Tagebuchbloggen Februar 2015

Frau Brüllen fragt: Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Ich antworte an meinem arbeitsfreien Tag, die Krabbe ist seit zehn Tagen bei mir.

6:40 Ich erwache vom rücksichtsvollen Geraschel D.s aufdem Flur, die Füße der Krabbe in meinem Kreuz tun ihr Übriges, dass ich nicht wieder einschlafen kann. Ich habe einen kapitalen Schädel und wundere mich kurz – drei Gläser Sekt am gestrigen Nachmittag können doch nicht so lange nachwirken? Da fällt mir ein, dass ich ja jetzt erkältet bin. Die Krabbe ist inzwischen wieder fieberfrei, aber gestern sehr weinerlich gewesen. Erst auf dem Kindergeburtstag ließ sie wieder Fröhlichkeit erkennen und aß endlich wieder etwas. Waffeln und Würstchen. Heute geht sie wieder in die Kita. Endlich. Sechs Tage krankes Kind haben mich sehr angestrengt.

07:00 aufstehen, Kaffee machen, kurzes Schnacken mit D. Ich übernehme den schweigsamen Teil, ich bin gerädert.

07:15 Krabbe wecken. Sie ist immer noch etwas wehleidig, und ich bin schwer am Überlegen, ob ich ihr nicht doch die Antibiotika für ihr Ohr geben soll. Eigentlich dachte ich, wenn sie fieberfrei ist, kann ich das auch lassen, aber irgendwas ist noch nicht ganz koscher. Nun ja, vielleicht auch nur die Nachwehen der Krankheit. Ich beschließe, bis heute Abend abzuwarten.

08:05 Wir steigen in den Bus zur Kita, die Krabbe ist etwas besser gelaunt als sonst in den letzten drei Tagen. In der Kita ist die Freude bei der Ankunft in der Mäusegruppe groß, ich bekomme auf Nachfrage ein Küsschen auf die Wange, dann schmeißt die Krabbe die Tür von innen zu. Ich bin entlassen.

8:35 Ich hole mir einen Cappuccino und ein Kartoffelbrötchen beim türkischen Café um die Ecke und steige in den Bus zurück.

08:55 Der Klamottenladen, wo ich ein rotes T-Shirt für den Kita-Fasching besorgen will, hat noch nicht offen. Ich gehe erstmal nach Hause.

10:00 Ich gehe nach dem Frühstück und etwas Internet zurück zum nun offenen Klamottenladen, der keine roten T-Shirts hat. Ich beschließe, deswegen nicht in die Stadt zu fahren – ich bin doch faul! Und erkältet! -, sondern die entzückende Nachbarin danach zu fragen, ob sie eines von ihrer kleinen Tochter entbehren kann. Ich wackele zum Supermarkt und tätige die nötigsten Einkäufe.

11:00 Die Anfrage an die Nachbarin wird positiv beschieden. Ich gammele ein wenig und kläre bei der Arbeit, wann ich wieder da sein werde… die Kommunikation ist etwas chaotisch. Man merkt, dass die Sekretärin, unser Goldstück, krank ist.

12:00 Ausführliches Duschen. Ich finde es immer toll, tagsüber in Ruhe zu duschen. Wenn die Krabbe da ist, mache ich das erst, wenn sie abends schläft. Das ist auch nett, aber etwas Abwechslung gibt dem Leben Würze. (Ich bin schon ein Punk.)

12:30 George R.R. Martins Kurzgeschichten lesen.

13:30 Herrliche Fertigsuppe esen: Kartoffel-Meerrettich mit Rind aus dem Kühlregal. Ich liebe das Zeug und lege ohne mit der Wimper zu zucken 4,29€ dafür auf den Tisch. Danach noch etwas Internet. Zum Iron Man 3 schauen kann ich mich nicht aufraffen.

14:45 Ich gehe zum Bäcker, besorge einen Kaffee und steige in den Bus zur Kita.

15:30 In der Kita berichten die Erzieherinnen von einer etwas ruhigen, nicht besonders hungrigen Krabbe. Sonst sei alles in Ordnung gewesen. Die Krabbe hopst mir freudig entgegen, aber kaum verlassen wir die Kita, sinkt die Stimmung. Sie will auf den Arm, was ich bei 12 Kilo Lebendgewicht nicht schaffe, wenn ich gleichzeitig einen Buggy schieben muss. Alles, was passiert, fordert wildes Geschrei heraus. Ich versuche dennoch den Besuch in der Bücherei, was sie eigentlich immer gut findet. Heute nicht – sie will den Buggy nicht verlassen und fordert mich lieber auf, ihr diverse Dinge aus der Kinderecke zu bringen. Ähm… nein, so war das nicht gedacht. Ich bringe um den lieben Frieden willen zwei Kuscheltiere, dann ziehen wir weiter nach Hause.

17:00 Kreischen, auf den Arm, heulen – die Krabbe scheint fertig mit den Nerven zu sein. Aus Notwehr setze ich sie und mich mit dem Schnuller in mein Bett, klemme das Kind in meine Kuschel-Armbeuge und lese weiter George R.R. Martin. Die Krabbe schnullert wonnig, turnt etwas auf mir herum und ist wieder etwas ausgeglichener, zumindest bis sie fröhlich anfängt, mich zu kratzen, beißen, schlagen. Ach, dieses goldig entzückte Lachen dabei… Herzig. Entnervt wird sie nach Ankündigung auf den Boden verfrachtet, wo sie anfängt, mit den diversen Zäpfchenschachteln zu spielen, die sich auf dem Nachttisch angesammelt haben. Selbstbeschäftigung! Das erste Mal seit einer Woche! Ich bin etwas erleichtert, anscheinend war sie nur müde und nicht wieder krank.

18:15 Es gibt Pommes. Die Krabbe hat vorher schon fleißig Fruchtbrei gemümmelt, nun mümmelt sie Pommes und lutscht hingebungsvoll Ketchup von den Kartoffelstäben. Ich bin froh, dass sie isst. Nach dem Essen putzt sie so ziemlich alles in der Küche, ich lese BRIGITTE am Küchentisch. Der Trick ist zur Zeit, überall etwas zu lesen herumliegen zu haben, für den Fall, dass die Krabbe sich spontan selbst beschäftigt.

19:30 Kleines nervliches Tief, als das Nachtfläschchen verschüttet, während die Krabbe mir juchzend den Puppenwagen in die Kniekehle rammt.

19:45 Bad-Action. Das mit dem Zähneputzen will generell nicht so klappen.

20:00 Petterson und Findus.

20:24 Krabbe schläft. Ich bin durch, aber es war immerhin besser als gestern. D. kommt gleich nach Hause, der Rest des Abends wird ruhig, denn morgen früh fahre ich nach Berlin.

Gute Nacht, liebe Welt!

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