Tagebuch 12/16 mit dem ersten Tag Solidarische Landwirtschaft (oder auch nicht)

07:15  Der Wecker klingelt nicht, D. weckt mich, weil er sich wundert, dass ich noch nicht wach bin. Ich grunze frustriert, der Wecker meines Handys ist irgendwie unzuverlässig. Das ist jetzt schon zum ungefähr 5. Mal passiert. Da ich gar keine Lust habe, in die Recherche zu gehen, werde ich mir wohl mal eine Wecker App herunterladen müssen.. Aber immerhin bin ich ausgeschlafen. Ich stehe auf und hole mir den von D. bereits aufgesetzten Kaffee, den ich in unserem neuen Wohnzimmer zu mir nehme. Wir haben nämlich jüngst mein Schlafzimmer und das Wohnzimmer ausgetauscht, was eine enorme Wirkung hatte – wir nutzen nun tatsächlich das Wohnzimmer, und mein großes Bett ist nicht mehr die Tages-Haupt-Aufenthaltsstätte. Und besser sehen die Räume jeweils auch aus. Könnte an den neuen Bücherregalen liegen, meine liebsten, wunderschönen Bücherregale! Die teuersten Möbelstück, das ich mir jemals kaufte! Und dennoch das Günstigste, was ich finden konnte, bei dem echtes Holz im Spiel war.

Neues Wohnzimmer, noch nicht ganz fertig. Man beachte die traumschönen Regale!

07:45 Anziehen. Es ist anscheinend sehr kalt draußen, aber ich wappne mich. Meine aktuelle Lieblingskombi: Wanderschuhe, Strickstulpen, Strumpfhose, schwingender Rock, Pulli. Mascara dazu, Augenbrauen nachziehen, fertig. Noch ein paar Beutel einpacken, weil ich heute zum ersten Mal in den Hofladen der solidarischen Landwirtschaft will. Wenn ich die Probemitgliedschaft sofort antreten kann, hoffe ich auf reiche Ernte.

07:50 Anruf bei der Fährgesellschaft: fährt dat Ding oder ist das Wasser zu hoch für die letzte Brückenunterfahrt? Ist es, erfahre ich. Aus Unlust auf die S-Bahn, die gerne mal so voll ist, dass nicht alle hineinpassen, wähle ich den zuschlagpflichtigen Schnellbus. Auch ein Fehler: der Bus hat diverse Minuten Verspätung. Ein Fahrgast mit Schaum vorm Mund (oder ist das Zahnpasta?) beschimpft dafür den Busfahrer und hindert alle Einsteigenden am Zahlen. Ich verstehe seine Gefühle, kann so was aber nicht ertragen. Erstens wird die Verspätung dadurch auch nicht kleiner, zweitens kann der Busfahrer auch nix für zu sportliche Fahrpläne. Das mache ich auch deutlich. Der Schäumende bezeichnet mich als Kuh, ich ihn als Arschloch, er hebt die Faust, ich lächele mitteldeeskalierend und sage: „Frauen schlagen, hm? Nur los!“, er schäumt ab. Ich setze mich mal lieber direkt hinter den Busfahrer, kann ja nicht schaden. Adrenalin habe ich schon mal genug für den Rest des Tages. Schönerweise fährt der Bus meine Umsteigehaltestelle nicht an, was ich erst merke, als ich völlig woanders bin – seit dem letzten Fahrplanwechel wurde die Streckenführung geändert. I break together.

