Lasst uns über Geld sprechen

Wieviel verdient ihr eigentlich so? Die Frauen, die Männer, die Mütter, die Väter? Und wie viel braucht man, als Eltern? Wie ist das Haushaltseinkommen so aufgeteilt? Und was macht das mit einem? Solche Gespräche führt man sehr selten. Ich denke allerdings, dass es gut wäre, darüber öfter zu sprechen – daher mache ich gleich mal den Anfang.

Bei mir ist es so, dass ich in jeder meiner Beziehungen seit der Uni die Besserverdienende war. Eine Rolle, die mir gut gefällt – ich mag es zum Beispiel, wenn ich nicht darauf angewiesen bin, mir die Männer nach ihrem Einkommen aussuchen zu müssen, weil ich da etwa Ansprüche oder Bedürfnisse hätte. Außerdem ist es großartig, wenn Kinder kommen und der eigene Anteil am Einkommen nicht mal so eben wegdiskutiert werden kann, wenn es um die zukünftige Arbeitsteilung geht.

Das macht viel von Augenhöhe in Beziehungen aus, finde ich – weshalb ich unter anderem das Ehegattensplitting ziemlich fatal in seiner Wirkung finde. Es macht aus dem niedrigeren Einkommen in der Beziehung ein noch niedrigeres, das Machtgefälle also steiler. Ich weiß, dass viele Beziehungen da kein großes und/oder kein offensichtliches Machtgefälle haben. Aber meist wird über das Einkommen definiert, wessen Erwerbsarbeit wie wichtig ist, für wen Abendtermine (öfter) statt finden müssen, wer die Fortbildung am Wochenende macht, wer (länger) Elternzeit nimmt usw usf. Sprich: wer ernsthaft arbeiten kann. Von Karriere mal ganz zu schweigen, ich glaube nicht, dass sich eine ambitionierte Karriere gut mit kleinen Kindern verträgt, aber das ist ein anderes Thema.

Diejenige mit dem kleineren Einkommen hat im Zweifel dann das Nachsehen, wenn es sich nicht gerade um sehr reflektierte Partnerschaften handelt, bei denen es nicht auf jeden Cent ankommt (und auch solche gibt es, ich kenne persönlich welche!). Da mir Erwerbsarbeit wichtig ist und mir ebenso wichtig ist, ein großes Stück Kontrolle zu haben – nennt mich neurotisch! -, bin ich im Zweifel lieber die mit dem größeren Gehaltsscheck. Dann geht die Vereinbarkeit eher nicht nur auf meine Kosten, so meine Theorie.

Nicht dass es zu Missverständnissen kommt: ich arbeite quasi im Öffentlichen Dienst, bei TVöD E 13 plus kleiner Zulage, mit 30 Stunden. Ich bin nicht reich. Es reicht gut, und ich würde auch alleine mich und meine Tochter gut durchbringen. Aber ich freue mich auch über zuverdienende Männer in meinem Leben, so ist es nicht!

Klar lebe ich nicht in Saus und Braus, doch viele Dinge sind mir nicht wichtig, für die ein besser verdienender Lebenspartner und sein Gehalt nötig wäre. Auto? Nö. Geile Urlaube? Ach, schon okay. Wohnung in Hamburg Eimsbüttel? Nein, danke. Dieser ganze Wohlstands-Druck da würde mir nicht gut tun, und ich mag meinen durchmischten Stadtteil viel zu gerne. Wohneigentum? Um Gottes Willen, der finanzielle Druck, die Verantwortung! Viele, teure und fabrikneue Klamotten sind auch nicht meine Priorität.

Wichtig sind dagegen Altersvorsorge, ein Studienkonto für mein Kind, spontan Essen und ins Kino gehen zu können, nicht nur Discounter und viel Bio einkaufen, Anschaffungen und Nachzahlungen nicht aus dem Notgroschen bezahlen müssen, lange Duschen, viel Sport (schwimmen und klettern gehen ganz schön ins Geld) und eine schöne Wohnung. Außerdem, denn das schont mein Budget unglaublich: mein Netflix-Abo, die Bücherhallen (für nicht-Hamburgerinnen: Büchereien), ein starker ÖPNV und Kleidertauschpartys. Mein Lebensstandard ist definitiv okay, ich klage nicht, aber ich muss natürlich ein paar Prioritäten setzen. So viel zu mir.

