Reisebericht Thailand: Korat

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Korat

Korat, oder auch Nakhon Ratchasima, ist eine Stadt nordöstlich von Bangkok. Kleiner als Bangkok, aber doch recht groß – und das Tor zum Isaan, der ärmsten Region Thailands. Ich habe das Öfteren gelesen, dass die meisten Ehefrauen von Westlern aus dieser Region stammen – ob es stimmt, weiß ich nicht. Fakt ist, dass hier enorm wenig Westler zu sehen sind.

Aber von Anfang an. Wir verließen Bangkok per etwas klapperigem Überland-Bus, der das Label VIP trug, aber seine besten Zeiten eindeutig hinter sich hatte. Etwa vier Stunden Fahrt brauchte das Gefährt, um Korat zu erreichen, die meiste Zeit schnaufte es in gefühlter Schrittgeschwindigkeit leichte Steigungen hinauf. Die Stadt liegt auf einem Hügelplateau, was sich auch am Klima feststellen lässt. Angenehm warme, nicht heiße Temperaturen erwarteten uns, mit einer wunderbar leichten Brise, als wir dem Bus entstiegen. Vom Busterminal aus nahmen wir ein Tuktuk zu unserem Hotel, das Urban Bamboo, in dem außer uns eigentlich nur Asiaten wohnen und arbeiten. Die Englischkenntnisse sind hier sehr viel rarer als im metropolitischen Bangkok… Immerhin: der Wirt spricht etwas deutsch, er hat zwei Jahre in Hannover studiert!

Die Zimmer sind klein, aber hübsch und sauber, die Dachterrasse großartig, wir sind glücklich und machen uns auf die Suche nach dem Nachtmarkt. Ich habe Hunger. Der hiesige Markt besticht durch grandios viele Essensstände, durch die sich D. und ich nun langsam vorarbeiten. Wir beginnen mit Knoblauchsuppe mit Reisnudeln und Schweinefleisch, die wirklich extrem lecker ist, eine der besten meines Lebens; es folgen frittierte und gefüllte Teigtaschen, die nicht nach viel schmecken, sehr leckere frischgebackene Miniwaffeln mit verschiedenen Toppings und dann noch eine frittierte Hühnchenkeule. Insgesamt zahlen wir für den Spaß gemeinsam umgerechnet etwa 6 Euro, was mir zusätzlich gut gefällt. Den Rest des Abends verbringen wir auf der Dachterrasse, ich telefoniere mit der Krabbe. Sie ist gerade beim Kinderturnen und erklärt fast sofort, dass sie nichts mehr zu erzählen hat, ihr Code für „Das Gespräch ist also beendet“. Ich also folgsam:“Ich wollte auch nur noch sagen, dass ich dich lieb habe und nur noch mit dir verreisen will das nächste Mal!“ -„Das weiß ich schon!“ wird mir etwas ungeduldig repliziert, bevor wir uns verabschieden. Ach, alle meine Emotionen laufen ins Leere! Erinnert etwas an ihren Vater. Aber  im Prinzip ist es gut, dass sie nicht auch rührselig ist. Eine reicht.

Am nächsten Tag beginnen wir mit einem asiatischen Hotel-Frühstück, Spiegelei, Würstchen, Fleisch, ein vietnamesisches Brötchen, kann man machen. Und brechen mit einem noch klapprigen Bus als gestern zum Tagesausflug nach Phimai auf, wo es eine antike Tempelanlage der Khmer gibt. Nach 1,5 Stunden sind wir in dem kleinen Ort angekommen, zahlen jeweils 2,50 Euro Eintritt und besichtigen die eindrucksvolle Anlage. Es sind nur noch Mauern übrig, diese aber immerhin fast 1000 Jahre alt, umgeben von einem recht schönen Park, in dem eine frische Brise weht. Ich mag das alles.

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Die Tempelanlage von Phimai

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Ausnahmsweise nicht Buddha, sondern die Statue eines Königs.

Im Anschluss wollen wir noch einen Feigenbaumhain besuchen, der etwa 2 km entfernt liegt. Wir marschieren dorthin – bei der Wärme nicht ganz unanstrengend, aber ich brauche Bewegung. Der Feigenbaumhain ist offensichtlich eine Touristenfalle, um ihn herum stehen diverse Essensstände und eine Art Foodcourt mit Restaurants, in dem wir von einer energischen Frau auf die Bank gedrückt werden und unter ihrem wachsamen Blick Essen bestellen. Sie hat offensichtlich Sorge, dass wir wieder aufstehen und gehen, wenn sie wegschaut. Zu Recht, wie sich herausstellt. Ich nehme wieder Knoblauchsuppe – dieses Mal ist es eine wirklich schlechte Suppe. Das soll mir eine Lehre sein, energischen Frauen zu gehorchen! Anschließend spazieren wir durch den Feigenbaumhain, der wirklich eindrucksvoll ist. Anscheinend ist der ganze Hain miteinander verflochten oder auch eine einzige Pflanze, ich durchschaue es nicht ganz. Die Atmosphäre ist jedoch toll, wäre es nicht so hell und so bunt geschmückt, könnte man in einem Horrorfilm sein.

