Die Altersvorsorge, die Aktien und ich

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Mit dem Thema Altersvorsorge schlage ich mich schon seit Langem herum – auch gerne mit einer generellen Vermeidungshaltung als Grundstimmung. Das ist einer der Gründe, warum ich hier gerne etwas dazu schreiben möchte, denn beim Vermeiden bin ich meines Wissens nicht die Einzige. Dabei ist das Thema wichtig, wenn es um Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit im Alter geht – gerade für Frauen und ihre oft unregelmäßigen bis rudimentären Einzahlungen in die gesetzliche Rentenkasse. Daher gehe ich hier wieder meinem Credo nach: über Geld muss man reden, damit man mal sieht, wie es bei anderen so ist! Auch über Altersvorsorge, wie unspaßig das auch generell ist. Hier also meine Geschichte.

Das erste Mal, dass ich das Thema bewusst wahr nahm, war in noch recht jungen Jahren, als mein Vater als Selbstständiger seine Altersvorsorge auflösen musste, was meine Sensibilität für das Thema sehr prägte. Weiter ging es im Studentinnenjob, der knapp so hoch entlohnt wurde, dass ich etwa 10 Euro monatlich in die Rentenkasse einzahlte – ich verzichtete darauf, mich davon befreien zu lassen. Dann kam lange nichts, außer, dass ich im Studium viel über die Risiken von Frauen-Erwerbsverläufen in Bezug auf Altersarmut lernte. Das löste in mir viel Unbehagen aus – wenn ich nicht ordentlich einzahlte, würde ich allerspätestens mit Renteneintritt entweder von meinen Lieben oder vom Staat abhängig sein. Denn ein Erbe habe ich nicht zu erwarte, und meine Rentenbenachrichtigungen verhießen auch nichts Gutes, zumindest nichts, was über krasses Herumkrebsen hinaus gehen würde, vor allem dann nicht, wenn ich in einer Großstadt oder Metropolregion leben wollen würde. Und das will ich im Alter definitiv.

Die ersten Schritte 

Ich fing also mit Vorsorge an. 2011 eröffnete ich einen Riestervertrag. Das Konzept war damals schon umstritten, geringe Rendite etc, aber ich dengelte so herum und murmelte: „Irgendwas muss ich ja machen fürs Alter.“ Die Hartz-IV-Sicherheit war und ist für mich immer noch ein sehr gutes Argument. Zwar fühle ich mich beruflich inzwischen recht etabliert, aber hallo! Soziologin! Wer weiß, was da noch passiert. Ich halte für mein allgemeines Sicherheitsgefühl außerdem tapfer meine einst erworbenen Genossenschaftsanteile einer Wohngenossenschaft, denn: die sind in Hamburg echt schwer zu kriegen. Sollte ich mal eine günstige Wohnung brauchen, etwa für den Alterssitz meines Vaters, die Ausbildung der Krabbe oder für meine Rente, habe ich damit schon mal etwas bessere Karten als ohne Genossenschaftsanteile.

Denn Wohneigentum kommt für mich nicht in Frage. Ich kann es mir schlicht nicht leisten, und es interessiert mich nicht stark genug, als dass ich die hohen Kosten in Kauf nehmen würde. Ein Wohnstandard, der mit meiner jetzigen Mietwohnung vergleichbar ist, kostet ca 400 Euro mehr monatlich und ist für mich nicht attraktiv. Ich hasse es, Schulden zu haben, und ich mag die Unflexibilität von Wohneigentum nicht, die enormen Verpflichtungen, die man auf sich lädt. Das bedeutet aber, dass ich für meine Rente etwas Vermögen aufbauen sollte, um die Mietkosten bezahlen zu können, denn die gesetzliche Rente wird das nicht zwingend hergeben. Ergo: andere bauen, ich muss sparen.

Meine aktuelle Lage

Das ist also der Stand der Dinge: Der Riester läuft weiter, ich habe ein Sparbuch, Genossenschaftsanteile und irgendwo noch ein paar hundert Euro vermögenswirksame Leistungen. Außerdem ein Sparfonds, der bis zum 18. Geburtstag der Krabbe läuft und für ihre Ausbildung bestimmt ist. Immerhin.

