Plakatieren. Wahlkampf an der Basis.

Ja, zu diesem Parteiengagement gehören ja nicht nur schicke Funktionen, fancy Anträge und aufregende Gremiensitzungen, oh nein! Gerade im Wahlkampf wird man gerne mal von seinem Ortsverein-Vorstand angefragt, ob man nicht auch gerne mal plakatieren oder am Infostand Flyer verteilen will, um den eigenen Chef wieder in den Bundestag zu bringen. Man wird durchaus lieb angefragt, aber wenn der Vorstand im eigenen und im Nachbarbüro sitzt, weist er eine gewisse zermürbende Penetranz auf, kombiniert mit düsteren Zukunftsprognosen für die eigene Büro-Beliebtheit, wenn man zu oft nein sagt. Abgesehen davon sehe ich es ja ein: wenn nicht mal die Hauptamtlichen ihren Körper hinhalten, warum sollten es dann die anderen tun? Und es ist ja nur gut für mich, wenn mein Job länger als bis zum 24. September existiert.

Ich war also ein paar Mal am Infostand, das ist ganz okay, denn ich wohne nicht dort, wo ich organisiert bin. In dem Falle finde ich das super. Und seit heute darf ich mich als erfahrene Plakatiererin bezeichnen, das war sogar noch besser. Man ist halt hinterher voller Kleister. Und man fühlt sich durchaus merkwürdig, wenn man den Vormittag damit verbringt, seinem Chef mit einer kuschelig-weichen Bürste voller schmierigen Zeug übers Gesicht zu puscheln. Aber ich kann das.

Demokratisches Engagement. So was sagt einem vorher auch keiner.

Die Altersvorsorge, die Aktien und ich

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Mit dem Thema Altersvorsorge schlage ich mich schon seit Langem herum – auch gerne mit einer generellen Vermeidungshaltung als Grundstimmung. Das ist einer der Gründe, warum ich hier gerne etwas dazu schreiben möchte, denn beim Vermeiden bin ich meines Wissens nicht die Einzige. Dabei ist das Thema wichtig, wenn es um Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit im Alter geht – gerade für Frauen und ihre oft unregelmäßigen bis rudimentären Einzahlungen in die gesetzliche Rentenkasse. Daher gehe ich hier wieder meinem Credo nach: über Geld muss man reden, damit man mal sieht, wie es bei anderen so ist! Auch über Altersvorsorge, wie unspaßig das auch generell ist. Hier also meine Geschichte.

Das erste Mal, dass ich das Thema bewusst wahr nahm, war in noch recht jungen Jahren, als mein Vater als Selbstständiger seine Altersvorsorge auflösen musste, was meine Sensibilität für das Thema sehr prägte. Weiter ging es im Studentinnenjob, der knapp so hoch entlohnt wurde, dass ich etwa 10 Euro monatlich in die Rentenkasse einzahlte – ich verzichtete darauf, mich davon befreien zu lassen. Dann kam lange nichts, außer, dass ich im Studium viel über die Risiken von Frauen-Erwerbsverläufen in Bezug auf Altersarmut lernte. Das löste in mir viel Unbehagen aus – wenn ich nicht ordentlich einzahlte, würde ich allerspätestens mit Renteneintritt entweder von meinen Lieben oder vom Staat abhängig sein. Denn ein Erbe habe ich nicht zu erwarte, und meine Rentenbenachrichtigungen verhießen auch nichts Gutes, zumindest nichts, was über krasses Herumkrebsen hinaus gehen würde, vor allem dann nicht, wenn ich in einer Großstadt oder Metropolregion leben wollen würde. Und das will ich im Alter definitiv.

Die ersten Schritte 

Ich fing also mit Vorsorge an. 2011 eröffnete ich einen Riestervertrag. Das Konzept war damals schon umstritten, geringe Rendite etc, aber ich dengelte so herum und murmelte: „Irgendwas muss ich ja machen fürs Alter.“ Die Hartz-IV-Sicherheit war und ist für mich immer noch ein sehr gutes Argument. Zwar fühle ich mich beruflich inzwischen recht etabliert, aber hallo! Soziologin! Wer weiß, was da noch passiert. Ich halte für mein allgemeines Sicherheitsgefühl außerdem tapfer meine einst erworbenen Genossenschaftsanteile einer Wohngenossenschaft, denn: die sind in Hamburg echt schwer zu kriegen. Sollte ich mal eine günstige Wohnung brauchen, etwa für den Alterssitz meines Vaters, die Ausbildung der Krabbe oder für meine Rente, habe ich damit schon mal etwas bessere Karten als ohne Genossenschaftsanteile.

