Reisebericht Thailand, Teil 3: Korat und Khao Yai Nationalpark

(Nachtrag: Fotos gibt es hier!)

Die restliche Zeit in Korat verläuft gemächlich. Wir gehen abends ins Kino, ein Multiplex-Monster in einer unfassbar großen und schicken Mall, in deren Foodcourt wir ungemein gut speisen. Das ist mein ganz persönlicher Thailand-Effekt: bei mindestens der Hälfte aller Essen habe ich das Gefühl, die beste Entscheidung aller Zeiten mit ebendiesem Gericht getroffen zu haben, da es offensichtlich die beste Mahlzeit weit und breit ist. Ich mag dieses Gefühl ja sehr!

Wir schauen uns Split an, auf englisch mit thailändischem Untertitel. Von den Untertiteln abgesehen unterscheidet sich Kino in Thailand nicht von dem in Deutschland, vor dem Film gibt es lediglich mehr Trailer und die Königshymne, ein sehr schwülstiger, pompöser Song zum lange abgebildeten Konterfeit des neuen Königs, bei dem alle Besucherinnen sich von ihren Sitzen erheben (Achtung, generisches Femininum! Hier könnte es tatsächlich mißverständlich sein, aber es erhoben sich auch die Männer). Der Film war dann auch okay, definitiv ein schöner Abend.

Am nächsten Tag macht D. sich mit einem Mietwagen auf in einen nahegelegenen Nationalpark, ich faulenze auf der Dachterrasse des Hotels und verlasse dieses nur zur Abholung der Bahntickets für den nächsten Tag. Ein kleiner Schreck: offensichtlich hatten wir das Ticketsystem falsch verstanden, die kurze Fahrt nach Pak Chong in den Khao Yai Nationalpark kostet deutlich mehr als gedacht. Kurz bin ich frustriert… später stellen wir fest, dass Kurzstrecke im Zug wegen diverser Aufschläge einfach nicht lohnt.

Nach dem kleinen inneren Aufruhr am Bahnhof schlendere ich noch ein wenig durch die Stadt, trinke einen Cappucino – so etwas neumodisches kostet mehr als ein Hauptgericht in der Garküche, es ist etwas verrückt. Mein innerer Kostenrechner ist hier in Thailand komplett außêr Gefecht, was mich nervös macht. Aber gut, Augen zu und durch! Ich besorge mir ein Mittagessen in einer Garküche mit der Hilfe meines Zeigefingers und viel Lächeln, bei einer sehr freundlichen jungen Thaifrau bekomme ich verschieden Dim  Sums, die überraschend unterschiedlich gefüllt sind. Süß, süßes Fleisch und herzhaft sind die wesentlichen Füllungen.

Den Rest des Tages verbringe ich lesend auf der Dachterrasse. D. meldet sich irgendwann, dass er gegen 19.30 wieder da sei, und ich überbrücke die Zeit bis zum für meine Verhältnisse sehr späten Abendessen mit einer Instant-Nudelsuppe, die es kostenlos auf der Dachterrasse gibt. Dafür werde ich reichlich belohnt, wir gehen noch einmal zum Thai-Barbecue. Die Bedienung erkennt uns wieder, freut sich sehr und weicht den ganzen Abend nicht von unserer Seite. Entweder ist sie Fan von Westlern, oder wir haben es mit dem Trinkgeld das letzte Mal unwissentlich etwas übertrieben. Wer weiß.

Am nächsten Tag besteigen wir den Zug nach Pak Chong, den Bahnhof, der den Nationalpark Khao Yai mit Reisenden bespeist. Die Fahrt geht zurück Richtung Bangkok und ist optisch schöner als dieselbe Strecke per Bus – weniger Lärmschutzwände, weniger Autos, also bessere Sicht. Bequemer als der Bus ist der Zug ebenfalls, wenn auch sehr kalt. Die zweite Klasse hat Air Condition.

