Leseliste Urlaub – Plan und Wirklichkeit

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Ich hatte hier eine recht ambitionierte Liste mit Urlaubsliteratur vermerkt, das meiste befand sich auf meinem extra angeschafften E-Book-Reader und war lange, sorgsam und zeitintensiv ausgesucht. Alleine: es kam anders, als ich dachte. Der erste Realitätsschock kam abends nach der Landung in Bangkok im Hotel: vergessen, das Ding. In der Sitztasche im Flugzeug. Ich so: aaaargh! Zum Glück hatte ich zumindest ein analoges Buch dabei. Und das Gute: auf das war ich besonders scharf, also hatte ich jetzt keinen Grund mehr, es nicht zuerst zu lesen. Es handelte sich um

Tana French: Geheimer Ort.

Das Buch fiel gegenüber den anderen der Autorin für mich etwas ab. Es war mir etwas zu viel Mädchen-Glitzer-Welt und Jugendsprache – diese war einerseits ganz gut umgesetzt, andererseits finde ich immer: wenn man beschließt, die Dialoge so zu schreiben, wie die Menschen sprechen, muss man das bei allen Charakteren machen und nicht nur bei einer Gruppe, um deren Andersartigkeit zu den normal druckreifen Dialogen zu betonen. Und was dieser kleine Twist mit dem Übersinnlichen sollte, habe ich nicht verstanden, das wurde nicht aufgelöst. So etwas nervt mich, ich habe dann immer das Gefühl, dass ich hätte mehr mitdenken sollen und da versagt habe.

Das war dann auch schnell ausgelesen. In Bangkok ging es dann in einen riesigen Bücherladen, wo ich Nachschub besorgte:

Stephen King: Salem´s Lot.

Schon ganz geil. Wenn ich nicht irre, das zweite Werk des Meisters aus dem Jahre 1975. Die Vampire glitzern nicht, lieben nicht, sprechen wenig und erinnern mehr an Zombies. Ganz altmodisch. Sehr gerne gelesen.

Ich merkte schon, das würde nicht lange vorhalten. Der Reiseführer verriet mir für unsere nächste Station Chiang Rai einen kleinen Gebraucht-Bücherladen, Orn´s Bookshop, mit der Reiseliteratur der aus aller Welt in Chiang Rai strandenden Backpacker. Frohgemut eilten wir dorthin. Orn entpuppte sich als freundlicher Franke, der die Krabbe toll fand, von seinen drei thailändischen Kindern erzählte, mir Rabatt gab, weil Kinder eh schon so teuer sind und mir netterweise empfahl:

Ken Follet. World Without End. Den Autor finde ich seit seinen letzten Büchern etwas bedenklich, nur Sex und Krieg, ich mußte mich ab und an mit Blick auf das Cover vergewissern, dass ich nicht in einem Nackenbeißer-Roman gelandet bin – aber dieses war das Sequel von Säulen der Erde! Ich konnte nicht widerstehen, auch deshalb, weil ich mir das auf Englisch trotz des enormen Volumens sehr machbar vorkam. Wunderbarer Schmöker, ich muss es sagen. Und mit einem Orn´s Bookshop-Aufkleber eine schöne Erinnerung.

Mario Vargas Llosa: Das Fest des Ziegenbockes. Ebenfalls aus dem Bookshop und mitgenommen, weil Llosa auch der Plan-Leseliste stand. Ich habe mal reingeschaut und fürs erste abgebrochen,weil mich die ersten Seiten nicht packten und Merthins Abenteuer im mittelalterlichen Kingsbridge so verlockend warteten. Vielleicht bekommt es später eine Chance.

Insgesamt las ich sehr viel weniger als gedacht, was teilweise an dem vielen Englisch lag, in dem ich generell sehr viel langsamer lese, aber definitiv auch an der Krabbe. Eine Zweijährige zu unterhalten ist recht zeitintensiv, auch wenn D. und ich uns wirklich gut abgewechselt haben, das flutschte ohne große Diskussionen. Trotzdem schielte ich oft neidisch zu den Kinderlosen, die den ganzen Tag herumsaßen und lasen, und fantasierte darüber, den nächsten Urlaub komplett alleine zu verbringen.

Nun ja, fast alleine: ich und meine Leseliste.

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