Denn Wohneigentum kommt für mich nicht in Frage. Ich kann es mir schlicht nicht leisten, und es interessiert mich nicht stark genug, als dass ich die hohen Kosten in Kauf nehmen würde. Ein Wohnstandard, der mit meiner jetzigen Mietwohnung vergleichbar ist, kostet ca 400 Euro mehr monatlich und ist für mich nicht attraktiv. Ich hasse es, Schulden zu haben, und ich mag die Unflexibilität von Wohneigentum nicht, die enormen Verpflichtungen, die man auf sich lädt. Das bedeutet aber, dass ich für meine Rente etwas Vermögen aufbauen sollte, um die Mietkosten bezahlen zu können, denn die gesetzliche Rente wird das nicht zwingend hergeben. Ergo: andere bauen, ich muss sparen.

Meine aktuelle Lage

Das ist also der Stand der Dinge: Der Riester läuft weiter, ich habe ein Sparbuch, Genossenschaftsanteile und irgendwo noch ein paar hundert Euro vermögenswirksame Leistungen. Außerdem ein Sparfonds, der bis zum 18. Geburtstag der Krabbe läuft und für ihre Ausbildung bestimmt ist. Immerhin.

Der neueste heiße Scheiß in meinem Portfolio

Dann hatte ich eines Tages einige hundert Euro übrig und beschloss, diese in Aktien zu investieren, denn das wird einer ja dauernd gepredigt: Ak-ti-en! Beste Sache ever! Rendite! Aber jung damit anfangen und langfrisitg halten, damit man Krisen aussitzen kann! Joah. Ich fand den Gedanken ganz nett, mir ein paar Einzelaktien zu erwerben – damit ich nicht irgendwelche Fondsmanagerinnen subventionieren muss und genau steuern kann, welches Unternehmen mein Geld bekommt – und eröffnete ein online-Depot (was ziemlich genau so läuft wie die Eröffnung eines online-Giro-Kontos, Post-Ident und so). Dann erwarb ich insgesamt 5 Aktien von 2 Unternehmen, die ich jetzt 30 Jahre behalten will. Und was soll ich sagen, seitdem habe ich den Spaß meines Lebens, denn man kann ja tatsächlich sekündlich Aktienkurse prüfen! Das ist der Hammer, wenn man so ein bisschen kontrollig veranlagt ist. Und die Rendite ist bisher einfach bezaubernd. Oben sehen wir den Chart der schlechter laufenden Aktie, da dümpelt die Rendite so zwischen -1 und 5 Prozent. Meine andere Aktie hat eine bisherige Rendite von 28 Prozent – ich denke nicht, dass das langfristig so bleibt, aber so ein Blick auf die Zahlen ist schon recht erbaulich und füttert das Belohnungszentrum im Hirn ordentlich an. Die beste Sache, die ich jemals mit Geld gemacht habe, so anlagetechnisch.

Bei all diesem Spaß und der Rendite stelle ich mir die große Frage: soll ich meinen Riester beitragsfrei stellen und lieber öfter Aktien kaufen? Ganz werde ich mich das nicht trauen, aber vielleicht werde ich die monatliche Zahlungen halbieren und den Rest anlegen. Mal sehen, was ich mich traue. Und vielleicht lasse ich mich auch einfach mal beraten.

 

Bayern dreht frei

Was zur Hölle macht Horst Seehofer da? Mal ganz davon abgesehen, dass er quasi die Konzernchefin auf der Abteilungsfeier gedemütigt hat ( und diese ihm das anscheinend durchgehen lässt – ich hoffe ja trotzdem, dass das Konsequenzen hat. Von mir aus kann die CSU gerne die Koalition verlassen), sind Obergrenzen oder auch Kontingente für Flüchtlinge einfach sinnlos. Denn jede Beschränkung auf eine bestimmte Zahl  erfordert geschlossene Grenzen für alle, die erst kommen, wenn die Obergrenze bereits erreicht ist oder das Kontingent erfüllt. Geschlossene Grenzen wiederum bekommt man nur um den Preis von zurückgewiesenen Flüchtenden, die an einem befestigten Zaun zurückgeschickt werden müssen. Hatten wir nicht vor 25 Jahren gedacht, dass wir so etwas überwunden hätten? Und davon mal abgesehen: diese Grenze wird überrollt und attackiert werden, davon kann man ausgehen. Es werden nicht alle Abgewiesenen zurück nach Hause gehen, wenn sie denn überhaupt noch eines haben. Was dann?

