Bittersüß

Nachdem ich von meinem dreiwöchigen Thailand-Urlaub wieder zurück war, wohnte die Krabbe eine Woche bei uns, dann ging es für sie mit dem Papa und seiner Familie nach Portugal. Dort wird sie 2,5 Wochen weilen, bis sie wieder zurückkehrt. Sie findet das alles offensichtlich ganz prima, aber für mich ist es gerade zu wenig Krabbe in meinem Leben. Das Kind geht immerhin souverän mit meiner Sehnsucht um, die ich natürlich nur dezent zeige (es ist aber tatsächlich nicht einfach, den Grad zu finden zwischen authentisch Gefühle zeigen und das Kind nicht unter Druck setzen, aber das nur am Rande). Sie hat wundervolle Laune und fühlt sich offensichtlich pudelwohl mit dem ganzen Hin und Her. Ich manchmal weniger, aber das ist nun mal der Preis des Wechselmodells mit ebendiesem Papa. Die Krabbe selber wird immer rührender mit ihren inzwischen 4 Jahren, was es für mich noch herzzereißender macht. Zwei sehr bezeichnende Beispiele :

Am letzen Abend vor der Abreise holte ich sie gemeinsam mit dem Papa von einer Freundin ab, die in der Nähe des Papas wohnt. Wir kamen ungünstig, just als dampfende Pfannkuchen auf den Tellern der Kinder landeten, die Freundin schrie: „Neeeeiiiin, noch nicht!“ Die Krabbe fragte mich: „Mama, noch drei Minuten?“ Ich, etwas überfordert auf Grund der unerwarteten Situation: „Ja, sicher.“ Ich wollte nach Hause,  der Weg ist recht umständlich, eigentlich mit der Krabbe noch Döner essen und keinesfalls noch bei anderen in der Küche herumsitzen. Aber die Krabbe wollte ich da jetzt auch nicht herausreißen. Die erklärte gerade ihrer Freundin tröstend: „Siehst du, ich darf noch drei Minuten bleiben. Dann sehen wir uns ja noch beim Essen!“ Ich klärte kurz mit dem Papa, ob sie bei ihm schlafen könne, das erschien mir die einzig sinnvolle Lösung, und fragte dann die Krabbe, ob sie das wolle, weil sie dann noch länger bei ihrer Freundin bleiben könne. Große Begeisterung. Ich: „Dann sehen wir uns aber nicht mehr, du fliegst ja morgen nach Portugal. Dann müssen wir jetzt schon Tschüß sagen.“ Krabbe: „Das macht nichts. Dann denke ich ganz viel an dich.“ Awwwww! Nur ganz leise schluchzend verließ ich die Wohnung und dackelte kindlos nach Hause.

Wir telefonieren viel mit Video, das klappt ausgezeichnet. Sie erklärt mir jedesmal, wie toll es im Urlaub ist, was mich schon für sie freut, aber manchmal bin ich dafür nicht stark genug, und dann geht es mir hinterher schlecht deswegen. Ist halt so. Aber gestern, da fragte ich: „Zu Hause ist ja auch ein bisschen schön, oder?“ – „Ja“, resümierte die Krabbe, „und bei dir ist es am Schönsten. Weil du so schön bist wie eine Prinzessin!“ ❤

Ich bekomme zurück, kein Zweifel.

Und jetzt möchte ich bitte mein Kind zurück. Ich habe Schmacht. Noch 6 Tage…

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5 Kommentare zu “Bittersüß

  1. Ich bewundere Dich und Dein Kind, dass ihr mit diesem Modell so gut klar kommt. Ich gebe zu, ich könnte es nicht. Zwar bin ich ein wenig neidisch ob der vielen Kinderfreien Zeit, die Du hast. Aber wir sprechen hier von mehreren Wochen am Stück getrennt sein vom eigenen Kind. Mein schlechtes Gewissen würde mich innerlich zerfressen. Gut, dass die Krabbe der Typ ist, der so gut damit klar kommt. Und sie ist es ja auch von Babyzeiten an gewohnt, was sicher ein Vorteil ist. Ihr schafft das gut. Genieße die Zeit ohne und erfreue Dich um so mehr an der Zeit mit Deiner Krabbe.

    • jongleurin sagt:

      Danke, das muntert mich tatsächlich auf!
      Das schlechte Gewissen hatte ich auch, zumindest am Anfang. Aber wie der Mensch so ist: man gewöhnt sich an alles, und irgendwann lässt das einfach nach, das sie zum Glück wirklich nie Probleme damit hatte. Sollte sich das mal ändern, muss man es natürlich anders regeln… aber die mehreren Wochen sind wirklich harter Tobak, einfach wegen des Vermissens.

      Ich denke oft daran, dass vergleichsweise viele Väter ihre Kinder auch oft so lange nicht sehen. Sei es nach einer Trennung oder beruflich bedingt, weil sie viel im Ausland unterwegs sind… die schaffen das auch. Dann kriege ich das sowieso hin 🙂

  2. Sternchen sagt:

    Ihr beiden habt eine tolle Beziehung! Und sie ist flexibel, auch keine Selbstverständlichkeit in dem Alter!

    • jongleurin sagt:

      Da musste ich jetzt grinsen. Ortstechnisch ist sie flexibel, aber versuch mal, ihre Malkreide an einen anderen Platz zu räumen… Aszendent Jungfrau, sag ich nur.
      Nein wirklich, es läuft tatsächlich alles super.

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