G20

G20 in Hamburg ist nun seit einer Woche vorbei. Ich persönlich war auf mehreren Ebenen betroffen: ich lebe in Hamburg und ich arbeite in der Politik ( zwar nicht auf lokaler Ebene, aber das ist natürlich nicht ganz zu trennen) für einen Außenpolitiker, und Außenpolitik ist bei G20 offensichtlich DAS Thema. Meine Sicht ist also von diesen Faktoren geprägt. Der Gipfel und die damit einhergehenden Krawalle haben zu einer sehr angestrengten Atmosphäre und zu vielen Diskussionen in meinem beruflichen Umfeld geführt, die sicher noch lange anhalten werden. Ich war am besagten Wochenende nicht in der Stadt. Ich hatte sowieso nicht vor zu demonstrieren. Seit ich in einer Partei aktiv bin, fühle ich mich, als hätte ich als berufstätige Mutter damit mein Soll erfüllt und gehe nur noch sehr ausgewählt zu Veranstaltungen. Abgesehen davon war die Stimmung in der Stadt gespenstig. Ganze Stadtteile menschen- und autoleer, andere brannten, in den Rest kam man nicht, weil der ÖPNV flach lag. Ich fand es mäßig verlockend, mich auf den Weg zu machen.

Ich habe seit diesem Wochenende viel über die Lage gelesen, habe die Verantwortlichen und die Bevölkerung auf öffentlichen Veranstaltungen aufeinander prallen gesehen und kenne gefühlt alle Schuldzuweisungen. Meine persönliche Meinung: die Regierung hat versagt, sowohl auf Bundes- als auch auf Stadtstaat-Ebene. Die Lage wurde komplett falsch eingeschätzt, der Mund vorab zu voll genommen, die „harte Linie“, die sich bereits durch die Wahl des Einsatzleiters ankündigte, hat sich nicht bewährt und ganze Stadtteile wurden in der Folge sich selbst überlassen.

Natürlich sind die Randalierer an sich schuld und deren Handeln zu verurteilen, aber dass es so weit kommen konnte, wie es nun mal kam, lag an der Planung der Regierungen. Ich habe tatsächlich einen höheren Anspruch an Polizei und Staatsgewalten als an „linke Autonome“, oder, was ich für wahrscheinlicher halte, „erlebnisorientierte Gewalttouristen“. Dass diese kommen würden, war vorab klar. 8000 Gewaltbereite, kündigte die Polizei im Vorfeld des Gipfels immer wieder düster an, um alle rechtlich bedenklichen Maßnahmen gegen Autonome zu rechtfertigen. Es kamen 1500 Randaliererinnen. Und alles ging schief.

So viel zu meinen recht ungeordneten Gedanken. Den besten Beitrag dazu fand ich übrigens das ZON-Interview mit dem Grünen Hans-Christian-Ströbele, falls jemand eine besonnene und professionelle Einordnung möchte, gerne lesen!

Dieses Wochenende ist es zum Glück nur der Schlagermove, aber die S-Bahn fährt schon wieder nicht. Immerhin braucht es die auch nicht, um zum Schrebergarten zu gelangen! Jetzt muss nur noch der Regen aufhören, dann kann das Leben weitergehen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

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