In Pak Chong, recht pünktlich angekommen, werden wir von einem jungen Burschen von Bobbys Apartments abgeholt, wo wir eine 2,5-Tage-Dschungeltour gebucht haben. Ich bin da ja naiv: ich stelle mir immer einsame Angelegenheiten vor und bin dann immer ganz desillusioniert, wenn ich auf Touristenmassen treffe. Die Schuld daran gebe ich ausschließlich der Reiseführertopografie, da im Loose immer nur die Häuser eingezeichnet sind, die dort beschrieben werden, und ich dann davon ausgehe, dass das eben die einzigen Gebäude überhaupt sind. Nun ja, meine Lernkurve ist in der Beziehung recht flach. Man kann es sich also denken: die Dschungeltour wird in der Gruppe absolviert. Etwa zehn Europäerinnen besteigen den Truck, um den ersten halben Tag zu absolvieren. Eine recht junge Gruppe, inklusive mehrerer alleinreisender Frauen, inklusive meinem persönlichen Backpacker-Horror-Trip: Menschen, die schon überall waren, es irgendwo anders immer noch etwas besser fanden und nicht müde werden, davon ungefragt zu berichten. „Also in Myanamr war es ja so…“ Oah, mir doch wumpe, du Nullo-Pullo. Zum Glück kann ich mich gut distanzieren und rolle nur ganz heimlich mit den Augen.

 

Der Trip an sich ist sehr nett, wenn auch weit ab von einsam. Wir baden in einer Quelle, besuchen einen kleinen Markt und eine große Höhle nahe eines kleinen Tempels und begeben uns dann zu einem Berg, indem sich eine Fledermaushöhle befindet. Pünktlich zum Sonnenuntergang schwärmen etwa 3 Millionen Tiere aus, ein beeindruckendes Schauspiel. Eine Viertelstunde lang schwebt ein riesiges Band über unsere Köpfe hinweg, begleitet von einem fast elektronischen Sirren, erzeugt von Millionen kleiner Flügel. Schon sehr cool!

Die Nacht bei Bobbys ist dann sehr kurz, da ein Hahn hinter unserem – übrigens ziemlich öddeligen und autobahnsoundgeplagten, aber immerhin sehr günstigen – Bungalow ab 4:30Uhr fröhlich zu krähen beginnt. Eine Stunde lang. Ich habe seeeeehr schlechte Laune, als wir um 7:00 Uhr zu unserem zweiten Trip aufbrechen, bin aber ganz froh, dass Miss Myanmar immerhin einer anderen Gruppe zugeteilt wird. Wir sind mit zwei anderen Pärchen ungefähr in unserem Alter unterwegs, es ist recht angenehm. Allerdings muss ich mich unfassbar zusammenreißen, nicht mit jeder und jedem einzelnen über Politik zu reden – Niederlande und Frankreich gäbe gerade so viel her, kurz vor den Wahlen!-, das soll man ja nicht machen mit Unbekannten. Zu viel Risiko…. wobei ich ja immer sage: no risk, no fun! Aber ich bleibe stark. Die Tour selber ist nett, aber relativ unspektakulär. Wir sehen einige Tiere in freier Wildbahn, Affen, Fledermäuse, Spinnen, ein Rieseneichhörnchen, einige Vögel etc. Ich genieße sehr das Wandern durch den Wald, bin allerdings erstaunt, dass wir nach drei Stunden nur noch von Viewpoint zu Viewpoint gefahren werden oder per Auto Elefanten suchen. Erfolgreich letzten Endes, aber ich wäre gerne mehr gelaufen.

Am Ende des Tages werden D. Und ich als einzige, die das 2,5-Tage-Paket gebucht haben, mit unserer Guide Tina am Campingplatz raus gelassen, wo an einer einsamen (! so einsam, wie man auf einen Campingplatz halt sein kann, aber immerhin!) Stelle, direkt an einem kleinen Teich inmitten hoher Regenwaldbäume, bereits unser Zelt auf uns wartet. Die Nacht entschädigt ein wenig den ganzen müden, merkwürdigen Tag, da sich Affen direkt an unserem Zelt im Wasser vergnügen, kämpfen, und Rehe vorbeischwimmen. Wirklich! Und morgens von einem sehr lauten wach werdenden Dschungel geweckt zu werden ist schon ziemlich unglaublich.

Gegen 9 Uhr werden wir von einer neuen Tourgruppe abgeholt. Diesmal sind wir zu zehnt, alles jüngeres Volk als wir, neben Deutschen noch Engländerinnen und Niederländer. Wir starten eine neue Wanderung, diesmal an einer sehr schönen Strecke an einem Fluss entlang. Ich entspanne wieder sehr. Schweigsam durch Landschaften stapfen ist einfach mein Ding, ich muss definitiv mehr wandern! Madame C, bitte Bescheid sagen bei der nächsten Sportspass-Wanderung! Die Harburger Berge sind ja quasi auch Dschungel.

