Ein vorbildlicher Ausflug auf die Rickmer Rickmers mit Kleinkind

Die Krabbe interessiert sich unter anderem für Prinzessinnen und Burgen und Ritter und Piraten und Gespenster. Die meisten Dinge können wir hier in Hamburg nicht für sie vorhalten, aber immerhin: ein Segelschiff haben wir. Die Rickmer Rickmers, ein Dreimaster und etwa 200 Jahre alter Frachter, der zum Museumsschiff umfunktioniert worden ist. Mannschaftsquartiere, Offiziersquartiere, Frachtraum und die gesamte Infrastruktur inklusive Takelage, Kombüse, Arztzimmer etcetera pp ist erhalten worden, um der breiten Öffentlichkeit die Geschichte der Seefahrt in Hamburg näher zu bringen. Ich war dort bereits zu Veranstaltungen mit meinem Chef und fand es wirklich interessant, ich alte Historie-Tante. Und wie das so ist: für das Kind kann man sich ja kaum schönere Interessen vorstellen als die eigenen. Also auf!, dachte ich, auf! zur Rickmer Rickmers mit dem Kind!

Nun ist das Kind 3,75 Jahre alt. Ganz unbeleckt wollte ich sie nicht mit einem Museumsschiff konfrontieren – nicht, dass sie am Ende überfordert ist, und das war es dann mit den schönen gemeinsamen Interessen. Also besorgte ich im Vorfeld ein Buch über Traditionssegler und blätterte es mit der Krabbe durch. Ich fühlte mich extrem pädagogisch, was eine nette Abwechslung ist, weil ich mich sonst im Zweifel eher vermeidend fühle. Laternenumzug, Kita-Basteln, Spielplatz-Besuche, all das mache ich nur, wenn sich sonst niemand findet, und dann auch nur mäßig motiviert. Hier war ich aber motiviert. Ich bin ja mehr so die Rede-und-Vorles- und Bücherhallen-und-Spaziergeh-Mama, meine Lieblings-Rollenspiel ist „Kranke Patientin, die viel ruhig liegen muss“ oder „krankes Pferd, das im Stall bleiben muss“.

Das hier war neu. Ich wollte das. Und auch die Krabbe war angetan, das Buch wurde ein neues Lieblingsbuch und sehr oft hervorgeholt. Ich wähnte uns gut vorbereitet, als wir uns endlich zum Hafen und auf die Rickmer Rickmers begaben. Und tatsächlich ging mein Plan auf: die Krabbe war begeistert. Sie kannte alles auf dem Schiff aus dem Buch, erkannte es wieder und freute sich einen Keks darüber. Etwa anderthalb Stunden verbrachten wir auf dem Segler, und es war sehr schwierig das Kind wieder herunter zu bekommen. Ich selber fand es auch toll. Das Schiff ist extrem gut erhalten, liebevoll gepflegt und ich verspürte sogar leichtes Fern-Prickeln, wenn ich mir vorstellte, dass dieses Schiff eine der wenigen Verbindungen in die weite Welt war, die es früher in Hamburg gab.
Ich bin entzückt. Das erste gemeinsame Hobby ist gefunden! Und ich weiß jetzt, wie ich einen Ausflug mit dem Kind angehen kann, so dass auch wirklich alle etwas davon haben, wenn es mal etwas weiter als zum Spielplatz gehen soll.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

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