Ich finde es eigentlich verwerflich, dass über Geld so wenig gesprochen wird. Denn Geld macht eben viel mit den Menschen und ihrem Status in unserer Gesellschaft, und wer weniger verdient, hat geringere Optionen, sei es in der Beziehung oder in der Gesellschaft. Durch Schweigen werden die bestehenden Strukturen unterstützt. Mehr Gespräche über das Geld, und was es mit uns macht, würden vielleicht dazu führen, dass mehr Frauen vorsichtiger sind in ihren beruflichen Entscheidungen, dass sie die Hoheit über ihren Verdienst nicht leichtfertig aus der Hand geben, dass sie sich finanziell emanzipieren. Auf unsere Töchter hätten Gespräche über das Thema einen noch viel unmittelbareren Effekt; Beziehungen auf Augenhöhe, auch finanziell, wären für sie selbstverständlich. Für meine Tochter finde ich das ein wünschenswertes Ziel. Und ich muss sagen, dass ich es nicht gut finden würde, wenn sie mehrere Jahre Hausfrau wäre, weil ich die daraus resultierende Abhängigkeit ablehne. Da bin ich tatsächlich wenig tolerant.

Deshalb ist meine persönliche Emanzipation, wenn man so will, eine ökonomische und eine publizistische. Frauen und gerade Mütter müssen die Gelegenheit bekommen, wegen mir auch gerne die Pflicht haben, sich selbst versorgen zu können. Kombiniert mit einer Arbeitswoche von höchstens 30 Stunden für alle – das wäre mein persönliches Wunsch-Leitbild, das meiner Meinung nach mehr zur Gleichstellung der Geschlechter beitragen würde als jedes andere.

Also: lasst uns über Geld sprechen.

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13 Kommentare zu “Lasst uns über Geld sprechen

  1. Liebe Jongleurin, ich lese schon eine ganze Weile bei Dir mit, habe hier aber, glaube ich, noch nie kommentiert. Hierzu aber würde ich dann doch gerne mal was sagen wollen.
    Aktuell bin ich in einem Job mit einer Wochenarbeitszeit von 35 Stunden, die aber ausnahmslos bei 40 und mehr enden. Auch ich verdiene wirklich gut; wie viel, möchte ich jedoch nicht schreiben, weil mein Blog und damit eventuell auch meine favorisierten Blogs auch von Lesern verfolgt werden, die hierüber keine Auskunft bekommen sollten. Nein, das Finanzamt zählt nicht dazu 😉
    Nichtsdestotrotz unterschreibe ich Deine Auffassung, dass Frauen nicht in die Abhängigkeit geraten sollten. Ob das was mit Emanzipation an sich zu tun hat, ist mir dabei wurscht.
    Wir Frauen, insbesondere dann, wenn wir Kinder bekommen haben, leisten einen so immensen Berg an Arbeit – und das jeden Tag und ohne uns zu beklagen – dass es einfach nicht richtig wäre, dann noch jeden Cent und Euro rechtfertigen zu müssen. Fragen zu müssen, ob man darf oder nicht!
    Beispiel: Eine Freundin von mir war mit ihrem damaligen Freund zusammen, mit dem sie aber noch nicht zusammen wohnte. Sie hatten keine Kinder, kaum Verpflichtungen. Trotzdem fuhr er aus der Haut, als sie ihm sagte, sie würde sich gern für 5 Euro einen Strohhut kaufen wollen – für das Ausreiten an den Wochenenden. Er ist durchgedreht… So laut, dass ich es, die neben ihr stand, durchs Telefon hören konnte. Ob sie nicht genug andere Probleme hätte und ob man den Strohhut wirklich braucht etc. Ich dachte, ich werde irre. Wollte ihr dann den Strohhut kaufen, aber ihr wars komplett vergangen, sie wollte gar nicht mehr.
    Jetzt ist ein Strohhut ein Ding und kein „Versorgungsprinzip“. Aber es geht eben um das Prinzip: Man ist werktätig, bezieht ein eigenes, wenn auch geringeres Einkommen – und der andere sagt einem, wie man damit umzugehen hat?? Nein – danke.
    Auch beim Man und mir entsteht oft diese Diskussion. Wir haben getrennte Konten und leben erst seit 1,5 Jahren zusammen. Dass ich für so vieles meiner Söhne zahle und aufkomme, schmeckt dem Mann oft nicht. Aber es ist mein Einkommen, mein Verdienst – und meine Entscheidung in letzter Instanz.
    Als der Mann vergangene Woche meinte, ich solle den Job endlich aufgeben, mir was anderes suchen, um diesem Hick-Hack dort ein Ende zu bereiten und warum ich die Kündigung nicht gleich schriftlich auf den Tisch gelegt hatte, da sagte ich: „Solange ich keine Alternative habe, kündige ich auch nicht.“ – „Warum nicht? Ich verdiene genug für uns zwei, und für den Übergang wäre das doch okay.“ – „Nein, das ist es für mich nicht. Weil ich nicht von dir abhängig sein will.“ – „Ich dachte, wir sind ein Paar?!“ – „Ja das sind wir. Deswegen bin und bleibe ich aber trotzdem eine eigenständige Person.“