Einige Irre, z.B. Funktionäre der AfD, haben ja schon offen ihre Fantasien zu diesen Szenarien ausgesprochen: Waffengewalt, yeah. Ich sehe den Herrn schon höchstpersönlich am Grenzzaun stehen und lustvoll verzweifelte rumänische Flüchtlingsfamilien abknallen.

Diese ganze Semantik lässt Endzeit-Film-Bilder vor meinem inneren Auge entstehen. So langsam habe ich den Eindruck, wir haben in dreißig Jahren unsere eigene Form des Snowpiercers, Elysium und wie sie alle heißen.

Es gruselt mir.

Krieg und Flucht und Anschläge

Darüber muss ich ein bißchen nachdenken, so für mich – nicht hier.

Eines finde ich sehr spannend beim Gedenke: da ich nun für einen Außenpolitiker arbeite – ich, die sich nie besonders für Außenpolitik interessiert hat, aber wie das eben so ist: je mehr EInblick man hat, desto mehr erweitern sich die Interessen -, verschiebt sich meine Sicht der Dinge. Fluchtursachen, Krisen und Bürgerkriege sind nun die Themen, auf die meiner Meinung nach der Fokus gelegt werden sollte, wo Lösungen gefunden werden müssen. Wenn das Leben in der Heimat erträglich bis schön ist, würden die wenigsten fliehen und sich noch weniger radikalisieren oder Radikalismus als geringeres Übel tolerieren. Hier liegen die Wurzeln der Probleme.

Natürlich liegen sie in Wahrheit noch tiefer, angefangen bei der Kolonialpolitik der Europäer seit dem späten Mittelalter bis hin zu Waffenlieferungen in Krisengebiete und vielleicht sogar überhaupt in der Idee von Nationalstaaten. Und natürlich müssen nicht nur die Wurzeln, sondern auch die Symptome behandelt werden. Aber wie gesagt, darüber denke ich noch.

Die Gefahren des Hausfrauen-Daseins

In letzter Zeit stoße ich vermehrt auf Artikel, die Suchtprobleme, psychische Krankheiten oder Burn-Outs bei Müttern und Hausfrauen behandeln. Und zwar geht es hier nicht (nur) um Frauen in Doppelbelastung von Beruf und Familie, sondern um „Nur“-Hausfrauen.

Ich lese diese Artikel mit großem Interesse, weil ich schon seit meiner Studienzeit durch Erzählungen im Freundeskreis festgestellt habe: Mütter in der Generation meiner Eltern, so auch meine Mutter, die sich ihr Leben lang ausschließlich um Haushalt und Kinder gekümmert hatten, waren auffällig häufig psychisch krank. Viele hatten ein Suchtproblem oder waren in irgendeiner Form von psychischer Behandlung. Das muss statistisch nichts bedeuten, vielleicht neige ich auch einfach dazu, Freunde von psychisch auffälligen Müttern zu haben, weil diese Menschen mir durch die ähnliche Erfahrung ähnlich sind. Bemerkenswert finde ich es trotzdem.

Ich mag nicht ausschließen, dass viele dieser Mütter schon anders belastet waren, als sie sich entschlossen, Kinder zu bekommen und zu Hause geblieben sind. Zu Hause bleiben trägt aber anscheinend in vielen Fällen nicht zur Besserung irgendwelcher Probleme bei. Einen kleinen Vorgeschmack von dieser Dynamik bekam ich in der Elternzeit mit der Krabbe – es gab wenige Zeiten in meinem Leben, in denen ich so unzufrieden war, und ich merkte, wie es mir aufs Gemüt schlug. Alle Warnglocken gingen bei mir an. Man weiß es ja, psychische Unregelmäßigkeiten setzen sich über die Generationen innerhalb einer Familie oft fort, und ich bin da lieber vor- als nachsichtig.

