Bully ausleihen: ein Erfahrungsbericht

D. und die Krabbe und ich wollten mit ein paar anderen Familien ein Wochenende campen fahren, in die Nähe von Hamburg an die Elbe. Nun hasse ich zelten wie die Pest, dieses Rumgekrauche und immer ist alles klamm und man schläft komplett von Plastik umhüllt, und wackelige Gaskocher, och nee. D. liebt allerdings zelten. Wir einigten uns auf einen Kompromiss: wir leihen uns einen Bully. Im Internet gibts da ja diverse Plattformen.

So liehen wir fröhlich und zuckten nach der Buchung leicht nervös mit den Augenlidern: 75 Euro pro Nacht für den Bully. Und der Campingplatz kostete auch noch mal 30 Euro pro Nacht. Das ist ja schon nicht ganz billig, wenn man bedenkt, dass man nicht mal eine eigene Toilette hat! Und man campen gar nicht mag! Mwah, ich fühlte ganz deutlich die Geldverschwendung. Aber hilft ja nix.

So fuhren wir denn zum Campingplatz, der wirklich ganz nett und sehr ruhig und lauschig war. Die Kinder bildeten Banden und badeten in der Elbe, die Eltern waren entspannt. Am ersten Abend brach ein Unwetter aus, und wir flüchteten in den Bully und schliefen ein. Ich fand es sehr gemütlich. Vier feste Wände und ein festes Dach, die eigene Bettdecke dabei, eine richtige Matratze… ich schlief natürlich sehr schlecht, aber das war zu erwarten.

Ich startete recht optimistisch in Tag 2 und wurde umgehend bestraft. Um 11 fuhr ein Truck auf den Campingplatz, mit meterhohen Boxentürmen, und parkte drei Meter von unserem Familiencamp entfernt. Es sprangen trikotbewandte Menschen heraus, die fröhlich juchzten, Bierflaschen schwangen und die Boxen aufbauten. Wir so: „Äh, was macht ihr denn da?“ Die Menschen: „Das hier ist das alljährliche Beachhandballturnier im Elbschlick, wir sind die Dorfjugend und hassen Touristen, und wir werden diesen Campingplatz ganz doll laut beschallen mit Spielansagen und extrem lauter und schlechter Musik, heute und morgen von 11 bis 19 Uhr! Und abends machen wir weiter mit hartem Feiern!“ Wir: „…“

Ja nun. Ich erspare mal die Details des Elends des restlichen Tages. Aber ab jetzt werde ich eine von diesen Menschen sein, die vor Buchungen auf Campingplätzen da anrufen und misstrauisch fragen: „Und findet an dem Wochenende zufällig ein Turnier mit sehr großen Lautsprechern direkt auf dem als ruhigen und naturnah beschriebenen Campingplatz statt? Wirklich nicht? Ja nun, wenn Sie wüssten, was ich schon erlebt habe…“ Wir haben uns übrigens beschwert, dass uns das niemand bei der Buchung gesagt hatte, und bekamen die Nacht umsonst. Aber es war wirklich unschön. Da konnte der Bully auch nichts mehr reißen.

Das Ganze trug nicht dazu bei, dass ich nun ein Camping-Fan bin. Aber der Bus, der war wirklich nett. Und die Krabbe fand es einen absoluten Knüller und hatte die Zeit ihres Lebens, man kann es nicht anders sagen.

Was noch wichtig war: als wir den Bully abholten, bekamen wir signalisiert, dass bei direkter Buchung ohne Portal das Gefährt nur 50 Euro pro Nacht kostet. Das ist schon etwas anderes, wie ich finde. Mal sehen, wie das weiter geht – ich bin jedenfalls bullytechnisch sehr viel offener als vor dem Wochenende.

Fazit: Für einen längeren Zeitraum würde ich das noch einmal in Betracht ziehen, für ein Wochenende eher nicht. Der Aufwand, nicht nur der finanzielle, ist schon sehr groß: Buchen, Bully abholen (meist nicht in der Nachbarschaft, sondern mit ordentlicher Anfahrt), sich alles zeigen und erklären lassen, alles einpacken, dann irgendwann merken, dass man alles unpraktisch gepackt hat, umpacken, Sonnensegel und Campingmöbel aufbauen, am Ende dann alles retour… Ich bin schon bei der Erinnerung erschöpft. Aber gemütlich war es, und sehr kinderfreundlich!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

Ein Kommentar zu “Bully ausleihen: ein Erfahrungsbericht

  1. kraazkraaz sagt:

    Wo wart Ihr denn an der Elbe?

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