Nolde in Hamburg

Letzten Samstag war ich mit Madame C. in der Hamburger Kunsthalle, wir wollten die Ausstellung „Nolde in Hamburg“ anschauen und gönnten uns eine Führung. Das lohnte sich in jeder Hinsicht: Die Führung war günstiger als ein Audio-Guide, und wenn sich unser Führer (hehe!) auch etwas mehr über den Klatsch und Tratsch um den Künstler als über die Bilder ausließ, war er doch sehr charmant dabei.

Auch die Ausstellung war sehenswert. Nolde war offensichtlich ein schneller Arbeiter, der hunderte Kohle-Zeichnungen und Tusche-Werke vor allem vom Hamburger Hafen und der Alster produzierte. Auch Holzstiche waren viel vertreten, so dass große Teile der Ausstellung fast japanisch anmuteten. Vier Räume der Ausstellung waren dieser Hamburger Phase gewidmet, die insgesamt nur drei Wochen in Noldes Leben in Anspruch nahm.

Die übrigen vier Räume – die Ausstellung war angenehm übersichtlich mit ihren acht Räumen – zeigten Noldes Werke und die Beziehung des Künstlers zum Kunstleben der Hansestadt, der Hamburger Kunsthalle und den Nationalsozialisten. Zu letzteren hatte Nolde ein sehr zwiespältiges Verhältnis: als Expressionist wurde seine Kunst als entartet eingestuft, er war aber recht überzeugter Fan von Hitler und dem Nationalsozialismus und schockiert bis entsetzt über die Einordnung seiner Bilder. Das muss traumatisch gewesen sein für den armen Mann! Beinahe mitleidig, aber immerhin klüger schauten wir uns die gesamte Ausstellung noch einmal von vorne im Schnelldurchlauf an.

Mir persönlich gefielen die Tusche- und Holzschnittarbeiten am besten. Expressionisten in Öl sind mir meist zu „streifig“, die grobe Struktur ist nicht so meins. Und Nolde hat sich da wirklich gehenlassen, er hat gestreift wie ein Wahnsinniger. Trotzdem hatte ich einige Favoriten, die nicht nur schwarz-weiß waren.

Besonders schön fand ich das obige Bild: Mühle am Wasser. Das würde ich mir sofort übers Sofa hängen. Und dieses hier: Hülltoft Hof. Wenn er auf die Streifen verzichtet, kann ich die Farbpracht dieser Bilder besser würdigen, und Nolde hatte ab und an Erbarmen, so dass ich ziemlich fasziniert die Leuchtkraft der Bilder bewundern konnte.

In der Ausstellung waren die Bilder übrigens viel schöner. Also gerne alle hin da und sich Nolde anschauen, es lohnt sich!

 

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2 Kommentare zu “Nolde in Hamburg

  1. arboretum sagt:

    In der FAZ erschien anlässlich der großen Nolde-Retrospektive 2014 im Frankfurter Städel ein Artikel, der Sie vielleicht auch interessiert.

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