Dienstreise und Aussöhnung

Ich war wieder mal wieder zwei Tage in Berlin, begleitete eine Reisegruppe aus dem Wahlkreis. Es ging in den Bundestag, ein Ministerium, in den Prenzlauer Berg exakt bei der Lieblingscousine – alles Orte, an denen es mir sehr gut ging, die mir fehlen. Diese Rückkehren sind in den letzten Monaten sehr anstrengend gewesen, ich war jedes Mal wehmütig, etwas selbstmitleidig, nostalgisch, frustriert über den Verlust.

Dieses Mal war es anders. Ich denke, ich habe den höchsten Punkt des Heimwehs überwunden. Ich kann nicht sagen, was den Unterschied gemacht hat, aber ich fühlte mich nicht mehr so gebeutelt, sondern in der Lage, die Stadt zu genießen statt zu bejammern, dass ich nicht mehr dort bin. Ich sah Berlin mit anderen Augen, mit Besuchsaugen, ich konnte die Orte mit neuen Emotion besetzen – als Hamburgerin. Nicht mehr im  Exil, sondern in der neuen Stadt zu Hause und in der alten zu Gast. Es war dann auch wirklich schön, auf dem Heimweg mit der S-Bahn über die Elbe zu fahren, den Hafen zu betrachten und sich auf D. und die Krabbe und unser Zuhause zu freuen, ohne auch nur einen Gedanken an früher zu verschwenden.

Das schöne Wetter, das gute Essen, der extrem angenehme Kollege und gute Gespräche mit ihm, das schadete alles auch nicht. Ich hatte eine gute Zeit auf dieser Reise. Die Krabbe war hervorragend durch D. versorgt, ich sah sie vor der Abreise noch frühmorgens und nach der Ankunft konnte ich sie noch ins Bett bringen, und sie war jeweils fröhlich und gar nicht böse über mein nächtliches Fortbleiben. (Dass ich mir als Wechselmodell-Mutti darüber Gedanken mache, mag komisch klingen. Aber bei uns zu Hause wurde gerade in den letzten Monaten, seit die Trotzphase begann, ich extrem stark bevorzugt, D. spielte trotz hartnäckigen Bemühens emotional eine eher kleine Rolle. Nach meiner letzten Dienstreise sagte die Krabbe Dinge wie „Ich war so traurig, weil du nachts nicht gekommen bist, als ich dich gerufen habe“ und „Du sollst nicht mehr ohne mich wegfahren.“ Da schluckt man schon, und ich hatte wirklich Sorge, dass das wieder vorkommt. Wenn sie bei ihrem Vater ist, sagt sie hinterher übrigens solche Sachen keinesfalls. Obwohl D. schon seit ihrem 10. Lebensmonat immer an meiner Seite und damit bei ihr ist, macht sie da extreme Unterschiede. Aber auch das ändert sich gerade wieder, sie behandelt D. und mich inzwischen gleichberechtigter. Das ist sehr schön mit anzusehen, wie die beiden immer inniger miteinander werden.)

Ich bin froh, dass diese Phase überstanden ist. Eine der letzten Turbulenzen in den recht ruhigen Gewässern ist damit umschifft – mal sehen, wie die Reise weiter verläuft.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

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