Solidarische Landwirtschaft – ein paar Zahlen und Fragen

Und damit meine ich meine persönlichen Zahlen… wer sich für Solidarische Landwirtschaft im Allgemeinen interessiert und ob es so etwas in eurer Nähe gibt, wird hier fündig: Liste aller SoLaWis in Deutschland. Wir haben uns hier in Hamburg für den Kattendorfer Hof entschieden, der mit einer Mischform arbeitet und auch im freien Verkauf seine Produkte anbietet.

Hier sieht man, was wir diese Woche für unseren Hofanteil bekommen haben, für den wir wöchentlich etwa 45 Euro bezahlen. Ich beginne bei der Aufzählung mal auf 12 Uhr, dann geht es weiter im Uhrzeigersinn: Zuckerhut (eine Art Salat, etwas bitter), 250 gr Quark, 250 gr Saure Sahne, 2 Liter Milch, 340 gr Rumpsteak, 350 gr Bratwurst, 1,25 kg Kartoffeln, 1 kg Rotkohl, 600 gr Dinkelvollkornmehl, 400 gr Porree, 200 gr Salat (Feldsalat und Postelein, 400 gr Käse (Tilsiter, Highländer und Möhrengouda) und in der Mitte 200 gr Butter.

Zahlen wir nun viel oder wenig für so eine Auswahl? Es handelt sich hier um demeter-Qualität, es wird also niemals wirklich billig sein. Die Frage kann also höchstens sein: essen wir auf diese Art preiswert? Und womit soll ich das vergleichen: mit einem Einkauf im Supermarkt oder einer Biokiste, oder einem Einkauf im Biosupermarkt?

 

Mein Ziel ist erstmal, dass der Hofanteil mindestens einen unserer zwei wöchentlichen Einkäufe ersetzt und ich dafür mindestens 3 Mahlzeiten für 2-3 Personen hinbekomme. Wenn ich mir die heutige Ausbeute ansehe, kommt das hin: Bratwurst mit Rotkohl und Kartoffeln, Rumpsteak mit Salat, aus dem Getreide backe ich ein Brot: Brotzeit. Eine Lauchsuppe sollte auch noch drin sein. Das passt also. Aber würden wir eventuell mit einer Biokiste besser fahren?

Es gibt bei dem Modell der Solidarischen Landwirtschaft etliche Besonderheiten, wenn man schauen möchte, ob das Modell für den jeweiligen Haushalt Sinn ergibt. Daher will ich in der nächsten Zeit etwas genauer hinsehen. Man muss zum Beispiel dazu sagen, dass es wegen Dezember niemals weniger Gemüse geben wird als jetzt gerade. 1,5 Kilo durfte ich mir heute neben dem Salat und den Kartoffeln aussuchen, in erntefreudigeren Zeiten sind es bis zu 3 Kilo. Trotzdem zahle ich stets dasselbe. So kann der Hof planbarer wirtschaften und hat keinen Druck, außersaisonal anbauen oder zukaufen zu müssen. Das finde ich enorm sinnvoll. Das Gemüse ist dafür aber natürlich gerade vergleichsweise teuer, wenn man es so herunterechnen möchte.

Fleisch und Milchprodukte sind definitiv okay im Preis, das Fleisch teilweise sehr günstig. Das Rumpsteak würde alleine im freien Verkauf schon knapp 18 Euro kosten – da freue ich mich schon.

Ein großer Vorteil im Vergleich zu einer Bio-Kiste ist, dass ich im Laden innerhalb der Mengenvorgaben frei aus dem Verfügbaren wählen kann. Mir stehen wöchentlich 8,75 Liter Milch zur Verfügung, die ich nach einem Umrechungsschlüssel für etwa 10 Käsesorten und Milchprodukte aller Couleur aufteilen kann. Beim Fleisch kann ich innerhalb zweier Qualitätskriterien (a: ganz tolles Zeuch wie etwa Rumpsteak oder Lachsschinken vs b: etwas weniger tolles Zeug wie etwa eine Beinscheibe oder Leberwurst) jeweils 350 gr aufteilen auf Aufschnitt, Wurst, Fleisch, Hack etc, beim Gemüse zur Zeit immerhin zwischen Fenchel, Kohl, Kürbis, Zwiebeln, Salat, Rüben etc. Dieses eher spontane Konzept mag ich. Roggen und Dinkel gibt es immer dazu, so viel ich will, und ich kann das Getreide direkt vor Ort mahlen.

Da wir uns noch im Probemonat befinden, wage ich noch kein endgültiges Fazit. Die große Frage ist: wird der Vegetarier im Haus das unterstützen, wo er doch nichts von dem tollen Fleisch hat? Und damit direkt zusammenhängend: wie stark wird sich unser Lebensmittelbudget erhöhen? Werden wir dabei bleiben oder werden wir bei einer Biokiste enden? Es bleibt spannend!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

9 Kommentare zu “Solidarische Landwirtschaft – ein paar Zahlen und Fragen

  1. Maike sagt:

    Ich bin gespannt was Du berichtest .
    Der Kattendorfer Hof ist 3 km von uns entfernt . Dennoch habe ich dort erst 1x eingekauft und war nicht so begeistert . Vielleicht wage ich demnächst einen 2. Versuch 🙂

    • jongleurin sagt:

      Interessant! Ich glaube, dass dieser „Abo-Gedanke“ vom Hofanteil auch viel ausmacht. Man hat das Gefühl, es kostet nichts, weil man im Laden nichts bezahlt. Deswegen will ich auf jeden Fall sehr genau hinsehen, ob es sich für uns lohnt, um da nicht völlig enthusiastisch stecken zu bleiben.
      Aber das Rumpsteak gerade war schon enormst lecker. Das kann ich sehr empfehlen! 😛

  2. kat+susann sagt:

    Ich hatte mich mal ein bisschen damit auseinander gesetzt, ich find das Konzept toll. Aber ich müsste ziemlich weit mit dem Auto fahren, um dort einzukaufen, dasshat mich etwas abgeschreckt. Aber ich greife den Gedanken noch mal auf. Grüße Kat.🌸

  3. Greta sagt:

    Spannend! Ich hab mich nach sowas hier im Raum Berlin auch schon umgehört, fand es dann abet wegen der Wege zu den Abholstationen und der Arbeits-Einsatz-Tage, die zu dem Konzept hier dazugehörten,
    grad noch nicht realisierbar.

  4. […] über Solidarische Landwirtschaft – ein paar Zahlen und Fragen — Leben. Läuft. […]

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