerhin stand recht schnell fest: „Tod auf dem Nil“, die Agatha-Christie-Verfilmung aus den 70ern. Genau das Richtige, befanden wir – Sonnenschein, geruhsam gefilmt, nicht zu nervenaufreibende Morde und ein lustiger Detektiv. Gut, der Film dauert 2,5 Stunden, aber man muss sich ja auch als Eltern noch Ziele setzen! Wir stießen mit Wein und Schnaps an, muggelten uns auf dem Sofabett ein und legten los.

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D. berichtete später, wie er nach etwa einer Stunde, erholt von seinem Nickerchen, die Augen öffnete, auf der Leinwand gerade der zweite Mord geschah und seine drei FilmkonsumentengenossInnen immer noch leise schnarchend neben ihm lagen. Er weckte uns alle vorsichtig. Wir schauten zu Ende, mehr aus Prinzip, aber es war auch wirklich ein schöner Film! Und dann gingen wir nach Hause und schliefen weiter.

Das war jetzt einen Hauch anders gelaufen als ich mir das vorgestellt hatte, aber ich finde es immer noch lustig. Es ist ja auch eine Art Kompliment – zumindest ich schlafe nur vor anderen Leuten ein, wenn ich mich wirklich wohl fühle. Wegen mir können wir das bald wiederholen!

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Sondierungsergebnis

Gestern saß ich mit dem Kollegen im Büro und verfolgte erst gespannt und dann etwas entsetzt den Live-Ticker zu den Sondierungsgesprächen und den Einigungen, die erzielt wurden und im Minutentakt aus dem Internet gespült wurden. Keine Bürgerversicherung, eine Obergrenze für Flüchtlinge, Familiennachzug aussetzen, keine Erhöhung des Spitzensteuersatzes und außerdem eine Pflicht zum gemeinsamen Abstimmen im Bundestag (also keine Möglichkeit, die eigene Politik sichtbar zu machen) – das sind alles Dinge, die mir extrem sauer aufstoßen. Da will ich beim Mitgliederentscheid erzürnt „Nay!“ rufen, und die Argumente des Jusos-Chefs Kevin Kühnert ob der grundsätzlichen Probleme, die kleine Koalitionspartner jeweils mit der CDU/CSU haben und die auch komplett stimmig sind, treffen bei mir sogleich auf offenere Ohren. Ich hatte mir mehr versprochen. Und ich bin nicht alleine. Ich habe noch kein zufriedenes Mitglied getroffen in den letzten 24 Stunden, und ich habe viele getroffen. Also zufällig im Büro, nicht, dass ich sofort eine Versammlung einberufen hätte oder so.

Da ich ein extrem großes Interesse an der Vermeidung von Neuwahlen habe, war ich ja grundsätzlich einer GroKo gegenüber aufgeschlossen, auch wenn mein linkes Herz etwas blutete. Ich finde es als lohnabhängig Beschäftigte in der Politik ohne ein bezahltes Amt legitim zu sagen: erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral, sorry. Doch das, liebe Leute, reicht mir nicht mal mir. Da sind ein paar nette Sachen dabei, keine Frage: Rückkehrrecht auf Vollzeit, kostenlose Kitas, Aufhebung des Kooperationsverbotes, Solidarrente, Stabilisierung des Rentenniveaus, das Europazeugs, um nur einige zu nennen. Aber nichts Großes. Nichts, wo man sagen könnte: danke, SPD, das wird das Land verändern. Die großen Dinge sind konservativ bis ekelhaft. Ich will Umverteilung, und ich will keine weiteren humanitären Rückschritte in der Flüchtlingsfrage, will ich einfach nicht!

Die von meiner etwas abweichenden Einschätzungen der Medien, die zum einen meinen, dass das doch eine reine SPD-Veranstaltung sei (WELT. Hä, WELT, was ist los bei euch?) und sonst großflächig der Meinung sind, das hier sei doch sehr ausgeglichen und die GroKo nun gesetzt, verwundert mich. Parteilinke haben schon verlautbaren lassen, dass sie den Delegierten auf dem Parteitag ein „Nein“ empfehlen werden und dafür, Zitat: „Kampagnen“ starten würden. Der Parteivorstand lieferte immerhin 6 Gegenstimmen bei der Frage, ob es zu Koalitionsverhandlungen kommen soll. Klar, 40 Ja-Stimmen sind nicht wenig, aber dennoch darf man nicht vergessen, dass der Vorstand den Vorsitzenden unterstützt und alles andere als einstimmig schon ein Affront ist.

