Brüste auf dem Titelbild

Ich verweise heute mal auf eine andere Seite: bei buzzfeed widmet sich hier ein Quiz der Frage, warum auf Titelblättern von Nachrichten-Magazinen so derbe oft nackte Brüste zu sehen sind. Das „Warum?“ ist hier wörtlich zu nehmen – welches Titelthema steht eigentlich hinter dem offensichtlich dringenden Bedürfnis, es mit nackten Brüsten zu bebildern? Netterweise stellt die Autorin Juliane Leopold zu jedem Bild drei Antwortmöglichkeiten zur Auswahl. Der Effekt ist frappierend: irgendwann schwirrt einer vor lauter Brüsten der Kopf. Und man erkennt, dass die Brüste auf völlig beliebige Art auf das Titelblatt befördert werden: im Prinzip kann man ALLES mit Brüsten bebildern. Man muss es nur wollen. Und offensichtlich wollen das die meisten Magazin-Redaktionen, was auch ein Zitat von Matthias Matussek, seines Zeichens irgendwie bekannter Journalist, eindrucksvoll unterstreicht: die SPIEGEL-Redaktion etwa sei eine„Großredaktion mit 300 vorwiegend Testosteron-gesteuerten Bullen“.

Joah. Lass ich mal so stehen, das spricht mehr für sich, als ich es wortreich kommentieren könnte.

Nur soviel: Neben dem offensichtlich recht geringen Frauenanteil in manchen Redaktionen und generell vor allem in medialen Entscheidungspositionen ist ein Teil des Problems, dass Matussek dies nicht kritisch oder auch nur ironisch, sondern eher genußvoll meinte. Matussek selber ist inzwischen ein wenig durchgedreht ob seiner Position in der Medienbranche, so dass er selbst als alter weißer Mann so oft über die Stränge geschlagen hat, dass ihm einige seiner Privilegien von den anderen alten weißen Männern aberkannt worden sind. (Nein, keine Angst, nicht wegen seiner Frauenfeindlichkeit, das wäre nun wirklich zu verrückt. Er hat einen anderen alten weißen Mann, der in der Hierarchie über ihm stand, öffentlich beleidigt. Das ist etwas ganz anderes!) Ich bin ganz sicher: Männer wie ihn gibt es sehr viele, und nicht wenige davon lungern in meinungsrelevanten Redaktionen in Führungspositionen herum. Das schafft natürlich eine bestimmte Kultur, eine, die nackte Brüste sehr wünschenswert findet, egal zu welchem Thema.

Okay, hier meine Forderungen gegen die Matusseks dieser Welt und ihre Kultur, die mich persönlich sehr nervt: 1. Die Quote ausweiten, definitiv bitte auf die Leitungsstellen in Medienanstalten und Redaktionen. Hier werden Bilder und Geschichten geschaffen, hier braucht es eine repräsentative Vertretung beider Geschlechter. Und der Frauenanteil in der Belegschaft ist meist sowieso frappierend hoch, das würde reibungslos funktionieren.  2. Die Matusseks nicht schweigend hinnehmen. 3. Wer Söhne hat, möge diese bitte so erziehen, dass sie keine Matusseks werden.

Testosterongesteuerte Bullen, also wirklich.

 

 

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