Wochenende mit Geschrei

Jüngst stand ich mit der besten Nachbarin in ihrem Vorgarten, wir wollten Kohlrabi-Samen zum Keimen einpflanzen, die wir im Frühling auf das gemeinsame Feldstück bringen wollen. Die beiden dreijährigen Töchter sollten diesen Vorgang staunend begleiten, voll Freude und Wißbegier den weisen Worten ihrer Mütter lauschen, niedlich mithelfen und sich ewig an diese Szenen erinnern.

Es kam anders. Die erste Minute lief wie vorgestellt. Dann passierte folgendes: Die beiden Mädchen stellten sich jeweils an ein Ende der Kinderschubkarre der besten Nachbarsfamilie, verkündeten jeweils ihr Begehr („Ich will!“-„Nein, ich will!“) und fingen an zu ziehen, bald begleitet von infernalischen Gebrüll. Die beste Nachbarin, eine große Freundin des kompromissbasierten Schlichtens, seufzte. Stoisch pieksten wir Löcher in die Blumenerde und wandten den Kindern den Rücken zu. Das Gebrüll wurde lauter. Ich fragte: „Ist jetzt nicht mal langsam das Alter erreicht, in dem sie es unter sich ausmachen müssen?“ Die beste Nachbarin seufzte wieder. „Ich habe jedenfalls langsam keine Lust mehr auf das dauernde Schlichten.“ Ich war erleichtert. Wenn die beste Nachbarin als Langmut in Person das sagt, dann ist es wirklich langsam mal gut.

Wir pieksten und samten also, die Kinder brüllten und zogen, und nach einer Viertelstunde waren alle fertig mit ihren selbstgewählten Aufgaben und widmeten sich neuen Dingen.

War irgendwie nett.

 

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7 Kommentare zu “Wochenende mit Geschrei

  1. kat+susann sagt:

    Wenn du Glück hast, mögen sie später die Kohlrabi . Vielleicht ist ihnen auch die Ernte völlig wurscht. (So geschehen mit meinen Ich-bringe-meinen-Kinder-die-Natur-nah-Ambitionen). Liebe Grüsse Kat

    • jongleurin sagt:

      Letztes Jahr kamen sie immerhin gerne mit zum Feld und „halfen“, vor allem Möhren und Kartoffeln ausbuddeln war beliebt. Aber mir ist klar, dass das keine Rückschlüsse auf dieses Jahr zulässt 😀

    • Juristin sagt:

      Ich hatte früher mal (als Kind noch 2 war) auch so idyllische Vorstellungen vom gemeinsamen säen, ziehen und ernten. Kartoffeln ausbuddeln war letztes Jahr noch gut, aber seit dem… die Kinder werden irgendwie auch viel schneller groß als ich denke, und auch schneller als ich damals…. ich war so ein Naturkind.

      • jongleurin sagt:

        Tja. Zur Not spielen sie mit der Pumpe auf dem Feld oder prügeln sich, da geht schon. Und immerhin bekommen sie dann tolles Gemüse auf den Teller. Da freuen sie sich bestimmt unbändig…

      • Juristin sagt:

        Hier ist ja der Wasserhahn der Hit. Mal gucken, wie es dieses Jahr wird. Ihr habt ja wenigstens die Nachbarfreundin vor Ort. So ein gleichaltriges Kind ist schon toll, das fehlt uns hier.

  2. ysaid sagt:

    Vieles, was ich als Kind langweilig fand, schätze ich jetzt sehr. Darunter: Wandern und Vollkornbrot. Das nennt man wohl zum Glück zwingen. 😉

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