Vereinbarkeit bei uns

Das Thema „Vereinbarkeit“ ist bei mir immer ein ganz Großes – lange aus beruflichen Gründen, aber auch persönlich. Inspiriert von der Juristin will ich an dieser Stelle einmal beschreiben, wie es bei mir zu Hause aussieht.

Beruflich habe ich eine 30-Stunden-Stelle, Mittwochs dabei immer frei, mit sehr moderater Überstunden-Anfälligkeit. Büro-Besetzungszeit ist von 9-17 Uhr, es ist aber kein Thema, wenn ich mal früher gehe oder später komme, das ist sehr entspannt und auch spontan mal möglich. Meine beiden männlichen Kollegen haben zwar keine Kinder, sind aber im Ehrenamt sehr engagiert und handhaben es genauso, wenn sie Termine für ihr Engagement haben. (Für mich mal wieder ein Hinweis, dass Vereinbarkeit für Männer oft nicht bei Kindern anfängt, sondern bei zeitintensiven Hobbys. Das wäre auch mal einen Beitrag wert.) Mein Chef und das ganze Büro ist für eine Partei tätig, die Vereinbarkeit explizit unterstützt, und das wird hier tatsächlich ganz gut umgesetzt. Und ich schaffe es gut, Mehrarbeit meistens an die kindfreien Tage zu legen.

Ich bin nämlich in sofern ein Sonderfall, als dass ich die Krabbe nur teilweise bei mir habe. Von ihrem Vater bin ich getrennt, wir teilen uns die Betreuung ziemlich genau 50/50. Montag bis Mittwoch ist sie beim Papa, Mittwoch bis Freitag bei mir und an den Wochenenden wechseln wir uns ab. Termine für das Kind, Kita-Schließtage, Krankheit wird dann jeweils von dem Elternteil übernommen, das eben gerade dran ist. Das funktioniert ganz gut. Ich lebe außerdem mit meinem Freund zusammen, der sehr viel Verantwortung übernimmt, auch in Form von festen Kita-Bring-und-Hol-Diensten oder Aktivitäten mit dem Kind, auch ohne mich, und er macht die Wäsche und die Hälfte vom Haushalt.

Stressig wird es an den Tagen, an denen ich gleichzeitig in die Kita bringen, arbeiten und abholen muss. Das ist tatsächlich kaum zu schaffen, und ich mache eine große Verbeugung vor Eltern, die das alleine wuppen müssen. Bei mir kommt es allerdings kaum vor dank der beiden Männer im Leben meiner Tochter. Ein Kita-Logistik-Dienst am Tag ist meistens das Höchstmaß der Gefühle.

Der Organisationsgrad ist natürlich trotzdem recht hoch. Ich weiß gerade gar nicht genau, wie viele Kalender ich führe… die Kommunikation mit dem Vater liegt bei mir, und letzten Endes muss ich alle Beteiligten auf Stand bringen. Sogar die Ex-Schwiegermutter in spe gehört zu dem Netz, in dem ich gefühlt als dicke Mutter-Spinne in der Mitte sitze und nervös das nächste Beben abwarte. Diese Beben können durch viele Dinge ausgelöst werden: eine der vielen Reisen des Papas, unerwartet viele Abendtermine bei der Arbeit, Freizeitstress, diskussionsintensive Zeiten mit meinem Freund, zu viele Ausgaben, Reisen, eigentlich jede zusätzliche Belastung, auch wenn sie eigentlich schön ist. Das nervt mich. Das System ist fragil, denn durch so viele Akteure gibt es auch viele Quellen für Störungen.

Es gibt aber insgesamt wenig bei mir zu meckern. Die Kita-Schließzeiten sind gut, die Unterstützung privat und beruflich völlig ausreichend… Beruf und Kind geht unter diesen Voraussetzungen hervorragend. Ich denke, dass ich ein paar sinnvolle Entscheidungen getroffen habe, um das möglich zu machen. Ich lebe in einer Großstadt, in der die Kita-Öffnungszeiten sehr großzügig sind. Ich habe mir Männer in mein Leben geholt, die Verantwortung für das Kind übernehmen und die Erwerbsarbeit nicht so wichtig finden. Ich habe keine großen finanziellen Verpflichtungen, so dass ich mit meinem Geld gut auskomme.

Generell denke ich, dass Vereinbarkeit unter diesen Umständen gut klappen kann. Ein Netzwerk ist das Beste, was einem passieren kann bzw in das man investieren sollte – und ein arbeitsfreier Tag pro Woche. An dem man Termine erledigen kann, aber auch einfach rumbummeln, wenn es sein muss.

Meines Erachtens ist der Haupt-Schlüssel zur Vereinbarkeit die anderen. Die Männer, in erster Linie. Wenn diese ihre Hälfte übernehmen, muss frau nur noch die Hälfte vereinbart bekommen, und das ist schon mal sehr viel einfacher als das Große Ganze, unabhängig vom Volumen der eigenen Erwerbsarbeit. Deshalb wünsche ich mir politische Instrumente, die die Männer stärker einbinden und ich wünsche mir Männer, die die Eier in der Hose habe, zu ihren Entscheidungen – also Kindern – zu stehen und sich um diese zu kümmern und das auch einzufordern, sei es gegenüber ihren Arbeitgerberinnen oder ihren Partnerinnen. Verpflichtend paritätische Elternzeit, Aufgabe des Ehegattensplittings, Sensibilisierung von Vorgesetzten, Teilzeitmodelle vor allem für Männer sind nur ein paar Ideen, die ich enorm hilfreich fände. Dann klappt es wahrscheinlich öfter (sogar nach einer Trennung) mit der Vereinbarkeit.

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2 Kommentare zu “Vereinbarkeit bei uns

  1. maramarin21 sagt:

    Ein arbeitsfreier Tag pro Woche ist wirklich Gold wert. Danke für diesen interessanten Text.

  2. Juristin sagt:

    Hat dies auf Juraexamen mit Kind – war Justitia Mutter? rebloggt und kommentierte:
    Heute von der Jongleurin (welch passender Name 😉 ) ein Beitrag zum Thema „Eltern im Job“. Sie arbeitet im politischen Bereich und ist „getrennt erziehend mit Freund“. Viel Spaß beim Lesen.

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