Ein Abend in der Elbphilharmonie

So begab es sich aber zu der Zeit, dass sich vor den PCs der örtlichen Parteizentrale wild auf „Aktualisieren“ klickende Parteiangestellte mit wilden Rufen anfeuerten. Nein, hier wurden zu der Zeit nicht etwa die neuesten Umfragewerte bejubelt: der Ticketverkauf für die Elbphilharmonie hatte begonnen. Dem Rausch konnte sich kaum eine entziehen. Wobei ich das schon konnte, aber als dann die Kollegin fragte, ob ich von ihrem erfolgreichen Ticketkauf profitieren wollte, sagte ich ohne Zögern zu. Mit der Kollegin ist es eh immer höchst angenehm, daher sah ich keine Gefahr.

An einem klirrend kalten Hamburgtag machten wir uns auf zum neuen Prachtpalast des Königs Olaf I. Ein Klavierkonzert sollte es geben, was den Abend zu einer mehrfachen Premiere machte: ich war vorher noch nie auf einem klassischen Konzert, und in der Elbphilharmonie schon gar nicht. Auf das Gebäude war ich daher noch gespannter als auf die Musik, immerhin konnte ich der Elphi seit Jahren beim Wachsen zusehen. Das verbindet ja schon ein wenig emotional…

Der Einlass ging erfreulich schnell, das Selbsteinscannen des Tickets war eventuell einen Hauch zu profan, aber die Elphi soll ja auch für das gemeine Volk da sein, und selbiges wäre sicher durch zu viel Vornehmheit durch Menschen am Einlass irritiert. Die berühmte geschwungene Rolltreppe beförderte uns auf die erste Besucherebene, und der erste Eindruck war: joah, hüsch, aber irre zugig und kalt. Fast wie eine Fahrt in einem der alten Züge auf der Linie U3. Wir gönnten uns einen noch zugigeren und daher auch zügigeren Rundgang um die Plaza herum, die Aufsichtsplattform des Gebäudes, und stiegen dann diverse Treppen höher bis zur Konzertsaalebene. Hier nahmen echte Menschen uns die Tickets ab, es war warm, die Aussicht noch eindrucksvoller – die volle Dröhnung gibt es eben doch nur für zahlende Konzertbesucherinnen. Aber macht ja nix, wir waren drin, alles war gut.

Der Konzertsaal ist der Hammer, das lässt sich nicht anders sagen. Eine Mischung aus Science Fiction und Ehrwürdigkeit, von allen Plätzen eine hervorragende Sicht (auch auf das Mitpublikum, was sehr interessant war) und eine Akustik, die selbst das leiseste Flüstern aus 100 Metern Entfernung zu uns trug. Und natürlich die Klavierklänge. Ich muss allerdings zugeben, dass ich die Musik nicht wirklich würdigen konnte… Die Pianistin war sicher großartig, zumindest ist sie weltbekannt, aber meine Konzentration ließ nach ungefähr fünf Minuten dramatisch nach. Es ist einfach ziemlich wenig aufregend, so ein Klavierkonzert aus Laiinnen-Sicht. Für das nächste klassische Konzert nehme ich mir eine Orchesteraufführung mit exaltrierten Dirigenten, dramatischen Streicherinnen, explosiven Blasinstrumenten und einem Gong vor… mal sehen, ob jemand bei der nächsten Verlosung um das Kaufrecht für Karten (! So ist das in der Elphi! Der Sozialismus ist ein Fliegenschiss dagegen) Glück hat und mich dann auch noch mitnimmt.

Und der Wein war übrigens auch lecker, da in der Elbphilharmonie. Man kann das  durchaus machen, so einen Abend – es wird sicher nicht der letzte für mich gewesen sein.

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

6 Kommentare zu “Ein Abend in der Elbphilharmonie

  1. Fastdäne sagt:

    Moin, moin,
    auch ich, d.h. eigentlich meine Frau hatte Glück und hat Tickets für April 2018 ergattern können. Ich werde im April 2018 gleich zweimal dort sein.(Einmal Kaufrecht in Verlosung „gewonnen“, 1x irgendwie plötzlich nach 29876x aktualisieren auf einmal „drin gewesen)
    Gibt es da nur Treppen oder auch einen Fahrstuhl? Meine Frau ist da leider etwas gehandicapt und Stufen wären fast unüberwindlich.
    Gruß Frank

  2. kraazkraaz sagt:

    Ich dachte Elfie sei imenmer ausverkauft. (Weil die Parteien sich bedienen.) Ansonsten Empfehlung: Wagner mit Thielemann am Pult: VOLLE Musikdröhung mit dem Meister der Meister.

  3. Ist es echt so schwierig, da an Karten zu kommen? Ist dann wohl auch nicht von Vorteil, wenn man einigermaßen Musikverständige und selber Musikerin ist? 😉

    • jongleurin sagt:

      Na ja, die Karten sind halt heiß begehrt. Es gibt zwei parallele Verfahren: normaler Vorverkauf mit First Come, First Serve und die Verlosung von Kaufrechten. Man kommt schon rein, muss aber etwas Zeit investieren… Der Musikverstand ist dabei zweitrangig, aber wenn man denn erstmal drin ist, nützt er einem ganz sicher beim Spaß haben 😉

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