Der neueste heiße Scheiß in meinem Portfolio

Dann hatte ich eines Tages einige hundert Euro übrig und beschloss, diese in Aktien zu investieren, denn das wird einer ja dauernd gepredigt: Ak-ti-en! Beste Sache ever! Rendite! Aber jung damit anfangen und langfrisitg halten, damit man Krisen aussitzen kann! Joah. Ich fand den Gedanken ganz nett, mir ein paar Einzelaktien zu erwerben – damit ich nicht irgendwelche Fondsmanagerinnen subventionieren muss und genau steuern kann, welches Unternehmen mein Geld bekommt – und eröffnete ein online-Depot (was ziemlich genau so läuft wie die Eröffnung eines online-Giro-Kontos, Post-Ident und so). Dann erwarb ich insgesamt 5 Aktien von 2 Unternehmen, die ich jetzt 30 Jahre behalten will. Und was soll ich sagen, seitdem habe ich den Spaß meines Lebens, denn man kann ja tatsächlich sekündlich Aktienkurse prüfen! Das ist der Hammer, wenn man so ein bisschen kontrollig veranlagt ist. Und die Rendite ist bisher einfach bezaubernd. Oben sehen wir den Chart der schlechter laufenden Aktie, da dümpelt die Rendite so zwischen -1 und 5 Prozent. Meine andere Aktie hat eine bisherige Rendite von 28 Prozent – ich denke nicht, dass das langfristig so bleibt, aber so ein Blick auf die Zahlen ist schon recht erbaulich und füttert das Belohnungszentrum im Hirn ordentlich an. Die beste Sache, die ich jemals mit Geld gemacht habe, so anlagetechnisch.

Bei all diesem Spaß und der Rendite stelle ich mir die große Frage: soll ich meinen Riester beitragsfrei stellen und lieber öfter Aktien kaufen? Ganz werde ich mich das nicht trauen, aber vielleicht werde ich die monatliche Zahlungen halbieren und den Rest anlegen. Mal sehen, was ich mich traue. Und vielleicht lasse ich mich auch einfach mal beraten.

 

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4 Kommentare zu “Die Altersvorsorge, die Aktien und ich

  1. io sagt:

    Im Moment sind die Aktien halt sehr hoch … staatsanleihen (inflationsindexierte … wirken im Moment wohl etwas seltsam) … wenn man richtig Geld übrig hat auch mal … Hebel-Zertifikate 🙈 Das macht richtig Spaß … ich überlege immer noch, ob ETF-Fonds … aber wie gesagt … grad ist alles so teuer … ein Crash wäre mal nett 😉

    • jongleurin sagt:

      Ah, eine Expertin! Ja nun, ich hoffe natürlich, dass zumindest meine 5 Aktien auch immer teurer werden. Aber es stimmt, für eine richtige Einkaufstour wäre ein Crash ganz interessant. (Dieses spekulative Denken ist auch ein schöner Kontrast zu der sonstigen politischen Korrektheit, die sich gerade durch mein Leben zieht 😛 )

  2. Fastdäne sagt:

    Moin, moin aus dem richtig nördlichen Norden (Dänische Grenze)
    ich habe immer im Kopf, was mir mal ein Aktienspekulant gesagt hat: Man kann da nur das gewinnen, was man auch bereit ist zu verlieren.
    Langfristig halten ist natürlich hilfreich. Was hilft es aber, wenn bei Bedarf die Kurse gerade im Keller sind? Dann fehlt im Zweifelsfalle doch die Zeit, die Sache auszusitzen. Trotzdem weiterhin viel Spaß mit diesem Pokerspiel.
    Gruß Frank

    • jongleurin sagt:

      Ich sehe den Punkt! Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Meine Idee dazu wäre, mir einen ungefähren Zeitraum zu überlegen, in dem ich das Geld haben möchte. In dem Fall wäre das zu Renteneintritt, und meine Überlegung wäre, ungefähr fünf Jahre vorher zu beginnen, das ganze genau zu beobachten, damit man zu einem eventuell früheren Zeitpunkt, der sehr günstig ist, verkaufen kann Punkt oder aber eben eine gerade dann stattfindende Krise noch ein paar Jahre aussitzen kann.. Klar, eine richtig heftige Börsenkrise ist dann natürlich trotzdem sehr ungünstig. Das ist auch meine größte Sorge bei diesem Konzept. Deshalb würde ich auch niemals alleine nur auf Aktien setzen.

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