09:05 Ankunft im Büro, trotz aller Widrigkeiten recht pünktlich. Ich bin fertig mit der Welt und nehme mir den beruhigend normalen Mail-Eingang meines Chefs vor. Fast erholsam, diese ganzen außenpolitischen Newsletter, Terminanfragen, Beschimpfungen von besorgten Bürgerinnen und Bürgern und Massen-Mails zu CETA und der Pflegeberufe-Reform. Schreibe ich mal ein paar Massen-Antworten zurück, da bin ich ja gar nicht so…

12:00 Zur Mittagpause stelle ich fest: ich habe Rücken. Das hat sich schon seit ein paar Tagen angekündigt, nun komme ich mit dem Oberkörper kaum in die Senkrechte, wenn ich vom Stuhl aufstehe. Ich mache heimlich ein paar Übungen im Flur und beschließe, die Pause draußen zu verbringen, Bewegung und so. Der erste Weg führt zum Outdoorladen, ich kaufe endlich mal neue Kletterschuhe. Dann begebe ich mich in den Supermarkt, stelle mir einen Salat an der Salattheke zusammen und mache noch einen Schlenk zu Budni, weil ich Calendula Gesichtscreme brauche. Gibts da aber nicht. Also zurück ins Büro, Salat essen, mit der Kollegin schnacken. Dann recherchiere ich für den heutigen Abendsport ein nettes rückenfreundliches Pilates-Programm, und ich werde fündig.

16:50 Kurz vor Feierabend erreicht uns ein Notfall des Chefs. Zähneknirschend sitze ich noch etwas herum, kann nix tun, aber gehen will man da ja auch nicht, wenn der Kollege so gewissenhaft rödelt.

17:30 Raus aus dem Büro, hin zum Hofladen der Solidarischen Landwirtschaft. Ich steige eine Haltestelle zu früh aus und stapfe verdrossen durch die Kälte. Da helfen die Stulpen auch nicht weiter, die Stimmung sinkt. Das tut sie sogar noch weiter, als mir im Laden eröffnet wird, dass ich immer zum 15. oder zum 01. eines Monats mit den Anteilen beginnen kann. Und wir haben, das wissen ja alle LeserInnen, den 05.! Frau-Brüllen-Tag! Ungnädig fülle ich den Wisch aus und sehe mich noch etwas um. Immerhin erfahre ich nun, wie ich diese Woche meinen Anteil hätte verbraten können. 2 Kilo Gemüse, 1,25 Kilo Kartoffeln, Salat (die Menge habe ich vergessen), 350 Gramm tolles Fleisch, und 350 Gramm nicht so tolles Fleisch (auch das muss ja verwertet werden), 8,75 Liter Milch oder deren Äquivalent in verarbeiteter Milch. Was gar nicht so wenig ist:


Auch die Gemüseauswahl ist gar nicht schlecht. Kürbisse, Zwiebeln, Fenchel, Salat, Porree, diverse Rüben und Kohl, Mangold, Karotten. Damit lässt sich arbeiten. Besser gesagt: Damit ließe sich arbeiten. Immerhin ist die Stimmung etwas gestiegen bei dem Anblick.


Ich fahre nach Hause, lasse mich von D. etwas aufheitern und esse etwas Kichererbsen-Suppe, die vom Wochenende übrig geblieben ist. Ich freue mich sehr auf mein Pilates und einen gemütlichen Abend mit Serie, angekuschelt an den Freund. Der Tag war nur mittel, Kuscheln muss sein.

Auch euch einen schönen Abend!

Die anderen Tagebucheinträge gibte  es wie immer bei Frau Brüllen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

5 Kommentare zu “Tagebuch 12/16 mit dem ersten Tag Solidarische Landwirtschaft (oder auch nicht)

  1. Wow. Was für ein Wochenstart… Ich hatte erst mal bloß Kaffee und zwei entspannte Telefonate. Reicht für einen Montag 😉

  2. Juristin sagt:

    Schon um 9 Uhr das volle Programm durch…. wow!

  3. Freya sagt:

    Ich finde die Aktion von Frau Brüllen einfach toll. Es ist doch immer schön zu sehen, wie so ein Tag bei anderen abläuft. Ausserdem lernt man so auch andere Blogs kennen. Ich bin diesen Monat zum zweiten Mal dabei. Falls Du mal in meinem Tagebuch stöbern möchtest: https://dieplaudertasche.com/2016/12/06/was-machst-du-eigentlich-den-ganzen-tag-2/
    Liebe Grüße
    Freya

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