Tagebuch 09/15

Es ist wieder der 05. eines Monats – schon September, meine Güte. Wie die Zeit vergeht. Neben der Vergänglichkeit bedeutet dieses Datum, dass Frau Brüllen mal wieder fragt: Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

Folgendes.

07:15 Aufwachen, ganz ohne Wecker, im finsteren Schlafzimmer. Die Krabbe ist mit dem Papa unterwegs,. D. will in die Provinz fahren, um der Einschulung des Sohnes seines Kumpels beizuwohnen. Ich habe andere Pläne: eventuell etwas sporteln, zum Feld fahren und die Feldsalat-, Rucola- und Spinatkeimlinge vor dem Unkraut bewahren sowie am frühen Abend Madame C. in Altona treffen. Lecker schmausen und dann die Stamp-Parade anschauen, mit lustigen Gebilden. Außerdem muss Madame C.s Liebesleben betrachtet werden, das ist nämlich interessant, und die neuesten Reiseerlebnisse ausgetauscht..

07.45 Kaffee im Bett. Der Blick nach draußen und auf die Wettervorhersage (Gesamteindruck: feucht bis nass) lässt mich an den Outdoor-Aktivitäten des Tages zweifeln – also an fast allem heute. Hrmpf.

8:30 Mail von unseren Feld-Verpächtern: Erntediebe gehen um. In Sorge um unsere Kürbisse fasse ich den Entschluss, auf dem Feld nach dem Rechten zu sehen. Vielleicht leihen uns die Lieblingsnachbarn ihr Auto… Ich klingele drüben und merke schon an der Stimmung, dass etwas anders ist. Tatsächlich: das Baby ist da, auf das in den letzten Tagen wegen Übertragung sehr gewartet wurde. Juhu! Gleich das Schlafzimmer stürmen zum Schauen möchte ich nicht, aber ich freue mich schon drauf.

Wegen der Gesamtsituation ist die Verleihung des Autos eher unproblematisch. Ich verziehe mich noch auf einen Kaffee ins Bett, werde dann ein Brot frühstücken, mich in Regenjacke und Wanderschuhe werfen und zum Feld fahren.

10:00 Los gehts. Ein Blick auf den entzückenden, schweren, trinkenden Neubürger geworfen, und ich fahren in strömenden Regen zum Feld.

10:30 Die Ernte ist komplett, ich bin erleichtert. Alle 8 Rotkohle, 7 Kürbisse, 8 Grünkohle, 6 Mangolde, 4 Selleries, 3 Rosenkohlbüsche, 4 Broccoli-Setzlinge warten noch auf ihre Ernte. Der Regen macht Pause, und ich nutze dies, um etwas Unkraut zwischen den Jungpflanzen zu zupfen (Hilfe leistet mein internetfähiges Handy: per Fotosuche kann ich die Keimlinge genau von den Unkrautkeimlingen unterscheiden. Tja, gewusst wie! Die Kolateralschäden werden in der zweiten Jahreshälfte durch diese ausgeklügelte Technik deutlich weniger sein als zu Beginn der Pflanzzeit, schätze ich) und zu ernten. Der Rest der Blauhilde-Bohnen, die letzten beiden Kohlrabi, etwa drei Kilo Kartoffeln, zehn Möhren, zwei Bunde Petersilie und einige Mangold-Blätter landen im Erntekorb.

12:00 Ich komme im strömenden Regen zu Hause an, immer noch kopfschüttelnd über die anderen Autofahrer. Gut, ich fahre im Zweifel sehr defensiv wegen der mangelnden Fahrpraxis, aber warum regen die anderen sich so auf? Ich wurde bestimmt dreimal angehupt, weil ich nicht aus dem Quark kam. Das muss doch total anstrengend sein, wenn man immer so sauer ist.

13:00 Einige der Kartoffeln wandern mit Butter und Petersilie in meinen Magen. Ich putze davor, danach und währenddessen ein wenig die Küche, schmeiße zwei Maschinen Wäsche ein und schaue die erste Folge von Staffel 22: Americas Next Topmodel. Tyra ist einfach die bessere Heidi, und in den USA läuft die Show mit weiblichen und männlichen Models. Ich bin sofort in Dustin, 18 Jahre alt (! Aber er sieht älter aus!), verliebt.

15:00 Schluss mit lustig. Jetzt wird sich bewegt: https://www.fitnessblender.com/videos/at-home-cardio-workout-with-no-equipment-fat-burning-cardio-intervals-

17:00 erfolgreich geduscht und einen Hauch gebrezelt steige ich in den Bus.

17:30 Madame C. steht am Treffpunkt bereit. Wir entschließen uns, in der Filmhauskneipe lecker zu schmausen und setzen dies in die Tat um. Dabei werden ausführlich die Themen Liebesleben, Kinder, Freunde und Freundinnen, sonstige Familienmitglieder und Arbeit erläutert. Das war auch mal wieder Zeit: Madame C. ist Lehrerin und in den Ferien wegen mehrwöchiger Aktivurlaube nicht erreichbar.

20:00 Wir begeben uns zum Startpunkt der Parade. Es ist trocken, aber der Wind mutet orkanartig an. Auch die Paradenteilnehmenden verzweifeln mit ihren riesigen, filigranen Konstrukten. Wäre es nicht so unangenehm, wäre es fast lustig gewesen. Nach einer Stunde gebe ich auf: ich bin für das Wetter nicht richtig angezogen. Regen wäre okay gewesen, Orkan ist schwieriger.

21:00 Schnell nach Hause, ich bin völlig durchgefroren. D. ist auch da, wir schauen noch „Gamer“ – ist okay, der Film, etwas metzelig, aber teilwiese nette Ideen – und schlummern sanft ein.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

2 Kommentare zu “Tagebuch 09/15

  1. Annalisa09 sagt:

    ich warte gespannt. 🙂 vielleicht bekommst du ja auch einen Erntedieb zufassen, inkl. Verfolgungsjagd…

  2. kinder unlimited sagt:

    urban life style problems 😉

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