Pendel-Maßnahmen

Mein Leben erscheint mir gerade sehr anstrengend. Anfang Juli hatte ich drei Wochen Urlaub, die ich größtenteils zu Hause verbrachte, was mir sehr gut tat. Die Krabbe war mit dem Papa unterwegs, und in dieser Zeit ist mir einiges klar geworden.

Mein Leben ist gerade etwas zu flexibel, und das wird mir gerade zu viel. Ein Problem ist auf jeden Fall, dass die Flexibilität paradoxerweise Flexibilität kostet. Das Pendeln nach Berlin etwa: super-flexibel von mir. Allerdings kann ich nicht zu einem Abendtermin gehen, ohne eine Übernachtung zu organisieren, weil ich ganz sicher nicht erst um 23 nach Hause in Hamburg komme und um 6:30 wieder das Haus verlasse. Da ist definitiv meine Grenze.

Das Wechselmodell macht mich einerseits flexibler, da die Krabbe die Hälfte der Woche beim Papa ist – andererseits zehrt es an mir und bindet Kräfte, die ich anderweitig nicht einsetzen kann.

Das sind jetzt nur zwei Beispiele. Jede meiner Flexibilitäten zieht einen Rattenschwanz von Folgeeinschränkungen nach sich, die ich endlos aufzählen könnte. Meine Energie wird immer weniger, ich möchte am Liebsten nur noch zu Hause sein oder mich mit der Familie und den drei-fünf liebsten Menschen treffen. Gelegentliche Treffs mit alten Freundinnen, Kontakte halten, an festen Terminen zum Sport – das geht seit einiger Zeit nicht mehr (hier stelle man sich einen reuevollen Blick z.B. zu Frau dekorinnadeln vor.)

Ganz klar: das Pendeln ist das größte Manko. Hier muss sich etwas verändern. Ich habe demnächst ein Vorstellungsgespräch in Hamburg, das ist schon mal gut. Die meisten Probleme würden sich so natürlich sehr elegant lösen. Falls das aber nichts wird, muss ich dennoch Dinge ändern. Denn Jobs, für die ich wirklich qualifiziert bin, liegen nicht gerade auf der Straße herum, vor allem nicht in Hamburg. Daher brauche ich einen Plan B. Ich arbeite gerade an verschiedenen Ideen:

  • ein Hobby für die Zugfahrt. Stricken lernen? Roman schreiben? Das Rumsitzen nervt mich gerade tödlich. Eigentlich bräuchte es ein Sport-Abteil im ICE, da wäre ich Stammkundin.
  • einen Convertible vom nächsten Weihnachtsgeld kaufen. Das macht arbeiten und Filme schauen im Zug sehr viel einfacher.
  • eine zusätzliche Möglichkeit für die Krabben-Betreuung, wenn ich es einmal nicht pünktlich schaffe und D. Schicht arbeitet und nicht kann. Das könnte schwierig werden, aber zumindest sollte ich es versuchen. Ich weiß nicht, was es da gibt: mehr Vernetzung unter Nachbarn? Mal beim Jugendamt fragen oder bei den Stadtteil-Engagierten aler Coleur? Ich habe immer etwas Hemmungen, bei offiziellen Stellen anzufragen, weil ich mich nicht als Zielgruppe empfinde. Aber theoretisch können die mir das dann ja auch selber sagen.
  • eine zusätzliche Möglichkeit für die Berlin-Übernachtung. Die Lieblingscousine ist extrem entgegenkommend, und ich liebe diese Besuche sehr, aber ich will das nicht überstrapazieren. Inzwischen ist sie auch verliebt und hat andere Hobbys, als die Cousine zu bekochen. Ich hätte noch andere Möglichkeiten, aber ich merke, dass es mich stresst, wenn ich nach der Arbeit noch sozial sein MUSS (Lieblingscousine zählt nicht, das flutscht von selbst), damit ich einen Schlafplatz habe. Ich bräuchte eine günstige Möglichkeit, um ganz unpersönlich und steril irgendwo meine Ruhe zu haben und schlafen zu können.
  • Die Arbeitszeiten regelmäßiger machen. Zur Zeit schwankt mein Einsatz je nach Sitzungs- oder Nicht-Sitzungswoche, was mich gerade wahnsinnig macht. Wieder so eine Flexibilität, die einen Hauch irre ist. Das müsste ich mit der Büromitbewohnerin mal besprechen und dem Team – die letzteren werden nichts dagegen haben, es ist einfach irre unübersichtlich, für alle.

So. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Plan B, denn das Vorstellungsgespräch ist so vielversprechend und meine Erwartungen so hoch, dass ich im Falle eines Fails definitiv tief stürzen werde. Die oben genannten Maßnahmen werden die Sturzfolgen mindern.

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4 Kommentare zu “Pendel-Maßnahmen

  1. kinder unlimited sagt:

    Ich drücke ganz fest die Daumen, dass es klappt !!

  2. Greta sagt:

    Wünsche Dir auch, dass das klappt! Ich kann gut nachvollziehen und mir vorstellen, wie kräftezehrend Dein flexibles Leben manchmal ist. Liebe Grüße! Greta

  3. Es scheint ja fast noch komplizierter zu sein als bei uns. Manchmal würde ich mir auch weniger wechselnde Arbeitszeiten wünschen und mehr Kontinuität. Hobbys außer Haus sind hier auch kaum möglich (und werden zurzeit nicht verfolgt, wir sind ja beruflich schon so viel unterwegs, auch abends) und auch das Pendeln nervt sogar mich, auch wenn es „nur“ eine halbe Stunde einfache Fahrt ist. Allerdings mit dem Auto, und es ist einfach Zeit, die einem anderso fehlt. Das habe ich damals nicht bedacht, als ich das Haus „auf dem Lande“ wählte. Ich beneide immer wieder mal die Leute, welche quasi nebenan arbeiten und schnell mal zu den Kindern können, wenn was ist und die abends als Familie immer zusammen sind – oder am Wochenende. Ich drücke Dir die Daumen, dass es bald erträglicher für Dich wird!

  4. […] jetzt bitte mal jemand Bescheid sagen, ob es Plan A oder Plan B wird! Ich bin etwas angespannt wegen der Warterei. Das ist ja schlimmer als nach einem Date (soweit […]

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