Vereinbarkeitsdruck bei Männern – ein Vorschlag

Das Nuf erwähnte es, und seitdem machte ich mir Gedanken und stellte mir ein paar Fragen: wo ist der Vereinbarkeitsdruck bei Männern? Warum empfinden ihn in allergrößter Mehrheit nur die Frauen? Wie kriegt man diesen Druck in die Männer selbst hinein? Kann, muss, darf er nur von den Frauen kommen? Müssen diese mehr aushandeln und einfordern? Wie macht man das, wenn man mit einem Mann zusammen ist, der Vereinbarkeitsproblematiken nicht kennt und daran auch nicht dringend etwas ändern möchte?

Das Problem beginnt meiner Meinung nach schon bei den Formulierungen. Frauen gehen im Falle einer zukünftigen Mutterschaft gerne mit dem Kindsvater „in Verhandlungen“ oder „fordern“ etwas, wenn sie nicht alleine die Hausarbeit und die Kinderbetreuung übernehmen wollen. Hab ich auch so gemacht.

Ich glaube, das ist ein großer Fehler, insbesondere wenn man einen von den ganz harten Brocken zu Hause hat. Denn aushandeln und einfordern setzt die Übernahme von Verantwortung voraus, das ist das erste Problem. Damit macht sich die Verhandelnde zur Zuständigen für das Thema, vielleicht sogar zur Bittstellerin. Zweites Problem: verhandeln und fordern geht nur mit einem willigen Verhandlungspartner, das kennt man aus der Politik. Da das Gegenüber aber in unserem Falle ja meist gar kein Problem oder gar Verhandlungsspielraum sieht – geht halt nicht bei mir, diese Vereinbarkeit, sorry! Problem erledigt.-, wird ein Aushandlungsversuch nicht mehr als ein Appell und Zusagen sind eine unverbindliche, stets rückführbare Größe. Im schlimmste Falle landet man als Paar in einer Verhandlungs-Nörgeln-Dauerschleife, und irgendwann dreht einer komplett durch. Ein bisschen wie das Verhältnis Deutschland-Türkei nach dem Flüchtlings-Deal.

Denn das Gegenüber weiß: wenn es keinen Bock hat, keinen Mut dem Arbeitgeber gegenüber, keine Optimalbedingungen, dann macht es Mutti. Es bleibt ihr ja nichts anderes übrig. Zack – Verhandlungen gescheitert, oder, fast noch schlimmer: ein Schein-Kompromiss wird gefunden, damit beide das Gesicht nicht verlieren, der aber vor Allem die Fordernde nicht auf Dauer zufrieden stellt und der in der Realität wieder sukzessive zurückgefahren wird. Dann wären wir wieder in der Dauerschleife, die irgendwann zur Eskalation führt.

So geht das doch nicht! Deshalb habe ich mir eine Super-Methode überlegt, die nur ein klitzekleines bisschen Kompromisslosigkeit erfordert. Ist bestimmt ganz leicht, wenn man es schafft, das durchzuziehen und keine Diskussionen zuzulassen: wir drehen den Spieß um und schaffen Tatsachen.

Viele Männer gehen im Falle einer Vaterschaft erstmal davon aus, dass sich für sie nix ändert. Sie denken sich keine Verhandlungsstrategien oder Forderungen aus, neinneinnein. Warum auch? Und DAS, liebe Liebende, kann man sich ja mal abgucken! Statt herumzuxanthippen, dass allen die Ohren schlackern: Einfach lässig davon ausgehen, dass beispielsweise die Hälfte der Elternzeit vom Manne übernommen wird und man selber dann schön wieder mit mindestens 30 Stunden einsteigt (oder was auch immer der persönliche Vereinbarkeitstraum jenseits des Hausfrauen- oder Minijob-Modells ist). Das dann nicht als Verhandlungsmasse, sondern als selbstverständlich betrachten und es auch so kommunizieren. Statt „Wir müssen jetzt überlegen, wie wir das dann hinbekommen, wenn ich wieder 20 Stunden arbeite und ob du vielleicht auch mal einmal pro Woche von der Kita abholen kannst, wenn du den Chef lieb fragst. Ach, geht nicht? Hm, was machen wir denn dann, da muss ich mir was überlegen…“ einfach mal nebenbei erwähnen:“Ich bring dann immer, und einmal die Woche komme ich erst um 20 Uhr nach Hause. Hab ich mit dem Chef schon besprochen.“ Selbst wenn man weiß, dass das dem Manne organisatorisch ohne weiteres gar nicht möglich ist – not your problem! Der vorauseilende Gehorsam darf eine in diesem Augenblick nicht übermannen. Höchstens irritiert gucken, wenn das angemerkt wird. Und dann nicht rechtfertigen, nicht zurückziehen, sondern einfach diese Botschaft wieder und wieder anbringen. In kurzen, klaren Sätzen. Es muss völlig klar sein: Es geht halt nicht anders, und der Chef sieht das auch gar nicht gerne, wenn man fragt. Sollen ruhig mal  die Männer in die Bredouille kommen, dass sie mit uns verhandeln müssen und ggf. an externe Kräfte delegieren müssen, wenn sie ihre Hälfte nicht hinbekommen.

Dabei ist es eigentlich egal, wie viel man verdient oder wie viele Stunden man arbeiten möchte. Es geht mir nur darum, dass wir unsere Vorstellungen, wie auch immer der jeweilige Rahmen ist, anders und mutiger kommunizieren, Tatsachen schaffen und vor allem: den Druck selber nicht annehmen, sondern ihn bei denen lassen, die ihn verursachen: die Nicht-Mitmacher.

Vielleicht könnte das helfen. Einfach mal schauen, wie die Väter es schaffen, den Vereinbarkeitsdruck nicht zu empfinden –  statt nur zu hoffen, dass die Männer von selber den Frauen ähnlicher werden und sich freiwillig in Drucksituationen begeben (wobei ich glaube, dass auch das gerade geschieht, nur leider quälend langsam). Beides gemeinsam ist vielleicht die schnellste Möglichkeit, sich in der Mitte zu treffen.

 

 

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

Ein Kommentar zu “Vereinbarkeitsdruck bei Männern – ein Vorschlag

  1. asuka44 sagt:

    Ja!

    Ich übe seit Jahren fleißig, auf stur zu schalten, und es klappt tatsächlich. Wenn er die Spülmaschine nicht ausräumt, kann ich sie nicht einräumen, dann haben wir halt keine Teller mehr. Das ist nicht meine Schuld! Und was die Arbeitszeiten angeht: Einer bringt die Kinder zum Kindergarten, der andere holt sie ab. Punkt. Dann müssen wir nur noch am Wochenende schauen, wer wann unbedingt früh auf der Arbeit sein muss oder Spätdienst hat. Läuft!

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