Der Fahrplan geht ja nun so: Der Parteitag nächstes Wochenende stimmt auf Grundlage des Sondierungspapieres über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen ab. Werden diese aufgenommen, gibt es nach der Erarbeitung des Koalitionsvertrages einen Mitgliederentscheid. Die Parteispitze braucht mehr als 50% der Mitglieder, die „Ja“ zum fertigen Koalitionsvertrag sagen. Klappt das nicht, wird die Koalition nicht stattfinden. Heißt: Die Basis entscheidet letzten Endes über die Regierung. Ja, die SPD erwartet viele Neueintritte zu dieser Frage, das ist ja sehr viel mehr Entscheidungsbefugnis als bei der Bundestagswahl…

Meine Prognose: die Delegierten des Parteitages, die fast ausschließlich Funktionäre sind und demzufolge nicht unbedingt die GroKo-Kritikerinnen par excellence – die Institution erhält sich selbst, da muss man realistisch sein – werden mit „Ja“ stimmen, aber weniger, als man grundsätzlich erwartet hätte. Vielleicht 70% Zustimmung, wäre mein Tipp. Mit diesem schlechten Ergebnis, das eine noch knappere Mitgliederentscheidung vermuten ließe, würde die SPD eventuell noch ein paar Zugeständnisse aus der CDU und der CSU rausholen können „Uh, die Basis mochte das nicht mit dem Spitzensteuersatz, Angela. Können wir da noch was machen? Sonst stimmen die gegen den Koa-Vertrag, und dann gibt es Neuwahlen, eieiei, das wollen wir alle nicht, oder Horst?“. Und dann mal gucken.

Ach. Ich bin unzufrieden.

 

Tagebuch 01/18

Frau Brüllen fragt einmal mehr die Bloggerinnenwelt: Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Bei mir ist das heute einfach, wenn auch nicht schön.

01:00 Ich erwache und fühle mich schlecht. Ungewöhnlich. Ich denke kurz nach, dann fallen mir die Spuck-Attacken der Krabbe von vor zwei Tagen ein: ist wohl doch ansteckend gewesen! Ich gehe spucken.

01-07:00 Ich gehe alle 45 Minuten spucken. Also, die Krabbe hat nur zweimal brechen müssen, und ich 9mal? Ich fühle mich nicht nur elend, sondern auch betrogen. Schlafen geht in dem Turnus auch nicht. Ich setze gegen 2:30 Uhr Krankmeld-Nachrichten ab und merke erst später, dass das ein wenig wirken könnte, als würde ich mich direkt von der Tanzfläche noch schnell arbeitsunfähig für den neuen Tag melden. Egal, jetzt ist es zu spät. Zum Glück bin ich alleine zu Hause: die Krabbe brach gestern mit dem Papa nach Lanzarote auf (witzigerweise fahren D, die Krabbe und ich mit der Schrebergarten-Gemeinschaftsfamilie einen Monat später noch einmal nach Lanzarote. Sie hat den Auftrag, sich alles zu merken, was sie noch einmal machen will. Ich weiß schon, was ich alles noch einmal machen möchte… aber zumindest die vier anderen Menschen auf der Reise kennen die Insel noch nicht.) und D. besucht seinen Vater in Berlin. Ich kann ungestört lauthals die Toilette benutzen. Um 8 schlafe ich endlich ein, weil das Elend ein Ende hat.

10:00 D. kommt aus Berlin wieder. Er hat im Zug gebrochen, und ist statt direkt zur Arbeit nach Hause gefahren, um mich liebevoll zu wecken (gnah!!!). Er zieht sich in sein Bett zurück, ich bin wach und versuche etwas Wasser und trocken Brot zu „Der blinde Mörder“ von Margaret Atwood.

