Alleine mit Kind zu Haus – wie man überlebt

Wenn D. weg oder krank ist, der Papa ebenso und ich alleine für die Krabbe und meine Arbeit zuständig, komme ich schnell an meine Grenzen. Alles alleine erledigen, abends das Haus nicht verlassen können, wenig soziale Kontakte… schwierig für mich. Diese Situation passiert nicht oft, aber es passiert  – andere Menschen haben das sogar als Alltag, manche sogar freiwillig, die müssen wirklich hart wie Kruppstahl sein. Allerdings haben die sicher auch schon etablierte Routinen und brauchen keine Überlebens-Tipps, vor allem nicht solche, die auf einen vorübergehenden Zustand abzielen. Ich schon.

Beim letzten Mal war ich einigermaßen zufrieden, wie das über ein paar Tage inklusive Wochenende geklappt hat, ohne dass ich hinterher ein Nervenbündel war. Hier meine Taktik.

  • Nicht einkaufen gehen. Einkäufe liefern lassen. Ist nicht sooo billig, aber auch nicht sooo teuer, und gerade als Großstädterin ohne Auto ist es ganz schön, sich einen 12er Pack Milch an die Wohnungstür tragen zu lassen. Und sechs Dosen Tomaten. Und wenn man gerade dabei ist, fallen einem bestimmt noch andere schwere Dinge ein, für die man sonst keinen Platz mehr im Rucksack oder Fahrradkorb hat.
  • Für mehrere Tage kochen. Die gerade angelieferten sechs Dosen Tomaten werden in einen großen Topf Tomatensoße verarbeitet, aus dem wird dann drei Tage gegessen. Gern genommen sind außerdem Chili, Suppen und Aufläufe.
  • Wenn man das Zeug gar nicht mehr sehen kann: ab zum Imbiss. Das sind gut investierte vier Euro. Lieferservice ist eventuell noch besser, aber manchmal ist es ja auch schön, mal rauszukommen.
  • Haushalt, vor allem Aufräumen, an Arbeitstagen auf 15 Minuten beschränken, und zwar konzentriert. Kind im Bett, 15 Minuten rödeln, das reicht meistens für das Dollste (zumindest wenn der Mann nicht da oder krankheitsbedingt außerstande ist, Unordnung zu machen, und vor allem: wenn man nicht jeden Tag kocht. Das macht einen Dreck, dieses Kochen!), und der Rest des Feierabends sieht die Wohnung okay aus, was ja ganz gut tut. Konsequent auf das zwischendurch aufräumen tagsüber verzichten, das bringt ja mal absolut gar nix und macht eine nur fertig.
  • Am Wochenende habe ich Wäsche, putzen etc an einer festen Stunde am Anfang des Tages durchgezogen, wenn alle noch fit und nicht nörgelig sind und der Rest des Tages verheißungsvoll vor einem liegt.
  • Schamlos das Kind bei Kita-Freundinnen den Nachmittag verbringen lassen. Gut, da hatte ich vorgesorgt: ich lade ja gerne Kita-Freundinnen des Kindes nachmittags ein, erstens muss ich das Kind dann nicht bespielen, zweitens habe ich dann einen Nachmittag gut bei den anderen Kita-Eltern.
  • Bei schrecklichem Wohungskoller: Abends Freunde einladen (zum Filme gucken natürlich, zu anderen Sachen ist man zu fertig) oder Video-Sport machen (zehn Minuten Stretching zählen auch als Sport).
  • Sich Mittags bei der Arbeit außerhalb zum Essen verabreden. Mit Freunden. Das tut gut, wenn die sozialen Kontakte abends nicht möglich sind.
  • Abends zu Hause – nach den 15 Minuten aufräumen – Sachen machen, zu denen man sonst nicht kommt, die aber enorm verlockend sind: eine schöne Serie anfangen oder weiterschauen, das neue Buch anfangen, einen Abend in der Badewanne rumlümmeln, Eltern anrufen.
  • Extrem großzügig Zeit einplanen bei aufstehen, fertig machen, bringen, abholen, ins Bett bringen. Das bringt tolle Erfolgserlebnisse, wenn man alles rechtzeitig schafft, und die Laune ist deutlich besser. 15 Minuten früher aufstehen haben bei mir wahre Wunder bewirkt. Wenn durch einen trödeligen Kita-Rückweg die Zeit zum Kochen fehlt: is mir egal. Pommes, Imbiss, der große Topf, es gibt so viele Möglichkeiten.
  • Wenig Termine machen. Gaaanz wenig. Höchstens einen Tag vorher nach eingehender Prüfung des Gemütszustandes: bringt es mir mehr Freude als Stress? Will ich nicht viel lieber die Serie schauen oder in der Badewanne herumlümmeln?

Das sind nur ein paar Kleinigkeiten, die immerhin mir sehr geholfen haben. Ergänzungen für das nächste Mal nehme ich gerne entgegen!

