Nettoeinkommen der Frauen in Deutschland

Vor einiger Zeit las ich irgendwo die Information, dass nur etwa 10% aller Frauen in Deutschland mehr als 2000 Euro netto monatlich verdienen. Ich war konsterniert: ich gehöre zu den obersten 10 Prozent? Fühlt sich gar nicht so an. Ich kann mir z.B. keine Eigentumswohnung leisten, habe kein Erbe zu erwarten etc pp. Da ich die Quelle nicht mehr nachvollziehen konnte, machte ich mich per Suchmaschine schlau, und siehe: die Statistik bestätigt das.

Bei den Männern verteilt es sich etwas anders, wie zu erwarten war. Etwa 37% aller Männer verdienen mehr als 2000 Euro netto. Ich erspare mir hier den Exkurs zum Gender Pay Gap, dessen strukturelle Gründe und dem Einkommenstransparenzgesetz, komme aber sicherlich an anderer Stelle mal darauf zurück.

Ich bin dennoch erschüttert. Ich habe SOZIOLOGIE studiert. Auf Magister. Ich dachte immer, viele Akademikerinnen verdienen mehr als ich, und bei einer Akademikerinnenquote von über 50% hätte ich da eine höhere Anzahl an besserverdienenden Frauen erwartet, selbst wenn man nur von den bei Frauen beliebten Studiengängen ausgeht. Was machen denn die ganze Juristinnen, BWLerinnen, Lehrerinnen und Ärztinnen in dieser Statistik? Auch Ingenieurinnen, Bankerinnen, weibliche Vorstände, Informatikerinnen und Chemikerinnen sind ja durchaus vorhanden in Deutschland, wenn auch deutlich weniger. Arbeiten die alle Teilzeit? Man muss zwar berücksichtigen, dass in der Statistik alle Altersgruppen vertreten sein dürften – also auch Jahrgänge mit deutlich weniger erwerbstätigen Frauen/Akademikerinnen als heute -, zumindest lässt die Methodik nichts anderes vermuten, aber dennoch finde ich das Verhältnis und die absoluten Zahlen frappierend.

 

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

8 Kommentare zu “Nettoeinkommen der Frauen in Deutschland

  1. maramarin21 sagt:

    Ich habe genau das letztens auch gelesen und mich nur noch gewundert. Nur 10 Prozent. Das habe ich auch nicht für möglich gehalten.

  2. Ich gehöre auch zu diese 10 %. So wenige? Ich kann es gar nicht glauben. Liegt eine Lehrerin in Teilzeit nicht trotzdem drüber? Naja, ich habe einfach zu wenig Ahnung, was Frauen so verdienen bzw. generell, also auch die Männer. Dass Frauen noch immer für die gleiche Tätigkeit weniger bekommen also die Männer halte ich einfach für einen der größten Skandale unserer Zeit.

    • jongleurin sagt:

      Ja, das finde ich auch ein starkes Stück, wobei ich finde, dass man da ganz gut zwischen struktureller und direkter Diskriminierung unterscheiden kann und beide getrennt bekämpfen muss.

  3. Könnte an der Steuerklasse liegen, oder? Wenn bei einem Ehepaar der Mann die 3 hat und die 5 sind die Abzüge enorm.
    Ich glaube, eigentlich lassen sich Gehälter nur wirklich per Brutto-Stundenlohn vergleichen.

    • jongleurin sagt:

      Das mag sein, aber die können ja auch nicht alle verheiratet sein. Wobei die Unverheirateten eventuell im Schnitt jünger sind und daher weniger verdienen…
      Ich finde den Netto-Lohn deshalb so schön aussagekräftig, weil er mehr über das verfügbare Einkommen sagt, was für mich sehr viel mit Hierarchie zu tun hat. Sei es Wirtschaftskraft oder das Kräfteverhältnis in Beziehungen, vor allem mit Kindern… Es ergibt ja komplett Sinn, dass die Steuerklassen 3 und 5 diese Kräfteverhältnisse noch zementieren. Die sind ja nicht blöd, die Männer.

      • Jein, im Nettolohn sind ja auch noch unterschiedliche Dinge drin. Bei privat Krankenversicherten z.B. der Arbeitgeberanteil zur KV (und der Eigenanteil auch), das wird ja erstmal ausgezahlt, steht aber trotzdem nicht einfach so zur Verfügung und ist bei den gesetzlich Versicherten längst abgezogen, wenn man auf den Nettolohn schaut. Genauso wie Beiträge zu berufsständischen Versorgungswerken versus Deutsche Rentenversicherung. Da haben Sie – bei gleichem Bruttoeinkommen, Steuerklasse etc. – schnell eine Differenz von locker 1000 Euro im Nettobereich auf dem Gehaltszettel, aber auf dem Konto dann 1-2 Tage nach Gehaltszahlung schon nicht mehr, wenn eben die Beiträge entrichtet wurden.

      • jongleurin sagt:

        Verstehe. Die Statistiken beziehen sich ja auch gerne auf das „verfügbare Einkommen“ (oder ähnlich), aber das bezieht sich meist auf Haushalte und gilt nach Abzug aller Fixkosten, also auch Miete etc. Alles nur bedingt aussagekräftig… Und dennoch interessant.

  4. die Frau die 5 sollte das natürlich heißen. 😉

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