12:00 Ich bekomme Hunger, wechsele zu Netflix und der tollen Serie „Godless“: ein Western mit Frauenüberschuss, u.a. Downton Abbeys Michelle Dockery als toughe Flintenlady.. Großartig, spannend, unheimlich schön gefilmt und richtige Western-Stimmung, bitte guckt euch das alle an! Dazu gibt es Backofen-Pommes, meine Geheimwaffe für nach der Übelkeit. Dazu sage ich alle Pläne für heute und morgen ab: Schwestern-Binge-Watching hier bei mir, Bremen-Fahrt und Freundinnen-Besuch für morgen. Ficko. Ich hatte mich wirklich gefreut.

14:00 Ich schlafe bei einigen Schießereien wohlig ein.

16:00 Ich wache auf mit Kopfschmerzen (zu wenig getrunken, nehme ich an) und steifen Nacken. D. schläft auch noch, wie ein Blick in sein Zimmer verrät. Wir sind auch echte Experten!

18:00 Mehr wird das heut nicht werden, eventuell folgen noch die Highlights Duschen und Babylon Berlin.

Ich wünsche einen tollen Abend – allen anderen!

 

 

Es ist eine Krux mit dem Geld

Ich bewerbe mich manchmal, wenn ich eine Stelle sehe, die mir gut gefällt. Aktuell habe ich eine Position inne, die alle Vor- und Nachteile des öffentlichen Dienstes hat, aber daneben noch zusätzlich einige spezifische Nachteile: keine Verantwortung, keine konzeptionellen Anteile, kein fachliches Arbeiten, viel Langeweile, befristet (edit, das ist ergänzungswürdig: und 0 Entwicklungsmöglichkeiten). Ich bin im Prinzip eine derbe überbezahlte Sekretärin.

Die Stelle hat aber auch Vorteile, und der größte ist: für 30 Stunden pro Woche werde ich außerordentlich gut bezahlt. Ich habe damals nach dem Vorstellungsgespräch gar nicht schlecht verhandelt, und irgendwie bekommen wir mal hier, mal da einen Bonus oder ich stocke ab und an ein paar Stunden auf, was sich auf das Jahreseinkommen betrachtet ganz schön läppert.

Nun schaue ich mich nach neuen Stelle um, weil ich doch gerne mal wieder im Gleichstellungsbereich arbeiten möchte. Frau Frauig schickte mir eine schöne Stelle: öffentlicher Dienst, 26 Stunden, unbefristet, Gleichstellung. Da bewerbe ich mich natürlich, auch wenn es wahrscheinlich nix wird, denn in diesem Teilbereich des Öffentlichen Dienstes habe ich keine Erfahrung, diese wird aber verlangt. Dennoch habe ich spaßeshalber mal mein zukünftiges Gehalt ausgerechnet, und da war der Spaß auch schon wieder vorbei: netto wäre ich mit 600 Euro weniger im Monat dabei. Und das ist tatsächlich meine Entgeltgruppe, also nicht einmal unterbezahlt. Wahnsinn. Irre. 25% weniger Gehalt? Ist es mir das wert? Es ginge, aber es wäre deutlich weniger spaßig als jetzt gerade, da muss man sich nichts vormachen.

Ich muss mir offensichtlich mal grob überlegen, ob es mir wichtiger ist, bei der Arbeit Spaß zu haben oder in meiner Freizeit.

Einmal Windei und zurück

Einen Jahresrückblick werde ich nicht schreiben, aber eine Sache wollte ich zumindest erzählt haben, die mir 2017 das erste Mal passiert ist: wie ich kurz schwanger war. Oder wie mein Körper dachte, dass er schwanger sei.

