Tagebuch 01/16

Frau Brüllen fragt alle, die es sagen wollen: Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Bei mir wird es heute enorm langweilig. Die Krabbe ist noch beim Papa und wird erst morgen übernommen, D. ist unterwegs und ich habe außer arbeiten nicht viel vor. Nun denn!

7:00 Der Wecker klingelt, ich bin zerschlagen. Die Nacht auf Montag steckt mir noch in den Knochen – ich hatte das typische Letzter-Urlaubstag-schlaflos-Syndrom. Außerdem hatte D. WIRKLICH laut geatmet. Egal, heute ist alles besser. Ich wuchte mich hoch und mache mir einen Kaffee, den ich im Bett mit dem Buch „Americanah“ trinke.

07.30 Aufstehen, Zähne putzen, dick anziehen. Es ist enorm kalt draußen. Und windig. Ich hasse diese Kombination. Ich schmiere mir ein Brot und nehme noch einen Kaffee mit auf den Weg in dem todschicken Kaffee-to-go-Becher, den ich zum Abschied aus Berlin bekommen hatte. Da muss ich allerdings schnell trinken, er isoliert nicht so gut.

8:00 Kurzes Telefonat mit dem Hamburger Verkehrsverein: meine Monatskarte ist noch nicht angekommen, obwohl sie ab heute gültig sein sollte. Ich entschließe mich, heute grau zu fahren und das Ding gegebenenfalls nachzureichen.

8:30 Sprint zum Bus. Das ist kompliziert an meinem Stadtteil: der Bus ist die einzige Möglichkeit, die S-Bahn zu erreichen, die wiederum die einzige Möglichkeit ist, die Insel zu verlassen, also alternativlos bei diesem Wetter. Der Bus ist immer arg voll. Theoretisch fährt er alle 5 Minuten, aber faktisch wird das dadurch konterkariert, dass er im Wechsel von weit weg und von nah startet. Startet er von weit weg, hat er immer 5 Minuten Verspätung. Deshalb ist es meist so, dass alle 10 Minuten zwei Busse von meiner Haltestelle aus fahren. Ich lerne gerade, welche zehn Minuten das sind und welcher Bus angenehmer ist (meist der zweite. In den ersten steigen stumpf immer ALLE ein, egal wie voll er schon ist und ob direkt dahinter noch ein komplett leerer Bus steht. Das ist natürlich nur so lange praktikabel, bis mal der zweite Bus den ersten überholt, aber das kommt erstaunlich selten vor. Dennoch: Holzauge, sei wachsam! Man kann so viel falsch machen!), damit ich nicht immer acht Minuten doof in der Gegend herumstehe und wütend werde. Heute klappt es mit Sprint.

09:00 Der Rest der Verbindung klappt auch gut, das Doofste sind 6 Minuten Warten auf die S-Bahn bei Wind und -6 Grad. Ich schreibe eine SMS an Madame C., ob wir ein After-Work-Treffen hinbekommen – ich muss zum Dinge erledigen in ihren Stadtteil.

09:05 Juhu, ich bin bei der Arbeit! E-Mails sortieren, Bürogemeinschaft beschnacken, telefonisch den gleich folgenden Termin mit dem Chef verifizieren.

10:00 Bürgerinnenanfragen bearbeiten, Termine in den Kalender eintragen. Die Kollegen wollen zu Mittag zum Inder gehen, ich verweigere mich aus pekuniären Gründen.

13:00 Ich breche auf Richtung Termin und esse auf dem Weg einen Salat beim Bäcker. Gar nicht schlecht war der, der Salat! Madame C. teilt zwischendurch mit, dass sie keine Zeit habe.

14:00 Ich treffe den Chef vor dem Haus, in dem der zu beterminende Verein sitzt. Man erkennt sich kaum im Schneetreiben und so dick eingemummelt, wie man eben ist. Beim Termin selber erzählen die Vorstandsfrauen, wie ihr preisgekröntes Projekt entstanden ist. Ich mache Notizen und schaue kompetent. Die Vorsitzende ist gebürtige Iranerin, so dass das Gespräch bald auf die Iran-Reisen des Chefs kommt. Dann geht es um die Situation der Flüchtlinge und die Fluchtursachen. Die Damen sind sehr empathisch und reagieren ausdrucksstark und staunend auf die Ausführungen meines Chefs, die ich inzwischen schon kenne. Ich fühle mich merkwürdig, als ich nicht weiß, wen ich spiegeln soll: den Chef? Nee, ich war ja nicht auf den Reisen dabei. Die Damen? Also nein, überrascht bin ich ja nun wirklich nicht, und dann würde der Chef sich eventuell verhöhnt vorkommen. Ich brauche noch einen angemessenen Gesichtsausdruck für solche Situationen.

15:30 Wieder im Büro – ich schreibe einen Bericht über den Besuch für die Homepage, den der Chef wunschlos glücklich abnickt, beantworte und leite ein paar Mails weiter und breche in den Feierabend auf.

17:30 Schwedischer Textildicounter: ich brauche ein paar Basics, die Krabbe Unterhöschen (Größe 98! Diese winzigen Dinger sind SO süß!) und einen Schlafanzug.

18:30 Es gibt Essen. Bratnudeln und Hühnchen-Gemüse beim Asia-Imbiss.

19:30 Zu Hause. Ich mache mir einen Tee, werfe mich aufs Bett, tippe diese Worte und warte auf D., der gegen 20:30 hineinschneien, seine Boulder-Sachen schnappen und wieder verschwinden wird. Ich mag heute nicht gehen, mein Arm tut seit dem letzten „3 Tage hintereinander Sport“-Turnus nachts weh. Eine Pause scheint vonnöten zu sein.

Danach ist nichts mehr geplant. Eventuell schaffe ich noch eine Folge „Peaky Blinders“, die ich handlungstechnisch eher mau fnde, aber ich schaue gerne Cilian Murphy dabei zu, wie er sein Gesicht bewegt. Hat was.

Nun denn, schönen Feierabend allerseits!

 

 

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