Wechselmodell – Zwischenfazit und Erfahrungen

Nach etwa 3 Jahren im Wechselmodell ist es mir ein Bedürfnis, ein Zwischenfazit zu ziehen.

Seit drei Jahren üben wir nun mit der Krabbe, knapp vier Jahre alt, das Wechselmodell aus. Einschätzungen, dass das mit so kleinen Kindern nicht gut ginge, kann ich nicht teilen. Allerdings ist die Krabbe auch ein relativ selbstbewusstes, unkompliziertes und aufgeschlossenes Kind. In der Kita wird sie ebenso eingeschätzt, weswegen ich meinem Gefühl da traue. Nach der Trennung war dem Papa und mir klar, dass wir das Wechselmodell wollen. Ich glaube, wir haben das nicht einmal besprochen, es ging nur darum, wer welche Tage nimmt.

Sowohl der Papa als auch ich leben inzwischen wieder in festen Beziehungen, in jeweils gemeinsamen Wohnungen, die etwa 4 Kilometer voneinander entfernt sind. Die Krabbe geht in Wohnungsnähe des Papas zur Kita. Montags bis Mittwochs wohnt sie beim Papa, Mittwochs bis Freitags bei mir und an den Wochenende wechseln wir uns ab. Oft geht der Papa auf Surftrips, dann regeln wir es irgendwie anders. Meine einigermaßen flexiblen Arbeitszeiten in einer 30-Stunden-Stelle sind dann von großem Vorteil. Mein Freund übernimmt dabei sehr viel Verantwortung, er hat feste Hol- und Bringdienste und macht gerne auch Dinge mit der Krabbe ohne mich. Er kommt auch ohne mich hervorragend mit allem zu Hause zurecht. (Ich habe gerade auf facebook gesehen, dass das anscheinend nicht selbstverständlich ist.) Alles funktioniert ganz gut. Generell kommen der Papa und ich zwar nicht besonders gut miteinander aus, aber so lange wir die Kommunikation per Mail erledigen und Übergaben nur über die Kita stattfinden, gibt es weniger Probleme. Seit Neuestem machen der Papa und ich auch mal gemeinsam mit der Krabbe etwas, kleine Unternehmungen wie Spielplatz oder Kletterhalle. Zwei Stunden alle drei Wochen schaffen wir es, relativ einträchtig zu sein.

Bei dem Papa ist neuer Nachwuchs unterwegs, und er ist gerade in einer Bewerbungsphase. Hier wird sich in nächster Zeit viel ändern, und ich hasse Veränderungen. Das bleibt also spannend; ich habe die Befürchtung, dass das Wechselmodell dann nicht mehr praktikabel ist, wenn der Papa noch weiter weg als die oben erwähnten 4 Kilometer zieht. Und ich möchte es weiter praktizieren, denn: Generell kann ich das Wechselmodell sehr empfehlen. Ich habe vergleichsweise viel Zeit für mich oder die Arbeit, mein Kind wächst mit 2-4 sich kümmernden Erwachsenen auf und ich bin im Prinzip das komplette Gegenteil von alleinerziehend. Natürlich ist der Organisations- und Besprechungs-Aufwand höher, aber dafür trage ich die Verantwortung nicht alleine und die Krabbe hat eine ausgeglichene und entspannte Mutter. Ich bin zufrieden. Geteilte Elternschaft ist mein Ding, an alleiniger Elternschaft würde ich einfach kaputt gehen.

Und es gibt auch in meinem Umfeld Entwicklungen zu dem Thema: Schwester 2, auch im Wechselmodell lebend, zieht mit Freund und Kind zusammen. Der Schwager in spe bespricht sich bei Familientreffen oft mit meinem Freund, sie tauschen sich aus. Männer-Netzwerke! Das finde ich immer noch großartig, weil nicht selbstverständlich im Familienarbeits-Kontext. Und in der Kita können auf einmal auch getrennt lebende Eltern einen gemeinsamen Kita-Gutschein beantragen. Fortschritt!

Allerdings glaube ich an den auch erst so richtig, wenn beide Eltern die Kosten von der Steuer absetzen können. Das muss ich noch herausfinden.

 

Advertisements
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

5 Kommentare zu “Wechselmodell – Zwischenfazit und Erfahrungen

  1. Frau Pingaga sagt:

    Liest „der Papa“ eigentlich dein Blog?
    Ich bin mir bei meinem nicht sicher… würde mich schon sehr stören. Ich hab deshalb alles zu Private eliminiert. Leider.

    • jongleurin sagt:

      Soweit ich weiß, nicht. Ich habe den erst nach der Trennung begonnen. Er darf das aber auch gerne wissen.

      • Frau Pingaga sagt:

        Mir geht es weniger ums „wissen dürfen“ als darum, dass ich einfach für ihn nicht so gläsern sein möchte. Doch, ich finde, es geht ihn gar nichts an. Ich fänd es einfach ein komisches Gefühl, wenn er so viel von mir mitbekäme und ich nichts von ihm (will ich auch gar nicht!!)… Gut, bei uns ist das aber auch ein besonders harter Fall. Ein anderer Ex liest auch mein Blog mit und sogar auf Instagram (was bei mir mehr Tagebuch ist)… und das stört mich nicht wirklich.

      • jongleurin sagt:

        Ah, verstehe. Da bin ich ja tatsächlich schmerzfrei. Wobei ich von ihm auch noch relativ viel mitbekomme, über seine Eltern und gemeinsame Freunde und Bekannte. Und natürlich über unser Kind! Je mehr sie redet, desto mehr erfahre ich. Manchmal sogar zu viel.

      • Frau Pingaga sagt:

        Mein Kind sieht seinen Erzeuger zum Glück im Moment nicht. Und ich will am liebsten von dem nie wieder was hören. Andere Geschichte. Sei froh, dass es bei euch so entspannt läuft. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s