Tagebuch 10/2015

Frau Brüllen fragt: was machst du heute eigentlich den ganzen Tag? Meine Rahmenbedingungen: ich bin alleine mit der Krabbe, D. ist in New York, der Papa in Frankreich. Bisher kommen wir ganz gut zurecht, nur der Samstag war so ganz alleine hart, weil die Krabbe keinen Mittagsschlaf gemacht hatte und am Nachmittag die Stimmung kippte. Aber jetzt geht es um heute.

01:00 Die Krabbe kommt rüber in mein Bett und wälzt sich geschlagene zwei Stunden neben mir. Irgendwann verliere ich die Contenance, werde ungeduldig und etwas harsch, was zu einem Weinkrampf beim müden Kind führt und mich mit sehr schlechtem Gewissen auch nicht besser einschlafen lässt. Das ist nicht so gut gelaufen.

07:00 Wir quälen uns trotzdem hoch, es nützt ja nichts. Milch fürs Kind, Kaffee für die Mama, kuscheln im Bett.

07:30 Die Krabbe wird gewickelt und angezogen. Sie spielt noch ein wenig, was mir etwas Luft verschafft, will dann aber natürlich partout nicht los in die Kita. Ich packe sie in den Buggy, das ist bei Eile praktischer als das Laufrad.

08:00 Bus verpasst, der nächste ist überfüllt. Ich drängele und motze und habe hinterher ein schlechtes Gewissen. Ich bin doch nicht in Berlin! Wieso versaue ich denn hier allen die Stimmung… Immerhin schaffe ich es, mich beim Aussteigen zu entschuldigen bei dem armen Menschen, der es neben mir aushalten musste.

08:30 Ankommen in der Kita, die Krabbe ist dösig. Nachdem ich sie zum Reingehen auf den Arm nehme und frage, ob sie müde ist, lässt sie die Augen den ganzen Weg bis zur Mäusegruppe geschlossen – sie schläft, erklärt sie lächelnd auf Nachfrage. ❤

9:00 Kaffee und Brötchen, noch schnell zur Apotheke-

9:30 Home-Office. Den letzten Bürgerbrief beantworten, Übergabe vorbereiten, ein neues Projekt vorantreiben, dass die Büromitbewohnerin dann weiter verfolgen muss, Arbeitszeugnis schreiben. Gott, ich bin müde.

13:00 Mittagspause. Tagebuchbloggen! Zum Mittagessen gibt es Brot mit Ziegenkäse und von D. gekochten Apple-Chutney, außerdem Spekulatius. Sehr großartig.

15:30 Feierabend, ich hänge noch eine Wäsche an die Leine am Balkon. Solange es trocken ist, will ich das nasse Zeug an der frischen Luft haben. Noch ein wenig WhatsApp mit D. in New York, dann breche ich auf.

15:45 Auf zur Kita. Auf dem Weg besorge ich noch Laugenstange und Vollkornbrötchen, die Krabbe steht auf Abhol-Snacks und ich brauche auch noch einen Happen. Im Bus lese ich ein paar Seiten „Gehe hin, stelle einen Wächter“, das mir zwar sehr gefällt, aber zumindest bis zum ersten Drittel nicht so recht in Schwung kommt. Ich hoffe auf einen Hauch mehr Action im zweiten Teil.

16:00 Die Krabbe ist zufrieden, dass sie abgeholt wird, rutscht noch einige Male vorwärts auf dem Bauch und lässt sich per Laugengebäck in ihren Buggy locken.

16:20 Die Drogerie wird geentert. Ich habe keine Lust auf einen vollwertigen Einkauf, brauche aber ein paar Dinge. Da ist Budni immer eine dankbare Alternative, vor allem weil die Krabbe gerne professionell abwägend murmelnd vor dem Baby-Regal steht (Schnuller sind sehr attraktiv für sie) und mir einen Eindruck vermittelt, wie ich beim Einkaufen so aussehe. Ausgestattet mit dem Nötigsten und rosa Kinder-Shampoo (Ergebnis des abwägenden Murmelns) gehen wir nach Hause. Im Hof treffen wir die neuen Nachbarn mit 1,75 Jahre alten Sohn und vier Monate alter Tochter (keuch! Alleine der Gedanke macht mich erschöpft). Nach einem kurzen Plausch geht es hinein, noch etwas kuscheln auf dem Bett mit dem unsäglichen Ritter Vincelot.

18:15 Ich mache mich ans Abendessen: Pfannkuchen. Für die Krabbe mit Zucker und Zimt, für mich mit Spinat und Gorgonzola. Ha, frisch gekocht! Ich bin eh sehr stolz, wie ich das alles hinbekomme, so alleine mit Krabbe und Arbeit und Haushalt. Es sieht echt ganz ordentlich aus. Ich praktiziere gerade „eine Viertelstunde pro Tag aufräumen, aber dann auch konzentriert“, was erstaunlich gut wirkt. Wenn ich nicht aufpasse, werde ich noch eine begnadete Hausfrau! Mir ist etwas schwindelig vor Entzückung über mich selbst.

19:00 Die Entzückung hält an, die Krabbe putzt sorgfältig den Tisch, bis in die hinterste Ecke. Erst mit Feuchtuch, dann mit Schwamm, das Ding ist perfekt sauber. Das macht sie gerne nach dem Essen. Ich sag nur: Aszendent Jungfrau. Wir sind ein Hausfrauen-Team!

19:30 Die Krabbe wird bettfertig gemacht.

20:00 Das große Buch der Elefanten. Tatsächlich nicht uninteressant. Doll, was ich jetzt alles über Elefanten weiß!

21:00 Die Krabbe schläft. Ich werde heute die Viertelstunde aufräumen ausfallen lassen – immerhin muss ich den Tisch nicht mehr abwischen, da kann man auch mal die Füße hochlegen – und nehme mir noch ein paar Seiten „Gehe hin, stelle einen Wächter“ vor sowie eine Weile House of Cards. Die zentrale Frage gerade für mich: Was macht Doug da eigentlich? Ich versteh die Rolle momentan nicht. Ist er Doppel- oder Dreifach-Agent, und wird seine mir nicht deutlich gewordene Strategie erfolgreich sein? Dem muss ich nachgehen. Hoffentlich schlafe ich nicht sofort ein.

Das war ein guter Tag, jedenfalls ab der Tagesmitte, wenn auch durch die Müdigkeit etwas surreal. Gute Nacht, Internet-Welt!

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