Mutter sein, Familie haben, Kinder bekommen und großziehen und sich um nichts anderes kümmern ist nicht nur idyllisch und schön und komplett erfüllend. Viele, vor allem Frauen und damit dann auch der Rest der Familie und hier in erster Linie die Kinder, zahlen einen hohen Preis dafür: die psychische Gesundheit der Person, die zu Hause bleibt. Aus persönlicher Sicht erscheint es mir auch logisch. Ich bin zum Beispiel einfach keine Hausfrau, die Aufgaben sagen mir nicht zu. Ich mache wenig im Haushalt, und wenn ich es tue, langweilt und nervt es mich. Es ist in keinster Form ein Job – für einen Job bekäme ich Geld – es ist einfach nur ein blöder und lästiger Teil des Privatlebens, und ich habe weder Lust noch Energie, es mir schön zu reden. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es nicht unheimlich vielen Frauen so geht, und dennoch machen viele Frauen es hauptberuflich, wenn die Kinder da sind. Logischerweise muss das psychisch belastend sein! Ich meine: jeden Tag staubsaugen, eine Aufgabe, die niemanden interessiert, niemanden nützt, die niemand nachfragt und die niemand bezahlt, für die man keine Qualifikation braucht – das würde auch Sysiphos an den Rand des Stoizismus bringen. Der konnte sich immerhin stark fühlen beim Rollen des Steines, und er konnte sicher sein, dass wenigstens später von ihm gesprochen wurde.

Kinderbetreuung ist da die spaßigere Aufgabe der Hausfrauen, zumindest in den schönen Momenten. In den anstrengenden Phasen ist es reine Maloche, ohne Pause, ohne den Hauch einer intellektuellen Herausforderung, und wenn man unglücklicherweise kein funktionierendes Netzwerk hat, hat man auch keine KollegInnen – Einsamkeit ist die Folge. Von mangelnder Anerkennung und einer geringer werdenden Basis mit dem Beziehungspartner, der in einer komplett anderen Welt lebt, ganz zu schweigen, von Autonomie und den eigenen Bedürfnissen, die man ignorieren muss – bei all diesen Belastungen ist die finanzielle Abhängigkeit fast nur noch ein i-Tüpfelchen. Allerdings ein entscheidendes, wenn die psychische Belastung zur Trennung vom Hauptverdienenden führt. Auch hier: Betreuung der eigenen Kinder ist kein Job. Das ist Privatleben.

Ich behaupte, dass die meisten Menschen für das Privatleben alleine einfach nicht taugen. Der Mensch will raus, der Mensch will in Kontakt, der Mensch will gesehen werden. Sonst wird der Mensch schneller krank, und so geht es vielen, vielen Hausfrauen. Ich weiß aus Sicht des Kindes, wie schrecklich das ist. Daraus zog ich meine persönliche Lehre: ich ging arbeiten, und ich wusste immer, dass ich damit nicht aufhören werde, wenn ich ein Kind habe. Warum auch? Ich arbeite gerne, und ich hatte immer das Gefühl, dass die arbeitenden Leute das schönere Leben und sehr viel bessere Laune hatten. Dafür brauche ich auch keinen tollen Job, das Call Center etwa hat meine Bedürfnisse an die Arbeitswelt – Kolleginnen, eine Tagesstruktur, etwas eigenes Geld, zu Hause etwas zu erzählen haben – auch schon hervorragend erfüllt, die eher stupide Arbeit störte mich nicht weiter.

Die aktuellen Artikel bestätigen mich in dem Gedanken, dass es nicht nur die Doppelbelastung ist, die Mütter krank machen kann. Die Doppelbelastung ist nur einfach sichtbarer, greifbarer und anerkannter und damit eben auch besser erforscht. Hausfrauen sind nicht sichtbar, weder in der Gesellschaft noch in der Forschung. Das ändert sich jetzt langsam, und es wird immer mehr bestätigt, was ich schon seit meiner Jugend vermute: die Einfachbelastung der Hausfrauen kann sie in seelische Abgründe treiben. Da hat sich seit der Generation meiner Eltern nicht viel geändert. Aber immerhin publiziert man nun darüber.

30/3, willkommen zurück!

Seit meine Kupferspirale entfernt wurde, ist meine Menstruation wieder auf dem Stand wie vor der Schwangerschaft: Zykluslänge 30 Tage, Blutungslänge 3 Tage. Herr-lich. Nix gegen die Kupferspirale, das ist schon eine super Sache, aber da war das mit der Menstruation so: zwei Tage tröpfeln, dann 4 Tage starke Blutungen, dann drei Tage tröpfeln. Das war nicht so herrlich.

Am tollsten war die Hormonspirale, da hatte ich gar keine Blutungen. Aber Hormonverhütung ist inzwischen das letzte Mittel der Wahl. Nein, Korrektur: das vorletzte Mittel. Cervix-Schleim-Untersuchungen an jedem frühen Morgen sind mir extrem unvorstellbar. Allerdings würde ich mich darauf einlassen, auf einen Computer zu pinkeln, mit dem Einsatz von Latex zu verhüten, mir ein Diaphragma anpassen zu lassen oder ein Kupferkettchen in mich einsetzen zu lassen. Mal sehen.