D. und ich versuchen seit inzwischen einigen Jahren – 3 Jahre? ungefähr, vielleicht etwas weniger, ich weiß es gar nicht mehr genau – ein Kind zu bekommen. Mein persönlicher Kinderwunsch ist nur so mittelausgeprägt, aber D. möchte gerne, ich kann mir das mit ihm sehr gut vorstellen, und so gingen wir es an. Und gingen und gingen, aus Monaten wurden Jahre. Die Dauer der erfolglose Versuche irritierte mich zunächst zutiefst – mit der Krabbe war ich nach 3 Zyklen schwanger, mein Zyklus ist regelmäßig, ich bin gesund, warum dauert das so lange? Eigentlich war ich schon am Tag nach der Herausnahme der Kupferspirale dabei, nach Kinderwagen zu suchen. Reine Zweck-Vernunft hielt mich zurück, aber deep of the bottom of my heart hielt ich schon ein Baby im Arm. Und mittelausgeprägter Kinderwunsch hin oder her: ich wurde bei jedem Anzeichen meines Körpers wahnsinnig und nein, ich konnte da nicht entspannen, auch nicht nach zwei Jahren. Jeden Monat, zwei Wochen lang, horchte ich in mich hinein, spürte viel, rechnete Entbindungstermine aus, überlegte Elternzeitvarianten, testete oft und war jedes Mal enttäuscht. Irgendwann verkniff ich es mir immerhin, auf Alkohol zu verzichten oder nach Ursachen zu googeln.

Ich installierte eine Zyklus-App, ließ meine Hormone testen und D. begab sich zum ebenfalls zum Fruchtbarkeitstest. Ergebnis: alles knorke. Meine Frauenärztin wies mich auf mein Alter von immerhin über 35 hin, dass mit dem anderen Mann auch noch einmal deutlich andere Faktoren in das Geschehen hinein spielen und dass ich doch gerne einmal Ovulationstests ausprobieren solle, die den Eisprung genau anzeigen. Dies tat ich. Ergebnis: mein Eisprung ist deutlich früher, als die Fruchtbarkeits-App es ausgerechnet hatte. Na gut, damit konnten wir arbeiten. Und siehe: zwei Zyklen nach dem Ovulationstest-Beginn hatte ich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Wobei der erste Test negativ ausfiel, aber es war mir klar, dass das nicht stimmen konnte: ich war oft wie erschlagen vor Müdigkeit, meine Brüste schmerzten, und ich war zehn Tage überfällig. Ich behielt recht, und der zweite Test bestätigte das.

Ich war seeeehr froh. Die Kinderwagensuche begann wieder. Diesmal im hochpreisigen Segment – nach dem ganzen Warten dachte ich nur: Gönn dir, Mutti! Ich machte einen Frauenärztinnentermin, erzählte allen Menschen davon und stellte mit leichtem Grausen fest, dass der berechnete Entbindungstermin Ende Januar sein sollte. Zum Geburtstag der Krabbe, um genau zu sein. Ein weiteres Winterwochenbett, das mich letztes Mal wirklich schwer mitgenommen hatte. Dicker Bauch im Wintermantel, keine Stiefel anziehen können wegen Unbeweglichkeit, Babyspaziergänge nur nach stundenlangen Eingepacke… aber gut. Die Freude überwog natürlich. Ich hörte mit dem Bouldern auf, mir war nicht nach Maximalkraftsport. Der Krabbe erzählten wir noch nichts, ich wollte den Termin bei der Frauenärztin abwarten.

Zum Gyn-Termin brachte ich stolz meinen Mutterpass mit, legte mich auf die Liege und erwartete froh den Ultraschall. Ich war schon kurz vor der 9. Woche, da würde schon richtig was los sein! Die Frauenärztin schaute, schaute neutral und zeigte mir den Monitor mit dem Hinweis: „Da ist die Fruchtblase.“ Ich starrte das schwarze Gebilde an. „Da ist aber nichts drin.“ – „Ja, da ist tatsächlich nichts. Es kann aber sein, dass Sie noch nicht so weit sind, wie Sie denken und wir deshalb noch nichts sehen.“ Ich brach innerlich etwas zusammen. Ich wusste, wann der Eisprung gewesen war dank Ovulationstest. Wenn da nix war, war da eben nix. Ich bekam dennoch einen Kontrolltermin zwei Wochen später mit dem Hinweis, mich nicht verrückt zu machen und Folsäure zu nehmen, aber wenn Blutungen einsetzen würden, sofort anzurufen. Sollte sich wirklich nichts entwickeln, würde ich einen Abgang haben oder einen Termin zur Ausschabung haben, das sei mir frei gestellt.

