Geerdet

Anscheinend bricht in diesem Haushalt die Sehnsucht nach Erde durch. Die Indizien häufen sich.

Wir nutzen die Solidarische Landwirtschaft, bei der das Gemüse traditionell sehr erdig entnommen wird. Zusätzlich erinnern die rein saisonalen und regionalen Feldfrüchte an den Wechsel der Jahreszeiten und dass alles gerade frisch und hellgrün ist. Blumenkohl! Fenchel! Spinat! Salat! Kohlrabi! Frühlingszwiebeln!

D. hat ein Hochbeet vor unserem Erdgeschossbalkon angelegt. Da wir keinen Brief vom Vermieter bekommen haben, scheint das okay zu sein, und er und die Krabbe gießen jeden Morgen und bestaunen das Grün.

Wir wollen einen Schrebergarten und stehen jiepernd vor der zu vergebenen Parzelle, ich werde sehnsüchtig und wünsche mir wenig mehr als einfach dieses verwilderte Stück Garten an der Dove-Elbe, im Grün-Grünen, haben zu können. Zum drin sitzen, grillen, übernachten, Besuch bekommen, mich durch die Erde zu wühlen, die Kinder spielen zu sehen, müßig mit einer Riesenheckenschere mal hier ein Ästchen, mal dort ein Strünkchen zu beschneiden, während ich klug daher sinniere.

Wenn das so weitergeht, habe ich etwas Sorge, dass ich mir irgendwann doch noch ein Häuschen auf dem Lande wünsche. Weiß ja jeder, dass das der Tod des unbeschwerten und unabhängigen Lebens ist, mit unmöglichen Kita-Öffnungszeiten und Pendelzwang für Soziologinnen – und dann landet man letzten Endes doch im Speckgürtel mit Handtuchgarten. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt: der Schrebergarten wird mich sicherlich befrieden. Toitoitoi.

 

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

2 Kommentare zu “Geerdet

  1. Maike sagt:

    Also wir kommen ja ursprünglich aus Hamburg und wohnen seit 6 Jahren im Speckgürtel. Ich muss sagen für die Kinder ist das Dorfleben perfekt ! Alleine die Dorfschule ist es wert hier raus zu ziehen . Inzwischen überwiegen die Vorteile und ich möchte das Dorfleben nicht mehr missen .

  2. Cecilia sagt:

    Ich habe mich erfolgreich gegen das „Häuschen im Grünen“ gewehrt. Meine Bedingung war: Kinder können Schulen, Sport und Musikaktivitäten zu Fuss oder max. mit dem Bus erreichen. Wir mussten lange suchen, bis wir was bezahlbares gefunden hatten.
    Ist es wichtiger, jeden Tag kurze oder praktische Wege zu haben (KiTa, Schule, usw.), oder den Garten am Haus zu haben?
    Liebe Grüße,
    Cecilia

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