Spannend, wenn auch nur so mittel, sind die Schilder am Fluss: Achtung, Krokodile. Ich so: ah geh, das sehen wir eh nicht, das ist nur so ein Wecken der Touristenhoffnung, um die Spannung hochzuhalten. Ich werde bald eines Besseren belehrt. Als unsere Führerin uns auf einem Felsen im Fluss eine Echse im Gebüsch zeigen will und alle mal auf den Felsen hüpfen, um sich das Tier per Teleobjektiv anzuschauen, passiert es. Die Guide sagt noch: please, one after another, not all at the same time – es befinden sich 5 Leute auf dem kleinen Felsen im Wasser, da ist kein Platz mehr. Dann geht plötzlich alles sehr schnell. Hinter uns platscht es, die Guide schreit „up, up, crocodile!“, ich drehe mich um und sehe ein Krokodil mit offenem Maul auf uns zuschießen, nur noch Zähne sind in meinem Blickfeld, es ist enorm schnell und enorm nah, vielleicht 3 oder 4 Meter. Panisch kraxele ich den Hang als letzte hinauf, wir können uns gerade noch alle hinauf retten. Das Krokodil dreht noch ein paar hoffnungsvolle Runden vor dem Felsen und sieht irgendwann ein, dass wir es nicht mit einem Baumstamm verwechseln werden. Meine Güte! Ich muss sagen, so reines Adrenalin ist guter Stoff, das hätte böse enden können. Ohne Guide hätte ich überhaupt nicht gemerkt, dass da ein Krokodil auf uns zukommt, außer dem Platschen war absolut nichts zu hören gewesen, und wir standen da wirklich wie die personifizierte leichte Beute. Zwei Sekunden langsamer, ein Haps, das wäre alles gewesen, was es gebraucht hätte. Gru. Se. Lig.

Der Tag ist weiterhin aufregend, aber auf ruhigere Art. Beim Mittagessen äußere ich meine Gefühle, dass ich eben unter so vielen Europäern irre gerne über Politik sprechen würde, und die Engländerinnen und eine Holländerin an unserem Tisch steigen bereitwillig ein. Endlich! Genussvoll hecheln wir die weltweiten rechtspopulistischen Tendenzen und Anführer durch, außerdem familienpolitische Maßnahmen im Vergleich und die jeweilige Sicht auf die jeweils anderen Länder. So hatte ich mir das vorgestellt. Danach wird es noch besser: unsere Guide führt uns zu einem sehr versteckten Wasserfall, wo wirklich außer ins kein Mensch ist, und lässt uns baden. Uh! Das übertrifft meine Hoffnungen. Das Wasser ist irre kalt, der Wasserfall wirklich ein Erlebnis – er ist klein, aber oho, wie man so schön sagt – und danach sonnen wir ins noch auf den umliegenden Felsen. Ein Aussichtsturm und zwei Elefanten- und eine Affenherdensichtung später später sind wir wieder auf dem Weg zurück zu Bobbys. Was für ein Tag.

Am nächsten Tag checken wir aus, bezahlen für unser Gesamtpaket und das Essen in Bobbys Restaurant und Wäscheservice etwa 125 Euro pro Person und machen uns per Zug auf den Weg zurück nach Bangkok, um einen Tag später am Strand zu sein. Mittel der Wahl: der Nachtbus. Frage des Tages: sind dessen Liegesitze tatsächlich das, was der Name verspricht, oder mehr so wie im Flugzeug? Bleiben Sie dran!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

Ein Kommentar zu “Reisebericht Thailand, Teil 3: Korat und Khao Yai Nationalpark

  1. ysaid sagt:

    Nach dem zweiten „nett“ fragte ich mich schon, ob es sich lohnt dafür nach Thailand zu fliegen…aber zum Glück kam ja noch „unglaublich“ und „was für ein Tag“. Vll. wäre Dschungel doch was für mich. 😏 btw. habe ‚Reiseführerpornografie‘ gelesen (gnihihi)

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