Das waren echt zwei Scheiß-Wochen. Ich blutete nicht, aber die Symptome ließen nach, und natürlich konnte ich trotzdem kein Frust-Saufen veranstalten wegen der klitzekleinen Rest-Wahrscheinlichkeit, dass ich da doch etwas in mir wuchs. Ich nahm keine Folsäure. Ich weinte ein bisschen, aber mehr aus Selbstmitleid, um meine Vorfreude, als um das Kind. Denn, da war ich ziemlich sicher, es hatte kein Kind gegeben. Die Fruchtblase war so was von leer gewesen – darum konnte ich nicht weinen, um ein leeres Organ. Offensichtlich hatte ich ein Windei – eine befruchtete Eizelle, die so lange lebte, dass sich Fruchtblase und alles Weitere bilden konnte, und die dann das Wachstum einstellte. Mein Körper hat das nicht gemerkt und fröhlich weiterhin alles Notwendige für die Schwangerschaft bereit gestellt.

Der zweite Termin bestätigte das. Immer noch war nichts zu sehen, auch wenn meine Gebärmutter trotzig an dem Gepupse, wie ich es inzwischen nicht besonders liebevoll nannte, festklammerte. Von einem Embryo war immer noch weit und breit nichts zu entdecken, ich hatte nie ein Baby gehabt – nur das Drumherum-Gedöns einschließlich der Freude und der Zukunftsbilder. Trotzdem scheiße, so richtig, richtig scheiße! Die Frauenärztin erklärte mir die Optionen: entweder Termin zur Ausschabung, ambulant, oder ich könne warten, bis die Blutung von selbst einsetze, was sich allerdings noch hinziehen könnte. Ich entschied mich für Letzteres. Wenn mein Körper schon so doof rumeiert, soll er den Rest bitte auch noch erledigen, und auf Krankenhaus hatte ich mal so gar keine Lust, ich fand das alles schon beschissen genug.

Irgendwann um die 12 . Woche begann ich dann zu bluten. Dunkelrotes Gewebe, 7 Tage lang. Dann ging es richtig los, Ströme von hellroten Blut, 4-5 Tage und dann der Abgang des Haupt-Gewebeklumpens, Fruchtblase, Plazenta, was halt noch so da war, und einen deutlich spürbaren Schwups auf der Toilette bedeutete. Ich schaute kurz und spülte dann, hauptsächlich erleichtert. Nein, das war nicht wie eine Menstruation, so gar nicht. Etwas Gewebe verblieb allerdings, wie beim nächsten Kontrolltermin bemerkt wurde, und auch das Schwangerschaftshormon blieb auf niedrigem Level noch konstant. Die Frauenärztin meinte, es könne doch noch eine Ausschabung nötig sein, dass ich aber erst einmal abwarten könne, ob ich meine Regel bekommen würde. Oft würden die letzten Reste dann mit der neuen Blutung abgehen.

So kam es dann auch. Anfang August war mein Körper wieder auf 0, und ich hatte zumindest die Gewissheit, dass D. und ich rein technisch in der Lage sind, eine befruchtete Eizelle zu produzieren. Ich ließ mir zwei Monate Zeit, damit sich alles wieder einpendeln konnte, und begann dann wieder mit Ovulationtests. Weiter gehts, ne.

Der große Unterschied: bei jedem Zwacken meines Körpers winke ich innerlich müde ab und sage mir: „Hattest du schon alles, hat nix zu bedeuten.“ Klappt meistens ganz gut. Ich bin nicht entspannt, da bin ich nicht der Typ für, aber ich versuche den Ball flach zu halten. Bouldern tue ich immer noch nicht mehr, dafür mache ich Yoga. Und ich versuche, relativ offen mit meiner Erfahrung umzugehen. Denn welche Probleme es gibt, wenn man nicht schwanger werden will, ist weithin bekannt. Welche es gibt, wenn man schwanger werden will – davon hatte ich vor meinen eigenen Erlebnissen noch nichts gehört. Ich bin allerdings sehr froh und dankbar, dass meine Frauenärztin nie auf eine Ausschabung gedrängt hat und ich immer das Gefühl hatte, die freie Wahl zu haben – das scheint nicht selbstverständlich zu sein.

