Ostern

Die kindfreien Zeiten nehmen deutlich überhand; die Reiserei des Papas (12 Wochen alleine in den letzten sechs Monaten, die nächsten wochenlangen Trips sind bereits angekündigt) stellt mich zunehmend vor Probleme. Entweder er nimmt sie mit, dann vermisse ich sie schrecklich; oder er nimmt sie nicht mit, was mich vor große Organisationsprobleme stellt. Mein Erwerbsleben ist darauf ausgerichtet, dass ich die Kleine an zwei Tagen nicht von der Kita abholen muss. Muss ich das dennoch tun, muss ich Minusstunden machen und mittelfristig den Zorn der Kollegen auf mich ziehen. Das ist, gelinde gesagt, ärgerlich, da der einzige Grund dafür Surfreisen meines Exfreundes sind und er mir bisher keine Lösungen anbietet. Ich bin mir noch nicht sicher, was ich da machen kann oder soll. Faktisch ist das kein Wechselmodell mehr… Vielleicht mache ich doch mal einen Termin bei der Erziehungsberatung.

Aber nun ja, zunächst kindfreies Ostern. D. ließ sich von der Wettervorsage nicht schrecken und fuhr zum Wandern in die sächsische Schweiz, ich blieb auf dem Hamburger Sofa und fühlte abwechselnd tiefes Mitleid, Staunen und blanke Freude über die Tatsache, dass ich nicht dabei war. Ab uns an wuchtete ich mich hoch und kochte tolle Sachen (Rinderkraftbühe, Cole Slaw etc.)

Samstag fuhr ich für eine Nacht nach Berlin, um dort sozial (Freunde und Familie!), aber nicht zu sozial (Hotelübernachtung) doch ein wenig Feiertagsstimmung zu genießen. Meine Samstag-Nachmittag-Verabredung klappt nicht, und statt nach Ersatz zu suchen, vergnügte ich mich im Deutschen Historischen Museum, das ich noch nicht kannte. Was für ein Gebäude! Traumhaft. Die Ausstellung war übrigens auch gut, aber alleine für das Gebäude lohnte sich der Besuch.

20170416_182703

Flyer zur Ausstellung „Deutscher Kolonialismus“

Abends traf ich mich mit der Ex-Büromitbewohnerin. Schön wars!

img-20170415-wa0003.jpeg

Schöneberger Kneipe. Die Ex-Kollegin musste kurz weg.

Die Nacht im Hotel war sehr erholsam. Ich lümmelte lange im Bett herum und sah zwei Folgen „Tote Mädchen lügen nicht“, bevor es zur Morgentoilette ging.

20170415_165749

Ausblick Hotelzimmer

IMG-20170416-WA0001-2

Selbstpoträt mit Zahnbürste, so Gerhard-Richter-mäßig angeschnitten (finde ich)

Das Hotel – Motel on* am Hauptbahnhof – war völlig in Ordnung, super gut angebunden für meine Pläne und hatte ein nettes Preisleistungsverhältnis. Am tollsten war die Dusche, die ich mehrere Male nutzte. Ich mag vollgedampfte winzige Badezimmer sehr!

Aber ich mag auch Osterfrühstücke und neue Wohnungen ansehen, daher kombinierte ich beides, indem ich die Cousine und ihren Freund besuchte. Bei ihr lungerten auch meine Tante und mein Cousin herum, was natürlich herrlich war. Auch die Wohnung war so herrlich, dass ich mir ein bisschen wie die verarmte Cousine vorkam, die aus ihrem Cottage in der Provinz, wo sie stets um Redlichkeit und bescheidenen Wohlstand bemüht knapp an der Armutsgrenze lebt und ihr uneheliches Kind gerade so durchbringt, zu Besuch ist. Definitiv zu viel Jane Austen gelesen, aber jetzt weiß ich, was die gute Jane meinte!

20170416_101801_HDR

Auf dem Weg zum Osterfrühstück

20170416_130743

Nach-Gang Osterfrühstück

Das war schön gewesen. Ich setzte mich in die Bahn nach Hause und schluffele so durch Rest-Ostern… heute geht es noch in die Boulderhalle, ich koche noch ordentlich mit Roten Beten, Weißkohl und Spinat und dann kommt der durchgefrorene D. wieder. Und dann ist Ostern schon wieder vorbei.

 

Advertisements

8 Kommentare zu “Ostern

  1. Maike sagt:

    Hm, ich kenne mich mit dem Wechselmodell nicht aus. Aber ich würde mal tippen es bedeutet auch, dass beide Elternteile die gleichen Rechte und Pflichten haben. Wie würde er regaieren, wenn Du Dich einfach wochenlang ‚verpisst‘. Würde er wahrscheinlich auch nicht lustig finden, oder? Aber scheinbar ist sein Leben weniger darauf ausgerichtet.
    Lustig wird es wenn die Krabbe zur Schule kommt. Dann wird wahrscheinlich noch weniger Rücksicht genommen und er fährt dann ohne die Krabbe – denn die muss ja in der Schule sein.
    Ich vermute dass da nur eine Beratung weiterhilft. Denn er ist ja, soweit ich das beurteilen kann, beratungsresistent…. Vielleicht kommt jemand neutrales weiter.

    • jongleurin sagt:

      Ja, das sind auch so meine Gedanken. Mit der Einschulung ist es daher wirklich wichtig, dass sie bei mir in der Nachbarschaft zur Schule geht, sonst wird das alles ziemlich unmöglich. Das wird noch Diskussionen geben, weil er evtl den Stadtteil wechseln will. Aber dann geht Wechselmodell auch realistischerweise eben nicht mehr, wenn man weiter auseinander wohnt… Argh.

      • Maike sagt:

        Also mit der Schule solltest Du Dich auf jeden Fall durchsetzen. Stell Dir vor der Herr ist auf Reisen und Du musst durch halb HH toben um das Kind wegzubringen bzw abzuholen. Ne die Schule muss schon um die Ecke sein.

      • jongleurin sagt:

        Genau das ist der Punkt …! Stelle ich mir lieber nicht vor. /o\

  2. Maike sagt:

    Wenn er wirklich am Wechselmodell interessiert ist würde er nicht mal annähernd darüber nachdenken den Stadtteil zu wechseln.
    Wenn man Kinder hat muss man Kompromisse eingehen. Ist so. Scheinbar ist das bei ihm nicht nicht angekommen.
    Wenn ich das so lese erscheint es mir doch praktikabler wenn das Kind/ die Krabbe einen Lebensmittelpunkt hat.
    Ich wünsche dir auf jeden Fall Starke Nerven:-)

    • jongleurin sagt:

      Anscheinend will seine Freundin nicht im Stadtteil bleiben. Und mit der hat er sein anderes Kind, da muss er andere Kompromisse machen. Ich hoffe sehr, dass sie dann einfach mehr in unsere Richtung ziehen, aber das ist wohl eher unwahrscheinlich.
      Es stimmt schon, in dem Falle wäre ein klassisches Wechselmodell nicht wirklich praktizierbar. Dann müsste er Wochenendpapa werden, denn wie schon erwähnt – Schule bei ihm ist auch nicht möglich bei den vielen Reisen. Findet er aber auch blöd.

      Also: danke, die starken Nerven werde ich brauchen 🙂

  3. kraazkraaz sagt:

    Eigentlich würde ich ihm ja gern mal eine reinhauen. Aber, ich denke, jedes Ding hat seine zwei Seiten. Seine Seite würde ich gern mal hören. Um ihm dann eine reinzuhauen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s