    • jongleurin sagt:

      Hi Helma, danke für deinen ersten Kommentar, da freu ich mich! Das sind sehr gute Beispiele – sich nicht für seine Ausgaben rechtfertigen müssen finde ich auch sehr wichtig. mit „Emanzipation“ meinte ich übrigens nicht zwingend die feministische Emanzipation, sondern die eigentliche Definition laut Duden: Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit; Selbstständigkeit; Gleichstellung. Dann passt es auch gut auf deinen Kommentar,

    • jongleurin sagt:

      Oh, du bist die Frau mit dem roten Kleid! Bei dir lese ich auch mit. Ist mir jetzt erst aufgefallen 🙂

      • Da fällt mir ein:Ich sollte wieder öfter mein rotes Kleid tragen 🙂 Mir wurde nämlich mal gesagt (aber da besaß ich die zwei roten Kleider schon), dass die Farbe einer Kampfansage gleich käme. Und aktuell… Würde das sogar auf meine Situation passen.
        Ja genau: Befreiung aus der Abhängigkeit, dafür das Hineinkommen in die Selbständigkeit und die Gleichberechtigung. Man denkt immer, dass seien doch heute gar nicht mehr wirklich die Themen – aber so was begegnet einem immer noch auf Schritt und Tritt.
        In meiner damaligen Ehe war ich diejenige, de durchweg entschieden mehr verdient hat – aber der Mann bestimmte, wofür was ausgegeben wird. Man, war ich dumm!
        Und insofern war es ein Glück, dass ich elf Jahre lang mit meinen Söhnen allein gelebt und gewirtschaftet habe. Lernte zu haushalten, einzuteilen oder aber auch einfach nur zu überleben. Harte Jahre mitunter – aber eine gute Schule. Meine Mum sagte vor Jahren mal zu mir: „Lass dir nicht die Butter vom Brot nehmen, das hast du gar nicht nötig“ – und ich habe gelernt, wie das funktioniert.
        Und je länger ich über Deinen Post nachdenke… Ja, es ist zweifelsfrei auch eine Frage des Einkommens: Man fühlt sich kleiner, geringer mit weniger oder auch gar keinem eigenen Einkommen; man entscheidet nichts, weil man sich abhängig fühlt.
        Aber meiner Erfahrung nach ist das viel zu oft auch eine Frage des eigenen (nicht vorhandenen oder zu wenig ausgeprägten) Selbstwertgefühls. Wer an sich selber zweifelt, agiert nicht, der reagiert.
        Ich sehe es an meinen Söhnen: Sohn I ist ein irrsinnig sensibler Mensch mit den feinsten Antennen, die ich je erlebt habe. Aber er glaubt nicht an sich (wofür es leider genug Ursachen gibt). Sohn II hingegen ist wesentlich „gesünder“ aufgewachsen, er geht auch entsprechend durchs Leben. Sohn II beschäftigt mich momentan – aber sorgen tu ich mich nicht. Sorgen macht mir Sohn I. Und ich glaube, wenn wir unseren Kindern etwas mit auf den Weg geben müssen, dann ist es der Glaube an sich selbst. Das Wissen um die eigene Kraft und die eigene Wertigkeit. Und von klein auf an habe ich ihnen mitgegeben: Mann und Frau sind beide gleich, da gibt es kein besser, kein schlechter. Wir sind anders, aber jeder ist gut wie er ist. Egal woher er kommt und egal, wie viel er verdient. Egal, ob Mann oder Frau. Ich persönlich bin schon überzeugt davon, dass wir Eltern den wesentlichsten Grundstein für die spätere Abhängigkeit oder Unabhängigkeit in der Erziehung legen – aber dass die Verantwortung über das Werden unserer Kinder noch zu wenig bewusst ist. Wenn ich ehrlich sein soll: Mir war das mit 20, als ich meinen Großen bekam, auch nicht klar.
        Gerade muss ich ein bisschen lächeln: Ich hab das Gefühl, ich schieße grad an Deinem Postinhalt vorbei 🙂

      • jongleurin sagt:

        Hm, schade, ich kann gar nicht direkt auf deinen letzten Kommentar antworten… Ich finde nicht, dass du über das Thema hinausschießt. Im Gegenteil, das spielt alles mit rein und ist eine gute Ergänzung für das Thema. (Edit: Ah, wird aber so dargestellt, als würde ich direkt antworten. Hervorragend!)

