Die Nachbarn

Es ist ja ein wenig öder im Haus geworden, seit die besten Nachbarn weggezogen sind. Da die beste kleine Nachbarin fehlt, will die Krabbe auch kaum noch auf den Innenhof zu den anderen Kindern. Demzufolge bin ich da auch nur wenig gewesen und hatte wenig Nachbarskontakt. Erschwerend kam hinzu, dass die Vermieter diesen Sommer aus, wie wir vermuteten, Gründen der mangelnden Pflege durch die Mietenden den Spielbereich im Innenhof nach der Wintersperrung nicht öffneten. Kommuniziert wurde allerdings: gar nix. Die Mietenden mit Kinder verbrachten also die bisherigen warmen Monate mit mutmaßen, lästern und ärgerten sich. Ich besonders, so etwas ertrage ich schlecht, ich fühle mich immer ganz unbehaglich bei so unterschwellig schlechter Stimmung und passiv-agressiven Teil-Hofabsperrungen.

Nach einer Weile wurde von den Nachbarn der Kontakt zu den Vermietern aufgenommen, ein Hinweis auf die Hofpflege kam, wir sammelten alle Mail-Adressen der Mieter mit Kindern und trafen uns kürzlich im Innenhof zur Lagebesprechung. Der Vermietersohn, von dem die mangelnde Kommunikation ausgeht, war zufällig auch gerade da und gesellte sich dazu, leicht psychotisch lächelnd stand er die gesamte Zeit hinter mir.

Es ist ja enorm, wie Leute, mit denen man sonst nur einzeln mal schnackt, in so einem Plenum werden. Die Rollen sind immer zackzack verteilt: die unzufrieden Meckernden, die Witzreißenden, die Wortführer, die außerthematisch plaudernden Kleingruppen, die Aushandlerinnen, die Beschwichtigenden, die Schweigenden. Und wir waren nur zu siebt! Ich bin ja immer die, die sich nicht großartig an den Diskussionen beteiligt, ungeduldig wird und sagt: „Okay, dann haben wir das ja. Ich schreib das mal auf und schick das an alle“ und dann nach Hause will. Ich bin noch nicht ganz sicher, ob ich damit eher Chefin oder Sekretärin bin, aber ich es ist mir dann auch egal, denn ich WILL HALT NACH HAUSE. So auch hier.

Aber gut. Ende der Geschichte:  es gibt nun einen Hofpflegeplan, es war ganz unkompliziert, und hätte ich das Ganze früher angeleiert, hätte ich mir zwei Monate Unbehagen gespart. Es hat sich darüber hinaus wieder gezeigt, dass die meisten Nachbarn ganz coole Socken sind, das hatte ich fast vergessen in den letzten kontaktarmen Monaten. Die Vermieter sind halt nicht so lässig, so gar nicht. Aber irgendwas ist ja immer. Und mit Glück bekommen wir auch noch ein Hoffest hin in diesem Jahr und können uns die Vermieter schön trinken.

Und jetzt entschuldigt mich, ich muss das aufschreiben und rumschicken.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

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