Professor Simms und die Vereinigten Staaten von Europa

Gestern Abend war ich berufsbedingt auf einer Diskussionsveranstaltung über den Brexit. Ich mag das: in der Außenpolitik kann ich noch viel lernen, und dankenswerterweise ist mein Chef gut bei solchen Anlässen. Alte weiße Männer dominieren zwar sowohl das Podium als auch das Publikum, aber auch die müssen sich ja irgendwie die Zeit vertreiben.

Gestern erlebten sie richtiggehend etwas, nämlich eine wirkliche Kontroverse auf dem Podium, und einen irischen Cambridge-Professor, der steile Thesen vertrat. Thesen, die ein Raunen in der Menge auslöste. Denn Professor Simms nahm mehrere Positionen ein, die ich so noch nicht in der Debatte gehört habe. Eine davon: nicht Großbritannien geht es nun schlecht, sondern Europa. Europa muss sich verändern, am besten im Sinne einer politischen Union. Und diese solle nicht als Prozess aus der jetzigen Wirtschaftsunion entstehen, sondern mit einem Knall, einem Ereignis, vergleichbar mit der Gründung der USA oder Großbritanniens. Das Ganze trug er recht provokant und spitz und nicht ohne Genuß vor, was wirklich zu einem kleinen Aufruhr im Publikum führte. Da sieht man mal, wie sehr das Narrativ des armen Englands, das schon sehen wird, was es davon hat, aus unserer herrlichen EU ausgetreten zu sein, verinnerlicht wurde… wobei ich diesem Narrativ immer noch anhänge. Aber dieser Professor Simms, der hat mich zumindest mal zum Hinterfragen gebracht. Ein Populist, aber eben kein Rechtspopulist, sondern mit einer Vision, die nicht GEGEN etwas ist, sondern konstruktiv. Das ist ja in Deutschland enorm selten und macht tatsächlich Spaß zu erleben. (Impi hat es schon vor mir erkannt.) Und so ganz ohne Charme ist die Vorstellung dieser Vereinigten Staaten von Europa nun wirklich nicht.

Ich bin jetzt etwas aufgeregt, weil ich wirklich und wahrhaftig das erste Mal in meinem Leben mit dem Gedanken spiele, mir ein Sachbuch zu kaufen – von Professor Simms, versteht sich -, um mal an dem Thema herumzudenken. Oder ich leihe es mir von meinem Chef, der hat es sich sogar signieren lassen, der alte Promijäger, der. Wahrscheinlich hat er den Mann auch nur deshalb für die Veranstaltung empfohlen.

Dass mir das passiert, mir Liebhaberin der historischen Themen, zeigt eines recht deutlich: der Brexit ist historisch. Ich bin so gespannt, wie es weiter geht.

 

 

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

2 Kommentare zu “Professor Simms und die Vereinigten Staaten von Europa

  1. Ms Phye sagt:

    Danke für den Namen, ich gehe mit ihm ziemlich konform. Wie immer bei Beziehungen: Es hat nie nur auf einen Auswirkung, wenn eine Trennung ansteht. Und diese Trennung wird in der Tat vor allem eines sein: Historisch 🙂 Was genau dabei rauskommt, ich bin ehrlich gespannt, welche Richtung eingeschlagen werden wird.

  2. kinder unlimited sagt:

    es sind interessante Zeiten, und es geht um sehr viel Geld!

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