Mal sehen, wie lange D. und ich das noch mitmachen und was passiert, wenn es weiter nicht klappt. Ich will keine Kinderwunschbehandlung, meine Sehnsucht nach einem Kind ist nicht groß genug, um mich mit diesem sehr heftigen und teuren Prozedere zu belasten. Belastend finde ich aber auch die Warterei auf eine Schwangerschaft, das will ich nicht ewig machen, ich brauche irgendwann einen Schlusspunkt. Pflegekind oder Adoption könnte ich mir sehr viel besser vorstellen. Oder aber wir leben einfach so weiter wie bisher. Ich bin glücklich mit meinem Leben, und so sehr ein zweites Kind das Glück eventuell vergrößert und so sehr wir auch Platz dafür hätten: es darf so bleiben, wie es ist.

Zwischen den Jahren und das erste Mal Kino mit Krabbe

Das Programm von Weihnachten geht weiter, zumindest war das der Plan: weiter rumgammeln, nur diesmal mit Krabbe. Jaha! Was ich nicht beachtet hatte: die Krabbe wird im Januar 5 Jahre alt und besteht aus 114 cm gebündelter Laser-Energie, die dieser Tage nicht in der Kita aus ihr rausgeschüttelt wird. Außerdem ist da irgendetwas los: einerseits will sie ununterbrochen toben (ich aber nicht, das übernimmt D. mit aller Vehemenz, deshalb ist hier die ganze Zeit ein Trubel, dass ich ein bisschen verrückt werde), andererseits „Mami knuddeln!“ (mach ich gerne) und ich darf keinen Millimeter weg gehen, während sie mir D. tobt (mach ich trotzdem, dann wird gejault, und meine Güte, kann die jaulen), dazu schläft sie bis 9 Uhr morgens (yeah!), dann aber abends erst um 21:30 Uhr ein (nicht yeah!), und plötzlich malt und spielt sie durchaus auch mal eine halbe Stunde alleine für sich, wenn etwas mehr Ruhe einkehrt, das ist ziemlich neu.

Also rumgammeln ist das hier nur im weitesten Sinne. Wir haben darum doch ein bisschen Programm eingezogen für sie: gestern ihr erster Kinobesuch, heute geht es schwimmen mit einer befreundeten Familie, morgen Silvester bei und mit Schwester 1, Schwager und CousinEn. Vor allem der Kinobesuch war für mich etwas Besonderes: ich gehe ungeheuer gerne ins Kino und möchte gerne, dass die Krabbe auch Freude daran hat. Da sie nicht besonders fernseherfahren ist – „Conni im Zoo“ und „Peppa Wutz“ sind bisher die aufregendsten Geschichten gewesen, und bei „Petterson und Findus“ mussten wir ausschalten, weil Petterson ein Paddel bei einer Flussfahrt verloren hatte, das war zu spannend – habe ich mir vorher ein wenig Gedanken gemacht. Zum Glück hat eines der hiesigen Programmkinos nicht nur die FSK als Altersangabe hinterlegt, sondern auch eine klare Altersempfehlung. „Bamse, der klügste und stärkste Bär der Welt“, wurde für ab 4 Jahre beschrieben, ein 60minütiger schwedischer Zeichentrickfilm. Und so enterten wir um 15 Uhr das Kino, kauften Getränke, Popcorn und Süßigkeiten und harrten der Dinge, die da kommen. Preislich war das meines Erachtens für drei Leute komplett in Ordnung: 16 Euro für die Tickets, etwa 12 Euro für die Snacks, damit kann ich leben. Das Kino ist auch sehr nett, eines meiner Lieblingskinos hier, und mit drei Sälen überschaubar, so dass die Krabbe alles gut erfassen konnte, ohne von Werbung und Menschenmassen überwältigt zu werden.

