Stress am Morgen

Nachdem ich mich erfolgreich durch das Pendeln etwa 2 Jahre davor drücken konnte, die Krabbe vor der Arbeit in die Kita bringen zu müssen – geht ja LEIDER nicht, wenn man schon 7 Uhr morgens im Zug sitzen muss – und das ausschließlich an meinen freien Tagen erledigen konnte, erlebe ich jetzt einen harten Realitätsschock.

Ich gebe zu: Ich habe so ganz tief in meinem Herzen bisher nicht verstehen können, was um Himmel willen morgens so stressig sein soll. Hatte ich ja auch gemacht: Kind angezogen, zum Bus bringen, rechtzeitig zum Frühstück in der Mäusegruppe ankommen, gemütlich wieder nach Hause fahren, Kaffee trinken. Easy-peasy. Machen wir dann genauso, wenn ich danach zur Arbeit muss.

Was ich nicht wusste: die Dynamik ändert sich, wenn man es etwas eiliger hat und gleichzeitig weder Kind noch Mutter an die Situation einer gemeinsamen eiligen Morgentoilette gewöhnt sind. Wo ich an meinen freien Tagen großzügig noch 5 Minuten bei der Anziehzeit aufschlagen konnte, weil es darauf nicht ankam, werde ich jetzt etwas angestrengt. Das merkt die Krabbe und versucht gewitzt, diese neue Situation zu ihrem Amüsement zu verändern. Einfach immer schnell weglaufen, wenn die Mama mit der Strumpfhose wedelt! Und alles ablehnen, was darüber hinaus mit Anziehen verbunden ist. Sowieso jetzt anziehen nur noch im Bett, weil sie dort den Schnuller noch haben darf. Windeln? Nee. Nein, sie sagt nicht Bescheid, wenn sie Pipi muss, sie möchte (man stelle sich hier einen sehr begeisterten Tonfall vor) „in die Strumpfhose pischern!“ 

Und das ist nur der Teil , bis sie ihre Oberbekleidung an hat. Jacke, Schuhe, Schal, Mütze – jedes Teil eine Geschichte für sich. Buggy, Laufrad, mit Puppe oder ohne, mit Milch oder ohne, das Anziehen des Fahrradhelms und die Frage, ob er zu eng ist oder noch wackelt, was beides absolut nicht geht – Fakt ist, ich bin schon durch und durch verschwitzt, bevor wir überhaupt das Haus verlassen. Und dann hat der Bus Verspätung und kommt erst in zehn Minuten.

ÄCHZ.

Okay, wir lernen dazu – jetzt beim vierten Mal ging es schon stringenter voran, während ich die ersten beiden Male sehr laut geworden bin vor lauter Hilflosigkeit und die Krabbe mich irritiert fragte: „Warum bist du so sauer?“ Ja mei, weil die Mama so inkompetent ist. Und dann noch schlechtes Gewissen – der Tag fängt richtig super an. Die Krabbe ist von einer zornigen Mutter allerdings beeindruckend unbeeindruckt, so richtig furchteinflößend scheine ich nicht zu sein.

Ich brauche eine Taktik. Wie war das beim Studentinnenjob im Call Center bei der De-Eskalationsschulung? Zuhören, nachfragen, verstehen, Lösung anbieten und immer befehlsfreies Formulieren ohne Konjuktive. Freundlich, aber bestimmt, und kein Rumeiern. Das werde ich hier auch mal versuchen.

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6 Kommentare zu “Stress am Morgen

  1. Maike sagt:

    Willkommen in der realität ;-))

    ich hab das mal zwei zu hause…

  2. jongleurin sagt:

    Wenn D. mitmacht, führt das im Moment eher noch zu Streit, weil wir in Stresssituationen sehr verschiedene Herangehensweisen haben. Ich hoffe, das wird irgendwann besser.

  3. kinder unlimited sagt:

    so kleine Wesen können die interessantesten Strategien entwickeln, um einfach mal so zu sehen, wie weit es geht 😉 Mal sehen, wer von euch beiden schneller lernt ;-))

  4. Die Taktik erscheint mir sehr gut, habe ich mir gleich mal rauskopiert. Was für ein Glück, dass die Krabbe so „schwierig“ war, sonst hätte ich davon nicht erfahren 🙂

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