  2. Juristin sagt:

    Hallo,

    ich finde deinen Artikel super, denn das Thema ist spannend und es muss drüber geredet werden. (Vor ein paar Tagen wünschte ich mir in einem Posting grade ein Männergehalt *lach*). Ich stimme zwar nicht allem zu, aber es stimmt absolut, dass Geld so sehr zum Bewerten einläd. Ich finde, als Paar, insbesondere als Paar mit Kindern sollte man vorher über Geld sprechen. Und es sollte eine Regelung her, in der beide gleichwertig sind und das -ja!- sollte sich auch im Geld ausdrücken. Wenn sie Hausfrau ist, kann man vertraglich regeln, dass sie die Hälfte des Geldes auf ihr Konto bekommt, oder zum Beispiel die Hälfte des „Restes“ nach Abzug der Fixkosten. Oder jeder bekommt ein Freizeitkonto. Ich finde, auch Eheverträge werden viel zu selten geschlossen. Nur die „Reichen“ wissen, dass Geld wichtig ist, so kommt es einem da vor. In solchen Verträge finde sich durchaus Regeln wie „sie bekommt für jedes Kind 20.000 plus xxx Euro Unterhalt“. Aber das findet Ottilie Normalverbraucher ja unromantisch 😉 Ehegattensplitting finde ich aus diesen Grund auch nicht gut. Bin gespannt auf weitere Ansichten. Es sollte ein neues Bewusstsein in dieser Hinsicht her! Das finde ich auch.
    VG!

    • jongleurin sagt:

      Hallo Juristin,

      stimmt, Eheverträge bedenke ich bei solchen Situationen nicht mit. Kann man solche Verträge eigentlich auch ohne eine Ehe abschließen? Dann würde ich meiner Tochter gegebenenfalls stark dazu raten, wenn sie wirklich UNBEDINGT Hausfrau werden will.
      Ich würde es trotzdem unklug finden, weil man sich mit ein paar Jahren weniger Berufserfahrung leicht ins Aus schießt. Gerade in meinem Berufsfeld, wo sich gefühlt hunderte GeisteswissenschaftlerInnen um die aktuell ausgeschriebenen drei befristete Ein-Jahres-Verträge kloppen und man unbedingt Netzwerke braucht, ist mehr als ein Jahr Auszeit einfach nicht besonders schlau. Man bezahlt einen sehr hohen Preis dafür, dass man ein paar Jahre weniger Stress hat, denn man wird in diesen Jahren einfach nicht fachlich kompetenter, selbstbewusster und besser vernetzt, und wenn man sich auf den Kopf stellt. Die „Kompetenzen“, die man in der Elternzeit erwirbt, sind nicht erwerbsarbeitsrelevant, da können diverse Coaches behaupten, was sie wollen. Wiedereinstieg ist eine vertrackte Sache. Das funktioniert m.E. nur in Berufen mit echtem Fachkräftemangel, z.B. in der Pflege oder als Ingenieurin. Gruß zurück!

      • Juristin sagt:

        Na klar. Man kann alles vertraglich regeln, solange es nicht gesetzlich verboten oder sittenwidrig ist. Ohne Ehe gibt es ja nicht einmal den Zugewinnausgleich, da ist man dann wirklich richtig benachteiligt, wenn man beruflich / finanziell zurücksteckt und nichts regelt. Kommen Kinder, sollte eine Regelung her, finde ich. Zum Thema Beruf hast Du sicher recht, aber manchmal schlägt das Mutterherz eben in einem anderen Takt. Da müsste es viel flexiblere Lösungen geben, finde ich, als alles oder nichts.

    • jongleurin sagt:

      Gut zu wissen, das mit den Verträgen. Und ich stimme dir zu – zwischen alles oder nichts muss es noch andere Möglichkeiten geben. Mein bevorzugtes Modell wäre eben die wirtschaftliche Unabhängigkeit, die es auch schpn bei 30 Stunden Wochenarbeitszeit oft gibt. Für dieses Pensum braucht es allerdings gerade bei sehr kleinen Kindern den emanzipierten Mann, den du in einem Beitrag bei dir gefordert hast. Ach, es ist sehr komplex.

