Tagebuch 05.15

Frau Brüllen fragt mal wieder: was machst du eigentlich den ganzen Tag? Ich antworte.

05.45 Heute klingelt der Wecker etwas früher, damit ich trotz Bahnstreik den Weg von Homebase Hamburg ins Büro nach Berlin schaffe. Laut Notfallfahrplan der Bahn sollte alles klappen. (Ich bin beim Aufstehen immer noch sauer vom gestrigen Abend, weil der Papa der Krabbe jegliche Terminkommunikation verweigert, die ihn in irgendeiner Form verpflichten könnte. Es geht darum, in 5 Monaten ein Wochenende zu tauschen. Ist schon verwegen von mir, er kann doch gar nicht wissen, ob er da nicht vielleicht surfen fahren möchte! Per E-Mail geht das natürlich super mit dem Verweigern, man muss ja einfach diesen Teil der Mail ignorieren – telefonische Absprachen will er nicht, weil nicht nachvollziehbar, per Mail antwortet er immer weniger oft und immmer unfreundlich. Ich habe langsam die Faxen dicke, das ist ja wie in der Beziehung: ich mache die ganze zwischenmenschliche und Familien-Orga-Arbeit. Da muss sich was ändern, immerhin habe ich extra Schluß gemacht, damit ich mich unter anderem damit nicht mehr rumschlagen muss.)

6:00 D. macht Kaffee, schnell ein Brot für die Fahrt einpacken, Laptoptasche schnappen, Übernachtungssachen checken (die Berlin-Cousine hat heute die Ehre!), und los geht’s.

06:30. Der Bus fährt, die S-Bahn fährt, der ICE fährt. Ich bin zufrieden. Nur der leere Hauptbahnhof ist etwas gespenstisch, wie in einem „Eine Seuche ist ausgebrochen und die Menschheit komplett dezimiert“-Film.

07:00 Ich versuche mich mit dem I-Phone bei Frau Brüllen einzuloggen und verzweifele. Wieso will das doofe Tool auf einmal, dass ich ein blogger.com-Konto erstelle? Und meine google-account-Daten? Das war doch sonst nie so. Ich widme mich lieber dem Meinungsartikel über Alleinerziehende, den ich für den Chef schreibe.

08:54 Der Zug kommt mit den obligatorischen 5 Minuten Verspätung an. Damit kann ich leben.

09:15 Ich stürme das Büro.

10:00 AG-Sitzung, so allerlei wird besprochen. Kinderbeauftragter, Erzieherinnen-Streik, Anträge der Regierung und der Opposition und den Umgang damit.

11:30 Ich gehe mit der Bürokollegin Mittagessen: Spargel, Sauce Hollandaise, Kartoffeln und Salat. Das Cordon Bleu verkneife ich mir heldinnenhaft.

12:10 Die Bürokollegin macht Kaffee. Mit Soja-Milch. Wo bekomme ich jetzt echte Milch her?

13:00 Ich versuche mich weiter an den Alleinerziehenden.

15:00 Fraktionssitzung. Ich würde gerne hier ein wenig plaudern, was so besprochen wurde, allein – geheim!

16:30 Anruf von D.: in der Stuhlprobe der Krabbe wurden Bakterien gefunden, am Telefon wollte die Ärztin keine Auskunft geben, aber eventuell meldet sich das Gesundheitsamt noch bei uns. Ich bekomme Puls, Schnappatmung und einiges mehr. Bei der Ärztin ist inzwischen geschlossen, das Gesundheitsamt auch nicht mehr da, und ich habe rege Bilder von der dahinsiechenden Krabbe vor meinem inneren Auge.

17:00 Anruf beim Papa ergibt: der Krabbe geht es gut. Beschlusslage: einer von uns geht in den nächsten Tagen bei der Ärztin vorbei und holt die Ergebnisse. Da alle Beteiligten sehr entspannt wirken, beruhige ich mich langsam auch wieder. Und das alles im Büro!

18:00 Ich verlasse das Büro und gehe zu COS. Ich will auch mal schicke Klamotten kaufen, so richtig edgy und fancy und stylo! Kleider!

19:00 Schicke Klamotten sind nichts für mich. Ein Kleid, so beschließe ich, muss eine Taille haben und etwas oberhalb des Knies enden. Kastige Midi-Exemplare stehen mir nicht. Immerhin habe ich einige Male gekichert, wenn ich in der Umkleidekabine in den Spiegel geschaut habe.

19:30 Immerhin habe ich bei H&M noch Unterwäsche ergattern können. Das ist schwieriger, als es scheint: D. mag keine Spitze, da fallen schon mal 95% der Sachen bei H&M weg. Ich habe ein breites Kreuz und eine ganz kleine Oberweite, das macht den BH-Kauf einerseits zur Qual und andererseits etwas unnötig. Seit der Schwangerschaft geht aber ganz ohne irgendwas drunter auch nicht mehr gut. Aber das Wunder ist geschehen, ich habe etwas formidables, perfekt passendes gefunden. Also Einkaufstipp von mir: hmprod Das Zweierpack bügellose T-Shirt-BHs! Konfektionsgröße 40! Ich habe auch noch etwas gekauft, dass einen Hauch verruchter ist, aber dazu gibt es leider kein Bild bei H&M online. Noch zwei seamlesse Slips (wie geil sind die denn bitte, das ist viel besser als jeder öddelige String auf der Welt), und ich fühle mich seit Jahren mal wieder unterwäschtechnisch gerüstet.

20:20 Treffen mit der Cousine im Supermarkt: Lamm und Broccoli und Sekt. Diese verputzen wir rasch in ihrer schönen Wohnung im Prenzlauer Berg. Der Sektkonsum am Wasserturm wird wegen Wassers von oben gestrichen – wir lungern auf der Couch und quatschen, bis es Zeit zum Schlafen gehen ist.

(Außerdem: laut Schrittzähler in meinem I-Phone bin ich 13.000 Schritte gegangen! Ich bin ein Tier.)

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