Wechselmodell und Netzwerke

Durch das Wechselmodell – die Krabbe wird ziemlich genau hälftig vom Papa und von mir betreut – ergibt sich eine relativ unstete Beziehung zu anderen Eltern, denn andere Eltern treffe ich meist nur mit der Krabbe. Das Ganze wird dadurch verstärkt, dass die Krabbe im Stadtteil des Papas zur Kita geht. Das führt dazu, dass ich mit den Eltern der Krippengruppe eher selten im Kontakt bin. Es sind durchaus nette Menschen dabei, bei denen es sich vielleicht lohnen würde, den Kontakt auszubauen – aber es ist einfach nicht mein Hood. Und so gerne ich auch mit Menschen zu tun habe, ich finde es oft anstrengend, neue Kontakte auszubauen. Es fehlt mir ein wenig an Motivation.

In meiner Nachbarschaft wiederum habe ich nicht viele, aber robuste Anknüpfungspunkte mit anderen Eltern. Ich kenne noch die Mütter-Kolleginnen, meine alte WG mit Kind und habe – Gott sei Dank, sonst würde ich kindertechnisch vereinsamen oder müsste mich doch den Kita-Eltern anschließen – die sehr ergiebige Hausgemeinschaft. Inzwischen wird sogar von den 5jährigen Nachbarskindern gefragt, ob die Krabbe nicht zum Spielen rauskommen möchte… die besten Nachbarn sind immer für eine Spiel-Session und Kinder-Tauschs zu haben, und im Innenhof ist oft was los. Hier kann ich mich mit den anderen Eltern austauschen, wenn ich möchte. Und wenn ich nicht möchte, geh ich wieder rein, und die Krabbe spielt draußen weiter. Das ist absolut herrlich und ziemlich luxuriös, wie ich finde, ich genieße das sehr. Da aber die Krabbe die Hälfte der Zeit nicht da ist und wir in der Eltern-Szene dann nicht präsent sind, sind Kind-Verabredungen kein Selbstläufer. An meinen kindfreien Tagen hänge ich eben nicht anlasslos im Innenhof herum und betüdele die anderen Kinder oder deren Eltern. Da mache ich Erwachsenen-Zeug. Und ich kann nicht erwarten, dass die anderen Familien den Wechsel-Rhythmus meines Familienmodells auswendig kennen – da ist also eine ziemlich deutliche Grenze zwischen den Welten.

Es gibt immerhin Mütter-Kolleginnen oder deren Männer, die auch sehr gerne und oft zum Beispiel abends ohne Kinder unterwegs sind, die sind immer dankbare Ansprechpartnerinnen an meinen krabbefreien Tagen – oder an den Tagen mit Krabbe, an denen ich rauswill und D. aufpasst. Auch die besten Nachbarn treffe ich ohne Krabbe. Das ist eigentlich das Optimum, denn diese Menschen verbinden meine beide Welten, aber wenn ich scharf darüber nachdenke, beschränkt sich ihre Zahl auf ca 2,5 Leute.

Fakt ist: ich habe dank des Wechselmodells drei soziale Kreise, die sich wenig überschneiden. Der Kita-Kreis – also die Freunde der Krabbe, wenn man so will -, der Freundeskreis ohne Kinder und der Freundeskreis mit Kindern. Und keiner hat die Gelegenheit, so richtig MEIN Ding zu sein, weil ich jeden davon brauche, keinen davon aufgeben will und je nach Krabben-Präsenz ein anderer Kreis wichtig ist. Da herrscht mal wieder Flexibilität in meinem Leben – je nach Tagesform finde ich das äußerst hervorragend oder etwas energiefressend.

Es wird immerhin einfacher, diese sozialen Sphären zu vermengen, je größer die Kinder werden, weil die Eltern selbstständiger werden und die Kinder immer kompatibler zu Erwachsenen-Verabredungen werden… Schauen wir mal, wie das weiter geht.

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