A propos Werbung: die sparte das Kino sich komplett vor dem Kinderfilm, was mich sehr begeisterte. Auch Trailer gab es nicht: der Vorhand zog sich auf, es wurde ein Standbild eines Filmplakates aus dem aktuellen Programm gezeigt, und der Film begann. Insgesamt war der auch ganz niedlich, bestand dann aber doch zur Hälfte aus ziemlich bösen Schurken und Verfolgungsjagden. Die Krabbe fieberte mit dem ganzen Körper mit und wollte – das hatten wir ihr vorher gesagt, dass das immer geht – zwischendurch mit mir raus, weil sie es zu gruselig fand. Wir butscherten also ein wenig durch das Foyer, gingen auf die Toilette, dann ging es wieder, und sie wollte wieder rein.

Insgesamt fand sie es richtig toll und will wieder ins Kino. Die Geschichte hat sie dann doch enorm beeindruckt, sie redet von nichts anderem und fragt uns Löcher in den Bauch über die Handlung, die allesamt mit „Warum…?“ beginnen. Ich verbuche das ganze als Erfolg und werde immer mal wieder schauen, was im Kinderprogramm so läuft.

Und gleich ab ins Schwimmbad – sie muss ausgetobt werden.

Guten Rutsch wünsche ich allen!

Mein Thema für 2018

So: Weihnachten wäre geschafft. Es war wirklich idyllisch und ruhig – wir hatten die Krabbe nicht da, was bei der Idylle für Abstriche gesorgt hat, dafür bei der Ruhe einiges, aber wirklich einiges möglich gemacht habe. Ich fürchte, ich habe die Couch plattgelegen, und mein Rücken ächzt und stöhnt von dem tagelangen Herumgeliege, während dessen ich mich höchsten mal von der Couch ins Bett oder zum Kühlschrank geschleppt habe. Schön wars.

Nun aber zum obligatorischen Jahresabschluss!

Ich habe nämlich, wenn ich gerade mal keine Serien geschaut oder Bücher gelesen habe, festgestellt, dass die letzten Kalenderjahre im Nachhinein oft einen recht klaren Schwerpunkt hatten. 2012 war es Berlin, 2013 die Elternschaft, 2014 die damals neue Beziehung zu D., 2015 der berufliche Downsizing und Wechsel nach Hamburg, 2016 zur Ruhe kommen, 2017 das Ordnen meiner Finanzen (ich kann das sehr empfehlen, es fühlt sich sehr gut an. Ich weiß, wie viel Geld ich wo habe, was wie viel Ertrag bringt und dass ich mir niemals ein Eigenheim leisten können werde – das entlastet ja auch, so eine Einschränkung der Optionen!). Diese Struktur war komplett keine Absicht, liest sich aber sehr sinnig. Deshalb habe ich beschlossen, dass ich für 2018 mal versuchen werde, mir bewusst einen Schwerpunkt zu setzen. Ich habe nämlich das Warten gerade satt. Warten auf eine Schwangerschaft, auf die erfolgreiche Bewerbung in einen interessanten Job, auf Sonne, auf die nächste Staffel Miss Fisher. Und wenn ich so ungeduldig drauf bin, werde ich aktionistisch. Also:

Für 2018 nehme ich mir mal grob Kompetenzentwicklung und Ehrenamt vor. Denn wenn alles klappt wie geplant, werde ich im Ehrenamt Parteifunktionärin (genauer: Vorsitzende der Frauenorganisation im Kreis) und möchte dafür und für die berufliche Entwicklung eine Moderationsfortbildung machen. Für Sitzungsleitungen, für Diskussionen, für eventuelle Teilnahme an Veranstaltungen, für mein Selbstbewusstsein und als Investition in mich. Außerdem werde ich mich auf jede Mentoring-Möglichkeit bewerben, die die Partei so anbietet. Daneben habe ich den Plan, als Funktionärin die Frauenorganisation sehr viel aktiver zu gestalten und die Männer so richtig zu nerven – als eher harmoniebedürftiger Mensch ist das definitiv eine Kompetenz, die ich entwickeln muss. Ich bastele dafür schon fleißig an Arbeitsplänen und habe bereits tolle Frauen an der Hand, die Lust haben, da mitzumachen.

Wenn sich dieser Plan so umsetzen lässt, bin ich ganz zufrieden. Und vielleicht passieren nebenbei ja auch noch die anderen Dinge, auf die ich schon lange warte.