Bagger-Erkenntnisse

Ich gehöre ja zu den Frauen, die enorm wenig aus dem Handgelenk angebaggert werden. Dass mich ein Mann anspricht, einfach so, weil er mich attraktiv findet, passiert so gut wie nie. Woran auch immer das liegen mag – naheliegend: wenn ich neutral gucke, schaue ich anscheinend „böse“, ich bin wirklich keine klassische Schönheit, so richtig auf den Manne wartend scheint nicht in meiner Ausstrahlung zu liegen, und ich bin auch einfach unaufmerksam und würde eventuelle Bagger-Anfänge gar nicht weiter bemerken, was dann gegebenenfalls Männer ihre Versuche auch abbrechen lassen könnte -, ich finde es nicht schlimm. Ich bin eh lieber selbst aktiv, damit fahre ich bisher enorm gut in meinem Leben. Ich habe auch noch nie bemerkt, dass Männer davon irgendwie abgeschreckt werden würden, weil ich ihnen so das „Jagen“ wegnehme. Das mag an meinem hervorragenden Männergeschmack liegen oder auch an meiner hervorragenden Flirttechnik. Ich meine, ich geh ja nicht auf die Kerle zu und sage: „Hey, du hast aber schöne Augen!“, sondern ich nutze eine Gelegenheit, wenn sie sich ergibt, und frage Sachen wie „Weißt du, wie diese Boulderstrecke geht?“ oder fange ein ähnliches normales Gespräch an. Mit „Und wie heißt du?“ hat auch schon eine meiner Beziehungen begonnen. Am liebsten aber rekrutiere ich Männer im Freundes- und Kollegen-Kreis, das ist am elegantesten, und meist brauche ich eh ein bisschen Vorlauf, bevor ich jemanden wirklich interessant finde.

Mit diesem Erfahrungshintergrund war ich fast ein wenig erschrocken, als mich jüngst ein junger Mann in der U-Bahn angrub und mit mir Kaffee trinken gehen wollte. Sein Einstieg war nicht schlecht, es war alles in Allem angenehm, auch wenn er darüber diskutieren wollte, dass ich mit Beziehung über ein solches Angebot nicht weiter nachdenken würde. Besonders merkwürdig an diesem eh schon denkwürdigen Erlebnis: ich war kränklich, ungeschminkt, hatte Schlabberklamotten an und fühlte mich insgesamt etwa so attraktiv wie lauwarmes Spülwasser.

Im Büro erzählte ich von meiner Befremdung. Die Kollegin dazu: „Nee, das ist ganz normal, das ist immer so.“ Gespannt wartete ich auf die romantische Herleitung. Vorstellbar für diese Analyse waren für mich Gründe wie: kranke Frauen lösen den Beschützerinstinkt aus, oder ich speziell sehe einfach mit Augenrändern besonders hot aus, oder in dieser U-Bahn-Linie treibt dieser eine Irre sein Unwesen, der alle Frauen anspricht. Aber nein, klärte mich die Kollegin auf: „Sie spüren dann deine Schwäche.“

Ha! Ich mag mein Büro.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

7 Kommentare zu “Bagger-Erkenntnisse

  1. kat+susann sagt:

    Vielleicht sollte ich doch selber zum Arzt fahren um meine AU zu holen! Bin sowas von schwach und krank und so sehe so übel aus im Moment. Vielleicht baggert mich dann der Busfahrer an😂umd fährt ne extrarunde! Liebe Grüße Kat.💐

    • jongleurin sagt:

      😀 Wahrscheinlich nicht nur der Busfahrer. Aber mach das nur, wenn es dir zumindest so gut geht, dass dich ein wenig dran erfreuen kannst. Doppel-Genervtheit wegen der ganzen verzückten Männer tut der Gesundheit auch nicht gut.
      Gute Besserung!

  2. Ich muss grad sehr, sehr lachen – sorry 😀

  3. Sternchen sagt:

    Soooo und nun möchte ich auch die Fortsetzung wissen:-D

  4. Frau Pingaga sagt:

    Danke. Ich musste auch gerade sehr lachen. Köstlich!!
    Du bist mir sooo sympathisch. Ich erkenne mich sehr wieder.
    Im Moment können mir die Männer eh gestohlen bleiben.

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