Solidarische Landwirtschaft

Bild: wikipedia

 

Die besten Nachbarn sind weggezogen, was mich auf mehreren Ebenen erschüttert. Die Krabbe verliert ihre Freundin über dem Flur, was für sie hart ist („Wann ziehen WIR denn dahin, wo M. jetzt wohnt?“), wir halt die besten Nachbarn und unsere Feld-Mitbesteller.

Damit ist klar: wir werden das mit dem Feld und dem Gemüseanbau nicht weiterführen. Der Weg ist einfach zu weit mit den Öffis in die Fischbeker Heide, um das zeitlich alleine zu schaffen. Das ist schade, wenn auch nicht schlimm – allerdings möchte ich eine Alternative haben, um zumindest einen Teil meines Essens regional, biologisch und weniger entfremdet als aus dem Supermarkt zu bekommen. Das hat mir beim Feld nämlich enorm gut gefallen, dieser Effekt.

Der Kollege brachte mich dann auf die Idee mit der Solidarischen Landwirtschaft. Ich hatte vor einiger Zeit schon einmal einen Artikel darüber gelesen und fand das Konzept frappierend genial: man kauft einen Anteil an einem ökologisch wirtschaftenden Hof in der Umgebung und bekommt dafür einen Anteil an dessen Produkten, die je nach Jahreszeit ganz unterschiedlich sind. Das hat den Effekt, dass der Hof immer erfolgreich wirtschaftet, ohne den Marktzwängen ausgeliefert zu sein, denn das Geld kommt von den Anteilseignern. Ist also einmal eine schlechte Ernte, muss der Hof nicht befürchten, Verluste zu machen oder Leute entlassen zu müssen. Die Anteilseigner bekommen einfach etwas weniger Kartoffeln. Auf der anderen Seite kann der Hof auch seine Erzeugnisse verteilen, die es auf dem freien Markt nicht in den Verkauf schaffen würden, weil sie optisch nicht den Vorgaben entsprechen. Gleichzeitig kennt man die Produktionsbedingungen, die Tierhaltung und die Arbeitsbedingungen der Menschen auf dem Hof genau und kann diese mitfinanzieren.

Alles in allem eine Idee, die mir ein sehr wohliges Gutmenschentum-Gefühl gibt. Ich bin wirklich begeistert von dem Konzept. Bei dem Hof, den ich mir ausgeguckt habe, gibt es ganz realistische Anteile für einen 2,5-Personen-Haushalt: neben 2-3 Kilo Gemüse wöchentlich auch Fleisch, Milch und Milchprodukte sowie Salat und Kräuter nach Jahreszeit, was ich sehr verlockend finde. Die Anteile holt man wöchentlich an einer Verteilstation oder einem Hofladen des Anbieters ab, die es über die Stadt verteilt gibt. Da scheint sich mir eine echte Chance zu bieten, neben biologischem Gemüse auch auf wertige Tierprodukte umzusteigen, was ich zusätzlich sehr reizvoll finde.

Nachteile gibt es natürlich auch: die Ausgabestellen für die Anteile sind alle nördlich der Elbe, ich wohne südlich. D. hat sehr klar gemacht, dass er sich nicht an der Abholung beteiligen wird – da er den Wochenendeinkauf übernimmt, ist das allerdings auch nur gerecht. Also ist die Abholung mein Ding. Zumindest gibt es einen entsprechenden Laden, der in der Nähe meiner Arbeitsstelle und gleichzeitig in der Nähe der S-Bahn-Linie liegt, die mich nach Hause bringt. Mit einem Trolley sollte das machbar sein – zumindest an Tagen, an denen ich die Krabbe nicht auch noch von der Kita abholen muss. Und 180 Euro im Monat sind auch nicht gerade wenig, die so ein Anteil kostet.

Aber der Hof ist ja nicht von gestern: sie bieten eine zweiwöchige Probemitgliedschaft an. Das werde ich ab nächster Woche ausprobieren. Ich denke mir nämlich, jetzt gerade sind es die härtesten Bedingungen, die man haben kann: kalt draußen, das einkaufen wird wenig Freude machen, und es wird größtenteils Kohl und Mohrrüben und Kartoffeln zur Verfügung stehen. So stelle ich es mir zumindest vor. Wenn ich danach trotz dieser fiesen Ausgangslage von der Idee immer noch überzeugt bin, wird der Rest des Jahres einfach immer noch besser werden.

Ich bin sehr gespannt.

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