Was vom Sommer übrigblieb

Der Sommer war nicht so gut. Weder das Wetter noch die Stimmung überzeugten nachhaltig; die Krabbe trotzte wie eine Weltmeisterin, meine Periode kam allen Übungen zum Trotz regelmäßig wie ein Uhrwerk, ich vermisste immer noch etwas Berlin. Doch einige Höhepunkte gab es dennoch, Dinge, die ich zum ersten Mal tat und die sich wiederholen werden. So etwas liebe ich sehr: die Neuentdeckung von etwas sehr Gutem, und die Erkenntnis, das sich das quasi unbegrenzt und ohne große Kosten oder Voraussetzung wiederholen lässt. Eine Erweiterung des Alltags. Davon zehre ich jetzt, wenn es nebelig und dunkel draußen ist.

  • Fähre fahren als ganz normalen täglichen Weg in die Stadt. Besonders gut war meine erste Fährfahrt nach Sonnenuntergang an einem der wenigen lauen Abende: eine Viertelstunde pure Freude über Wind im Haar und im Kleid, die Lichter im Hafen und das Anschauen der Schiffe. Aber auch der morgendliche Weg zur Arbeit, die immer selben 30 Menschen, die alternativen Hipster mit ihren teuren, schnellen Fahrrädern und den Getränken (?) in Marmeladengläsern, der schweigsame Nachbar, den ich ab und zu ehrgeizig in Konversation verwickelte, bei dem es aber auch komplett okay war, einfach nur hallo zu sagen und woanders hinzugehen… ein wenig davon gibt es jetzt auch noch auf der Fähre. Aber im Sommer ist es noch besser.
  • Der harmonische Familienurlaub auf Fehmarn, und Schwester 2, die sagte: „Das ist der beste Urlaub, den ich seit 10 Jahren hatte!“ Schwester 2 ist sonst ein kritischer Geist, diese Aussage haute rein, auch wenn sie hinzufügte: „Aber das ist auch nicht schwer, meine Urlaube waren nicht so toll gewesen.“ Na ja, immerhin, ne? Dann ihre harte Skepsis über das Erlernen von Wizard (ich lieeebe ja Wizard!), weil ihr das nach einem Tag mit Kind zu anstrengend war, aber nachdem wir sie liebevoll zwangen, war sie voll dabei. Unvergessen der Moment, als sie beim 4. oder 5. Spiel ihre Karten aufnahm und mit strahlenden Augen, roten Bäckchen und begieriger Vorfreude darauf wartete, ihre Stiche ansagen zu können. Schwester 1 kommentierte nur: „Poker spielen solltest du nicht. Was hast du, zwei Zauberer?“ Und das Wetter und das Meer und der Apfelbaum und die Fahrradtouren mit allen Kindern in den Anhängern.

Ich mache mir nichts vor, die Neuentdeckungen werden nicht häufiger werden mit fortschreitenden Alter. Umso schöner, dass es welche gab.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

4 Kommentare zu “Was vom Sommer übrigblieb

  1. Lena sagt:

    Wie wahr, wie wahr! (p.s.: das bin ja ich!)

  2. Frau Pingaga sagt:

    Oh, du willst noch ein Kind? Dann viel Glück! 🙂
    (Ich würde auch gern, obwohl ich schon sooo alt bin… aber geht ja eh nicht. Kein Mann in Sicht.)

    • jongleurin sagt:

      Danke. Vor allem mein Freund will ein Kind… Ich bin nicht abgeneigt, aber eigentlich froh, dass sie schon so groß ist 🙂 na ja, seit 1,5 Jahren ist der Versuch vergeblich. Mal schauen.

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