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Der Feigenhain mit einem der Altäre

Auf dem Rückweg der nächste kulinarische Schock, als ich in einem kleinen Restaurant noch einen Salat esse und Orangensaft bestelle – letzterer schmeckt salzig. Zunächst finde ich den Geschmack zumindest interessant, da er mich stark an etwas erinnert, bis es mir wieder einfällt: schmeckt ähnlich wie die Abführmittellösung, die ich vor meiner Darmspiegelung hatte. Ja nee, D. darf meinen Becher haben. Salz in Orangensaft, ts. Das ist wohl dieses „Horizont erweitern“, von dem immer alle sprechen…

Zurück in Kort werde ich noch kulinarisch versöhnt, da wir in ein Restaurant gehen, im dem man Thai-Barbecus und Thai-Hotpot essen kann. Das kannte ich noch nicht, aber was soll ich sagen: ich war in Ekstase, D. musste mich an den Haaren dort hinausschleifen bzw. hinauskullern, ich hätte das ewig weitermachen können. Und zwar geht das so: man bekommt in seinen Tisch einen Holzkohlegrill mit Aufsatz gewuchtet, der speziell geformt ist, etwa wie eine Zitronenpresse, nur ohne Flüssigkeitsablauf, sondern komplett geschlossen. Dazu wird rohes Fleisch – aber köstlichst mariniert – und rohes Gemüse, scharfe Soße sowie ein Eimer voll Brühe gereicht. Die Brühe wird in den unteren Bereich des Aufsatzes gegossen – also quasi da, wo der Zitronensaft landen würde, würde man eine Zitrone pressen. Durch die Hitze der Holzkohle kocht die Brühe schnell, und man kann das Fleisch und das Gemüse darin kochen. Das Fleisch kann man allerdings auch auf den oberen Teil des Aufsatzes legen (also da, wo die Zitrone gepresst werden würde) und dort grillen. Und dann isst man alles gegarte, schwitzt sich zu Tode wegen der heißen Kohlen, ist etwas beschämt, weil die Bedienung einem liebevoll-streng alle Anfängerinnenfehler durch korrigierendes Zeigen ausmerzen muss, und freut sich des Lebens, weil es so unfassbar lecker ist. Eine Portion Fleisch und Gemüse kostet 200 Bath (das würde wahrscheinlich auch gut für zwei Menschen reichen, aber nicht für mich, wenn D. auch noch etwas abhaben will!), also ca 5 Euro. Das ist für thailändische Verhältnisse relativ teuer, aber der Laden war trotzdem ungemein gut besucht. Wieder waren wir die einzigen Westler, was bisher außer in den Ruinen von Phimai überall so gewesen ist, seit wir Korat erreichten.

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Restaurant, sehr voll!

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Barbecue, macht die jongleurin sehr voll

Der nächste Tag – heute – wird eher geruhsam. D. und ich besuchen das winzige Nationalmuseum, dann die nächstgelegene Mall, ich besorge mir ein Nackenkissen und Sandalen, wir essen nicht weiter erwähnenswert in der Mall, trinken viel Kaffee und verziehen uns nach einem Videotelefonat mit der Krabbe nachmittags – also jetzt – auf die coole Dachterrasse unseres Hotels. Hier planen wir den Abend. Kino soll es sein, in einer weiteren Mall im „Sweet Sofa“-Sitz (ich bin gespannt) und in ein Restaurant, dass eine nordthailändische Spezialität namens Khao Soi anbieten soll, in die D. sehr verliebt ist. Außerdem reservieren wir eine andere Unterkunft auf Koh Phayam als die bisher geplante, da die letzteren Bungalows laut vorausreisenden Freunden von uns weder einen Ventilator noch ein WC besitzen. Und das, so haben wir beschlossen, ist uns als fast 40jährigen dann doch ein wenig zu wenig des Komforts.

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Dachterrasse Urban Bamboo

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

Ein Kommentar zu “Reisebericht Thailand: Korat

  1. gitte sagt:

    super schön

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