 

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8 Kommentare zu “Alleine mit Kind zu Haus – wie man überlebt

  1. kraazkraaz sagt:

    Hallo Sarah,

    die Idee, größere Mengen vorzukochen finde ich super. Haste mal ne Empfehlung – oder drei?. Meinetwegen auch aus Chefkoch o.ä.

    Lieben Gruß vom Alleinkoch Papa

  2. Frau Pingaga sagt:

    Also, ich bin ja eine von denen, für die das Alltag ist… hart wir Kruppstahl bin ich trotzdem natürlich nicht. Eher sieht die Bude hier einfach sehr oft aus wie ein Mega-Saustall, damit muss ich leben lernen… Einmal in der Woche nimmt meineMa das Kind, damit ich hier mal klar Schiff machen kann- das ist schon Luxus, aber gleichzeitig auch Stress- denn ich hasse es eigentlich „auf Befehl“ putzen zu müssen. Manchmal nutze ich den Tag deshalb dann auch, um mal einfach was für mich zu tun…
    Das mit den Sozialen Kontakten kann ich bestätigen… für mich ist das doppelt schwer, weil ich ja erst zur Geburt in diese Stadt gezogen bin… ich hab hier keine tiefergehenden Freundschaften… ich kann Termine eigentlich nur vormittags um 11 machen… mittags schläft das Kind oft von 12.30-16.00 Uhr … und macht dann volle Pulle abends bis 22 Uhr… gähn.
    Ein bisschen freue ich mich schon auf die Kita-Zeit irgendwann im nächsten Jahr (noch nicht klar, ob Februar oder erst nach den Sommerferien)… wobei ich die Zeit dann nutzen muss um mir beruflich wieder was aufzubauen… alles nicht so einfach.
    Bist du eigentlich angestellt oder arbeitest du frei?

    • Frau Pingaga sagt:

      Achso: Was ich eigentlich sagen wollte- ich finde deine Tipps gar nicht übel… ich hab auch noch viel zu lernen… Allerdings hab ich hier keine „Freunde“ ohne Kinder, die ich abends mal einladen könnte. Die können alle abends nicht weg. *heul*
      Ab und zu ist meine Mutter da… immerhin. Aber ich hätte gerne auch mal wieder 1-2 „richtige“ Freunde… *seufz*

      • jongleurin sagt:

        Sind alle Freunde alleinerziehend? Das ist dann natürlich hart. Und wenn dein Kind bis 22 Uhr wach ist, ist ein Babysitter wohl auch keine Option. Sonst kann ich zum Leute kennen lernen tatsächlich Dinge wie Sport ( in erster Linie Sportarten, in denen man einen Partner braucht, wie etwa klettern oder tanzen ) empfehlen. Außerdem Ehrenamt und Parteien, da habe ich schon überall Menschen kennengelernt, die in meinem Leben geblieben sind. Allerdings ist es wahrscheinlich nicht so, das es dir an Ideen fehlt, sondern dass die Strukturen gerade nicht so sind.

    • jongleurin sagt:

      Angestellt, 30 Stunden auf vier Tage in der Woche verteilt.
      Klingt definitiv herausfordernd, was du da schreibst. Toitoitoi, dass alles gut klappt!

      • Frau Pingaga sagt:

        Zum Thema: Sport und Tanzen: Ich bin alleinerziehend, ich kann nicht mal eben abends weg. 😉
        Sowieso noch nicht. Das Kind schläft nichtmal bei der Oma bisher.
        Freunde: Ich bin in der Schwangerschaft erst hierher gezogen. Ich kenne hier kaum Leute. Nur welche über Mama-Gruppen und Alleinerziehenden-Gruppe. Wirkliche Freunde sind das leider noch nicht. War noch keine „Seelenverwandte“ dabei. Leider.
        Was arbeitest du denn?

  3. jongleurin sagt:

    Ah, ich dachte irgendwie, dass du aktuell noch nicht erwerbsarbeitest und dein Kind bald im Kindergarten ist – dann kann man das alles tagsüber machen. Ich habe gute Erfahrungen mit Lehrerinnen und Studentinnen, die haben oft auch tagsüber Zeit 🙂
    Das kostet aber natürlich auch sehr viel Energie, die man auch nicht mal so einfach übrig hat mit kleinem Kind. Ich war damals auch zur Geburt neu in meinen Stadtteil gezogen und hatte das große Glück, dass meine Nachsorge-Hebamme mich mit anderen Müttern verkuppelt hat, mit denen ich jetzt seit fast 4 Jahren gut befreundet bin.
    Ich arbeite im Wahlkreisbüro eines Bundestagsabgeordneten, das ist meistens recht entspannt.

  4. maramarin21 sagt:

    Eine sehr interessante Auflistung. Vielen Dank! Ich bin mittlerweile auch undogmatischer geworden und biege auch mal zu McD ab und hole Burger und Pommes.

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