  3. Liebe jongleurin,

    auch ich lese schon eine Weile bei dir und verfolge mit großem Interesse deine Ausführungen zu Arbeiten mit Kind und 50/50 Modell.

    Im Hinblick auf die eigene Zukunft stelle sich mir häufig die Frage: Wie den Spagat zwischen Mutter sein und Karriere stemmen.

    In meinen vergangenen Beziehungen habe ich bis auf eine Ausnahme wesentlich besser verdient als meine Partner. Nach dem Abi Duales Studium, in der „Ausbildungsfirma“ zu sehr guten Konditionen übernommen worden, nebenbei kleine Selbstständigkeit aufgebaut, zweites Studium mit der Selbstständigkeit nebenher. Mittlerweile bin ich kaufmännische Geschäftsführerin im mittelständischen Betrieb des Onkels meines Partners. Und nebenher noch die Selbstständigkeit. Mein Job erfordert regelmäßige Geschäftsreisen, auch über einen längeren Zeitraum. Die nebenberufliche Selbstständigkeit müsste ich mit Kind wohl aufgeben oder mich nur darauf konzentrieren.

    Wenn alles kommt, wie ich mir das vorstelle und sich die Rahmenbedingungen nicht verändern, dann sind die Voraussetzungen gegeben für eine gute Vereinbarkeit von Kind und Job(s). Nur, Garantie gibt es keine. Parameter, mit denen ich jetzt kalkuliere können sich schnell verändern.

    Meinem Eindruck nach sind die Strukturen in Gesellschaft und Berufswelt noch zu festgefahren und unflexibel. Die Vereinbarkeit von Beruf, Job und gesicherter Kinderbetreuung ohne drei, vier Betreuungseinrichtungen/-Möglichkeiten, um über den Arbeitstag zu kommen, hat noch viel Spielraum nach oben. So bin ich z.B. bei uns im Betrieb stark dahinter, den MitarbeiterInnen durch flexible Modelle, betriebliche Betreuungsmöglichkeiten, Anregung von Elternzeit bei den Vätern, Home-Office (leider nur beim kleineren Teil der Belegschaft möglich) usw. Kind und Job zu erleichtern.

    Wenn ich mich bei Studienfreundinnen und ehemaligen Kommilitoninnen so umschaue, sind es am Ende meist die Frauen, die in der „Falle“ landen, obwohl sie im Vergleich zu ihren Partnern die deutlich bessere Einkommen erwirtschaften könnten. Ich weiß, wie unglücklich und frustriert zwei dieser Frauen in ihrer aktuellen Rolle sind. Weil sie sich a) nicht als Mutter mit Teilzeitjob außerhalb des Studienbereichs sehen und b) die Rahmenbedingungen vor Geburt des/der Kindes/r anders abgesprochen waren und am Ende die jeweiligen Partner einen Rückzieher machten.

    Egal für welches Modell Eltern sich entscheiden, klassisch, Mann zu Hause, Frau Vollzeit, beide 30 Stunden/Woche, ich finde es wichtig, dass die Bedürfnisse aller gerecht werden. Persönlich und finanziell, aktuell und auf die Zukunft gesehen (Rente, finanzielle Absicherung im Falle einer Trennung).

    • jongleurin sagt:

      Hallo Ella, danke für deinen Kommentar so „aus der Praxis“. Ich bin so ziemlich der gleichen Meinung wie du, vor allem deine Gedanken bezüglich einer „Mehr-Komponenten-Lösung“ finde ich spannend.
      Es stimmt, auch die in der Beziehung besser verdienende Frau kann natürlich in dieser Falle landen – dann muss sie es aber entweder so wollen oder irgendetwas ist sehr merkwürdig gelaufen. Der „Rückzieher“ des Mannes ist dabei natürlich besonders böse. Bei mir ist so etwas Ähnliches passiert und war der stärkste Trennungsgrund vom Vater meines Kindes. Das ist jetzt über zwei Jahre her und macht mich immer noch wahsinnig wütend, wenn ich daran zurückdenke, wie er mich damit einfach alleine gelassen hat. Das werde ich ihm nie verzeihen können. Erst nach der Trennung hat er dann wirklich seine vorher besprochenen 50% übernommen, und das Leben mit Kind wurde so, wie ich es mir vorgestelt habe. Ein bisschen bitter, so etwas.
      Ich wünsche dir, dass du das alles so hinbekommst, wie du dir das vorstellst. Aber es liest sich sehr viel versprechend, finde ich!

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