Tagebuch 07/2015

Wie jeden Monat am 05. fragt Frau Brüllen: Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Ich antworte. Rahmen: die Krabbe ist Donnerstag Abend mit dem Papa nach Frankreich gefahren, ich vermisse schon jetzt, habe aber auch Urlaub und das Wetter ist großartig.

08:30 Durch das offene Fenster kommen viele Geräusche, ich stehe auf und mache Kaffee. Ein Schritt auf den Balkon: warm ists. In unserer Erdgeschoss-Altbau-Wohnung wird es nie mehr als 23 Grad, das ist toll – an kühleren Tagen müssen wir dafür entsprechend mehr heizen, also kein vorschneller Neid!

09:00 D. plant einen Fahrrad-Ausflug an den See. Ich schwanke, ob ich lieber in der kühlen Wohnung bleiben möchte, entscheide mich dann aber fürs Mitfahren. D.s Kumpel, nennen wir ihn Tobek, und sein Sohn – äh – Kevin kommen mit. (Ja, ich bin nicht so gut im Namen ausdenken, na und?)

09:45 Packen, Fahrrad auf Fahrtüchtigkeit prüfen, und dann: Los gehts.

10:00 Naja,es geht noch nicht los. D. verzweifelt an der Kombination Satteltaschen/Kindersitz an seinem Fahrrad.

10:15 Wir holen Tobek, Kevin und Tanja, eine weitere Freundin, mit den Fahrrädern ab. Dann weitere 40 Minuten fahren, und wir sind an der Dove-Elbe. Tatsächlich ist die Fahrt recht schön, wenn man es erst einmal über die schrecklichen 8-spurigen Elbbrücken geschafft hat: viel Grün, viel ruhige Strecke am Deich lang. Ich fluche dennoch ab und an, weil meine Gangschaltung sich nicht höher als Gang 3 von 7 schalten lässt und ich deshalb gefühlt 100mal mehr strampeln muss als alle anderen.

11:00 Auch an der Dove-Elbe ist es schön, am Olympia-Stützpunkt ist es noch recht ruhig, und wir breiten uns aus. Ich schaue verstohlen nach links und rechts, ob ich stramme olympische Ruderer entdecken kann. Kann ich nicht. Das wird, so viel kann ich jetzt schon verraten, auch so bleiben. Allgemeine Plauderei, ab und zu werfe ich einen Blick in meinen Terry Pratchett und hüpfe ins Wasser.

14:00 Allgemeine Spekulation: wann beginnt der Regen?

14:30 Der Regen-Radar sagt: der Regen beginnt in einer Stunde. Wir brechen auf. Leichtes Nieseln setzt ein, aber nichts schlimmes. Die Tropfen wirken etwas abkühlend und sind damit willkommen.

15:30 Endlich zu Hause! D. und ich gehen zur Eisdiele, bevor der Kreislauf ganz aufgibt. Hier treffen wir die Nachbarn und erfahren, dass ein Hof-Nutzerinnen-Treffen mit dem Vermieters-Sohn angesetzt wurde, um 17 Uhr. Hintergrund: der Mann hat einen recht aggressiven Brief an alle Miet-Familien geschrieben, deren Kinder auf dem Innenhof spielen. Kurzfassung: Die Kinder spielen und dadurch entstehen Veränderungen, etwa dass der Rasensprenger verstellt ist, die Wasserhähne geöffnet, Erde im Sandkasten. Die angedrohte Konsequenz: Die Schließung des Innenhofs. Garniert ist der Brief von Vokabeln wie schlagen, treten, Fresse etc – es mutet beinahe trollend an. Hier den persönlichen Austausch zu suchen, scheint sinnvoll, denn solche Dinge kann man schreiben, sagt man sich aber meistens nicht ins Gesicht.

17.00 Der nerdige Vermieterssohn ist sich keiner Schuld bewusst – so ein Brief sei durchaus richtig, wenn sich bei ihm die Wut anstaut, und er bekommt Rückendeckung von seinem auch anwesenden Bruder. Der Rest der Hofnutzerinnen schaut erzürnt bis nachsichtig – der Mann ist tatsächlich keine soziale Begabung, er kann es nicht besser. Aber trotzdem, mich regt so ein Umgangston auf. Dann wird von den Vermieter-Söhnen gemeldet, dass die schuldige Familie sich gefunden hätte, hier aber gerade nicht anwesend sei. Der Brief, so wird impliziert, war also ein voller Erfolg und hat seinen Zweck als Instrument der Wahl erfüllt. Die anderen Anwesenden zweifeln heimlich. Gemeinsam wird darum gebeten, solche Briefe zu vermeiden und die persönliche Ansprache zu wählen. Etwas fruchtlos, dieses Treffen, wir werden sehen, was passiert.

18:00 Der Rest des Abends wird für sich verbracht. Ich schaue etwa vier Folgen Orange Is The New Black in meinem Bett und schlummere dann friedlich ein.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

2 Kommentare zu “Tagebuch 07/2015

  1. Schließung des Innenhofs… Das ist Deutschland, ganz besonders kinderfreundlich… (#+_+)

    • jongleurin sagt:

      Vor allem merkwürdig, weil der Innenhof extra für die Kinder gestaltet wurde. Na ja, kinderlos, sozial unbegabt und Vermietersohn ist da keine gute Kombi, da kann man all seinen Frust so schön projezieren… Hier wird auch gerade viel Kopf geschüttelt.

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