„Ich könnte das nicht“

Mein Hassenssatz. Ich habe ihn bereits oft gehört, immer von anderen Müttern, und es bezog sich immer darauf, dass ich die Krabbe in den Augen der anderen Mütter (zu) wenig bei mir hatte oder habe. Dass ich pendelte, dass sie vier Wochen mit dem Papa nach Frankreich fuhr, als sie 8 Monate alt war, dass ich sie mit einem halben Jahr regelmäßig über Nacht bei ihrem Vater ließ, wenn ich arbeitenderweise in Berlin weilte. 

Interessanterweise sagen das NUR Mütter. Weder die Kita noch irgendein Vater noch meine kinderlosen Freundschaften haben das auch nur einer Bemerkung für wert gehalten, ich habe nur sehr oft gehört, dass ich mich gar nicht verändert hätte nach dem Übergang ins Muttersein. Das finde ich gut.

„Ich könnte das nicht“ war oft mit einem positiven Satz oder einer Bemerkung verbunden, á la „Wow, das ist ja toll, aber ich könnte das nicht!“ Joah. Was soll ich dazu sagen, außer in Begründungen und Rechtfertigungen zu verfallen? Ich kann es halt, und ich mache es gerne.
Irgendwann stand es mir bis hierhin. Ehrlich gesagt: so langsam ist es mir wumpe, ob irgendjemand anders das nicht kann.

Ich zum Beispiel könnte auch nicht drei Jahre zu Hause bleiben und ein Kleinkind betreuen. Sage ich den entsprechenden Müttern aber nicht. Ich bemitleide sie heimlich ein bisschen, dass sie anscheinend einen Job haben, den sie nicht besonders mögen, einen Kindsvater, der keinen Bock auf Kümmern hat oder das nicht durchsetzen kann, gestehe mir im selben Gedankenschritt, wie schrecklich meine Vorurteile sind und halte die Klappe. Also meistens. Wenn ich die entsprechende Mutter sehr gut kenne, werde ich leider tatsächlich manchmal etwas missionarisch. Aber nur dann.

Zu meinem Modell aber wird so oft kommentiert, dass ich langsam das Verständnis verliere. Es ist wahrscheinlich dieselbe Konnotation, wie es Frauen abseits des Schönheitsideal oder der Moderichtlinien manchmal hören: „Das ist aber mutig!“ und die Adressatinnen sich dann ärgern. Es soll Bewunderung ausdrücken, dass der Gegenüber weiter geht als man selber sich trauen würde, man es aber trotzdem irgendwie gut findet, aber eben nur begrenzte Bewunderung, irgendwie ist man alarmiert, da stimmt was nicht, ACHTUNGACHTUNGACHTUNG. Es schwingt so eine Art angenehmer Grusel mit: huh, die macht was voll Krasses, ein Glück muss ich das nicht machen, das ist so ANDERS und irgendwie freaky. Und bei „Das könnte ich nicht“ schwingt eben auch die Frage mit: „Wie kannst du nur?“

Ich möchte das nicht, es hat mich sehr verunsichert in Bezug auf Entscheidungen, mit denen ich sehr glücklich war und bin. Die Ambivalenz des Satzes verstehe ich aber erst jetzt, nachdem er sehr viel seltener geworden ist und ich den Abstand für eine ordentliche Reflektion habe.

Ach, ich freue mich auf mein zweites Kind irgendwann, bei dem ich das alles schon wissen werde und es den Kommentatorinnen auch genau so sagen werde. Oder zumindest nur lächeln, nicken und mit „Ich schon!“ von dannen ziehen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

9 Kommentare zu “„Ich könnte das nicht“

  1. kinder unlimited sagt:

    ich denke, es ist eine Kombi aus Bewunderung, Neid und Selbstbestaetigung:-)

  2. jongleurin sagt:

    Ja, das ist die eher positive Lesart. Dennoch ist es eine Bemerkung, auf die man reflexhaft fast nur mit Rechtfertigungen reagieren kann. Und das stört mich leider so, dass ich die positive Lesart kaum noch schaffe.

  3. kinder unlimited sagt:

    Ich denke, wenn ich auf jeden gehört hätte, hätte ich nicht so ein wundervolles Leben gehabt. Und ich habe nix gemacht, was man so normalerweise macht. Lass es einfach nicht zu nah kommen. Ich habe auch zwischenzeitlich gezweifelt wegen all der Guttuer……bin aber meinen Weg gegangen !!!

  4. jongleurin sagt:

    Oh ja, das klingt gut. Ich zweifele auch höchstens sporadisch. Es nervt nur so ungeheuer. Irgendwann werde ich nur noch Augen rollen und sagen „Jaja, das höre ich oft.“ und gut ist.

  5. kinder unlimited sagt:

    oder Du antwortest auf “ Das könnte ich nie“……“Oh, das tut mir aber leid ;-)“

  6. Zum Glück habe ich so etwas in dem Zusammenhang noch nicht gehört. Außer vielleicht auf meinen Job bezogen, aber nicht, weil ich die Kinder dadurch nicht 24 Stunden um mich herum habe, sondern weil ich eben viel arbeite UND Kinder habe. Eine, die mir immer wieder sagt, „Wie schaffst Du das bloß“, lässt ihre Kinder genau so viel oder gar mehr „fremdbetreuen“, arbeitet aber in der Zeit nur ein paar Stündchen die Woche. Jeder hat sein Modell. Wenn ich sogar von Kollegen gefragt wurde, „und wo sind die Kinder jetzt?“, hätte ich am liebsten geantwortet. „Ach, die sind alleine zu Hause. Die kommen schon klar!“ Traue ich mich aber nie, ich bin dann immer ehrlich und sage, der Papa, Kindergarten, die Großeltern. Unterschwellig ist da aber auch dieses Dings drin, man hätte als Mutter doch gefälligst rund um die Uhr für die Kinder da zu sein.
    Wenn ich demnächst eine Woche auf Dienstreise gehe (mal wieder), wird sich der ein oder andere wohl auch fragen, wieso ich das mitmache. „Wo sind die Kinder jetzt?“ Kinderlose sind übrigens oft besonders schlimm. Scheinen alles zu wissen und haben doch überhaupt keine Ahnung.

  7. jongleurin sagt:

    „Wie schaffst du das bloß?“ finde ich eigentlich sogar etwas netter als „Ich könnte das nicht“ – wobei es immer auch ein Unterscheid ist, ob damit die organisatorische Komponente oder die emotionale gemeint ist. Und ich denke immer, dass die Leute meinen, dass sie es emotional nicht schaffen würden, ihr Kind so lange nicht zu sehen und sich und ihm das anzutun… das empfinde ich als Kritik, und die kommt natürlich nur von Müttern.
    Deine Beispiele sind auch fies. Einen Mann würde das natürlich niemand fragen…! Müsste man mal machen, einfach zurück fragen: „Und deine?“
    Irgendwie scheint es alle Welt anzugehen und kommentierungswürdig zu finden, wenn man etwas anders als traditionell macht. Ich verbuche das mal als „Pioniersopfer“ unsererseits – wir leiden dafür, dass unsere Töchter solche Fragen nicht mehr gestellt bekommen.
    Ächz.

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