Die beste Mail nach der Geburt

Nach der Geburt der Krabbe bekam ich natürlich viele Glückwunsch-Mails. „Genieß die erste Zeit, das ist das allerbeste“, war der Tenor. Fand ich irritierend – ich hatte im Wochenbett nix zu genießen. Der Papa glänzte durch Abwesenheit, arbeitete tagsüber, ging abends zum Sport und jammerte zwischendurch, weil ich ihn nicht auf Surftrips ließ. Ich war angespannt wie eine Feder: wenn die Krabbe schlief, wartete ich darauf, dass sie aufwachte. Durch dieses Warten kam ich zu nix. War sie wach, wartete ich darauf, dass sie einschlief. Dabei hatte ich es eigentlich recht leicht, sie hatte etwa sechs Wochen lang eine abendliche Schreistunde, war aber ansonsten recht sonnig und entspannt. Ich gab mein Bestes, es ihr gleich zu tun, aber ich war sehr weit davon entfernt, irgendetwas zu genießen.

Die einzige Mail, die ich angebracht und immer noch wahr finde, enthielt den Zusatz: „Es wird immer noch besser.“ Ja, das stimmte. Abgesehen davon, dass ich mich vom Papa trennte und mit D. eine glückliche Beziehung einging, wurde es auch mit der Krabbe immer besser. Inzwischen ist sie fast drei Jahre alt, die Anspannung wurde immer weniger, je mehr ich mich mit ihr verständigen konnte. Inzwischen bin ich nicht mehr angespannt. Und ich warte nicht mehr auf irgendetwas, sondern genieße den Augenblick. Also außer auf kalten Spielplätzen, da warte ich ganz dringend auf den Aufbruch.

Mir war schon immer klar, dass ich keine passionierte Baby-Mama bin. Ich bin froh und etwas erleichtert, dass mir das Muttersein inzwischen so viel leichter fällt.

Und ich habe daraus etwas gelernt: auch Glückwunsch-Mails nach einer Geburt können die Empfängerin schmerzhaft verunsichern und sehr negative Gefühle auslösen, vor allem beim ersten Kind, bei dem man viele Erfahrungen einfach noch nicht hat. Jetzt muss ich nur noch eines erledigen: die beste, schönste und trotzdem realistische Glückwunsch-Mail, nicht länger als drei Zeilen, für Neu-Eltern entwerfen.

„Es wird immer noch besser“ ist schon mal ein guter Anfang.

 

 

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5 Kommentare zu “Die beste Mail nach der Geburt

  1. Zum Glück hattest du kein nicht-schlafen-wollendes Schreibaby, das auch nachts stündlich aufwachte – monatelang. Nur aus Interesse: wie lange nach der Geburt habt ihr euch getrennt?

    • jongleurin sagt:

      Allerdings, das war Glück. Ich finde es im Nachhinein enorm schade, dass ich trotzdem so angespannt war.

      Die Trennung hat neun Monate nach der Geburt stattgefunden, zur großen Überraschung des Kindsvaters (edit: hier stelle man sich einen sarkastischen Tonfall vor. Der Kindsvater hat alle Warnungen und Rettungsversuche meinerseits, die etwa sieben Monate lang stattfanden, ignoriert und war der Meinung, alle sind glücklich. Irgendwann war dann Schicht im Schacht). Die Krabbe dagegen trug es mit Fassung – sie hatte ihre Eltern auch vorher nicht viel zusammen erlebt.

  2. Beim zweiten wirst du entspannter sein. Selbst dann, wenn es etwas anstrengender sein sollte. So eine frühe Trennung scheint den Vorteil zu haben, dass die Krabbe es gar nicht anders kennt. Und jetzt kümmert sich der Vater ja wohl recht gut, oder?

    • jongleurin sagt:

      Das denke ich auch, dass ich beim zweiten kompetenter bin! Auch partnertechnisch bin ich besser gerüstet 🙂
      Ja, die frühe Trennung war wirklich gut, denke ich. Da gab es keine Probleme. Jetzt ist die Krabbe 50% der Zeit beim Papa, wobei ich glaube, dass er viel delegiert an seine Freundin, Mutter, Mitbewohnerinnen. Aber: ja, er kümmert sich in dieser Zeit, und sei es um das Delegieren! Da bin ich sehr froh, auch für die Krabbe.

  3. […] Jongleurin – die beste Mail nach der Geburt […]

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