Nach dem Vorstellungsgespräch – ein Protokoll-Rückblick

1,5 Jahre arbeite ich nun in Hamburg, pendele nicht mehr und fühle mich sehr wohl damit, mit der nun nicht mehr ganz neuen Bürogemeinschaft und mit der zumindest im Wahlkampf spannenden Arbeit. Als ich so darüber nachdachte, fiel mir ein, dass ich damals eigentlich über das Warten nach dem Vorstellungsgespräch bloggen wollte. Der Entwurf war noch online – daher nun, mit 1,5 Jahren Verspätung, endlich der Bericht!

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Das Vorstellungsgespräch liegt hinter mir, und nun beginnt das Warten. In spätestens einer Woche weiß ich Bescheid, sagten sie mir. Das Gespräch selber war nett und entspannt. Ich bin nicht ganz sicher, ob ich alles so betonen konnte, wie es wichtig gewesen wäre – und ich habe vergessen, nach dem Gehalt zu fragen, was mich sehr ärgert. Aber das können wir noch besprechen, falls ich genommen werde. So! Immerhin wurde mehrfach betont, dass meine Bewerbung gut angekommen ist.

Die Arbeit und mein Leben würden so sehr anders sein, auch wenn es beim politischen Bereich bleibt. Weg vom inhaltlichen, hin zur Organisation. Raus aus der Bundespolitik, rein ins Kommunale. Raus aus dem ehrwürdigen Riesen-Bundestag in einen kleinen Neubau. Kein Pendeln mehr, ein Arbeitsweg von gut dreißig Minuten. Um halb acht das Haus verlassen, um halb fünf zu Hause sein. Statt der Bahncard 100 eine Monatskarte für Hamburg. Von den Gesetzgebungsverfahren zu den Bürgeranfragen. Eine merkwürdige Aussicht. Kein Karriereschritt – ein Schritt Richtung Hamburg, ein Schritt Richtung Lebensmittelpunkt. Das ist auch dran, ich brauche zur Zeit keinen Karriereschritt, sondern den Schritt zu mir.

Ich bin nervös. Es würde sich sehr viel ändern, wenn es klappt. Aber immerhin habe ich keinen Druck, auch der Status Quo gefällt mir. Und trotzdem: ich habe so absolut keine Lust darauf, dass wie so oft der Anruf kommt, in dem gesagt wird: „Es war wirklich knapp, aber wir haben uns für jemand anders entscheiden. Sorry.“

Am späten Nachmittag wird etwas obskur eine Gehaltsverhandlung per SMS geführt. Ich bin teuer, wird mir gespiegelt, was ich schlecht aushalte, dabei ist mein Angebot bereits günstiger als die jetzige Gehaltslage. Ich muss mich zwingen, nicht sofort zurück zu rudern. Das wird leichter durch die Feststellung, dass mich zumindest einer der Entscheider deutlich favorisiert, das hatte sich schon während des ganzen Prozesses abgezeichnet. Leider ist er weder der Chef noch mein potentieller Büromitbewohner, also weiß ich nicht, wie viel mir das bringt. Meine Aufregung steigt ins Unermessliche. D. bringt Prosecco für die Nerven mit, und abends treffe ich mich mit Impi und zwei alten, ewig nicht gesehenen Studienfreund_innen zum Trinken in der Schanze. Ein hervorragender Abend.

Am nächsten Tag mache ich mit einem spürbaren Nach-Alkohol-Kopf Home-Office und noch ein Telefonat mit meinem Entscheider-Freund in Berlin. Er sagt Sachen wie „Daran wird es nicht scheitern“, wenn ich meinen Gehaltswunsch ansprechen will. Er will dem potentiellen Chef einen Vorschlag machen, den dieser dann mit mir besprechen soll. Schwester 1, D., die überaus großzügige solidarische aktuelle Büromitbewohnerin und meine potentielle Nachfolgerin werden auf dem Laufenden gehalten – wenn ich aufgeregt bin, muss ich die Aufregung teilen, dann wird sie etwas weniger.

Es wirkt. Mir wird klar, welche Interessen mein Entscheider-Freund verfolgt – ich kann ihn qua Qualifikation am besten entlasten. Diese Einordnung beruhigt meinen Gedankenkreisel.

Danach wird es nicht besser, ich warte und warte und warte. Spätestens in einer Woche! In meinem Verständnis ist „spätestens“ für die Absagen reserviert. Zusagen kommen früher. Aber: nix. Zusätzlich spannend wird das Ganze, weil die Büromitbewohnerin sich weiter fleißig recht konkrete Gedanken zu meiner Nachfolge macht. Geht auch nicht anders, wir teilen uns die Stelle. Aber trotzdem: das drückt ein bisschen.

Gestern abend kommt der jetzige Chef auf mich zu: der potentielle Chef wolle wissen, inwiefern ich parteipolitisch in Hamburg involviert bin. In keinster Weise, kann ich ehrlich sagen – ich trete erst ein paar Stunden später aus Opportunitätsgründen ein. Wat mut, dat mut, denn anscheinend sieht die Sache gut aus. Am nächsten Morgen – wir sind am heute angekommen! – ruft mein Entscheider-Freund an. Der potentielle Chef möchte telefonieren, um 18 Uhr wird der Termin zu diesem Telefonat angesetzt. Ich laufe erstmal das gesamte sechsstöckige Treppenhaus hoch und runter, um die Nervoitätsenergie loszuwerden. Der Rest des Tages ist etwas unkonzentriert.

Und dann endlich – die Zusage. Hamburg, ich komme. Nun ganz und gar!

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