Basisarbeit, dreckige Partei-Basisarbeit

Na ja, so mitteldreckig. Aber mit all den Problemen und Ärgernissen, die die Arbeit in demokratischen Organisationen eben so mit sich bringt. Ich versteh schon, warum die meisten Menschen darauf keine Lust haben. Aber immerhin: gestern war ich mal wieder auf einer Mitgliederversammlung, und was soll ich sagen, es war rappelvoll. Die viel, so langsam etwas zu viel, beschworenen Neumitglieder kamen in Massen. Zumindest für Gliederungsverhältnisse waren es Massen: knapp 40 Menschen saßen ab 20 Uhr im sehr nüchternen Kreishaus herum und wollten ihren Bundestagsabgeordneten zum Wahlkampf erzählen hören sowie Anträge zur Weiterleitung an den nächsten Bundesparteitag beschließen.

Ich habe auch einen Antrag geschrieben, meinen ersten, für die Frauenorganisation der Partei auf Kreisebene, und als einziger Antrag wurde er mit 100 Prozent Zustimmung verabschiedet. Da war ich schon etwas stolz. Allerdings war mir klar, dass der ein Selbstläufer werden würde, denn ich forderte die Ausweitung der festen Frauenquote in Vorständen und Aufsichtsräten auf die Unternehmen, die sich bisher nur Flexiquoten auferlegen mussten. Dort wirkt die Quote nicht: manche Unternehmen legen sich dann eine Frauenquote von 0% fest und – surprise! – erfüllen diese problemlos. Unsere Frauenministerin Manuela Schwesig hatte schon zum Frauentag resümiert, man müsse die Quote dann eben ausweiten. Ich unterstütze ihre Forderung also mit dem Antrag, und der Kreis nun ebenso. In der Partei sind sich von oben bis unten alle einig.

Ich bin jetzt übrigens offziell zum Vorstand der Gedöns-Abteilung auf Kreisebene kooptiert wurden, bedeutet: der Vorstand hat mich als Beisitzerin zubenannt. Ich bin nicht stimmberechtigt, aber ich bin nun Funktionärin. Allerdings ist es ein mühsames Geschäft. Die Vorsitzende hat ein wenig das Problem der Planungs-Sprunghaftigkeit, so dass einfach gar nichts zustande kommt. Und die Terminfindung wird in letzter Zeit so organisiert: in der whatsapp-Gruppe wird gefragt, wer wann kann, dann wird ein Termin gefunden, dann sagen alle nacheinander wieder ab außer zwei Leuten, dann wird der ganze Termin abgesagt, und alles wieder von vorne. Macht mich wahnsinnig. Zu Beginn hieß es: jeder dritte Mittwoch im Monat, 19 Uhr. Hatte ich mir brav im Kalender eingetragen und war bereit, dann kam die Ferienzeit, die Vorsitzende erweiterte ihre Planungs-Sprunghaftigkeit auf die Sitzungstermine und alles ging den Bach runter.

Aber gut. Gremienarbeit eben.

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Ein Kommentar zu “Basisarbeit, dreckige Partei-Basisarbeit

  1. Ella sagt:

    Die Flexiquoten sind jawohl ein Witz *grummel*. Erinnert mich an einen Beitrag im TV. Seitdem bin Flexitarierin. Der Moderartor meinte er sei das. Naja, ich dann auch. Wer bestimmt wie Flexi ein Flexitarier ist ;). 1x im Jahr, 1x die Woche, 1x am Tag? Ich bin also eine flexitarische Sloow-Foodlerin mit zu wenig Männern im Beruf. Ja das gibt es auch.

    Mir ist bei ähnlichen Sitzungen die Lust vergangen was zu bewegen. Gerade Frauen, sorry…ich bin ja selbst ein holdes weibliches Wesen…aber wer am lautesten schrie oder am Ende redetete hatte die Mehrheit *augenroll*.

    Ansonsten sehe ich in meinen Berufungen, dass Männer eher Karriere machen, als Frauen. Warum? Keine Ahnung. Ich könnte ja bei mir selbst anfangen. Irgendwann habe ich mich zwischen Kirchenrat, Jugendgruppe, Umweltorganisationsorganisieren, Arbeitnehmersprecherin, Mutter (der schwierigste Part der Gleichberechtigung…) aufgebraucht und habe keinen Nerv mehr zu kämpfen. Sollen doch die anderen was tun, anstatt immer zu jammern. Ich war „immer“ an forderster Front und dadurch gerne Angriffsfläche für Vorgesetze, Kindergartenoberhäupterinnen,Arbeitgeber, Gewerkschaften, Schuldirektorinnen, andere Eltern (für deren Wünsche ich gekämpft habe, aber mein Kopf rollte sobald es hart auf hart kam…in allen Bereichen. Deswegen sage ich es gerne mit den Worten eines britischen Freundes: F*ck O*f ..kümmert euch doch selbst darum ;), ich lümmel und mümmel mich in mein konfortables Sein.

    Gut das es Menschen wie dich gibt. Ich wünsch dir ganz viel Kraft, Ausdauer und Mut.

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